Online-Marketing: Blogger-Relations, Teil 1

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Als Gründer oder Startup-Verantwortlicher hast Du in der Startphase vor allem eine Herausforderung zu bewältigen: Bekannter werden, vorzugsweise mit Hilfe des Internets.

Sicherlich bist Du dabei auch schon auf den Gedanken gekommen, dass es am besten wäre, wenn andere über Dein Angebot berichten würden. Blogger beispielsweise.

Suchmaschinenrankings sind fest in Bloggerhand

Wer im Internet nach Informationen sucht, weiß es schließlich seit Jahren: An Blogs als wertvoller Informationsquelle kommt niemand vorbei.

Seit einfach zu bedienende Open Source Software es buchstäblich jedem ermöglicht, sich nach Anmeldung bei einer Blogplattform oder der Installation von WordPress im Internet zu verewigen, findet man im Web zu jedem Thema und Fachgebiet Experten aller Preisklassen.

Blogbeiträge werden oft besser verlinkt, intensiver diskutiert und geteilt und über Google optimaler gefunden als kommerzielle Informationen von Firmen.

Wenig erstaunlich also, dass Firmen fast vom Anfang der Blog-Bewegung am die Zusammenarbeit mit Bloggern als lukrative Möglichkeit entdeckt haben, den eigenen Bekanntheitsgrad zu erhöhen.

Blogger-Relations wurden geboren, die Zusammenarbeit von Firmen mit gut vernetzten Blogs.

Es hat ein halbes Jahrzehnt gedauert, bis Blogger-Relations die fragwürdige Ecke der plumpen Schleichwerbung verlassen haben und zu der herausfordernden, aber machbaren Marketing-Disziplin geworden sind, die heute immer noch in Entwicklung ist.

Anfangs ging es den Agenturen auf der Suche nach Bloggern und Blogs nämlich „nur“ um SEO und die inhaltliche Qualität der Beiträge war vollkommen irrelevant.

Das merkte man den Texten dann leider auch an und eine solche Einblendung konnte schnell ein ganzes Blog fragwürdig wirken lassen.

Backlink-Aufbau durch Gastbeiträge oder gesponserte Artikel (nicht empfehlenswert)

Weil vor allem Links integriert werden sollten, richteten sich die Strategien der Agenturen nämlich auch nur darauf aus.

Ein dummer Fehler, denn Qualitätskriterien der Suchmaschinen werden bekanntlich immer weiter verfeinert und es war nur eine Frage der Zeit, bis dumme Fülltexte nicht nur von genervten Menschen, sondern auch von Maschinen als solche entlarvt wurden.

Weil Links die Währung des Internets sind und ein organischer Linkaufbau durch freiwillige Empfehlungen und Verlinkungen eine der schwierigsten Marketing-Übungen überhaupt für eine frische Website ist, versuchen nämlich zahlreiche SEO-Agenturen immer noch, diese Schwungmasse einfach einzukaufen:

Jeder Blogger mit Rankings zu einem bestimmten Thema hat schon Anfragen erhalten, ob er oder sie einen Link im Text einbauen oder ergänzen könnte, ob man einen „Gastbeitrag“ platzieren könne oder ob es möglich sei, einen „Test“ zu bestellen, in dem dann auch das Produkt verlinkt wird.

Ebenso penetrant sind Linktauschanfragen und der plumpe Versuch, einen Blogger durch Geschenke zu einem Beitrag zu bewegen.

Kurz zusammengefasst: Das Internet hat damals mit dem Trend zum gekauften Backlink-Aufbau eine neue Sorte SPAM bekommen und brauchte den aber wirklich nicht.

Google reagierte auf das Phänomen der verkauften Links und Beiträge mit einer kontinuierlichen Verschärfung seiner Richtlinien und technischen Filter und in 2005 dann auch mit der Einführung des „nofollow“-Tags.

Doch natürlich gibt es immer noch viele Blogger, die es nicht interessiert, ob sie Googles Richtlinien oder das Schleichwerbungsgesetz einhalten, wenn ein Kooperationsangebot kommt.

Oder die es schlicht und ergreifend nicht wissen, was daran falsch sein soll, einer netten Agentur einen unauffälligen nicht als gekauft gekennzeichneten Artikel zu schreiben, wenn sie schon ein Geschenk schicken – weil ihnen nicht klar ist, dass sie ein Gesetz brechen, wenn sie Schleichwerbung betreiben.

Blogger Relations – die aktuelle Situation und Chancen

Eine große Vielfalt zeichnet aktuell die Situation der Blogger Relations Szene in Deutschland (und vermutlich anderswo auch) aus, und das ist kein Kompliment.

Auf der einen Seite drängen Agenturen auf Kooperationen, die lieblose Serienmails mit Fake-Individualisierung versenden im Stil von:

„Wir haben Dein Blog gelesen und finden es super, willst Du nicht eine Produktprobe von uns kriegen und dafür einen vierseitigen Artikel mit drei Links schreiben, den wir vorher aber freigeben wollen und der für immer stehen bleibt?“

Tatsächlich dann aber auch noch nachhaken und frech werden, wenn der Blogger die Links irgendwann wieder herausnimmt, weil er oder sie schlauer geworden ist – denn für Backlink-Überwachung reicht das Interesse, für gute Anschreiben und Recherche der richtigen Blogger aber leider eher selten.

Diese Agenturen finden unendlich viele der besagten Blogger, die sich um Regeln nicht scheren und für eine Kosmetikprobe oder eine Einladung zu einem Event ihr Ranking verscherbeln.

Auch hier muss man jedoch wieder unterscheiden zwischen den Premium-Bloggern, die wohl überlegt über Produkte berichten, dies aber transparent tun und begründet mit dem zufrieden sind, was sie dafür bekommen – und Bloggern, die wegen Warenproben ihr Blog mit nicht gekennzeichneter Werbung zermüllen, weil sie sich ausnutzen lassen.

In diesen bunten und an den Kanten auch reichlich verwüsteten Markt mit lauter bereits angenervten Bloggern begeben sich seit einiger Zeit aber auch hochwertiger arbeitende Agenturen, die das Potenzial der Blogger Relations erkannt haben und die Zusammenarbeit vernünftig machen wollen.

Ebenso wie mehr und mehr Blogger sich damit beschäftigen, was sie eigentlich wirklich von einer Zusammenarbeit erwarten dürfen, die dem ‚Kooperationspartner“ so viel einbringt.

Während Agenturen für jede noch so gute Anfrage oft erst mal pauschal abgewatscht werden und Blogger trotz ausführlicher Disclaimer im Impressum mit dämlichen Anfragen zugemüllt werden, kommen inzwischen trotzdem ständig mehr interessante Kooperationen zustande. Vielleicht besteht doch noch Hoffnung darauf, dass beidseitig interessante Regelungen sich durchsetzen.

Der Blogger Relations „Ehrenkodex“

Denn bei allen Anlaufschwierigkeiten sind Blogger Relations doch eine für beide Seiten sehr spannende Option: Wenn man es richtig macht.

Wie eine transparente und hoffentlich lohnende Zusammenarbeit von Firmen und Bloggern aussehen sollte, fasst der Bloggerrelationskodex zusammen. Zitat aus der Seite:

„Es steht jedem Blogger frei, mit Marken zu kooperieren. Dabei muss immer klar erkennbar sein: Welcher Artikel ist in Zusammenarbeit mit einer Marke entstanden und welcher nicht. Auch §6 Abs. 1 Nr. 1 TMG besagt, dass Werbung für den Nutzer deutlich sichtbar sein muss. Und das gilt auch für Blogger, weil sie nicht als Privatpersonen handeln, sondern redaktionelle Texte verfassen.“

Wer sich als Blogger an den Kodex hält, wird wahrscheinlich immer noch gelegentlich Schwierigkeiten haben, von Firmen für voll genommen zu werden, was eine Zusammenarbeit angeht.

Sonst würden nicht so viele „Kooperationsanfragen“ klar erkennbar von Praktikanten, Azubis oder Aushilfen geschrieben, denen es deutlich egal ist, wie die Ergebnisse sind.

Aber immerhin hat man als Blogger damit schon mal die eigene Position gefunden, und das ist schließlich auch viel wert.

Als Gründer, Unternehmer oder Startup Founder stehst Du vor der Herausforderung, Blogger davon zu überzeugen, dass eine Zusammenarbeit mit Dir für beide Seiten von Interesse ist.

Daher kommt im zweiten Teil unserer Serie nächste Woche eine Bloggerin zu Wort, die mit ihrem erfolgreichen Blog als „Werbefläche“ äußerst interessant für eine ganze Branche ist. Und genau deswegen eine ganz klare Meinung zu Blogger Relations hat. Ihr dürft gespannt sein.

  1. […] der letzten Woche haben wir euch Marketing per Blogger Relations vorgestellt und auch gleich erläutert, wo die Anlaufschwierigkeiten liegen können, wenn Ihr […]

  2. […] wir Euch Marketing per Blogger Relations ‎ vorgestellt und letzte Woche unsere Checklist für gute Produkt-Tests veröffentlicht haben, […]