Der unsichtbare Freelancer

Der unsichtbare Freelancer

Viele kreative Dienstleister, Programmierer und andere selbstständige Anbieter in der Existenzgründungsphase kennen das Problem:

Qualifikationen sind nachweislich vorhanden, Website und Social Media Profile ebenfalls – doch wo bleiben jetzt die Kunden? Es genügt nicht, einfach online zu gehen und dann abzuwarten.

Um nicht mehr unsichtbar im Ozean der zahlreichen Wettbewerber zu dümpeln, sondern sichtlich Fahrt aufzunehmen, musst Du zunächst lernen, Dich und Deine Fähigkeiten richtig unterzubringen.

Nicht für alle arbeiten! Wichtig ist Spezialisierung, eine Nische – oder beides

Wer Gründer nach der Zielgruppe zu ihrem Produkt oder Dienstleistungsangebot befragt, bekommt häufig zur Antwort: Das kann eigentlich jeder brauchen, das biete ich für „alle“ an.

Eine allgemein gehaltene Selbstdarstellung scheint auf den ersten Blick tatsächlich eine gute Idee zu sein, weil man auf diesem Weg möglichst viele potenzielle Kunden auf einen Schlag ansprechen kann.

Ist es aber nicht.

Niemand wird konkret angesprochen oder fühlt sich als Zielgruppe. Buchstäblich jeder andere Dienstleister aus der gleichen Branche qualifiziert sich aber damit als Wettbewerber.

Statt von der eigenen Qualifikation zu profitieren, konkurriert man mit allen, die zum niedrigsten Preis anbieten.

Alles für alle anzubieten ist also keine Lösung.

Viel zielführender ist es, die Erwartungen, Probleme oder Bedürfnisse einer bestimmten Zielgruppe zu erforschen und sich eine eigene Nische zu erobern: Eine Lösung für eine bestimmte Branche zu erarbeiten, sich als Experte auf einem Gebiet zu etablieren oder am besten gleich beides.

Das erleichtert bei jedem weiteren Karriereziel die Selbstdarstellung, Eigenwerbung und Kundenansprache und eröffnet viel zielgerichteter Möglichkeiten fürs Marketing, die Erfolgsaussichten haben.

Außerdem kann man auf diesem Weg früher oder später auf Erfahrungswerte und Routinen zurückgreifen, also noch erfolgreicher als sowieso schon kundenorientierte Lösungen anbieten – und wird als Experte für ein Thema oder eine Branche empfohlen.

Nicht aufgeben! Durchhalten gehört dazu, wenn man wahrgenommen werden möchte

Für die Vermarktung des eigenen Angebots ebenso wie für den Aufbau einer Präsenz online gilt: Durchhalten ist anfangs das Wichtigste.

Das gilt nicht nur fürs „Pflichtprogramm“ wie das Verteilen von Visitenkarten und Flyern, dem Spazierenfahren der eigenen Internet-Adresse auf dem Fahrzeug und dem Aushängen von Werbung, wo immer sie inhaltlich passt.

Noch langwieriger ist es, in der virtuellen Welt einen Ruf aufzubauen und als „Marke“ anerkannt zu werden mit dem eigenen Angebot.

Ein Blog erfolgreich aufzubauen, so dass es in Google gut gefunden wird, dauert je nach Thema und Intensität mehrere Monate oder ein Jahr. Von anderen als Experte wahrgenommen zu werden, kann sogar noch länger dauern.

Gründer sollten von ein bis drei Jahren ausgehen, bis sie sich erfolgreich etabliert haben.

Regelmäßig mit eigenen Inhalten und Meinungen präsent zu sein, die Artikel und Kommentare in den sozialen Netzwerken zu verbreiten und auf Offline-Netzwerktreffen zu gehen, um Anschluss an Kollegen mit ähnlichen Profilen zu finden:

Erfolg kommt selten über Nacht.

Dafür hat das Meiste, das man sich langsam und konsequent immer weiter aufbaut, dann auch Bestand:

Ein wachsendes Blog bekommt im Laufe der Zeit immer bessere Rankings, User werden zu Followern in den Netzen und Präsenz auf regionalen Treffen führt dazu, dass man als Experte wahrgenommen – und empfohlen – wird.

Durchhalten, am Ball bleiben und an der eigenen Präsenz im Internet so regelmäßig arbeiten wie an der restlichen PR, dann klappt es auch mit der Sichtbarkeit online.

Keine Angst vor Online-Werbung haben, sondern das eigene Erfolgsformat finden

Viele Einzel- und Kleinunternehmer scheuen davor zurück, mit Online-Kleinanzeigen zu arbeiten, die neben den Google-Ergebnissen eingeblendet werden wie bei Adwords oder einer passenden Zielgruppe eingeblendet werden wie bei Facebook oder XING.

Sie haben keine Landingpage, auf die Besucher über Anzeigen geleitet werden können oder denken, dass Online-Werbung nur etwas für größere Unternehmen ist.

Dabei bieten gerade Facebook Ads und andere „Kleinanzeigen“ in den sozialen Netzen, inzwischen sogar auf Twitter, die Möglichkeit, die Ausgaben exakt zu dosieren und mit verschiedenen Bildern, Texten und Optionen zu experimentieren.

Schon ab 5 bis 10 Euro am Tag lässt sich komfortabel testen, ob Anzeigenschaltung das eigene Business voranbringt oder mehr Besucher auf die Website holt.

Auch die fehlende Landingpage lässt sich mit bezahlbarem Aufwand nachrüsten: Bei Anbietern wie Leadpages kann man bereits ab 25 USD/Monat eine unbegrenzte Anzahl Landingpages erstellen, bei anderen wie Campaign2.de ist der Basis-Account kostenlos und erlaubt es, mit diesem Format zu experimentieren.

Außerdem sollte man auch offline nicht zu diskret mit den eigenen Kenntnissen umgehen.

Akquise ist immer und überall

Alte Hasen jeder Branche kennen das Phänomen bereits: Egal in welcher noch so privaten Situation man vom eigenen Job erzählt, irgendwer kennt immer irgendwen und kann eine Empfehlung aussprechen – wenn’s passt.

So kommt man in der Sauna zu neuen Kunden, im Urlaub am Buffet oder auf einer fremden Cocktailparty, so lange man nur den Mund aufmacht und einigermaßen verständlich und übersichtlich erläutern kann, was man beruflich macht.

Voraussetzung ist natürlich, dass man das auch tut.

Wenn also das nächste Mal ein freundlicher Small-Talker fragt, sollte man unbedingt die Gelegenheit nutzen, das eigene Fachgebiet vorzustellen.

Vielleicht ist die nette Mitmutter aus dem Sportverein ja die nächste Auftraggeberin.

13.04.2015