Friends will be Friends – arbeiten für Freunde und Bekannte

Friends will be Friends – arbeiten für Freunde und Bekannte

Jeder Selbstständige kennt diesen unausweichlich eintretenden Moment, in dem ein Nachbar, Freund oder gar Verwandter eine geschäftliche Anfrage stellt.

Leider in der Regel nicht, weil er oder sie sich auf dem Markt umgeschaut hat und begriffen hat, wie exzellent und einzigartig die Arbeit ist, die von Dir als Profi geleistet wird.

Sondern weil es ein naheliegender und komfortabler Gedanke ist, jemanden aus der Nähe anzusprechen, den man schon kennt: Weil es nett ist, praktisch irgendwie. Aber auch …

… um einen Spezialpreis zu kriegen, auch „Freundschaftspreis“ genannt – und besonders guten Service, denn wer möchte es sich schon mit einem Bekannten verderben?

Gerne fängt so ein Gespräch auch mit dem alten „eine Hand wäscht die andere“ an. Aber vom Händewaschen kannst Du als Profi leider nicht leben.

Außerdem willst Du ja Deine Freundschaft bewahren oder den Frieden im Familienkreis, das kommt noch dazu.

Nur in ganz seltenen Fällen ist es im Leben so, dass zwei Menschen sich gegenseitig einen Gefallen tun im Tausch und am Ende beide wirklich zufrieden damit sind.

Gehen wir also einfach mal davon aus, dass Du schlau genug bist, Dich gar nicht erst auf Tauschgeschäfte und gegenseitige unbezahlte Gefallen einzulassen, sondern diese überaus zuverlässige Frustquelle einfach auslässt.

Denn auch bezahlte Aufträge mit Freunden und Verwandten als Kunden bieten noch genug Sprengstoff für Beziehungen. Das fängt mit der Höhe der Entlohnung schon an.

Der Unterschied zwischen Networking, Gefälligkeiten und erfolgreich abgewickelten Arbeiten für Freunde? Geld.

Es scheint ein Naturgesetz zu sein: Ein Bekannter, Nachbar oder Verwandter reagiert wirklich sehr häufig geschockt auf jeden Preis, den Du nennst.

Egal ob Du den normalen Marktpreis nennst, einen soliden Rabatt anbietest oder von vornherein auf Taschengeld-Niveau gehst: Du kannst Dich darauf verlassen, dass es Deinem Gegenüber einfach sehr, sehr viel vorkommt.

Schließlich seid Ihr Freunde (oder schlimmer, verwandt) und im Grunde wäre es am Schönsten, man würde Dir gar nichts zahlen müssen oder sich mit einer gemeinsamen Pizza bei Dir revanchieren.

Natürlich ist etwas, das wenig kosten soll, dem Empfänger dann gefühlt auch fast nichts wert oder so kommt es einem oft vor.

Leider völlig unabhängig von Deinem echten Marktwert wirst Du Dich aber beim Arbeiten für Freunde meistens mit sehr hohen Anforderungen auseinandersetzen müssen.

Zu schätzen wissen die lieben Bekannten Deine Beratung wahrscheinlich auch nicht. Denn wenn wir ehrlich sind, gelandet sind sie schließlich bei dir, weil sie zu der zähesten Nervenfressergattung auf dem Planeten gehören:

Den Kleinstkunden ohne Budget, die sich keine große Agentur leisten können, bei ihrem Auftrag aber Fünf-Sterne-Service 24/7 erwarten und auf Hinz, Kunz und den Kioskbesitzer von nebenan hören, aber nicht unbedingt auf Deine Expertenmeinung.

Stell Dich also schon mal darauf ein, dass jeder Vorschlag von Dir mit dem Nachbarn fachmännisch besprochen werden wird, weil dessen Sohn schon mal in der VHS Marketing unterrichtet hat.

Oder dass Du Dich damit auseinandersetzen musst, dass Dein Freund Dein Angebot vom Kegelclubkumpan gegenprüfen lässt, der immerhin seit 15 Jahren die CT liest und daher als Experte genau weiß, wovon er spricht und Dein Angebot kritisch beäugen darf.

Das Feedback der halbgaren Möchtegernexperten muss dann leider auch noch von Dir entgegengenommen und beantwortet werden, damit Du überhaupt loslegen darfst.

Da kann es schon schwer fallen, freundlich zu bleiben und daran zu denken, dass man die Freundschaft nicht riskieren will.

Solche und ähnliche nette kleine Begleiterscheinungen solltest Du im Grunde von vornherein auf jedes Angebot im Bekanntenkreis aufschlagen, denn sie bleiben niemals aus.

Aber wenn Du alle Eventualitäten einrechnest, wird das Schmerzensgeld schnell fünfstellig und garantiert nicht mehr gezahlt 😀

Bei den Finanzen hört die Freundschaft auf. Und das ist richtig so.

Um Streit und Stress rund ums liebe Geld zu vermeiden, hast Du eigentlich nur drei Möglichkeiten, wenn Freunde fragen, ob Du für Sie arbeitest:

1. Der saure Apfel:

Bevor Du Dich mit den Pfennigfuchsern und ihren Hobbyexperten herumschlägst, kannst Du kleinere Dienstleistungen einfach, schnell und unkompliziert verschenken. Den geschenkten Gaul beim Griff ins Maul zu kritisieren ist schwierig für den „Kunden“ und Du bist mit dem Auftrag dann schnell durch und musst nur so viel investieren an Zeit und Nerven, wie Du es auch willst. Eine Methode, die wir trotzdem nicht wirklich empfehlen. In der Zeit kannst Du schließlich auch gegen Bezahlung für andere arbeiten.

2. Der Paragrafenritt:

Wenn Du Dich bereit erklärst, diesen Auftrag anzunehmen, erstellst Du ein normales und sehr detailliertes Angebot, dessen Einzelheiten locker ein Pflichtenheft abdecken könnten. Du berechnest dabei auch die normalen Kosten und setzt erst ganz zum Schluss die (niedrigen) Prozente mit ins Angebot, die doch noch einen Freundschaftspreis daraus machen. So weiß Dein Kunde genau, was enthalten ist und was es kostet, es gibt keine diesbezüglichen Missverständnisse und Du wirst auch nicht ausgebootet.

3. Der Nervenschoner:

Es ist schon abzusehen, dass Du Dich ärgern wirst und am Ende keine Dankbarkeit bekommen wirst, sondern man prompt lebenslange Wartung zum Null- oder Niedrigtarif von Dir erwarten wird. Du kannst auch ablehnen, diesen Knebel zu akzeptieren und wirst dann einfach grundsätzlich nie für Freunde arbeiten und Dir sehr viel Ärger damit ersparen. Sag zum Beispiel einfach, Du hast für sowas keine Zeit.

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Natürlich ist es weit einfacher gesagt als getan, einen Bekannten einfach wegzuschicken. Wir empfehlen Dir aber dringend, jedes noch so kleine Detail von Lieferfrist bis Leistungsumfang und Wartung im Nachhinein vorab schriftlich festzuhalten, wenn Du es nicht tust – gerade weil Ihr Freunde oder Verwandte seid.

Goldene Regeln, damit Freunde wirklich Freunde bleiben

Ein paar einfache Verhaltensweisen sorgen neben der schriftlichen Absicherung dafür, dass alle Beteiligten weiterhin freundschaftlich miteinander umgehen können, auch wenn einer Auftraggeber und der andere Dienstleister ist.

Wenn Du klar sagst, was Du erwartest, kann man in Ruhe darüber sprechen – was nicht mehr der Fall ist, wenn Ihr aneinander rasselt, denn dann ist es zu spät.

Deswegen solltest Du vorher erklären, wie Du Dir das vorstellst, wenn Du einen Auftrag von diesem Freund annimmst.

Das Einhalten von Geschäftszeiten zum Beispiel. Verwandte finden es zum Beispiel oft normal (und Du vermutlich sehr respektlos), sich am frühen Sonntagmorgen mit Fragen zum Projekt zu melden und ähnlich.

Am besten einigt Ihr Euch von vornherein auf ganz normalen Geschäftsbetrieb werktags und zwar über die offiziellen Rufnummern und Mail-Adressen Deiner Firma.

Auch das Kommunikationsverhalten sollte auf beiden Seiten so alltäglich wie möglich organisiert werden: Weder ist Telefonterror auf der Privatnummer normal, wenn im Geschäft der AB dran war, noch darf Dein Kunde eine Antwort innerhalb weniger Minuten erwarten, nur weil Ihr Bekannte oder Freunde seid.

Wenn Du keine Zeit hast, krank bist oder unterwegs, macht es auch keinen Sinn, hartnäckig alle Kanäle und Kontaktmöglichkeiten abzugraben, bis man Dich endlich erreicht.

Jeder professionelle Dienstleister hat eine Vielzahl von Kunden und entscheidet eigenständig, welche Aufgabe gerade am dringlichsten ist.

Freunde und Bekannte können weder erwarten noch forcieren, bevorzugt drangenommen zu werden und stellen grundsätzlich keinen “Notfall” dar, nur weil sie gerne bald fertig sein wollen mit ihrem Projekt.

Das wollen nämlich immer alle.

Die Drängler sind dann meistens auch noch die mit den vielen Zusatzfragen und noch mehr Ideen. Hier empfehlen wir, von Anfang an darauf hinzuweisen, dass eine weitere oder eine höhere Rechnung von Dir ausgestellt werden wird, wenn zusätzlicher Aufwand erzeugt wird:

Je weniger jemand sich in Deinem Job auskennt, desto schneller ähnelt er einer Saugnapfsammlung und verbrät endlos Zeit, vor allem wenn es ihn gefühlt nichts kostet.

Wenn Du also vorwarnst, dass Zusatzaufwand Zusatzkosten erzeugt, darf über die höhere Rechnung eigentlich niemand erstaunt sein.

Leider wird das so aber nur selten ausgehen. Auch die Frage nach dem Freundschaftsrabatt sollte sich eigentlich mit dem Angebot klären.

Doch die Praxis zeigt, dass Freunde oder Nachbarn, Bekannte und Verwandte oft angesichts der Abschlussrechnung zu handeln anfangen und den Preis noch nachträglich drücken wollen mit dem Hinweis darauf, dass man sich doch mag und gut kennt.

Das ist der Moment, in dem Du ruhig die Wahrheit sagen kannst:

Aufträge für Freunde sollte man eigentlich nicht mit einem Rabatt, sondern mit einem satten Aufpreis versehen.

Denn in der Regel sind sie zeitaufwändiger als solche für Fremde, kosten mehr Nerven und ziehen einen Rattenschwanz an unberechenbarem “Sonstigem” nach sich.

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Eure Freundschaft wird Eure Zusammenarbeit überleben – wenn Du Klartext sprichst, freundlich Deine Konditionen erläuterst und von Deiner klaren Linie nicht abweichst … und dann aber selbst auch vereinbarungsgemäß vernünftige Arbeit ablieferst, und zwar professionell und zum vereinbarten Termin.

  1. Alex Udelnow | 04.11.2015 | 09:03

    Gut erkannt! Nur meine Freunde und Verwandte werden das leider nicht lesen.

  2. […] * P.S. Siehe auch unseren Artikel Friends will be Friends – arbeiten für Freunde und Bekannte […]

  3. […] alle Parteien achten sollten, wenn man mit und für Freunden arbeitet, das haben wir bereits in einem früheren Blogbeitrag ausführlich behandelt. Die gleichen Prinzipien gelten auch, wenn Du nicht für, sondern mit Deinem […]