Interview mit Barbara Ochs, Texterin aus Düsseldorf

Familie und Beruf: Interview mit Barbara Ochs, Texterin und Kleinkindmutter

Lesezeichen setzen

Barbara Ochs lebt mit Mann und Kind in Düsseldorf. Sie ist Texterin mit journalistischer Ausbildung und schreibt für Unternehmen Texte – von der Pressemitteilung bis zu den Inhalten der eigenen Internetseite. Ihre Tochter ist noch ganz jung: Sie wurde im August 2013 geboren und im Oktober hat Barbara bereits wieder angefangen zu arbeiten.

Uns erzählt sie vom Alltag einer Freiberuflerin mit Kleinkind.

lexoffice: Wo ist deine Tochter gerade?

Barbara: Im Moment schläft sie. Glücklicherweise ist sie ein sehr entspanntes Kind, das gut einschläft und auch nachts sehr selten wach wird. Da ich Zuhause arbeite und keine Betreuung für sie habe, ist sie fast immer bei mir.

lexoffice: Wie arbeitet man mit einem so kleinen Kind?

Barbara: Ich arbeite glücklicherweise von Zuhause und kann so zwei bis notfalls auch vier Stunden am Tag arbeiten. Da die Kleine nachmittags gerne mal eine Stunde schläft, kann ich dann die Dinge erledigen, die Konzentration und Kreativität erfordern. Arbeiten, denen es nichts ausmacht, wenn sie stückchenweise erledigt werden, muss ich machen, wenn die Kleine um mich herumwuselt. Die Schwierigkeitsstufe steigt mit wachsender Mobilität und Geschwindigkeit der Kleinen. Noch kriecht sie, das aber ziemlich fix. Was ich tagsüber nicht schaffe, erledige ich ab 19 oder 20 Uhr, dann ist die Kleine im Bett.

Seit März ist mein Partner in Elternzeit. Er hat sich dafür entschieden, ein halbes Jahr lang 80 Prozent zu arbeiten, sodass er einen Tag in der Woche komplett zuhause ist. Er macht das super mit der Kleinen und ich kann jetzt auch wieder Kundentermine ohne das Kind wahrnehmen. In den vorherigen Monaten habe ich sie oft mitgenommen. Sie ist sehr unkompliziert und freundlich – das macht sie zu einem willkommenen Gast bei meinen Kunden, egal ob Hotel, Kanzlei oder Arbeitsschutz-Experte.

lexoffice: Kinder und der Alltag mit ihnen sind nicht planbar – vom Schnupfen bis zum Zahnen wird es immer Situationen geben, die sich nicht hervorsehen ließen. Wie gehst du damit um?

Barbara: Meine Kunden sind allesamt sehr verständnisvoll. Sie wissen, dass ich tue, was ich kann, dass aber im Notfall natürlich mein Kind Vorrang hat. Es gab Kunden, die sich nach der Geburt nicht mehr gemeldet haben. Das hat mich mehr verwundert als verärgert. Und siehe da: Vor ein paar Wochen klingelte das Telefon und es kamen diese alte Kunden mit neuen Aufträgen. Sie wollten mir einfach nur Zeit geben für die neue Situation. Großartig, oder?

Ich kann deshalb meist entspannt bleiben. Was ich vormittags nicht schaffe, geht vielleicht nachmittags, was dann nicht geht, geht abends. Bisher war es noch nicht nötig, Nachtschichten zu machen.
Sollte mich das Kind tatsächlich tagelang vom Arbeiten abhalten, gäbe es für dringliche Jobs sicherlich jemandem in meinem Netzwerk, der übernehmen könnte.

lexoffice: Was sind die größten Herausforderungen in deinem Arbeitsalltag?

Barbara: Die größte Herausforderung ist zu telefonieren und zeitgleich das Kind daran zu hindern am haarigen Katzenkissen zu lecken. Ein Luxusproblem. Ansonsten ist es überaus wichtig, den Aufwand und die Dauer von Aufträgen einzuschätzen. Ich rechne immer für die Planung einen Puffer von 100 bis 200 % drauf, damit ich notfalls Dringliches zwischenschieben kann – entweder eiligere Aufträge, die plötzlich aufpoppen, oder eben ungeplante Einsätze mit dem Kind. Das heißt, ich lege mir meine Tagesaufgaben so, dass sie zwei von maximal vier Stunden in Anspruch nehmen. Für die Kunden ist das in der Regel kein Problem und es kommt auf ein oder zwei Tage nicht an. Und wenn ich dann doch früher abliefere, weil ich drei statt zwei Stunden arbeiten konnte, sind alle mehr als glücklich.

Natürlich fällt es manchmal schwer, Arbeit und Kind unter einen Hut zu kriegen, ohne dass eines von beiden leidet. Und dann ist da ja auch noch der Haushalt, der sich auch nicht von allein macht. Mein Partner hilft zwar mit, wo er kann, aber er ist durch seine Arbeit auch mehr als eingespannt. Wenn dann große Projekte anstehen, kommt dann doch mal Stress. Wie kürzlich beim Relaunch einer Kundenseite mit mehr als 100 Unterseiten, die mit einem Mal auch noch früher online geschaltet werden musste als eigentlich geplant.
Das ist dann wirklich sehr stressig und ich habe mir jemanden gewünscht, der mal ein paar Stunden das Kind nimmt. Das war so kurzfristig allerdings nicht möglich. Da heißt es dann eben, Ruhe zu bewahren und trotzdem mit dem Kind ein, zwei Stunden am Tag vor die Tür zu gehen. „Wenn dir die Zeit fehlt, geh langsamer“, ist meine Devise. Alles andere sorgt für Flüchtigkeitsfehler und schlechte Laune.

lexoffice: Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Barbara: Er beginnt frühestens um 10 Uhr. Da ist das Kind angezogen, hatte sein Frühstück und mir beim Duschen zugeguckt. Meistens sind wir da schon seit 6 oder 7 Uhr wach und haben eine Stunde oder mehr mit Schmusen und Spielen im Bett verbracht. Ich checke als erstes die Mails und meine To-do-Liste. Je nach aktueller Lage entscheide ich dann, ob wir jetzt eine Runde um den Block drehen oder das auf nachmittags verschieben. Die Kleine legt um diese Zeit gerne ein kleines Schlümmerchen ein und ich kann die Spaziergänge super nutzen, um mich gedanklich auf die Arbeit vorzubereiten und noch dazu Besorgungen erledigen. Nachmittags schläft sie gerne eine bis zwei Stunden.

Das ist meine Kernarbeitszeit, aber sie lässt mich auch gut arbeiten, wenn sie wach ist. Bei Telefonaten oder wenn ich nicht die Zeit habe, immer mal einen Blick auf das Krabbeltierchen zu werfen, setze ich sie in ihren Laufstall. Meistens spielt sie aber so konzentriert mit ihren Sachen, dass ich genug Zeit habe, um zu schreiben, zu telefonieren und – ja, auch das – ein bisschen Haushalt zu machen. Mal braucht sie mehr Aufmerksamkeit, mal weniger. Wenn sie mich braucht, bin ich da. Ich hab sie vom Schreibtisch aus immer im Blick und kann trotzdem arbeiten.

lexoffice: Kann und soll das so weitergehen?

Barbara: Ab August soll meine Tochter dann 20 bis 25 Stunden bei einer Tagesmutter sein. Zum einen, damit das Kind soziale Kontakte zu anderen Kindern stärker aufbauen kann, zum anderen natürlich auch, damit mir mehr Zeit zum Arbeiten bleibt. Wir sind gerade im Auswahlprozess, aber sind sehr zuversichtlich jemanden zu finden, da ich durch das Home Office sehr flexibel bin. Ich möchte wieder wie vor der Geburt für ein bundesweit erscheinendes Wirtschaftsmagazin schreiben und muss dafür oft zu Interviews in die Chefetagen von Handel, Gewerbe und Industrie. Zu diesen Terminen kann ich allerdings die Kleine nicht mitschleppen. Bei meinen eigenen Kunden kann ich das machen, aber wenn ich für andere unterwegs bin, gelten deren Regeln, klar.

lexoffice: Was würdest du gerne ändern, kannst es aber nicht beeinflussen?

Barbara: Ich hätte gerne meine Eltern, meine Schwester und meine Oma in der Nähe, damit das Kind öfter bei ihnen sein kann. Sie wohnen fast 300 km weit weg, da sind die Besuche immer mit großem Aufwand verbunden. Ansonsten bin ich eigentlich ganz zufrieden bzw. hab bei wenigen Sachen das Gefühl, sie nicht ändern zu können. Es gibt für fast jedes Problem eine Lösung.

lexoffice: Wer macht denn bei dir Buchhaltung und Steuern?

Barbara: Meine Umsatzsteuervoranmeldung mache ich selbst, das ist ja keine Zauberei. Für die Jahresabrechnung habe ich einen Steuerberater gefunden, der auf die Medienbranche spezialisiert ist. Jemand, der sich in diesem Metier auskennt, ist Gold wert. Man ist ja doch eine seltsame Spezies des Freiberuflers mit den unterschiedlichen Steuersätzen, der Künstlersozialkasse und den Arbeitsprozessen mit Recherche, Außenterminen und sonstigen Kosten.

Mehr Helferlein habe ich nicht. Meine Rechnungen drucke ich auf mein Briefpapier oder verschicke sie per Mail. Eine Software dafür habe ich nicht.

lexoffice: Vielleicht schaust du dir einmal den kostenlosen lexoffice-Testmonat an – wer so gut organisiert ist wie du, sollte auf professionelle Buchhaltungssoftware für Aufträge und Rechnungen eigentlich nicht verzichten 😉

Vielen Dank für das Interview!

Barbara Ochs, Düsseldorf
www.textorama.de

Über den Autor
Carola Heine
Up to date: Trends und Online Navigation

Beitrag kommentieren