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Social Media Hype: Die Clubhouse-App

Dank einer virtuellen Kettenbrief-Aktion explodierte in der letzten Woche die Aufmerksamkeit für eine noch nagelneue Audio-App. Ins Clubhouse wollen gerade »alle« - trotz Datenschutzfragen.

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Du kennst die Clubhouse App noch nicht, aber der Hype ist unübersehbar? Damit bist du nicht alleine, denn es handelt sich nicht um ein Programm, das du dir einfach so runterladen kannst: Für Clubhouse brauchst du ein neueres iPhone und eine persönliche Einladung. Die künstliche Verknappung ist einer der Gründe dafür, dass das Interesse so groß ist. Doch da ist noch einiges mehr.

Es ist noch keine Woche her, dass ich dem Sog der Neugier gefolgt bin und mir die Clubhouse App heruntergeladen habe. Noch trägt mein Profilbildchen also den kleinen Party-Hut mit Konfetti, der allen anderen Anwesenden signalisiert, dass ich neu in der App bin und meinen Anfängerinnenschritten mit Geduld oder wenigstens freundschaftlichem Verständnis begegnet werden sollte.

Schwierig ist der Umgang mit Clubhouse aber nicht, und genau das ist der große Vorteil, den ich im „Drop-in Audio“-Format sehe:

Podcasting ohne technische Hürden für alle und jederzeit

Clubhouse ist ein Netzwerk, das auf Sprache basiert. Sobald du dich eingeloggt hast, siehst du eine Liste von virtuellen Räumen, in denen sich Menschen zu den unterschiedlichsten Themen unterhalten. Alle diese Räume sind für Teilnehmende offen, so dass du klicken und hineinhören kannst.

In der deutschen Clubhouse-Szene gibt es beispielsweise einen Mittags-Stammtisch »Mittag im Regierungsviertel«, an dem auch Politiker*innen teilnehmen. In den Start-up Talks trifft man schon mal die Superstars der internationalen Szene und in den Räumen zu Fernsehsendungen und Filmen die Begleit-Stars und Sternchen. Jeder Raum wird moderiert von der Person, der oder die ihn eröffnet: Das wiederum kann jede und jeder machen.

Du betrittst jeden Raum als Zuhörer*in, aber wenn du sprechen möchtest, hebst du einfach per Button deine Hand, und die Sprechenden können dich in die Runde einladen.

Clubhouse bezeichnet sich selbst als einen Ort, an dem man sich mit Freunden und neuen Leuten auf der ganzen Welt treffen kann – um Geschichten zu erzählen, Fragen zu stellen, zu debattieren, zu lernen und spontane Unterhaltungen über Tausende von verschiedenen Themen zu führen. Man darf nichts aufzeichnen oder mitschneiden, wenn die Räume geschlossen werden, sind die Inhalte weg.

Ein Ort für den bereichernden Austausch

Anfangs bin ich von Raum zu Raum gestolpert und war am ersten Tag etwas enttäuscht: Überall die von sich selbst erzählenden dominanten »Speaker-Personas«, die bereits anderswo auch schon präsent sind und Zuhörenden nur wenig echten Mehrwert bieten. Am zweiten Tag war ich auch noch nicht so richtig begeistert, denn es ging in jedem Raum sehr erbarmungslos nur darum, wie diese Speaker-Erfahrenen denn nun Clubhouse finden und wie sie die App für ihre Zwecke ausnutzen können.

Schnell lernte ich also: Um bessere Räume zu finden, muss ich spannenderen Menschen folgen, abseits der Routinen interessante »Clubs« abonnieren und am besten selbst aktiv werden und Experimente mit eigenen Themen starten. Außerdem können ganz kleine Räume mit wenigen Menschen unglaublich toll sein, weil so viele sich dort öffnen. Plötzlich fand ich Themen, die mich so sehr faszinierten, dass ich viele Stunden blieb.

Faszination Community: Informative und hilfreiche Gesprächsrunden

Da war sie dann, die süchtig machende Faszination des spielerischen Austauschs, der tiefen fachlichen Brainstormings, der neuen Formate und spannenden Leute. Denn Clubhouse senkt ganz klar die technische Hürde, eine Stimme im Social Web zu haben – jeder kann einen Raum eröffnen, Erfahrungen sammeln, in den Austausch gehen.

Gerade Soloselbständige, Freelancer und Gründende finden Frühstücks-Talks, Marketing-Austausch, lustige Networking-Runden und vieles mehr.

Mir gefällt an Clubhouse, dass die App vielen Menschen Mitsprachemöglichkeiten gibt – auch jenen, die nicht so gut lesen und schreiben können. Gerade in der Krise und in schlaflosen Nächten rückt Einsamkeit in den Hintergrund durch diese neuen Möglichkeiten. Man trifft neue Menschen, wird dabei nicht durch Optik und Aussehen abgelenkt, sondern Charisma und Stimme punkten – und ob man zuhören kann. Manche Politikerinnern sind so nahe gerückt, dass man ihnen direkte Fragen stellen kann. Auch schwierigen Themen wird nicht ausgewichen.

Die technischen Hürden sind extrem niedrig, der Spaßfaktor groß.

Was mir nicht gefällt: Die Datenschutzproblematik, die üblichen sexistischen Sprüche und Verhaltensweisen, die einem hier besonders ins Ohr fallen und der Umstand, dass man hier den Personen wieder begegnen kann (oder muss), die man vorher aus guten Gründen überall blockiert hatte.

Wie in jedem Sozialen Netzwerk also. Aber die Vorteile überwiegen. Vielleicht bin ich auch ein bisschen voreingenommen, weil ich mich für das Schreiben dieses Blogpostings mühsam aus einer spannenden Freelancer-Runde lösen musste.

Clubhouse - diese Infos solltest du lesen

Rechtsanwalt Dr. Thomas Schwenke:
Lesetipp: Hype-App Clubhouse – Zulässigkeit geschäftlicher und privater Nutzung

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Die offizielle Info von Clubhouse:
Check 1 – 2 – 3

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Das sagen die Clubhouse-Insassen:
Feedback zur Clubhouse App in Form von Tweets

Das Beste an Clubhouse ist: Marketingzwecke sind untersagt

Auf Clubhouse führen die Anwesenden oft stundenlange tiefgehende, engagierte Gespräche – manchmal sogar mehr als einen ganzen Tag lang, der Staffelstab der Moderation wird von einer zum anderen weitergereicht. Das Beste an Clubhouse ist: Marketingzwecke sind untersagt. Auch wenn sich nicht alle daran halten – statt in der App ständig und penetrant ihre Produkte oder Dienstleistungen anzupreisen, teilen die meisten Nutzer ihr Wissen, um anderen zu helfen, ihre Ziele zu erreichen.

Wer trotzdem auf Clubhouse für sich und das eigene Angebot werben möchte, muss einfach nur ehrlich gemeint hilfreich und dabei kompetent und präsent sein, das wird dann ausreichend abfärben.

Clubhouse gibt es erst seit Mai 2020, der deutsche Hype startete vor ein paar Tagen

Den rasanten Clubhouse-Durchbruch der letzten Woche verdanken wir einer Kettenbrief-Aktion mit einer Telegram-Gruppe. Wer eingeladen wurde, lud danach zwei weitere Personen aus der Gruppe ein – viele folgten dem Lockruf der spannenden »elitären« App, die dadurch noch spannender wurde.

Aber auch viel weniger elitär wird, je länger dieser Trick und dieser Hype anhalten, und das ist gut so. Es macht Spaß, irgendwo bei den „Ersten“ zu sein, aber jetzt reicht es auch mit der künstlichen Verknappung. Ich hoffe, dass ganz bald eine Android-App folgt und noch viel mehr Menschen in virtuellen Räumen miteinander sprechen können.

Doch selbst wenn die Clubhouse App noch lange versucht, ein geschlossenes System zu bleiben: Es gibt eine sehr große Wahrscheinlichkeit, dass auf den anderen großen Social Media Plattformen bereits an einem konkurrierenden Format gearbeitet wird, und davon haben dann wirklich alle was.

  • Foto: Adobe Stock: hbrh
Über den Autor
Carola Heine
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