Was macht die Selbständigkeit mit mir? Teil 2: Dienstleistung (er)leben

Dienstleistung (er)leben: Was macht die Selbständigkeit mit mir?

Was ändert sich, wenn du nicht mehr nur Kundin oder Kunde bist, sondern selbst eigene Kundschaft hast?

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Wir alle kaufen ein, nehmen Dienstleistung in Anspruch, lassen uns beraten und erleben täglich guten oder schlechten Service in der einen oder anderen Form. Was macht es mit dir, wenn du auf das #Lebensgefühl_selbständig setzt und ein eigenes Unternehmen gründest? Oder Dienstleistungen anbietest? Plötzlich hast du eigene Kundinnen und Kunden: Wie verändert es deine Wahrnehmung?

Kenne deinen Kunden. Aber auch dich selbst.

Zu den ersten und wichtigsten Lektionen für alle selbständigen Unternehmer:innen gehört der service-orientierte Umgang mit denjenigen, die ein Produkt kaufen oder einen Auftrag erteilen. Ohne Kundschaft gibt es kein Geschäftsmodell.

Als Anbieter:innen lernen wir sofort oder manchmal erst auf schmerzhaften und teuren Umwegen, dass ein Kunde oder eine Kundin das einkauft oder beauftragt, was ihm oder ihr am meisten nutzt – nicht das Produkt mit den meisten Features oder zum dollsten Preis.

Für dein Marketing heißt das: Statt ausführlich die Vorteile, Funktionen und Details deines Angebots aufzuzählen, startest du besser mit der Ansage, welchen Bedarf du erfüllst – welches Problem du löst. Das zu erkennen ist erfolgsentscheidend, wie man im Vertrieb so unschön sagt 🙂

Sich das passende „Mindset“ zu erarbeiten färbt ab

Denn was du anbietest, was die Kund:innen sich wünschen und was sie am Ende dann wirklich brauchen, das können im Zweifelsfall bis zu drei verschiedene Dinge sein. Die größte Chance auf einen Auftrag oder Verkauf hast du, wenn du geradeaus auf den Kundenwunsch zumarschierst und den Nutzen dabei mitbringst.

Wenn du gelernt hast, den Informations- und Angbotsprozess logisch zu durchleuchten, verändert das vermutlich deine Wahrnehmung, wenn du selbst shoppen gehst oder Aufträge zu vergeben hast. Leere Worthülsen ohne konkreten Nutzen fallen dir viel schneller auf, du recherchierst viel konkreter und zielgerichteter und weißt wahrscheinlich daher auch viel schneller, was du willst (und wo du es bekommst).

Aber auch die Wahrnehmung dessen, wie andere dich als Kundin oder Kunde behandeln, verändert sich. Man denkt „das würde ich aber anders machen“ oder „davon kann ich etwas lernen“. Von Kolleg:innen hörte ich, dass sie zum Teil eine steigende Anspruchshaltung entwickeln:

Wer sich selbst sehr viel Mühe gibt, möchte dann gerne auch selbst so behandelt werden. Oft auch nach dem Motto „Wehe, wenn nicht!“ Denn als Anbieter:in weißt du in solchen Fällen natürlich, welche Service-Knöpfe du wirksam drücken kannst und wo sich eine öffentliche Reklamation lohnt.

Natürlich kann es auch genau andersherum laufen: Wer den hohen Aufwand hinter den Kulissen kennt, hat mehr Verständnis dafür, wenn mal etwas schiefgeht.

Britta Janzen aus der lexoffice Community hat vor wenigen Wochen die zweite Filiale für ihren Einzelhandel Wolle und Wunder aufgemacht und betreibt jetzt also zwei Ladengeschäfte und einen Online-Shop.

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Britta Janzen, Wolle und Wunder in Kiel

Carola: Liebe Britta, hat sich an deiner Wahrnehmung etwas geändert, seit du unter die Fachhändler:innen gegangen bist – würdest du sagen, dass sich beispielsweise deine Erwartungshaltung geändert hat, wenn du in ein Geschäft gehst oder online etwas bestellst, weil du über eigene Erfahrungen verfügst? Hast du beispielsweise heute mehr oder weniger Verständnis für Dinge, die vielleicht mal schiefgehen oder freust dich, wenn etwas besonders gut klappt?

Britta: Nein, ich würde sagen, da hat sich bei mir wirklich gar nichts geändert. Ich war schon immer im Team „Wie man in den Wald hineinruft…“, ob als Kundin oder Dienstleisterin. Das hat sich auch nicht dadurch geändert, dass ich jetzt in meinen eigenen Geschäften täglich Kundschaft habe.

Carola: Danke für die prompte und knackige Antwort – das klingt sehr brauchbar!

Was macht es also mit uns, Kund:innen und Kunden zu haben?

Die Antwort lautet wie so oft: Kommt darauf an. Bei manchen Selbständigen verschärft es die Wahrnehmung, immer den direkten Vergleich zu ziehen zwischen dem, was man selbst anbietet und wie man behandelt wird.

Andere haben ein Business, bei dem Augenhöhe zwischen Auftragvergebenden und Dienstleistenden eine Selbstverständlichkeit sein sollte – und jede Schieflage fällt sofort auf.

Wie ist es bei dir?

Hast du das Gefühl, dass sich an deiner Wahrnehmung von Kundschaft etwas verändert hast, seit du ein Produkt oder eine Dienstleistung anbietest? Wir freuen uns über deinen Kommentar.

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  • Foto: Adobe Stock Santi Nunez/Stocksy
Über die Autorin
Carola Heine
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