Bis zum bitteren Ende?

Bis zum bitteren Ende? Nein. Projekte rechtzeitig beenden

Vor einiger Zeit haben wir für Euch darüber geschrieben, wann ein Abschied von einem Bestandskunden Sinn machen kann.

Neben logischen Gründen wie einer veränderten Zielgruppe oder nicht mehr passenden Konditionen gibt es aber auch Projekte, in denen es nicht auf Sachebene, sondern zwischenmenschlich kriselt.

Gar nicht so einfach, dann „das Handtuch zu werfen“ und die Zusammenarbeit zu beenden – schließlich hat man vorher Zeit investiert, um so weit zu kommen und möchte sich eigentlich auch keine Blöße geben.

Soll man also wirklich aufgeben? Und wann ist genug wirklich genug?

Schrecken und Generv ohne Ende – aber eben auch Einnahmen

Besonders Einsteiger und Existenzgründer haben oft das Gefühl, auch schwierige Kunden um jeden Preis halten zu müssen:

Schließlich ist auch ein stressiger Klient eine Einnahmequelle, kann eventuell Empfehlungen aussprechen oder als Referenz dienen und man sammelt Erfahrungen, eben auch solche.

Tatsächlich ist es ein wichtigen Lernprozess, irgendwann zu erkennen: Die Nervensägen sind in der Regel auch die undankbarsten Kunden.

Wer besonders viel Energie und Arbeitsfreude kostet, liefert im Gegenzug besonders wenig Wertschätzung, das scheint ein digitales Naturgesetz zu sein.

Trotzdem ist es eine normale Reaktion, sich zunächst auf die alte Grundregel „der Kunde ist König“ zu besinnen, die Zähne zusammenzubeißen und das Beste aus der Situation zu machen.

Die Frage ist allerdings, wie lange man das durchhalten sollte.

Projektharmonie lässt sich nicht erzwingen

Sobald kein Geld mehr fließt, jede noch so kleine Summe mehrfach gemahnt werden muss oder Zusagen nicht eingehalten werden, fällt die Trennung fast noch leicht.

Weniger eindeutig, aber genauso schädlich ist eine problematische Kommunikation, die Dich immer wieder herunterzieht und aus dem „Flow“ holt, weil die Zusammenarbeit an sich so unerfreulich ist.

Selbst wenn die Ergebnisse und die Einnahmen am Ende stimmen, haben die „falschen“ Kunden leider viele Möglichkeiten, täglich die Stimmung zu verdunkeln.

Die Annahme, dass man jede Idee als die eigene „adoptieren“ darf ohne jede Anerkennung des Urhebers oder mit einem herablassenden Kommunikationsstil von oben herab machen eine tägliche Zusammenarbeit unnötig anstrengend und frustrierend.

Noch belastender sind Intrigen, Beschwerden dritten gegenüber ohne Chance auf eine Stellungnahme und chronisches Termingenörgel, weil ein Kunde wie der einzige seiner Art behandelt werden möchte.

Manchmal passt auch einfach die Arbeitsweise nicht zueinander.

Zum Beispiel, wenn ein Freelancer sich mit vollem Einsatz ins Team integrieren möchte, der Auftraggeber ihn aber nur als Werkzeug sieht, das auf Abruf funktionieren soll, ohne ansonsten einbezogen zu werden.

Oder: Wer auf Augenhöhe mit anderen arbeiten möchte, kann mit strikt hierarchischem Gehabe bei der gemeinsamen Projektarbeit nichts anfangen.

Auch wenn kreative Chaoten auf Korinthen ausscheidende Pedanten treffen, kann auf Dauer nicht viel Harmonie entstehen.

Belastende Zusammenarbeit ist eben nicht besser als kein Auftrag

So pleite kann man gar nicht sein, dass man täglich mit Lebensqualität dafür bezahlen sollte, eine Einnahmequelle zu behalten.

Je unwilliger man nämlich arbeitet, desto blockierter ist man am Ende auch für die schönen Dinge und guten Projekte.

Akquise fällt doppelt schwer, wenn jeder Tag ein K(r)ampf ist, wer Pech hat, hält bis zum Burnout durch … und am Ende bleibt die Frage:

Kannst Du es Dir wirklich leisten, unter solchen Umständen zu arbeiten?

Sobald es bei jeder Mail im Magen drückt und man sich wünscht, dass das Telefon bitte nicht diese Nummer anzeigt, weiß man es eigentlich bereits:

Besser ein Ende mit Schrecken als weiter Schrecken ohne das längst fällige Ende.
Also nicht bis zum bitteren Ende!