Bist du bereit für die Selbstständigkeit?

Bist du bereit für die Selbstständigkeit?

Die Zeit vor und nach einer geplanten Kündigung ist eine Umbruchsphase. Das Timing muss stimmen, aber der Rest auch. Die Einstellung ist ebenso wichtig wie die Finanzplanung.

Wer über eine Existenzgründung nachdenkt, kennt die Vorteile in der Regel genau: Jeden Tag nur noch selbst bestimmen, wann und wo und wie viel man arbeitet und dann noch in einem Gebiet, auf das man richtig Lust hat.

Der eigene Chef sein und sich keinen fremden Entscheidungen mehr unterordnen müssen und als Unternehmer auftreten: Mit dem Traum von der Selbstständigkeit im Kopf fühlt man sich als Mitarbeiter schnell sehr eingeschränkt durch die Strukturen einer Festanstellung.

Du willst also kündigen. Aber bist du auch wirklich bereit für die Selbstständigkeit? Von der Unabhängigkeit, der freien Zeiteinteilung und dem Arbeiten im Café sprechen immer alle.

Aber kennst du wirklich auch die Nachteile?

Kunden kann man sich auch als Chef nicht immer frei aussuchen

Häufig wird der Wunsch nach einer selbstständigen Tätigkeit verstärkt durch einen Vorgesetzten, mit dem man nicht einverstanden ist und bei dem man sich zum Beispiel denkt „Das könnte ich besser“ oder „Das könnte ich alleine besser“.

Aber auch wenn man sein eigener Boss ist, kann man nicht immer frei darüber entscheiden, mit wem und für wen man arbeiten möchte.

Zwar kann man sich von Kunden wieder trennen oder sich dagegen entscheiden, eine Zusammenarbeit einzugehen.

Tatsächlich wird aber vor allem anfangs oft ein Moment kommen, in dem Einnahmen so wichtig sind, dass man über den eigenen Schatten springt und Aufträge annimmt, die sich zwar nicht 100%ig perfekt anfühlen, aber die Haushaltskasse füllen.

Natürlich wirst du immer auf Kollegen oder Wettbewerber treffen, die dir versichern, nur für exklusive und handverlesene Lieblingskunden zu arbeiten. Oft können sie von wenig Geld leben 🙂 sind sehr jung und gesund oder müssen keine Familie ernähren.

Manche lügen sicherlich auch einfach, um sich gut darzustellen. Die wenigen seltenen Exemplare, bei denen es zutrifft und die trotzdem gut leben, fragst du am besten sofort nach Tipps und versuchst, sie als Geschäftspartner zu gewinnen.

Denn Selbstständigkeit kann schnell zu einer einsamen Angelegenheit werden, wenn man sich von Motivation bis Abrechnung um alles alleine kümmern muss.

Mitarbeiter sind in der Regel nicht so 100%ig motiviert wie du

Wer zum ersten Mal Mitarbeiter einstellt, muss meist als erstes lernen, dass Angestellte nie so motiviert sind wie man selbst als Gründer.

Viele Personen, die zum Beispiel auf 450-Euro-Basis jobben, möchten sich nur ein kleines Einkommen erarbeiten und werden erwarten, die eigene Zeiteinteilung durchdrücken zu können: Sie stehen eben einfach nur dann zur Verfügung, wenn sie zur Verfügung stehen.

Sie kommen und gehen oft überpünktlich zum Glockenschlag und jede Stunde extra muss verhandelt werden.

Je schlechter bezahlt der Job, desto höher auch die Chance, dass im Sommer das Freibad gewinnt – ein guter Grund, faire Löhne auch bei regelmäßigen Aushilfstätigkeiten zu zahlen, um die Mitarbeiter zu binden.

Minijobber und Teilzeitkräfte unterstützen eine entstehende Firma bei allen organisatorischen Dingen, erledigen Routine-Arbeiten und Administratives, machen Telefondienste, bereiten Events vor. Sie halten dem Gründer den Rücken frei, auch das ist sehr wertvoll.

Aber Angestellte bei Existenzgründern ersetzen keine Geschäftspartner, keine Netzwerkpartner oder Kollegen, auf die man sich beim Brainstorming verlassen kann und die mit der gleichen Begeisterung auf eine Business-Idee einsteigen.

Am Ende läuft es vor allem in der Gründungsphase oft darauf hinaus, dass nur man selbst der Motor für alles ist, was zuverlässig klappen soll.

Hart an eigenen Zielen arbeiten: Theorie und Praxis

Vielen Gründern wird es auch erst klar, wenn sie tief mittendrin stecken: In der Existenzgründungsphase wird buchstäblich jede freie Minute von dem neuen Business gefressen.

Das ist mit Überstunden in Projekten nicht zu vergleichen, denn neben der regulären Workload gibt es noch so viele Dinge zu erledigen, dass freie Wochenenden (oder Abende …) äußerst selten sind.

Längerer Urlaub dürfte in den ersten Jahren sogar nur drin sein, wenn man mit Geschäftspartnern arbeitet, und wer krank ist, kann nicht einfach liegen bleiben.

Sondern muss zuerst sehen, wer sich kümmert und ob es nicht doch einfacher ist, mit Grippe oder Krücke am Arbeitsplatz zu sitzen, bevor zu viel liegenbleibt oder schiefgeht.

Erst wer mitten drin steckt, begreift wirklich, wie völlig angebunden man in der Gründungsphase ist, wie sehr eine Existenzgründung auf Kosten des Privatlebens geht und wie oft man den Freunden oder der Familie sagen muss „Heute kann ich leider nicht.“

Wenn die Partnerin oder der Partner vorher nicht abschätzen konnten, was auf sie plötzlich an einsamen Stunden erwartet, kommt noch Beziehungsstress dazu.

Viele Gründer ahnen das und beziehen ihre Partnerin oder ihren Partner mit ein, als moralische und tatkräftige Unterstützung. Unzählige Existenzgründungen sind solche „getarnten“ Familienbetriebe.

Aber auch das Arbeiten mit der liebsten Person ist nicht automatisch ein Zuckerschlecken.

Bist du bereit?

Wenn du von deiner Geschäftsidee überzeugt und zur Gründung entschlossen bist, können auch unsere Argumente dich nicht abhalten. Das ist auch gut und richtig so.

Denn Durchhaltungsvermögen und der Glaube an die eigenen Ziele sind für eine Existenzgründung genauso wichtig wie ein Businessplan und vernünftige Buchhaltung.

Wie die von lexoffice, versteht sich. Spätestens jetzt solltest du dir die kostenlose und unverbindliche Testversion anschauen.