Die Zukunft sichern: Fachkräfte-Nachwuchs in der Krise

Die Zukunft sichern: Fachkräfte-Nachwuchs in der Krise

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Unser Fachkräfte-Nachwuchs von morgen und übermorgen ist aktuell in der Ausbildung oder im Studium, doch von der Corona-Welle ebenso kalt erwischt worden wie wir alle. Wir müssen aktiv verhindern, dass die COVID-19-Krise zur Krise für die berufliche Zukunft junger Menschen und der Fachkräftesicherung wird. Können wir bzw. die Corona-Hilfen den beruflichen Nachwuchs ausreichend schützen? Was kommt da auf uns zu?

Corona hat unser Leben auf den Kopf gestellt. Das gilt auch für den Fachkräfte-Nachwuchs, der in den nächsten Jahren aus Studium und Lehre ins Berufsleben eintreten soll. Zwar kehren Universitäten, Berufsschulen und Ausbildungsunternehmen nach und nach zu einer neuen „Normalität“ zurück, aber trotzdem gibt es noch jede Menge Fragen. Zum Beispiel die nach Perspektiven.

Zukunftsängste, Restriktionen und wirtschaftliche Unsicherheit treffen den Fachkräfte-Nachwuchs

»Junge Menschen in der Ausbildung sind durch die COVID-19-bedingten Schließungen von Berufsschulen, Unterbrechungen von Ausbildungen, Kurzarbeit in Ausbildungsbetrieben sowie einer zu erwartenden geringeren Zahl von Neueinstellungen und einer ansteigenden Zahl von Entlassungen in besonderem Maße betroffen. Inzwischen sind zwar viele Beschränkungen wieder gelockert, aber bei zahlreichen Ausbildungsbetrieben und ausbildenden Einrichtungen ist der Geschäftsbetrieb aufgrund der Corona-Krise immer noch ganz oder teilweise eingeschränkt. Bestehende Restriktionen, die weltweite wirtschaftliche Unsicherheit und individuelle Zukunftsängste bedrohen die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe.«

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Eckpunkte Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“

Das Eckpunkte-Papier richtet sich an kleine und mittelständische Unternehmen als Arbeitgeber bzw. Ausbildungsbetriebe.

Corona-Hilfe für den Fachkräfte-Nachwuchs in Schulen und Betrieben

Fünf Eckpunkte hat das Programm im Rahmen der Bundes-Hilfsprogramme in der Corona-Krise, Bezugnahmend auf Ziffer 30 des Beschlusses des Koalitionsausschusses vom 3. Juni 2020 »Corona-Folgen bekämpfen, Wohlstand sichern, Zukunftsfähigkeit stärken – Ausbildungsplätze sichern«.

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(1) Ausbildungsprämie bei Erhalt des Ausbildungsniveaus durch den Ausbildungsbetrieb

(2) Ausbildungsprämie bei Erhöhung des Ausbildungsniveaus

(3) Förderung bei der Vermeidung von Kurzarbeit während der Ausbildung

(4) Förderung von Auftrags- und Verbundausbildung auch in anderen Ausbildungsstätten

(5) Übernahmeprämie zur Sicherung der Weiterführung von Ausbildungsverhältnissen bei Insolvenz

Die Eckpunkte des Programms für den Fachkräfte-Nachwuchs

Die folgenden unterstützende Massnahmen hat sich der Bund überlegt, um mittel- und langfristig Fachkräfte-Nachwuchs wirksam zu unterstützen.

Ausbildungsprämie bei Erhalt des Ausbildungsniveaus

Die Ausbildungsprämie soll Ausbildungsbetriebe und ausbildende Einrichtungen motivieren, ihr Ausbildungsniveau im Vergleich zu den Vorjahren aufrecht zu erhalten. Antragsberechtigt sind kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), die durch die COVID-19-Krise in erheblichem Umfang betroffen sind: Wenn das Unternehmen in der ersten Hälfte des Jahres 2020 wenigstens einen Monat Kurzarbeit durchgeführt hat oder der Umsatz in den Monaten April und Mai 2020 um durchschnittlich mindestens 60 Prozent gegenüber April und Mai 2019 eingebrochen ist. Gefördert wird bei Vorliegen der Voraussetzungen durch einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 2.000 Euro für jeden für das Ausbildungsjahr 2020 abgeschlossenen Ausbildungsvertrag.

Ausbildungsprämie bei Erhöhung des Ausbildungsniveaus

Ziel dieser Förderung ist es, Ausbildungsbetriebe und ausbildende Einrichtungen zu motivieren, ihr Ausbildungsniveau im Vergleich zu den Vorjahren nicht nur aufrecht zu erhalten, sondern sogar zu erhöhen. Voraussetzung für die Förderungen wie beim ersten Punkt ist die Auswirkung der Krise. Gefördert wird bei Vorliegen der Voraussetzungen durch einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 3.000 Euro für jeden über das frühere Ausbildungsniveau zusätzlich für das Ausbildungsjahr 2020 abgeschlossenen Ausbildungsvertrag. Die Auszahlung erfolgt auch in diesem Falle nach dem Ende der erfolgreich abgeschlossenen Probezeit.

Förderung bei Vermeidung von Kurzarbeit während der Ausbildung

Ziel dieser Förderung ist es, die Kurzarbeit bei Auszubildenden zu vermeiden, um den erfolgreichen Abschluss der begonnenen Ausbildung sicherzustellen. Antragsberechtigt sind KMU, die ihre laufenden Ausbildungsaktivitäten trotz der Belastungen durch die COVID-19- Krise fortsetzen und Auszubildende sowie deren Ausbilder trotz erheblichem Arbeitsausfall nicht in Kurzarbeit bringen. Voraussetzung ist ein Arbeitsausfall von mindestens 50 Prozent im gesamten Betrieb. ie Förderung erfolgt in Höhe von 75 Prozent der Brutto-Ausbildungsvergütung für jeden Monat, in dem im Betrieb ein Arbeitsausfall von mindestens 50 Prozent zu verzeichnen ist.

Förderung von Auftrags- und Verbundausbildung

Zweck der Förderung ist die Stimulierung der stärkeren Nutzung von Verbund- oder Auftragsausbildung im Ausbildungsjahr 2020/21 für Auszubildende in KMU, die ihre Ausbildung temporär und pandemiebedingt nicht im eigenen Betrieb weiterführen können. Die Auftragsausbildung kann auf anderen anerkannten Ausbildungswegen durchgeführt werden, wobei die betriebliche Ausbildung Vorrang hat. Gemäß der Vorgabe der Ziffer 30 des Beschlusses des Koalitionsausschusses vom 3. Juni 2020 sollen die Details der Durchführung einer solchen Verbund- oder Auftragsausbildung im Rahmen der Allianz für Aus- und Weiterbildung erörtert werden. Eine Förderung erfolgt frühestens ab Inkrafttreten der Förderrichtlinie. Sie ist befristet bis zum 30. Juni 2021.

Übernahmeprämie Sicherung der Weiterführung von Ausbildungsverhältnissen

Ziel der Förderung ist die Sicherung der Weiterführung von Ausbildungsverhältnissen bei pandemiebedingter Insolvenz des ausbildenden Unternehmens. Die Förderung erfolgt bei Erfüllung der im Eckpunkte-Papier definierten Voraussetzungen durch eine einmalige Übernahmeprämie in Höhe von 3.000 Euro pro aufgenommenem Auszubildenden an das aufnehmende KMU und frühestens ab Inkrafttreten der Förderrichtlinie. Sie ist befristet auf Zeiten bis zum 30. Juni 2021.

Hilfe für Fachkräfte-Nachwuchs: Das Eckpunkte-Papier über Corona-Hilfe für Azubis richtet sich an KMU

Die Fördermaßnahmen im Rahmen der Covid-Hilfe sind auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit bis zu 249 Beschäftigten am Stichtag 29. Februar 2020 beschränkt. Für die Förderung kommen Firmen in Betracht, die eine Berufsausbildung in anerkannten Ausbildungsberufen oder in den bundes- und landesrechtlich geregelten praxisintegrierten Ausbildungen im Gesundheits-und Sozialwesen durchführen (Praktika sind ausgeschlossen). Es wird nur eine Prämie pro Ausbildung gezahlt und kombinieren lassen sich die Maßnahmen 4 und 5 nicht.

Achtung: Eine Inanspruchnahme anderer Programme des Bundes oder der Länder mit gleicher Zielrichtung oder gleichem Inhalt ist parallel nicht möglich: Das Unternehmen entscheidet, welche Förderung es in Anspruch nehmen will. Eine doppelte Förderung im Rahmen der Maßnahmen (4) und (5) ist ausgeschlossen.

Zum Download: Eckpunkte Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ des Bundeswirtschaftsministeriums

Die Gründer und Unternehmer von morgen: Fachkräfte-Nachwuchs in Zeiten von Corona

Freelancer, Soloselbständige und Kleinunternehmer können in vielen Fällen nicht auf die staatlichen Corona-Hilfen zurückgreifen – frischgebackene Gründer trifft dies besonders hart. Doch schon vor Corona herrschte in vielen wichtigen Berufen akuter Fachkräftemangel. Ein guter Grund, jetzt nicht einfach zuzuschauen, ob und wer sich berappelt, sondern den Fachkräfte-Nachwuchs überall wo möglich konstruktiv und strategisch zu unterstützen, diese wirtschaftlich schwierige Phase erfolgreich zu überstehen.

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Durch Corona-Hilfen vom Bund und weitere zahlreiche Hilfestellungen für Ausbildungsbetriebe wird es hoffentlich möglich sein, möglichst vielen Azubis eine vollständige und nahezu ungestörte Ausbildung zu ermöglichen.

Perspektiven für stark corona-geschädigte Branchen und die Kulturbranche

Fachkräfte-Nachwuchs in Gastronomie und Kulturbranche, Studierende und Leute mit Existenzgründungswunsch stehen leider noch vor ganz anderen Herausforderungen.

Während vielerorts das Bildungswesen im Shutdown in die Knie ging, haben sich zwar die Hochschulen im Corona-Shutdown als besonders anpassungsfähig, flexibel und innovativ gezeigt und mitten in einem laufenden Semester den Hochschulbetrieb komplett umgestellt. Den Lehrbetrieb nicht in großen Teilen ausfallen zu lassen oder gar vollkommen abzubrechen, sondern digital bis hin zu Prüfungen weiter zu führen, hat schon gezeigt, wohin die Reise geht: Der digitale Kulturwandel ist nicht mehr aufzuhalten.

Was fehlt, sind noch viel mehr konkrete Hilfen für den Fachkräfte-Nachwuchs in allen Branchen, die von den Corona-Maßnahmen eingeschränkt oder stillgelegt werden wie Tourismus, Kulturbranche und Gastronomie.

Außerdem Starthilfen für junge Gründende – insbesondere für Freelancer und Soloproneure ohne Zugriff auf Corona-Hilfen für Firmen – die in dieser Krise und danach den beruflichen Neuanfang frisch von Schule oder Uni weg in der Selbständigkeit wagen. Besonders der Kulturbetrieb fliegt leider unter dem Radar der meisten Hilfsmassnahmen, während die Unterstützung für Tourismus und Gastronomie häufig nur den sprichwörtlichen Tropfen auf dem heißen Stein darstellt und für Fachkräfte-Nachwuchs erst gar nicht zugänglich ist.

Das wird sich ändern müssen, wenn wir unsere Wirtschaft in und nach der Krise wiederbeleben wollen.

  • Foto: Adobe Stock Halfpoint
Über den Autor
Carola Heine
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