Angst ist, was uns am Boden hält - authentisches Marketing

Angst ist, was uns am Boden hält

Alles sorgfältig richtig zu machen kann völlig falsch sein. Deshalb: Hör' nicht auf die Stimmen - es sei denn, sie feuern Dich an!

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Etwas richtig zu machen kann falsch sein? Du fragtest Dich beim Lesen dieses Untertitels vielleicht, ob die Verfasserin des Artikels etwa zu viel Kaffee hatte. Das auch. Aber auch mit deutlich weniger Nerd-Diesel in den Adern ärgert es mich zunehmend, wie viele großartige Einzelkämpfer*innen aller Branchen beim Eigenmarketing ihr echtes Potenzial nicht nutzen.

Mich eingeschlossen, übrigens. Selbstvermarktung ist ein anspruchsvolles Thema und dabei gleichzeitig so wichtig … und überaus anstrengend. Dabei solltest Du das als erfolgreiche*r Selbstständige*r doch mühelos nebenbei wuppen. Das kriegen alle anderen ja auch hin, oder so fühlt es sich an.

Ich weiß nicht, wie es Dir damit geht, aber mir lässt es eher die kreative Luft aus den Vermarktungsplänen, wenn es heißt, dass ich dauernd demonstrativ für mein Angebot trommeln sollte, um (endlich?) eine galaktisch gute Eigenmarke zu präsentieren.

Wieso es falsch sein kann, für authentisches Marketing alles ‚richtig‘ zu machen

Die eigenen Qualitäten auf Wettbewerbsreife prüfen müssen, nach außen hin unverwundbar scheinen, auf Aufträge angewiesen zu sein und sich das niemals anmerken lassen … Alles das macht authentisches Marketing für das eigene Angebot zu einem niemals abgeschlossenen Lernprozess und zu einer der größten Herausforderungen.

Kein Wunder also, dass man solche Aufgaben ganz gern mal vor sich herschiebt: Wozu in den eigenen Unzulänglichkeiten und Grenzen wühlen, um die Juwelen herauszupulen, wenn das Auftragsbuch gerade ausreichend gefüllt ist?

Es kostet Mut anzufangen und auch dann lauert die Angst vor einem Regelbruch hinter jeder Ecke. Wieso es aber falsch sein kann, alles sorgfältig möglichst abgesichert und „richtig“ machen zu wollen, wenn Du an Deiner digitalen Darstellung arbeitest, möchte ich Dir anhand des folgenden Beispiels erklären.

Strategien für Aufzucht und Pflege einer Eigenmarke

Die allseits bekannte „Eigenmarke“ ist etwas, das sich ausnahmslos jede*r zulegen sollte. Zum Glück meinen die meisten Expert*innen für Einzelkämpfermarketing damit nur, dass man präsent und auffindbar sein muss – mit dem eigenen Angebot gedanklich gut verknüpfbar. Ob Maßnahmen über solche Selbstverständlichkeiten hinaus einen Unterschied machen, das kommt nämlich auf viele Faktoren an.

Wenn ich z. B. der einzige mobile Schreiner mit Spezialisierung auf Einbauschränke unter Dachschrägen in einer Region bin, brauche ich vor allem Local SEO und eine mobile Website. Ständige Wortmeldungen als Experte bringen mich nicht unbedingt weiter, zahlreiche konkrete Kundenbewertungen schon. Gehöre ich dem hunderttausendfach vertretenen Kreativ-Volk in seinen verschiedenen Ausprägungen an, sehen die Herausforderungen anders aus. Gutes Networking mit Empfehlungen bringt dann mehr als tägliche Präsenz auf der eigenen Fanpage – und so weiter.

Auch wenn alle im Grunde das gleiche Ziel haben – erfolgreiche Selbstvermarktung – sind wir doch alle Einzelfälle und brauchen individuelle Ansätze für erfolgreiches Marketing.

Die Wettbewerbsanalyse als Nachmachfalle – ein Klassiker

Was aber passiert als erstes, wenn Du Dir Gedanken um Dein authentisches Marketing machst? Richtig: Du schaust Dir an, was die anderen machen. Was passiert viel zu oft, wenn jemand sich an anderen orientiert für seine oder ihre Meinungsfindung? Die bewährten Pfade werden weiter ausgetreten, denn es kann ja nicht falsch sein, was so viele machen.

Anders ist es nicht zu erklären, dass man auf jedem Event mühelos vier Dutzend Personen treffen kann, deren Vorstellung mit „Ich möchte Menschen dabei helfen, ihren Weg zu XYZ zu finden“ beginnt und dass das Internet überläuft von Amateuer-Marketingvideos, in denen von Garten, Flur oder Auto aus verkündet wird „Hallochen, ich mache gerade dies und das und heute habe ich euch mal mitgebracht, was ich mir so überlegt habe zu ….“

Dabei könnten diese Menschen doch auch antworten mit „Seit ich meiner Mutter bei der Weihnachtsbäckerei für vierzehn Familienmitglieder geholfen habe, weiß ich, dass meine Stärken im Projektmanagement liegen und das Beste ist, bei meinem Kunden kann ich die Zutaten bestimmen“. Videos müssen nicht mit einem quälend öden Intro beginnen, sondern könnten ebenso gut direkt auf den Punkt kommen: „Dieses Filmchen guck dir bitte nur an, wenn Du wissen willst, wie ich Problem X löse, alle anderen sind besser in meinem Blog aufgehoben“.

Das sind nur spontane Beispiele, aber wenn Du sie mit den abgenudelten Wiederholungen vergleichst, die Dir jeden Tag begegnen, setzen sie für Deine eigene Ziele bestimmt ein paar eigene Ideen in Gang. Statt alles so richtig wie möglich (wie die anderen) zu machen und dabei unauffällig sein, solltest Du lieber ganz bewusst das „Risiko“ der Sichtbarkeit eingehen:

Unerwartet sein, authentisch sein, gegen den Strich strubbeln und/oder zum Lachen bringen funktioniert garantiert viel besser als das, was alle schon viel zu lange immer gleich abspulen. Das hat zwar auch mal funktioniert, dann haben es aber alle gemacht und das ist nun vorbei. Möchtest Du lieber durch penetrante Präsenz auffallen oder durch gelegentliche Hingucker und unvergessliche Knaller? Es ist eine Stilfrage. Was vermutlich mehr Freude macht und weniger Energie kostet, dürfte aber klar sein.

Die trügerische Kuscheligkeit dessen, was alle tun:

Man kann gefühlt nicht viel falsch machen oder zumindest nicht unangenehm auffallen, wenn man es so macht wie alle anderen und deswegen fühlt es sich „richtig“ an.
Erfolg sieht aber anders aus.

Durchschlagender Erfolg sieht anders aus als dieser Chamäleon-Effekt. Um im besten Sinne aus der Menge zu ragen, musst Du die Angst überwinden, die Dich im unauffälligen Teil festhält. Du wirst sowieso nie allen gefallen, also musst Du Dich auch nicht darum bemühen, möglichst reibungslos in etablierte Marketingroutinen zu passen.

Authentisches Marketing kann verrückte Ideen beinhalten, Neues probieren, Risiken eingehen. So sehen dann nämlich echte Alleinstellungsmerkmale aus, die auch funktionieren. Dabei geht dann bestimmt auch mal was schief. Du lehnst Dich zu weit aus dem Fenster, probierst Dinge aus und wirst missverstanden. Damit gehen wichtige Lernprozesse einher, davor solltest Du keine Scheu haben.

Hör nicht auf die Stimmen, wenn es um authentisches Marketing geht. Auch nicht auf meine.

Feedback von anderen ist wertvoll, Expert*innenmeinungen wie diese sind wichtig, Austausch mit Kollegen und Kolleginnen ist essenziell. Alles, was Du aus Deinem Networking herausholen kannst, solltest Du Dir mitnehmen. Als Input, als Anregung, als Grundlage für Brainstorming – aber nicht als Gebrauchsanleitung, die Du einfach nur abarbeiten musst.

Authentisches Marketing zeichnet sich dadurch aus, dass es von Dir kommt, zu Dir passt und die richtigen Aufträge zu Dir bringt. Wenn Du Deine Marketingfragen online stellst, kommt eine Lawine an gutem Input, aber es kommen auch Belehrbär*innen, die auf dem Umweg über einen öffentlichen Ratschlag ihre eigene Expertise in den Vordergrund rücken möchten. Fremde Strategien lassen sich nicht wie mit einem Stempel beliebig auf Dich übertragen. Niemand kann es Dir abnehmen, schrittweise herauszufinden, wie Du vorgehen willst und wie Du Dich erfolgreich vermarktest.

Vielleicht bist Du ja die eine Person, deren Küchenvideos mit „Liebe Kinder gebt fein acht, ich hab euch etwas mitgebracht“ beginnen können und es funktioniert. Vielleicht bist Du der schreinernde Mensch, der durch seine Meinung mehr Aufträge reinholt als durch seine Arbeitsproben oder hast eine Zielgruppe, die auf ein simples „Du, ich helfe Firmen bei“ begeistert einsteigt. Das weißt nur Du bzw. das kannst nur Du herausfinden. Pass einfach auf, dass Du nie blind abkupferst – und dann finde selbst heraus, womit Du erfolgreich „hausieren“ gehen magst.

Fazit: Experten und das eigene Netzwerk fragen ist hilfreich, weil Austausch bereichernd und wertvoll ist. Falsch wäre es aber, dann einfach nachzumachen, das jemand anderes empfohlen hat – Input von außen kann immer nur Anregung sein.

Authentisches Marketing als durchgehende Herausforderung

Die Beschäftigung mit erfolgreicher kommerzieller Selbstdarstellung holt Zweifel und das Verletzlichste aus uns heraus, aber reden sollen wir bitteschön nur über die Stärken. Sonst kommt auch gleich ein Spacken beliebigen Geschlechts um die Ecke gerannt, der keine Fehler macht, schon immer alles kann und ungefragt von oben herab berät, wie er oder sie das SELBSTVERSTÄNDLICH erfolgreich hinkriegt.

Dann bist Du zwar nicht wirklich schlauer, aber genervt und hast obendrein das unerfreuliche Gefühl, dass Du für die Belehrdusche dankbar sein solltest, obwohl nur jemand sein eigenes authentisches Marketing auf Deiner Timeline betrieben hat. Spoiler Alert: Solltest Du nicht. Unerbetene Belehrung ist der digitale Herpes. Das willst Du nicht haben, es sollte Dich auch nicht anstecken und dankbar musst Du bestimmt nicht sein. Vor allem aber ist es nicht nötig, dass Du Dich klein fühlst, weil jemand anderes große Belehrungen klöppelt.

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Kaum eine Aufgabe ist komplexer als die Selbstvermarktung. Sich selbst dabei im Weg stehen und den Wald vor lauter Meinungen und Fachartikeln nicht mehr sehen, das kennt wohl jede*r. Wenn Du Deiner Angst nicht bewusst entgegentrittst, findest Du gar nicht erst heraus, was Du alles kannst. Schreib mir in die Comments, woran es bei Dir bisher scheitert bzw. womit Du am häufigsten kämpfst und ich werde gerne schauen, was mir dazu einfällt:

Anderen helfen ist bekanntlich viel einfacher als die eigenen Dämonen zu zähmen 🙂

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Über den Autor
Carola Heine
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