Druckausgleich: 10 Tipps gegen den Corona-Blues

Druckausgleich: 10 Tipps gegen den Corona-Blues

Die Ausnahmesituation durch die immer noch andauernde Pandemie schabt an unseren Nerven. Was du jetzt gegen Trübsinn tun kannst.

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Eine graue Frage hängt in der Pandemie stets vorwurfsvoll über allen anderen: Darfst du dich bescheiden fühlen, obwohl es anderen noch viel schlechter geht? Ja. Du darfst. Der Corona-Blues kann jede:n packen. Dieses hinterhältige Format des Trübsinns unterscheidet nicht nach Ausgangslage oder Einkommenshöhe, die ganze Krise nervt einfach nur noch.

Das heißt aber nicht, dass du dem Trübsal hilflos ausgeliefert bist. Wir haben 10 wie immer praxiserprobte Tipps für dich, mit denen du hoffentlich einen guten Druckausgleich schaffst.

Ein Hinweis vorab: Unsere aufmunternden Tipps für den Corona-Blues sind für typische Durchhänger in der Krise gedacht, wie sie wohl alle gerade kennen oder kennenlernen. Keinesfalls können diese Hilfestellungen aber eine professionelle Unterstützung ersetzen oder dir bei einer Depression helfen.

Telefonseelsorge Rufnummern 0800-111 0 111 oder 0800 – 111 0 222

»Sorgen kann man teilen«, so lautet das Credo der bundesweiten Telefonseelsorge. Unter den Nummern 0800-111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 kannst du dich rund um die Uhr kostenlos telefonisch melden und anonym beraten lassen. Mehr dazu hier: www.telefonseelsorge.de/

Bitte pass‘ auf dich auf.

1. Gegen den Corona-Blues: Die smartere To-do-Liste

Kein weiterer Produktivitäts-Hack, sondern eine praktische Überlegung zur Tagesform. Statt dich schlecht zu fühlen, wenn deine Stimmung durchhängt und du gefühlt nichts geschafft bekommst, solltest du deine Aufgaben anpassen. Mach‘ doch einfach mal drei Versionen deiner Liste: Erst die normale, auf der alles steht. Dann eine abgespeckte Version, auf der die wichtigsten Punkte stehen, die keinesfalls geschoben werden können – und eine Powertrip-Version für die energiegeladenen Tage, an denen du fast nebenbei auch die ollen Fossilien ausheben kannst, um sie endlich loszuwerden.

So wirst du nicht automatisch mit der ganzen Lawine an Erledigungen konfrontiert, sondern suchst dir das heraus, was gerade gut funktioniert.

2. Organisiertes Abgranteln

Meine Textkollegin Karin Hirmer hatte die großartige Idee, vor Ostern per Zoom eine Grantelparty abzuhalten, bei der sich alle mal so richtig ausschimpfen konnten. Das hat erst überhaupt nicht gut geklappt, weil zuerst niemand etwas zu meckern hatte – aber das hat dann auch herausragend geklappt, weil die Stimmung so gut war und die Netzwerk-Kolleginnen sich über das virtuelle Wiedersehen gefreut haben. Ganz am Ende haben dann auch einige Teilnehmerinnen die Gelegenheit genutzt, ihr Herz in den Video-Call zu kippen.

Sich mit anderen zu verbinden, die in einer ähnlichen oder ganz anderen Lage sind, kann allen helfen: Zuhören ist ein wichtiges Geschenk.

3. Einfach Dinge mal ganz anders machen

Die ersten beiden Tipps auf unserer Liste sind eventuell nicht das gewesen, was du erwartet hast. Denn die üblichen (guten!) Ratschläge wie »Spazierengehen und genug Schlaf« drängen sich ja förmlich auf, was natürlich daran liegt, dass etwas dran ist. Aber kannst du nicht auch andere Sachen einfach mal völlig anders machen als bisher, um aus dem trüben Trott zu kommen? Vielleicht ist gerade die Zeit für den Supermarktbesuch bei Sonnenaufgang oder einen wöchentlichen Käsekuchentag. Jede:r von uns hat Routinen. Stell welche auf den Kopf.

In Krisen sind zum Beispiel viele Menschen zwischen 3 und 5 Uhr früh unruhig und bleiben wach, obwohl sie schlafen sollten. Später sind sie dann gerädert. Warum nicht einfach die Zeit nutzen, als wäre es schon 8 Uhr früh, duschen und Mails abarbeiten – und dafür später dann eine Stunde länger schlafen?

4. Bauch rein, Brust raus: Selfie-Time!

Wahrscheinlich ist es schon eine Weile her, dass du einen ganzen Arbeitstag lang eine unbequeme Hose oder Straßenschuhe getragen hast. Man hat ja schnell die Routine heraus, wie man im Video-Call »Oben Hui, unten noch nicht Pfui« spielt und sich beim Arbeiten gemütlich in der Gegend ablegt im Home-Office. Jetzt mal unter uns: Kannst du’s denn noch? Wie viel extra Zeit brauchst du denn, wenn du dich plötzlich so aufbrezeln sollst, als würdest du auf einer Bühne stehen? Aktuelle Profilbilder brauchst du sowieso, also geh‘ auf ein Date mit dir selbst. Wirf dich in Schale, mach dir ein Bild von deiner Business-Persona.

Wenn du ganz bestimmt kein gutes Selfie brauchst, dann bleibt immer noch die Möglichkeit, mit anderen einen Cocktail, Champagner oder noblen Tee zu trinken per Zoom oder Teams und sich dafür ordentlich herauszuputzen.

5. Zeit für haptische Erfahrungen

Sicherlich ist dir nicht entgangen, dass eine große Brotbackwelle durchs Land geschwappt ist, als die Corona-Phase anrollte. Vielleicht hantierst du längst mit dem perfekten Teig, aber auch dann kannst du dich eigentlich mal umschauen, ob es nicht irgendwas in deinem Haushalt gibst, das du umweltschonend, geldsparend oder regional selbst und anders machen kannst. Flüssig-Waschmittel zum Beispiel, oder den liebsten Schokoriegel. Ist das etwa ein Fertigmüsli? Hast du schon mal Kräuter selbst gezogen?

Du kannst dich und andere überraschen, wenn du die Dinge »in die Hand nimmst« und mit Hirn und Händen an ganz neuen Aufgaben arbeitest. Nicht unbedingt basteln – als Mutter finde ich, das Problem mit dem Basteln ist, dass man dann gebastelte Sachen hat. Aber ein Upgrade für ein alltägliches Verbrauchsmittel herstellen, das ist eine gute Erfahrung.

Du bist nicht alleine mit deinem Corona-Blues

Auf uns selbst zurückgeworfen und mit uns oder unseren Lieben alleine weggesperrt vergessen wir zu schnell, dass es gerade allen so geht.

Die einen müssen tapfer sein und auf Kontakte verzichten, die anderen müssen ihren Mut zusammennehmen und mit einem Mix aus Menschen arbeiten, die unterschiedliche Hygieneprioritäten setzen.

Du fühlst dich zwar nicht besser, wenn es auch anderen schlecht geht. Aber hoffentlich weniger alleine und down, wenn du dir ins Gedächtnis zurückrufst, dass der Druck auch von außen kommt und nicht nur aus deiner eigenen schwierigen Situation heraus.

Wenn du dich öffnest, wirst du schnell feststellen, dass es anderen auch so geht.

Du bist nicht alleine.

6. Liebenswürdigkeit versprühen

Nett sein, sich nicht in Timeline-Kommentarkämpfe verwickeln, auch mal drei schiefe Meinungen gerade sein lassen und sich nicht angegriffen fühlen, wenn andere Menschen abweichende Ansichten haben: Alles schön und gut, aber sei doch einfach mal so richtig nett. Schreib‘ in deinem Netzwerk und auf Google Bewertungen, mach‘ dir die Mühe mit einer netten Rezension und wenn du siehst, dass andere viel Hirnschmalz und Herzblut in ihr Blog gekippt haben, drück doch einfach mal auf »Teilen«, wenn so ein Beitrag in deiner Timeline auftaucht.

Das Beste an Nettigkeiten ist, dass sie sich immer weiter verbreiten, wenn man sie konsequent aber ehrlich betreibt. Wenn du es ernst meinst, spüren die anderen das – und die Liebenswürdigkeit wird erwidert.

7. Die wichtigsten Muskeln trainieren

Wann hast du zum letzten Mal so richtig aus vollem Bauch gelacht? Wenn du dich nicht erinnern kannst, wird es wahrscheinlich Zeit für einen legendär schlechten Film oder ein Buch mit einem so hohen Peinlichkeitsfaktor, dass man sich von Seite zu Seite kichert. Du musst auch gar nicht selbst nach schlechten Filmen suchen, das Internet ist voll von Menschen, die sich diese Mühen bereits gemacht und »Worst Movies«-Listen erstellt haben. Mir reicht ja schon die Idee hinter Sharknado 1 bis 6 und ich muss lachen, ohne jemals einen dieser Filme gesehen zu haben.

Wie jede einfache Idee kann auch diese jederzeit ein Upgrade erfahren, wenn du andere nach ihren schlechtesten Filmen fragst und ihr zusammen eine Zoom-Party macht, bei der alle den Film gleichzeitig starten.

8. Fünfe gerade sein lassen

Wenn du dich online umschaust, ist Selbstoptimierung das neue Hobby der Nation. Du hast aber schon Stress genug, sonst würde es dir besser gehen: Die Welt ist in der Krise und die Zukunft ungewiss. Wenn du also zufällig nicht zu denen gehörst, die jetzt rund um die Uhr an sich arbeiten, so ist das völlig in Ordnung. Einfach mal dasitzen und in die Gegend (oder die Wohnung) schauen ist als Beschäftigung für mehrere Stunden wöchentlich total okay.

Leerlauf und Entspannung sind Voraussetzung für Kreativität. Das alleine ist schon ein Grund, dich nicht mit straffen Zeitplänen zu stressen über die ganz normalen Deadlines hinweg.

9. Fünf-Sterne-Modus für dich selbst

Sei nett zu dir. Achte darauf, dass du gute und frische Sachen kochen und essen kannst und nicht im ersten Stressanfall völlig auf Fast Food zurückfällst. Wenn du aber Heißhunger auf Pizza oder Pommes hast, dann mach ein Fest daraus und nicht einen hastigen Snack nebenbei. Frühstücks-Picknick im Bett, Motto-Brunch per Zoom mit Freunden oder ein herrliches kleines Menü am Badewannenrand: Dir fällt da schon was ein. Auch sonst ist jetzt Wellness, Dankbarkeit und bewusstes Leben angesagt. Was kannst du dir gönnen und weißt es dann auch zu schätzen?

Dazu zählen übrigens auch Tools und Apps, die du dir bisher verkniffen hast. Es ist locker viel mehr als 10 oder 15 Euro monatlich wert, wenn deine Daten automatisch in die Cloud gesichert werden, deine Belege automagic gebucht werden oder du eine Pro-Version von einem coolen Tool nutzen kannst.

10. Genug Schlaf, genug Wasser, genug Frischluft

Fällt es dir schwer, auf Bewegung an der frischen Luft zu setzen – zum Beispiel, weil du nicht gut schläfst und dich immer müde fühlst? Ein so genannter »Habit Tracker« kann dir helfen, ein einfaches Protokoll deiner Gewohnheiten, um die richtigen Stellschrauben zu finden. Zum Beispiel als letzte Amtshandlung vor dem Schlafengehen kein Griff nach dem Smartphone, sondern nach einer neuen Sorte Abendtee. Oder dreimal um den Block laufen statt geradeaus zum Briefkasten, wenn du sowieso gerade unterwegs bist. Einerseits solltest du notieren, was du bewusst tust, wie Wasser trinken. Andererseits dich selbst ein bisschen austricksen und mehr Ruhe und Abstand herausarbeiten, wo immer es sich gar nicht zufällig ergibt 🙂

Es müssen gar nicht die ganz großen Dinge sein. Mehrere kleine, einfache sind ebenso wirksam.

*

Du hast bis hierhin gelesen. Was sind deine Methoden, um mit dem Corona-Blues klarzukommen? Die zuverlässigen Basics oder hattest du noch ganz andere Ideen? Wir freuen uns, wenn du es uns erzählst.

  • Foto Adobe Stock Von Jovo Jovanovic/Stocksy
Über die Autorin
Carola Heine
Up to date: Trends, Insider-Wissen und Online Navigation

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  1. Carola Kleinschmidt | 10.04.2021 | 09:17

    Danke für die guten Tipps. Das mit dem Lachen ist ne gute Idee. Nach all den Spaziergängen, Selbermach-Anfällen und so, ist mir das ein wenig untern Tisch gefallen. Haha.