Die große Corona-Umfrage: Was kommt, was bleibt?

Die große Corona-Umfrage: Selbständig in der Krise

Wir haben euch gefragt, wie die Pandemie die Selbstständigkeit beeinflusst und welche Rolle die Digitalisierung dabei spielt. Die Erkenntnisse.

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Corona ist und bleibt eine große Herausforderung für Kleinunternehmer und Selbstständige. Nie zuvor haben wir so einen Umbruch durch eine Wirtschaftskrise erlebt, uns mit so vielen ständig wechselnden Gegebenheiten auseinandersetzen müssen und dabei noch Gesundheitsrisiken bewältigen müssen. Wir wollten genau wissen, wie es euch damit geht.

Daten und Fakten: Das war die große Corona-Umfrage

Vom 7. April bis 4.Mai 2020 wurden 27.261 Teilnehmende an der Corona-Umfrage nach ihrer Situation gefragt – darunter viele Lexware und lexoffice Nutzende. Initiatoren waren der Verband der Gründer und Selbständigen Deutschland (VGSD) in Kooperation mit dem ZEW Mannheim und dem Forschungszentrum Mittelstand an der Uni Trier, unterstützt durch Lexware und lexoffice.

Die Krise stellte in der Event- und Veranstaltungsbranche den größten Einschnitt dar, hart getroffen sind auch Touristik, Sport/Freizeit sowie naturgemäß Gastronomen und Hoteliers. Viele Aufträge – fast 40% – wurden ohne Entschädigung storniert. Rechnerisch gesehen kalkulierte auch deshalb zum Zeitpunkt der Umfrage jeder und jede Fünfte mit einem drohenden Ende der Selbständigkeit bis zum nächsten Frühling, mit einem Schwerpunkt in den ostdeutschen Bundesländer, dem Saarland und Bremen.

Die guten Nachrichten: Digitalisierung macht krisenfester

Jeder dritte Befragte gibt an, einen erhöhten Digitalisierungsgrad in einem oder mehreren Unternehmensbereichen zu verzeichnen. Das zeigt einen Trend zur Resilienz, der hoffen lässt – denn digital aufgestellte Unternehmer*innen waren weit weniger vom Arbeitsausfall betroffen und die Möglichkeiten der Digitalisierung stehen allen gleichermaßen zur Verfügung.

Digitale Prozesse betreffen auch interne Geschäftsprozesse wie Tools für Finanzverwaltung, Datenpflege, Automatisierung von Abläufen und nicht ’nur‘ zusätzliche Angebote für Kunden, virtuelle Kommunikationsformate und die Nutzung von Anwendungen zur Erweiterung der eigenen Möglichkeiten. Wer die Chancen und Arbeitserleichterungen moderner Tools nutzt, kommt mit erzwungenen Anpassungen besser klar.

Das zeigt auch die Corona-Umfrage: Von den vorher schon »hoch digitalisierten« Selbständigen konnten dreimal so viele ihre Tätigkeit weiter ausüben wie bei denen mit sehr niedrigem Digitalisierungsstand.

Krise als Katalysator

Die Covid19-Krise ist ein Katalysator für den Wandel, unter dem Druck hat tatsächlich jeder Vierte sein Geschäftsmodell angepasst, erweitert oder ganz geändert. Das sind beeindruckende Zahlen. Besser noch: Viele haben den Nutzen abseits aller Corona-Überlegungen erkannt und planen, diese Ergebnisse des Wandels beizubehalten. Damit werden sie als Unternehmer*innen krisenfester.

Auch, weil ein großer Teil – ein Fünftel – bereits während der Umfrage sagen konnte, dass die neuen und angepassten Geschäftsfelder beibehalten werden.

Die große Corona-Umfrage: Das sagt Ihr

Genauer hinsehen und erfahren, wie es speziell in deiner Region aussieht: Über die Filterfunktionen kannst du sehen, wie sich die Ergebnisse innerhalb einzelner Branchen und in den 16 Bundesländern unterscheiden:

Corona-Umfrage: Die Erkenntnisse

Corona-Umfrage

Die Ergebnisse der großen Corona-Umfrage zeigen, wie die Pandemie die wirtschaftliche Situation Selbstständiger beeinflusst und welche Rolle die Digitalisierung dabei spielt.

Die Fallzahlen der Corona-Umfrage

Wer nicht digital und online arbeitet, hatte naturgemäß weniger Chancen, auf die Corona-Umfrage zu stossen und teilnzunehmen. Erhöhter Leidensdruck durch hohe Ausfälle hat das Interesse an den Ergebnissen sicherlich parallel gesteigert: Vier von zehn Befragten hatten Nothilfe beantragt. Auch wenn man diese beiden Faktoren bedenkt, ist es immer noch sehr spannend, wie die Beteiligung einzelner Branchen aussah, die zu diesen Ergebnissen führte.

So setzen die 27.261 Befragten sich zusammen

Künstler und Kulturschaffende, Film, Fotografie: 5937
Training und Coaching, Schule und Unterricht: 3017
Event- und Veranstaltungsbranche: 2333
Lektorat, Dolmetscher, Übersetzer: 2201
IT-, Software-, Web-Dienstleistung: 1859
Touristik, Sport und Freizeit: 967
Wellness, Friseure, Kosmetik: 656
Journalisten oder PR: 644
Handwerk: 628
Gastronomie, Beherbergung: 532
Ingenieure und Architekten: 441
Vorrangig stationärer Handel: 305
Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung: 155
Immobilien, Hausverwaltung und Facility Management: 144
Onlinehandel: 142
Verarbeitendes Gewerbe: 108

Eine Situation, die für alle überwältigend neu ist, der sich in ihrer Gesamtheit niemand entziehen kann und der sich auf die eine oder andere Art jeder Selbständige stellen muss, hat es bisher so noch nie gegeben. Umso beruhigender, wie viel Zusammenhalt und gemeinsame Aktivitäten, Hilfe und gegenseitige Unterstützung die Corona-Krise ebenfalls erzeugt hat – und wie viele Menschen die Möglichkeiten von Automatisierung und Innovation genutzt haben.

Der digitale Wandel bietet für fast jede und jeden neue Möglichkeiten, egal in welcher Branche und mit welchem Tätigkeitsschwerpunkt. Das zeigt auch das Umfrage-Ergebnis, aus dem hervorgeht, dass bereits bei einem Fünftel der angepassten Geschäftsmodelle klar ist, dass sie Bestand haben werden.

  • Foto: Adobe Stock Billionphotos.com
Über den Autor
Carola Heine
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