Gewerbe anmelden - die Anleitung Schritt für Schritt

Gewerbe anmelden – die Anleitung Schritt für Schritt

Es ist soweit, du willst endlich gründen und es gibt viel zu erledigen. Zum Beispiel die Gewerbeanmeldung.

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Wo und wie du dein Gewerbe anmelden kannst und welche Überlegungen vorab, Bescheinigungen und Nachweise du dafür brauchst, erfährst du von uns in dieser ausführlichen Erläuterung.

Nicht alle Existenzgründungen setzen einen Gewerbeschein voraus, Wenn du freiberuflich tätig sein willst, gelten für dich andere Regelungen: Freiberufliche Tätigkeiten unterliegen nicht der Gewerbeordnung und müssen somit nicht als Gewerbe angemeldet werden. Rechtlich betrachtet musst du nur ein Gewerbe anmelden, wenn deine zukünftigen Einnahmen vom Finanzamt als “Einkünfte aus Gewerbebetrieb” klassifiziert werden.

Der größte Unterschied ist die Gewerbesteuer. Freiberufler*innen sind davon befreit und müssen auch keine Gewerbesteuererklärung abgeben. Da die gezahlte Gewerbesteuer fast vollständig auf die private Einkommensteuererklärung angerechnet werden kann, sorgt die Gewerbesteuerspflicht unterm Strich vor allem dafür, dass Gewerbetreibende Gewerbesteuer an die zuständigen Gemeinden zahlen müssen und im Gegenzug den (beinahe) gleichen Betrag weniger Einkommensteuer zahlen. Daher solltest du zunächst prüfen, ob die geplante Tätigkeit den freien Berufen zuzuordnen ist.

Übrigens: Wenn du mit einem Hobby Geld verdienst, bist du nicht automatisch in der Pflicht zur Gewerbeanmeldung. Als gewerblich wirst du erst angesehen, wenn du tatsächlich eine Gewinnerzielungsabsicht hast und deine Tätigkeit auf Dauer ausübst.

Wenn du dich definitiv mit einem Gewerbe selbstständig machen willst, solltest du als erstes prüfen, welche Rechtsformen für dich in Frage kommen.

Rechtsformen bei der Gewerbeanmeldung

Als Einzelunternehmer*in solltest du wissen, dass bei der Gewerbeanmeldung unterschieden wird zwischen Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften.

Personengesellschaften

Wenn du mit mehreren gründest, solltest du wissen: Personengesellschaften sind in der Regel die Rechtsform für Gründungsteams, in denen sich alle Gründer (= Gesellschafter) aktiv einbringen möchten und planen, gemeinsam ein Unternehmen aufzubauen. Die bekanntesten Rechtsformen sind die GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts), die OHG (Offene Handelsgesellschaft) und die KG (Kommanditgesellschaft). Die Gewerbeanmeldung ähnelt der für Einzelunternehmer, ergänzt wird aber noch ein Gesellschaftervertrag, durch den Pflichten, Aufgaben, Risiken und Gewinnverteilung geregelt werden.

Wie aufwendig das im Detail wird, kommt auf die gewählte Rechtsform an: GbR hat wenig, KG zahlreiche gesetzliche Bestimmungen, die eingehalten werden müssen.

KG oder Kapitalgesellschaften

Kapitalgesellschaften unterscheiden sich in ihrer rechtlichen Struktur deutlich von Einzelunternehmen, du gründest sozusagen eine eigene juristische Person. Diese kann selbstständig am Geschäftsverkehr teilnehmen und du könntest sogar selbst mit deiner Kapitalgesellschaft Rechtsgeschäfte abschließen: So etwas wäre mit einem Einzelunternehmen undenkbar.

Die am häufigsten verwendeten Kapitalgesellschaften in Deutschland sind die UG (Unternehmergesellschaft), die GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) und die AG (Aktiengesellschaft). Voraussetzung ist jeweils ein notariell beurkundeter Gründungsvertrag mit Geschäftskonto und eine Eintragung ins Handelsregister beim örtlichen Amtsgericht, diese einfache Anleitung für eine Gewerbeanmeldung für Einzelunternehmer*innen ist also eher nichts für dich, wir führen die Option der Vollständigkeit halber mit auf.

Mythos Kleingewerbe

Wir haben schon über den Unterschied zwischen Kleingewerbe und Kleinunternehmertum geschrieben. Noch ein häufiges Missverständnis: Gründer nehmen an, dass ein Kleingewerbe auch „kleinere“ Regelungen hat, wie Steuerbefreiungen oder keine Anmeldepflicht. Das ist falsch. Dieser Ausdruck meint im Grunde nur „kleinere“ Firmen mit weniger als 5 Mitarbeitern und weniger als einer Viertelmillion Umsatz. Aber auch wenn du selbst darunter ein niedriges Einkommen als Einzelkämpferin meinst:

Auch ein Kleingewerbe ist ein ganz normales Gewerbe und unterliegt den gleichen Regelungen.

Das gilt übrigens auch für nebenberuflich betriebene Gewerbe.

Der richtige Zeitpunkt: Wann ein Gewerbe anmelden?

Tendenziell solltest du dein Gewerbe lieber zu früh als zu spät anmelden, um Bußgelder zu vermeiden. Mehrere Zeitpunkte können dafür in Frage kommen, denn Unternehmen gründen sich nicht spontan und es ist häufig schwierig, einen ersten Tag festzustellen. Die Gewerbeordnung sieht eine eindeutige Regelung vor: Ein Gewerbe muss angemeldet werden, sobald eine gewerbliche Tätigkeit aufgenommen wird. Zum Beispiel, weil ein Businessplan erstellt wurde oder ein erster Auftrag angenommen oder erster Vertrag geschlossen wurde.

Sobald du als Selbständige*r in Erscheinung trittst, Verträge abschließt oder Investitionen tätigst, bist du bereits gewerblich tätig. Du solltest also vorher dein Gewerbe anmelden. Beginn deiner Selbständigkeit ist nicht der Tag der Gewerbeanmeldung, sondern der Tag, an dem du deine selbständige Tätigkeit aufnimmst. Entweder wenn die Geschäftsidee entsteht, die ersten Ausgaben getätigt werden, bestimmte Umsatzgrenzen erreicht werden oder die erste Steuererklärung anfällt: Je früher, desto besser. Denn dann kannst du Geschäftsausgaben steuerlich geltend machen.

Dieses Startdatum solltest du auch im Formular zur Gewerbeanmeldung angeben. Eine verspätete Anmeldung kann zu Bußgeldern und Nachzahlungen führen.

Auch vor der Gewerbeanmeldung kannst du aber bereits alle Ausgaben absetzen, die im Zusammenhang mit der Unternehmensgründung und deiner zukünftigen Selbständigkeit stehen. Bedingung dabei: Die entstandenen Betriebsausgaben dürfen nicht älter als 3 Jahre sein.

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Gewerbe anmelden gut vorbereitet

In einigen Branchen und Bereichen brauchst du bestimmte Konzessionen und Genehmigungen, um ein Gewerbe zu eröffnen. Vor der Gewerbeanmeldung solltest du dich um alle notwendigen Zulassungen kümmern.

Gastronomen beispielsweise benötigen neben einer Betriebserlaubnis des örtlichen Ordnungsamtes auch eine Gaststättenkonzession, um Alkohol ausschenken zu dürfen (früher: Schankerlaubnis) und eine Bescheinigung vom Gesundheitsamt. Handwerker benötigen eine Handwerkskarte oder eine Gewerbekarte für handwerksähnliche Betriebe von der Handwerkskammer und so weiter: Viele Berufe haben eigene zusätzliche Regelungen, die von dir abgeklärt werden müssen, bevor du ein Gewerbe anmelden gehst. Es kann sogar regionale Unterschiede geben, also solltest du dich an eine Gründerberatung wenden oder ans Gewerbeamt oder die IHK direkt, um dich gründlich zu informieren.

Formular downloaden und vorbereiten

Je nach Bundesland wird die Gewerbeanmeldung von der Gemeinde oder der Industrie- und Handelskammer bzw. der Handwerkskammer übernommen. In Bayern, Hamburg und Rheinland-Pfalz sind beispielsweise die Kammern zuständig, während in den meisten anderen Bundesländern die Gemeinden, in denen das Unternehmen gegründet werden soll, zuständig sind. Hol dir vorher unbedingt das Gewerbeanmeldungsformular, um offene Punkte vorab zu klären. Außerdem weißt du dann, welche weiteren Unterlagen du mitbringen musst.

Ein Gewerbe anmelden musst du persönlich. Das bedeutet, dass du als Einzelunternehmen selbst zum Amt gehen musst. Gründest du eine Personen- oder Kapitalgesellschaft, müssen die jeweiligen Gesellschafter oder Geschäftsführer die Gewerbeanmeldung durchführen.

Wenn alles ausgefüllt und alle nötigen Anlagen vorhanden sind, kannst du deinen Gewerbeschein normalerweise sofort mitnehmen.

Formular „Gewerbeanmeldung nach § 14 GewO oder § 5c GewO“

Das Formular, mit dem du dein Gewerbe anmelden kannst, besteht aus einer recht übersichtlichen Seite. Du lieferst Angaben zum Betriebsinhaber (Name, Adresse, Staatsangehörigkeit usw.) und zum Betrieb (Adresse, Rechtsform, Kontaktdaten, Geschäftszweck usw.).

Den „Geschäftszweck“ solltest du möglichst weit gefasst formulieren, um dir alle Optionen offen zu halten. Statt „Webdesign mit WordPress“ lieber „Internet- und Medien-Agentur“, beispielsweise. Da du jede Änderung an deinem Gewerbe dem Gewerbeamt mitteilen musst, kann es sehr nervig werden, wenn du in diesem Feld zu konkret geworden bist.

Der Name des Gewerbes ist deiner. Auf deinen Rechnungen hat immer dein Name zu stehen und kein ausgedachter Firmenname. Du kannst zusätzlich deine Marke entwickeln, aber das Gewerbe läuft grundsätzlich auf dich persönlich.

Im Formular musst du unter anderem darüber Angaben machen, ob du dein Gewerbe als Nebenerwerb oder Vollerwerb gründen möchtest. Als Faustformel solltest du dir merken, dass alles unter 18 Arbeitsstunden in der Woche als Nebentätigkeit gilt: Außerdem darf diese Nebentätigkeit nicht umfangreicher werden als dein Haupterwerb.

Die Einteilung ist besonders für die gesetzlichen Sozialversicherungsträger relevant, da du für eine nebenberufliche Selbständigkeit keine Pflichtbeiträge zahlen musst. Die Beiträge entrichtest du dann in der Konstellation im Rahmen deiner Haupttätigkeit.

Was kostet ein Gewerbeschein?

In einigen Gemeinden ist es bereits möglich, ein Gewerbe online anzumelden. Wie teuer diese Gewerbeanmeldung dann ist, das ist abhängig davon, wo du wohnst. Die Kosten werden von deiner Gemeinde festgelegt und liegen zwischen 10 und 60 Euro.

Das ist dann allerdings nur die reine Gewerbeanmeldung bei der Gemeinde oder der IHK/HWK. Da du in vielen Branchen vor der Gewerbeanmeldung diverse Nachweise und Bescheinigungen einholen musst, können die Kosten der gesamten Unternehmensgründung deutlich höher sein.

Gewerbe anmelden – und dann?

Wenn du deinen Gewerbeschein erhalten hast, werden zum Beispiel das Finanzamt und die zuständige Industrie und Handelskammer (IHK) bzw. die Handwerkskammer (HWK) darüber informiert, dass es einen neuen Gewerbebetrieb gibt. In den meisten Fällen ist entweder die Industrie- und Handelskammer (IHK) oder die Handwerkskammer (HWK) für dich zuständig. Grundsätzlich gibt es in Deutschland eine Zwangsmitgliedschaft in der jeweiligen Kammer und du kannst dir nicht aussuchen, ob du Mitglied wirst. Zusätzlich erhalten das Statistische Landesamt und die Gewerbeaufsicht eine Benachrichtigung, dass du nun gewerblich tätig bist.

Die Höhe der IHK-Beiträge richtet sich nach deiner Unternehmensgröße (Umsatz und Gewinn) und muss jährlich gezahlt werden. Für Kleinbetriebe ist die Mitgliedschaft bei einem Gewinn von bis zu 5200 Euro pro Jahr kostenlos. Auch Existenzgründer müssen in den ersten zwei Jahren keine Beiträge zahlen, wenn ihr Jahresgewinn unter 25.000 Euro liegt.

Für diese Anmeldungen musst du nichts tun. Die Behörden, die weitere Informationen von dir benötigen, werden sich per Post bei dir melden. Was du tun musst: Den Fragebogen ausfüllen, den das Finanzamt dir nun schicken wird.

Sobald das Finanzamt über deine Selbständigkeit informiert wird, wird dir ein Fragebogen zur steuerlichen Erfassung zugesendet, den du ausfüllen und zurücksenden musst. Wenn du dies beschleunigen möchtest, kannst du dir den Fragebogen auch schon herunterladen und ihn selbstständig ausfüllen und unaufgefordert an das Finanzamt senden.

Wenn das Finanzamt alle Angaben von dir hat, bekommst du eine Steuernummer für deine Einkommensteuer, Gewerbesteuer und Umsatzsteuer. Da du diese Steuernummer benötigst, um korrekte Rechnungen zu schreiben, sollte es in deinem Interesse sein, den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung möglichst schnell auszufüllen und zurück an das Finanzamt zu schicken.

Sobald diese Anmeldung beim Finanzamt abgeschlossen ist, ist dein Gewerbe angemeldet und du kannst loslegen.

Berufsgenossenschaft – gesetzliche Unfallversicherung

Jedes Unternehmen in Deutschland muss sich bei der Berufsgenossenschaft anmelden. Die Berufsgenossenschaft ist die gesetzliche Unfallversicherung und kümmert sich in Deutschland um alle Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren. Die meisten Branchen haben eigene Berufsgenossenschaften. Du solltest also herausfinden, welche für dich zuständig ist und dich, nachdem du dein Gewerbe angemeldet hast, innerhalb von 7 Tagen bei dieser anmelden. Die Webseite der DGUV – Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung mit allen nötigen Informationen.

Brauchst du einen Steuerberater?

Es gibt zwar keine Pflicht, mit einem Steuerberater zu arbeiten, doch besonders in der Gründungsphase wirst du sehr davon profitieren, dich professionell beraten zu lassen und auch gleich ein gutes Geschäftskonto zu nehmen.

Das perfekte Geschäftskonto für dein Gewerbe sollte

– deine wertvolle Zeit sparen
– keine versteckten Kosten mitbringen
– den Verwaltungsaufwand niedrig halten
– dich in der Arbeit unterstützen.

Kontist entwickelt für deine Selbstständigkeit genau so ein Geschäftskonto.

Was noch?

Geschäftsräume, Website, Online-Marketing, PR und Buchhaltung – der Aufwand rund um deine Gründung beginnt mit dem Gewerbe anmelden an sich ja erst, nun musst du noch viele weitere Entscheidungen treffen.

Mitarbeiter einstellen

Wenn du Mitarbeiter einstellen möchtest, musst du dich zusätzlich bei der Bundesagentur für Arbeit als Arbeitgeber anmelden und eine Betriebsnummer beantragen. Diese Betriebsnummer benötigst du, um die Gehaltsabrechnung deiner Mitarbeiter zu erstellen. Du solltest also auch diesen Antrag nicht zu lange hinauszögern, da deine Mitarbeiter sonst auf ihr Gehalt warten müssen.

Außerdem brauchst du dann eine Lösung für die Lohnbuchhaltung.

Krankenversicherung und gesetzliche Unfallversicherung

Als Selbstständige*r bist du nicht mehr verpflichtet, in der gesetzlichen Krankenversicherung zu sein, sondern kannst es freiwillig bleiben: Dann aber unbedingt Krankengeldzahlungen und den Wahltarif Krankengeld ab dem 15. Tag mit versichern, von selbst nehmen die Kassen nur den Versicherungsbetrag und zahlen kein „Tagegeld“ im Krankheitsfall. Außerdem solltest du dich bei der gesetzlichen Unfallversicherung melden.

Gewerbe anmelden, abmelden, ummelden

Grundsätzlich solltest du jede Änderung, die dein Gewerbe betrifft, zeitnah dem Gewerbeamt mitteilen: Beendigung der Selbständigkeit, Umzug (Verlegung des Firmensitzes) oder eine Änderung des Betätigungsfeldes.

Die Ummeldung läuft fast genauso wie die Anmeldung deines Gewerbes. Für den Verwaltungsaufwand musst du mit einer Gebühr von 20 bis 40 Euro rechnen. Viele Gewerbeämter verzichten allerdings vollkommen auf Gebühren und die Abmeldung ist kostenlos.

Wie auch bei der Anmeldung deines Gewerbes musst du das Finanzamt nicht separat informieren, da alle Informationen vom Gewerbeamt an das Finanzamt weitergegeben werden.

Hinweis : Du solltest beachten, dass in vielen Fällen Konzessionen verfallen, sobald du dein Gewerbe abmeldest. Wenn du deine Selbstständigkeit also nur pausieren möchtest, solltest du mit einer Ruhemeldung dem Gewerbeamt mitteilen, dass du eine vorübergehende Pause einlegst. Eine Abmeldung könnte deutlich mehr Aufwand verursachen, wenn du wenige Monate später alle Genehmigungen neu beantragen musst.

  • Foto: © Yakobchuk Olena – stock.adobe.com
Über den Autor
Carola Heine
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