Freelancing in Krisenzeiten: Selbständige und der Coronavirus Corvid-19

Freelancing in Krisenzeiten: Selbständige und das Coronavirus Covid-19

Das Coronavirus verunsichert fast alle - auch diejenigen, die nicht in einem Risikogebiet unterwegs waren. Selbständige stehen vor besonderen Herausforderungen.

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Wer in behördlich angeordnete Quarantäne gesteckt wird als Selbständige*r, erhält eine Entschädigung für den Verdienstausfall, falls sie oder er nicht arbeiten kann. Alle anderen müssen sich zurechtfinden zwischen Pandemiepanik und Hamsterkäufern, zwischen den Anforderungen des Alltags – und denen der Kundschaft.

Dir ist der Gedanke wahrscheinlich auch schon selbst gekommen: Die Zeit der Video-Calls ist angebrochen, diesmal für alle. »Remote« arbeiten und Absprachen von Angesicht zu Angesicht treffen zu können ist jetzt die Chance, möglichst normal weiter zu arbeiten.

Coronavirus: Du kannst nicht für andere entscheiden

Auch wenn du nur drei Straßen von deinen Kund*innen entfernt sitzen solltest, kannst du schließlich nicht entscheiden, wie viel Publikumsverkehr ihnen aktuell behagt. Denn eins ist klar, jeder Mensch hat seinen eigenen Umgang mit Krisen. Die einen horten Toilettenpapier, die nächsten Mehl und Linsen. Wieder andere schrubben sich das Fleisch von den Fingern, während nebendran jemand steht und sich nicht mal wirklich für das Thema interessiert. Einige Firmen treffen umfangreiche Maßnahmen, andere sagen nur die größten Events ab.

Wieder andere Unternehmen wiederum haben erkannt, dass das Coronavirus gerade unsere Arbeitskultur ändert. Sie stellen wertvolle Collaboration-Tools kostenfrei bereit.

Microsoft Teams: Premium-Funktionen 6 Monate gratis

Ab dem 10.03.2020 ist es so weit: Das gut durchdachte Microsoft Teams steht in der Premium-Version für ein halbes Jahr kostenfrei bereit. Es kostet sonst normalerweise 10,50 Euro pro Benutzer und Monat, wenn man die fortgeschrittenste Version für Besprechungen nutzen will. Das Beste an Microsoft Teams als Helfer im freiwilligen Hausarrest im Home-Office: Auf Knopfdruck kannst du den ganzen Hintergrund sanft verschwimmen lassen. So bekommt niemand zu viele Einblicke in dein privates Umfeld. Oder in das Chaos auf deinem Tisch.

Google G-Suite zieht nach mit einem temporär kostenfreien Angebot

Um insbesondere Bildungseinrichtungen und kleineren Unternehmen zu helfen, werden die Features der »großen« Enterprise-Version zur Verfügung gestellt. Bis zu 250 Teilnehmer pro Call, Live-Streaming für bis zu 10.000 Zuschauer innerhalb einer Domain und das mit der Option, die Aufzeichnungen auf Google Drive zu speichern.

Die populären Team-Werkzeuge Slack, Skype, Zoom und Co werden von Microsoft Teams und Google Hangouts herausragend ergänzt. Denn während Freelancer und andere Selbständige schon lange mit großer Selbstverständlichkeit diverse Kollaborations-Tools jonglieren, kommen jetzt ganz andere Player ins Spiel.

Wenn deine Kundinnen und Kunden ihre Angestellten zum Arbeiten heimschicken, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass für eure Projektkommunikation ein Tool in der Größenordnung von Microsoft Teams eingesetzt werden wird.

Die Mehrzahl deutscher Arbeitgeber ist in der Lage, Home-Office zu erlauben. Deine Kunden also auch.

Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. hat zwischen dem 5. und dem 8. März 2020 rund 1.000 deutsche Angestellte (volljährige Bundesbürger) befragt, ob sie in gesundheitsgefährdenden Situationen gern von zu Hause arbeiten würden. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) sagten hierzu ja, 17,4 Prozent sind unentschieden und nur 24,6 Prozent möchten nicht im Home-Office arbeiten. Die Ergebnisse sind repräsentativ für Angestellte kleiner, mittlerer und großer Unternehmen in Deutschland.

Laut der frisch durchgeführten BVDW-Studie erwarten 66,1 Prozent der Angestellten von ihrem Arbeitgeber, entsprechende digitale Lösungen anzubieten. Die Mehrheit der Arbeitgeber sei dazu auch in der Lage, heißt es in der Pressemitteilung:

Größe des Unternehmens spielt entscheidende Rolle bei Erwartungshaltung

Auszug aus der Pressemitteilung vom 09.03.2020

»Die aktuelle Situation rund um den Corona-Virus macht Angestellte nachdenklich. Drei Viertel (75,4 Prozent) der deutschen Angestellten liebäugeln mit Home-Office und digitalen Lösungen. 58 Prozent wünschen sich dies ausdrücklich, 17,4 Prozent sind noch unentschieden. Zwei von drei Angestellten (66,1 Prozent) erwarten von ihrem Arbeitgeber, jedenfalls entsprechende Lösungen vorzuhalten. Von den mehr als 1.000 Befragten geben 54,3 Prozent an, dass ihr Arbeitgeber hierzu technisch auch in der Lage wäre.

Bei 45,7 Prozent seien die Arbeitgeber hierzu noch nicht bereit.

„Viele Angestellte gehen Tätigkeiten nach, die mit entsprechenden digitalen Lösungen problemlos auch von zu Hause aus erledigt werden könnten. Jetzt können Arbeitgeber Verantwortung dort zeigen, wo es technisch möglich ist, um das Risiko der Ausbreitung des Corona-Virus weiter einschränken“, sagt Marco Junk, Geschäftsführer des BVDW. „Vielleicht führt uns diese Krise in Deutschland endlich dazu, die Digitalisierung der Arbeitswelt ernsthaft zu betreiben“, so Junk. Der Digitalverband BVDW hatte bereits in der Vergangenheit mehrfach dazu aufgerufen, entsprechende gesetzliche Regelungen für mehr Home-Office-Möglichkeiten zu schaffen. Auch zu Beginn dieses Monats forderte der BVDW gemeinsam mit Partnerverbänden erneut eine Novellierung des Arbeitszeitgesetzes.

Größe des Unternehmens spielt entscheidende Rolle bei Erwartungshaltung

Offenbar spielt die Größe des Arbeitgebers eine entscheidende Rolle in Bezug auf die Erwartungen der Arbeitnehmer. Denn 80 Prozent der Angestellten aus Großunternehmen erwarten von ihrem Arbeitgeber, dass er ihnen in gesundheitsgefährdenden Zeiten eine Home-Office-Lösung anbietet. Bei den mittleren Unternehmen sind es nur 67,7 Prozent und bei den kleinen Unternehmen 58,1 Prozent. Rund die Hälfte der Angestellten aus kleinen Unternehmen (50,3 Prozent) glaubt, dass ihr Arbeitgeber technisch in der Lage ist, Home-Office anzubieten. Bei den Angestellten aus großen Unternehmen sind dies hingegen 68,9 Prozent.«

Quelle Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. www.bvdw.org

Selbständige Unternehmer*innen können sich also darauf einstellen, dass Video-Talks bald in Kürze zum Alltag gehören. Auch jene, die das bisher umgehen konnten. Schließlich sitzt nicht jede*r gerne vor einer Kamera.

Sichtbar zu sein wird sich nicht mehr vermeiden lassen.

Neben den Werkzeugen für Video-Talks und Kollaboration boomen die Erklärvideos und der Austausch in Messengern. Kein Wunder, denn so lange es keinen wirksamen und erprobten Impfstoff für das Coronavirus gibt, sind Hände waschen, Vernunft und Abstand halten angesagt.

Das sagen die Experten:

Wissenschaftsjournalist Lars Fischer erklärt verständlich und ausführlich, warum das neue Virus aktuell gefährlicher ist als die viel zitierte Vergleichsgrippe.

Sven Scholz führt aus, warum der verharmlosende Vergleich mit der Grippe hinkt: »Das ist ein bisschen wie eine Berechnung durchschnittlicher Sonnentage für eine Region berechnen zu wollen, für die ich 10 Jahre tägliche Wetterdaten habe und die mit einem Wert einer anderen Region vergleichen zu wollen, für die ich nur 4 Monate Beobachtungsdaten habe und im ersten Monat noch die Hälfte der Geräte erst nach und nach kalibriert wurden und es auch danach noch Tage gibt, für die die Messungen fehlen, weil ein Gerät ausgefallen ist und mans erst am nächsten Tag gemerkt hat.«

Die offizielle Empfehlung des Bundesgesundheitsministeriums lautet, Events mit mehr als 1.000 Beteiligten abzusagen. Scheinbar fährt man dort nicht mit den Öffentlichen, auf jedem Bahnsteig größerer Städte kommen diese Zahlen schnell zusammen.

Ruhig bleiben und möglichst oft die Hände waschen ist angesagt. Wer sich krank fühlt, sollte daheimbleiben und das Gesundheitsamt informieren.

Was du konkret machen kannst als Selbständige*r:

Dank deiner Freiheit der Ortswahl und der mobilen Arbeitsweise kannst du den Stoßzeiten in öffentlichen Verkehrsmitteln und in Supermärkten ausweichen und zu Zeiten einkaufen fahren, in denen andere schlafen oder arbeiten. Du solltest einige Lebensmittel in den Vorrat nehmen, falls du mal einige Tage überbrücken musst. Eine Liste mit Notfallkontakten und Helfenden ist aber wichtiger.

Spätestens jetzt solltest du, wenn du gesetzlich krankenversichert bist, den Wahltarif für Krankengeld ab dem 15. Tag buchen (statt ab dem 43. Tag wie „normalerweise“). Das kostet wenige Euro monatlich. Lass es dir unbedingt bestätigen, dass du erstens Krankengeld und zweitens den Wahltarif bekommst.

Dann lässt du dich krankschreiben, sollte das Coronavirus dich wirklich erwischen. Nicht nur in Quarantäne stecken, sondern offiziell und mit „gelbem Schein“ krankschreiben von der ersten Minute an. Lückenlos bitte. Ob du einen Verdienstausfall erhältst, ist dann ein anderes Thema, zumindest die grundsätzliche finanzielle Vorsorge ist damit abgesichert.

  • Foto: Adobe.com Andrej Poppv
Über den Autor
Carola Heine
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