Interview mit Daniel Bartel vom Bundesverband Deutsche Startups e. V., rechts im Bild Florian Schmitt von lexrocket

Interview: Daniel Bartel vom Bundesverband Deutsche Startups e. V.

Wir lernten den Geschäftsführer von MAK3it und Düsseldorfer Sprecher des Start-up-Verbands auf dem Pirate Summit kennen

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Auch auf dem Pirate Summit drehte sich beim lexrocket Team alles um Start-up Ökosysteme – kein Wunder, dass wir mit Daniel Bartel vom Bundesverband Deutsche Startups e.V. ins Gespräch kamen über Aufgaben und Motivation des BVDS, seine eigene Firma und natürlich lexoffice.

Start-ups und das Ökosystem drumherum, unsere Buchhaltungs-App oder Eistee, Mario Kart oder einfach Neugier? Wenn sich auf dem Pirate Summit Nerds, Piraten und andere verwegene Gestalten dem lexoffice-Stand näherten, kamen meist gleich mehrere Anziehungspunkte in Frage. So ging es auch Daniel Bartel, der unter anderem ehrenamtlich für den Bundesverband Deutscher Startups e.V. unterwegs ist.

Daniel Bartel auf dem Pirate Summit im Interview

Daniel Bartel

Geschäftsführender Gesellschafter MAK3it

Daniel Bartel: „Empowering Innovation“, dafür steht Daniels Firma MAK3it
#Sprints #StartupHandbuch #NewWork

lexoffice: Hallo Daniel, was hat Dich an unseren Stand verschlagen, wie können wir Dir helfen?

Daniel Bartel: Hallo 🙂 ich habe heute Mittag zufällig von eurem Analyse-Projekt über Start-up Ökosysteme gehört – und da ich für den Bundesverband Deutscher Startups BVDS unterwegs bin, in Sachen Start-ups in NRW nämlich, möchte ich mich darüber natürlich gerne näher informieren.

lexoffice: Ist die Tätigkeit für den BVDS Dein Job oder ein Ehrenamt?

Daniel Bartel: Ein Ehrenamt. Beruflich bin ich Gründer und Geschäftsführer von MAK3it – unter dem Motto „Empowering Innovators“ empowern wir Teams. Konkret gehen wir in Firmen und unterstützen diese dabei, wie ein Start-up bei der Entwicklung und Verwirklichung ihrer Projektideen vorzugehen. Consulting, wenn Du so willst.

Analysen über Start-up Ökosysteme passen dazu natürlich herausragend.

lexoffice: Also Corporate Start-ups. Wie lexoffice eins ist.

Daniel Bartel: Corporate Start-ups, genau. Entrepreneure, Corporate Start-ups, wir unterstützen sie dabei, die ersten Schritte bzw. die ersten Meilen zu gehen.

lexoffice: Spannend. Vor allem, weil immer mehr Firmen inzwischen begreifen, wie sehr sie von einer Start-up Kultur profitieren können.

Daniel Bartel: Genau.

lexoffice: Wie wird man denn hauptberuflicher Corporate-Entwicklungshelfer mit Schwerpunkt Start-ups?

Daniel Bartel: Ich habe von 2008 bis 2011 bei IBM studiert und hatte das Glück, im dualen Studium Prof. Dr. Gunter Dueck kennenzulernen. Für den habe ich dann zwei Jahre lang gearbeitet.

Aber schon vorher war ich immer so ein bisschen ein „Gründer-Heini“, das hat bereits mit Schülerzeitungsprojekten angefangen. Gunter Dueck hat mich dann quasi wieder geweckt und gemeint „Dani, willst Du nicht eine Innovation machen – irgendwie musst Du Dein eigenes Unternehmertum finden.“

Also habe ich bei IBM gekündigt und mich an einem Car-Sharing Start-up beteiligt.

lexoffice: Car-Sharing? Wie war das strukturiert?

Daniel Bartel: Wie AirBnB für Autos 🙂 es war ja kein lokales Car-Sharing, sondern bundesweit und Peer-to-Peer. Wir hatten nachher 12 Mitarbeiter und mehr als 10.000 Fahrzeuge in der Datenbank.

lexoffice: Hattet heißt, das gibt es nicht mehr?

Daniel Bartel: Wir wurden aufgekauft. Von Drivy. Die Idee an sich hat noch nicht durchgeschlagen, das kommt aber noch. Ein Auto ist nun mal ein Fahrzeug und sollte kein ‚Stehzeug’ sein, nur weil es gerade nicht vom Besitzer gebraucht wird.
Wir haben uns mit dieser Idee sehr lange beschäftigt, natürlich auch mit der Sharing Economy und allgemein der Start-up Szene.

So bin ich immer tiefer in die Stuttgarter Gründerszene gerutscht, bzw. eigentlich habe ich sie auch mit aufgebaut, das war so von 2011 bis 2015 etwa.

lexoffice: Das hört sich so an, als solltest Du unbedingt auch Florian von lexrocket kennen lernen, der den Starting up USA Film über den Weg zum Silicon Valley gedreht hat. Und lexoffice solltest Du Dir auch genauer anschauen, denn besonders Start-ups brauchen bezahlbare und unkomplizierte Lösungen, die ihnen den Kopf fürs Tagesgeschäft freilassen.

Außerdem gibt es ein lexrocket Förderprogramm für Gründer.

Daniel Bartel: Schaue ich mir gerne mal an.

lexoffice: Unbedingt anschauen solltest Du Dir auch die Beiträge über das lexrocket Wüsten-Camp. Mit diversen Start-ups in die Wüste nach Dahab gehen, das geht über normale Selbsterfahrungstrips schon deutlich hinaus.

Wir haben mehrere Teilnehmer*innen befragt und sie sagten einvernehmlich total begeistert: Sehr wertvolle Learnings für Start-ups, Überschneidungen und Austausch mit Experten aus Branchen, mit denen sie sonst nichts zu tun hatten und hochwertiger Erfahrungsaustausch – das sollte eigentlich ganz spannend sein auch in Deiner Funktion für den Bundesverband Deutscher Start-ups. Magst Du mir über Euren Verband noch mehr erzählen?

Daniel Bartel: Klar, gerne. Wir sind der größte Verband in Deutschland, der die Stimme der deutschen Start-up Szene repräsentiert. Wir haben mindestens zehn oder sogar mehr hauptamtliche Mitarbeiter in Berlin, aber ich bin ehrenamtlich unterwegs und mache zusammen mit Torsten Jensen seit etwa einem halben Jahr NRW unsicher.

Der Bundesverband Deutsche Startups e. V. hat über achthundert Mitglieder in Deutschland, 120 davon in NRW sowie Dutzende Fördermitglieder – Unternehmen, die sich mit Startups verbinden wollen. Unsere Beschäftigung mit dem Thema Start-ups ist eine reine Lobbyarbeit.

Wir suchen Inkubatoren, Acceleratoren, Investors, Start-ups – unser Ziel ist es, Start-up Themen und Anliegen voranzubringen, auch in der Politik darauf aufmerksam zu machen, dass auch in Deutschland noch benötigt wird, was im Ausland als normal verfügbar gilt für Start-ups. Das ist auch einer der Gründe, warum ich hellhörig wurde, was die entstehende lexrocket Doku über Start-up Ökosysteme angeht – vielleicht lässt sich das Ergebnis für unsere Zwecke verwerten?

Laut einem Eurer Team-Mitglieder habt Ihr wohl herausgefunden, dass es in Deutschland für Start-ups nicht so cool aussieht wie in anderen Ländern.

lexoffice: Die Doku ist noch nicht fertig, das Team ist noch unterwegs. Aber es stimmt schon, die deutsche Mentalität ist natürlich oft eine andere als zum Beispiel die in Bezug auf Start-ups lässigere amerikanische.

Daniel Bartel: Genau.

lexoffice: Wobei die deutsche Mentalität, über die immer so hart gelacht wird, ja auch ein paar Vorteile hat.

Daniel Bartel: Viele sogar. Sonst wären wir kein so großer Start-up-Verband 😉

lexoffice: Was fasziniert Dich persönlich an Start-ups?

Daniel Bartel: Was mich an Start-ups fasziniert?

lexoffice: Ja. Was ist Deine Motivation, Dich ehrenamtlich zu betätigen und sogar Deine Firma auf das Thema aufzusetzen? Wie fing das an?

Daniel Bartel: Okay. Also … ich glaube fest daran, dass wir in Deutschland viele junge Talente haben, die zahlreiche geile Ideen haben. In der etablierten und meist fest strukturierten Welt der Konzerne können sie weder sich selbst noch die Konzernstrukturen neu erfinden. Das funktioniert nicht. Deswegen braucht es Start-ups, also junge Unternehmen, die eben dann den Markt verändern, die neue Geschichten entwickeln … die auf Basis von neuen Technologien Geschäftsmodelle entwerfen und die sich dann selbst verwirklichen.

lexoffice: Haben die Konzerne also begriffen, dass sie davon profitieren, mit der Start-up Mentalität und leichtfüssigen Orga zu arbeiten?

Daniel Bartel: Ja. Haben sie. Wir vom BVDS definieren Start-ups immer als Unternehmen oder junge Unternehmen, die auf der Suche nach einem hoch skalierbaren Geschäftsmodell sind. Vernetzung und Lobbyarbeit sind unsere Ziele.

Wir haben vor einigen Wochen eine Agenda verabschiedet mit einem 10-Punkteplan für NRW, wo wir eben sagen: ‚hey, liebes Land NRW, wenn ihr eben Start-up-Platz Nr. 1 werden wollt – nach Berlin Nr. 2 vielleicht, dann müsst ihr Folgendes tun’. Wir adressieren damit die Belange der Start-up-Szene an die Politik und erklären denen sozusagen: Dies und auch das brauchen Gründerinnen und Gründer, um einfach gründen zu können.

Mir persönlich geht es am meisten um deren Selbstverwirklichung, auf Basis modernster Technologien. Es macht Spaß, mit Entrepreneuren zu arbeiten, mit jungen Leute, Start-ups …

lexoffice: Sind denn wirklich alle Start-upper so jung?

Daniel Bartel: Nicht alle, natürlich. Aber man sagt, der erfolgreichste Gründer ist im Schnitt 36 Jahre alt. Das heißt, der First-Time-Entrepreneur, der mit Passion und sehr viel Herzblut und teilweise auch mit Selbstausbeutung an Geschäftsideen herangeht, der hat natürlich schon eine ganze Menge gelernt.

Aber wenn der dann nachher das zweite oder dritte Mal gründet … hat er in Deutschland noch so ein bisschen das Problem, das die Mentalität keine echte Kultur des Scheiterns kennt. Ich sage: Hey, wenn Leute halt scheitern mit ihrer Idee, dann sollen sie einfach weitermachen, etwas Neues machen.

lexoffice: Du triffst dann ja unglaublich viele Leute und kennst unglaublich viele Start-up-Ideen. Was sind Deine Lieblinge? Welche gefallen Dir besonders gut?

Daniel Bartel: Social Start-ups. Denen es nicht nur um Profit geht, sondern auch um gesellschaftliche Veränderungen. Deswegen bin ich auch im BVDS Schwesterverein SEND e.V. Mitglied, das ist der Social Entrepreneurship Deutschland Netzwerk Deutschland e.V.

Das sind meine Herzensthemen – Begeisterung für junge Founder und Social Entrepreneurship.

lexoffice: Denn man kann die Welt ein bisschen besser machen und trotzdem Profit einfahren – das stimmt.
Danke für das spontane Interview!

Daniel Bartel: Genau 😉 Nichts zu danken. Eure Infos und die App sehe ich mir mal an – das passt ja alles gut zu unseren Themen.

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Bundesverband Deutsche Startups e.V.
Die Stimme der Startups
https://deutschestartups.org/

Über den Autor
Carola Heine
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