Familie und Beruf: Interview Petra A. Bauer von „Mama im Job“

Familie und Beruf: Interview Petra A. Bauer von „Mama im Job“

Lesezeichen setzen

Petra A. Bauer aus Berlin ist Schriftstellerin und Autorin von Ratgebern für berufstätige Mütter, Krimis, Kinder- und Jugendbüchern und betreibt neben diversen erfolgreichen Blogs auch noch das Familienportal „Mama im Job“ für berufstätige Mütter. Petra hat vier Kinder: Zwei Jungen und zwei Mädchen. Wir freuen uns, dass sie Zeit für unsere Fragen gefunden hat.
*
lexoffice: „Hallo Petra! Wo sind denn deine vier Kinder gerade?

Petra: „Mein Kind 1 ist bei sich zu Hause und schreibt hoffentlich (!) Bewerbungen. Kind 2 hat vorlesungsfreie Zeit und lässt Mama Sachen für eine Modularbeit ausdrucken. Kind 3 ist in der Schule und Kind 4 war in den Freistunden beim Arzt und ist eben mit der Fähre zurück zum Gymnasium gefahren.“

lexoffice: „Würdest du sagen, dass deine Kinder im Alter zwischen 16 und 24 aus dem Gröbsten raus sind und keine Betreuung mehr brauchen? Oder ist man als Mutter daheim grundsätzlich immer im Spagat zwischen Betreuung und Beruf?“

Petra: „Aus dem Gröbsten raus zwar schon, aber dafür sind die Herausforderungen andere. Nicht mehr Betreuung in dem Sinn ist gefragt, dass ich auf sie aufpassen müsste oder Hausaufgaben beaufsichtigen oder so. Aber ich bin hier für die Technikfragen zuständig, wenn denn mal wieder ganz schnell irgendwelche Sachen gedruckt oder auf CD gebrannt werden müssen. Betreuung bei Beziehungsproblemen und Taxidienste sind immer gefragt.
‚Wann gibt es Essen?‘ bleibt, egal wie alt die Kinder sind. Auch bei erwachsenen Kindern müssen wir gelegentlich bei Bauchlandungen eingreifen, wenn sie Situationen falsch einschätzen oder sie bei der Jobsuche unterstützen. Und wie sehr sie mich emotional noch brauchen, merke ich immer, wenn ich mal ein paar Tage nicht da bin oder wenn sie eine Weile nicht zu Hause waren mein Rat in allen Lebenslagen ist nach wie vor gefragt und da spielt es auch gar keine Rolle, ob ich gerade eine Deadline habe oder nicht: Wenn es dringend ist, dann bin ich halt zur Stelle.“

lexoffice: „Das hört sich nicht so an, als würde es sich mit einer Festanstellung vereinbaren lassen. Ist die Familie der Grund dafür, dass du Freiberuflerin bist?“

Petra: „Meine Familie ist der wichtigste Grund. Es ist hier nicht immer so turbulent, aber ich habe mich auch in letzter Zeit wieder mehr als einmal gefragt, wie ich manche Dinge organisieren sollte, wenn ich aushäusig arbeiten würde. Darüber hinaus genieße ich allerdings auch die Freiheit, ohne Chef zu arbeiten.“

lexoffice: „Große Kinder stellen ja auch an die Zeitplanung der Familie ganz andere Anforderungen als kleine – wie hast du es denn geschafft zu arbeiten, als die Kinder noch klein waren?“

Petra: „Als alle vier Kinder noch ganz klein waren, habe ich Puppen und Teddys hergestellt und auf Kunstmärkten verkauft. Ich habe gearbeitet, wann immer ich Zeit fand und die Kinder fanden das spannend. Kurse oder Märkte fanden immer am Wochenende statt, da konnte mein Mann in der Zwischenzeit auf den Nachwuchs aufpassen.
Mein erstes Manuskript habe ich angefangen, weil die Bestätigung für ehrenamtliches Engagement und typische Mutter-Aufgaben mir nicht genügt. Ich wollte arbeiten und Geld verdienen – und zwar nicht erst, wenn die Kinder irgendwann aus dem Haus sind. Mit dem Bücherschreiben begann ich also, als meine Jüngste in die Kita kam. Sie haben alle vier erfreulich schnell begriffen, was „Mama arbeitet“ bedeutet, und dass ich nicht so liebend gerne mitten im Satz unterbrochen werde, weil der dann nämlich unwiederbringlich weg ist.

lexoffice: „Was empfiehlst du Müttern, die gerne berufstätig werden oder bleiben möchten?“

Petra: „Perfektion hindert nur: Berufstätige Mütter sollten das bisschen Zeit, das ihnen neben der Arbeit bleibt, lieber mit ihren Kindern verbringen, als die Bude auf Hochglanz zu polieren. Outsourcen oder alle mit anpacken lassen. Eine Freundin hatte dazu einen sehr schönen Spruch: ‚Früher konnte man bei mir vom Fußboden essen. Heute benutzen wir Teller.‘“

lexoffice: „Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?“

Petra: „Der beginnt mit Latte Macchiato. Wichtig! Dann lese ich mich entweder einmal quer durch die Flipboard-App auf meinem iPad für meine gesammelten Anregungen dazu, was ich bloggen könnte. Oder ich schaue Instagram, Twitter, Facebook, Pinterest und Google+ durch, sowie diverse andere Blogs. Wenn ich mein Posting für den Tag noch nicht fertig habe, schreibe ich es zu Ende und füttere Facebook, Twitter und Google+ mit der URL.

Bücher für Rezensionen lesen, hin und wieder Videos drehen, an neuen Konzepten für die Blogs und Strategien zur Reichweitenerhöhung arbeiten (dazu versuche ich Google Analytics besser zu verstehen), Interviews beantworten und immer Fortbildung nebenher, das ergibt sich quasi zwangsläufig.
In Arbeitspausen werkele ich im Garten, im Haushalt, gehe einkaufen oder mache Sport, weil bei dieser Art der Arbeit Bewegung ja deutlich zu kurz kommt. Wenn ich mein gewünschtes Pensum geschafft habe, endet der Arbeitstag normalerweise damit, dass ich für die Familie koche. Die Kommunikation mit der Familie läuft den ganzen Tag über nebenher, je nachdem, ob sie anwesend sind oder ich über WhatsApp, iMessage, SMS oder Facebookchat mit ihnen in Kontakt stehe – letzteres übrigens auch gerne, WENN sie zu Hause sind.

Insgesamt sieht man, dass ich nicht so richtig an Work-Life-Balance glaube. Auch wenn ich unterwegs bin, denke ich ans Bloggen und / oder wie ich bestimmte Ereignisse auch beruflich mit Social Media verknüpfen könnte. Ein typischer Arbeitstag kann somit überall stattfinden, weil ich Notizen ja auch mit dem iPad oder iPhone machen kann bzw. mobil bloggen.“

lexoffice: „Wo bringst du bei diesen ganzen Aktivitäten Steuer und Buchhaltung unter? Das sind ja Themen, denen man auch als Mensch mit kreativem Schwerpunkt nicht ausweichen kann.“

Petra: „Tja, Buchhaltung ist wirklich enorm nervig. Ich bin gerade dabei, ein Konto bei einer Bank einzurichten, die sich um Nachhaltigkeit bemüht und will damit dann endlich meinen lexoffice-Account für mama- im-job.de nutzen. Davon verspreche ich mir Arbeitserleichterung und will vor allem meine Belegverwaltung vereinfachen.“

lexoffice: „Wir freuen uns über diesen Zugang in der lexoffice-Community 🙂 Vielen Dank für den Einblick in deinen Arbeitsalltag und weiter viel Erfolg!“

Petra A. Bauer
www.mama-im-job.de

Über den Autor
Carola Heine
Up to date: Trends, Insider-Wissen und Online Navigation

Beitrag kommentieren