Was ich gerne schon als Existenzgründerin gewusst hätte

Was ich gerne schon als Existenzgründerin gewusst hätte: #meinwichtigsterrat

lexoffice Beitrag zur Blogparade mit dem Thema "Mein wichtigster Rat an mein Gründer-Ich"

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Welchen Rat würdest Du Deinem Gründer-Ich geben, wenn Du eine Zeitmaschine hättest? So lautet das Motto der Blogparade von Sascha Theobald mit dem Hashtag #meinwichtigsterrat.

Ganz ehrlich? Ich hätte mehr als einen. Der erste lautet: Ruhig mal richtig zuhören, wenn Leute mit Erfahrung von ihren Anfängen berichten (statt insgeheim zu denken, dass jetzt eh alles anders ist. Das ist es nämlich nicht.)

Gleich an zweiter Stelle würde ich der ehemaligen Existenzgründerin sanft, aber unmissverständlich sagen, dass es ein großer Blödsinn ist, sich um alles selbst zu kümmern, obwohl schon allein die Startphase ins Business überwältigend genug ist:

„Lass die Wohnung fremdputzen, hol‘ eine Aushilfe für diese 3.000 ins Leere verschickten ergebnislosen Flyer oder lass Printwerbung am Besten bleiben für Dein Business und verflixt noch mal, Du brauchst für dieses Buchhaltungsdings eine digitale Lösung und zwar nicht erst nach zehn Jahren, in denen Du monatlich Stapel kopiert und durch die Gegend geschleppt hast!“

Aufgaben an professionelle Lösungen und Dienstleister auszulagern ist eine Kunst, die es zu erlernen gilt. Bei mir dauerte es drei peinliche selbstberechnete Umsatzsteuerfehler, bis ich endlich so schlau war, eine gewisse Buchhaltungslösung zu nehmen und so manche mit Routineaufgaben verbrachte Nachtschicht, obwohl diese Aufgaben im Grunde ganz leicht outzusourcen waren, bis ich dafür nicht mehr zu bockig war.

Der dritte Tipp, den ich mit der Zeitmaschine an die in Abläufen umherirrende Gründerzeit-Carola schicke, ist wohl eher ein umfassender Marketing-Rundumschlag.

Was ich als Existenzgründerin über Marketing wirklich lernen musste

Mein Geschäftsmodell war von Anfang an dem digitalen Wandel unterworfen und das ist ein großer Vorteil, weil ich nicht mühsam erringen musste, was andere sich von der Pike aus aufbauen mussten – ich war ja schon mitten drin.

Das war mir so aber nicht klar, weil digitaler Wandel ja gerade erst anfing und ich lernte erst später: Die Marketingtipps von vielen renommierten Experten sind für die virtuelle Tonne, wenn es um mich als Freiberuflerin geht. Denn ich bin ja gar kein Konzern und muss gar nicht die Service-Stimme eines mittelständischen Unternehmens ausüben und ich mag zwar Produkte entwickeln, aber ich bin keins. Aus solchen Tipps kann ich mir generelle Tendenzen und Anregungen mitnehmen, mehr nicht.

Schlimmer noch sind aber die sich selbst standardisierenden Schablonen für Einzelkämpfer, wenn es um Selbstvermarktung geht. Eine Methode, die für eine Handvoll Experten oder Dienstleister gut funktioniert hat, wird schnell zu einer überstrapazierten einheitlichen Vorgehensweise „webweit“, und da mitmischen bekommt mir nicht gut. Den wenigsten, vermutlich. Von solchen Anleitungen für den Erfolg kann ich nur sehen, was gerade „in“ ist und abgleichen, ob es Trends gibt, die ich nicht auslassen kann.

Es hilft nichts, ehemals Existenzgründerin-Carola und alle, die bis hier gelesen haben und eigentlich kurz „Hallo“ sagen könnten in den Comments (das würde mich sehr freuen): Man muss immer wieder eigenständig konzipieren, experimentieren, die eigene Stimme finden und dabei obendrein noch lernen, dass Scheitern fester Teil des Prozesses ist.

Das lernen wir Erwachsenen vor dem Gründen nämlich nirgends so richtig: Dass man meistens fünf Ballons fliegen lässt und nur einer bleibt oben. Dass oft viele Konzepte eine Bruchlandung machen müssen, bevor man so viel gelernt hat, dass man sie aus dem Handgelenk schüttelt. Wie wichtig es ist, etwas überhaupt nicht gut zu können und sich dann trotzdem durchzukämpfen. Wie cool es ist, dass die Welt gar nicht untergeht, wenn ein Projekt bauchlandet. Weil man noch mehr Ideen hat.

Zum Glück gibt es mehr und mehr Menschen, die diese nützliche Schönheit des Scheiterns erkennen und ihm das Stigma nehmen. Außerdem, und auch das ist eine wichtige Erkenntnis: Allen stehen die gleichen digitalen Möglichkeiten zur Verfügung und alle anderen schicken auch nur Daten durch die Leitung, früher bekannt als „kochen auch nur mit Wasser“ 😉

  • Foto: © Lothar Drechsel – stock.adobe.com
Über den Autor
Carola Heine
Up to date: Trends, Insider-Wissen und Online Navigation

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  1. Heide Liebmann | 29.11.2018 | 16:39

    Genau so ist es! Die ein oder andere Bauchlandung gehört einfach dazu.

  2. […] Carola Heine: »Was ich gerne schon als Existenzgründerin gewusst hätte« […]