Handlungsfähigkeit bewahren in bewegten Zeiten

Handlungsfähigkeit bewahren in bewegten Zeiten

New Work Expertin und Psychologin Judith Klups sprach mit uns darüber, was die Corona-Krise mit uns macht und wie Berater und Kanzleien damit umgehen können.

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Plötzlich ins Home-Office versetzt werden, den Chef nur telefonisch erreichen können und Mandanten, die Austausch per Videokonferenz erwarten: Die Krise bringt für Kanzleien ungewohnte Arbeitsformen mit sich. Veränderungen, die normalerweise über längere Zeit erprobt werden, sind auf einen Schlag Alltag. Dipl. Psychologin Judith Klups verriet Ihnen im lexoffice Webinar, wie Führung in dieser Situation gelingen kann.

Nachgefragt: Wird jetzt alles »remote«?

Carola Heine: Können Webinare für dich den persönlichen Auftritt ersetzen – käme es für dich in Frage, nur noch remote zu arbeiten?

Judith Klups: In diesem Fall bin ich für ein ganz klares und deutliches JEIN … lass uns doch die (Arbeits)Welt einmal komplett in Aufgaben-Familien denken: Bestimmte Aufgaben erfordern es, dass wir als Menschen uns tatsächlich sehen, berühren, anschauen – in echt! Diese Aufgaben gehen zur Not auch mal digital, so wie im Moment. Aber idealerweise sehen wir uns, tauschen uns aus, interagieren, bauen persönliches Vertrauen auf.

Andere Aufgaben erfordern dies nüchtern betrachtet nicht. Auch dann nicht, wenn wir uns wieder „normal“ (was auch immer das dann ist) sehen/treffen können – wir finden es zwar gegebenenfalls angenehmer, uns für diese Aufgaben wirklich zu sehen. Faktisch betrachtet gehen sie aber genauso gut (wenn nicht besser) auch digital. Für mich gilt es genau zu überlegen – und zu planen – welche Aufgaben was erfordern – und: was uns Menschen möglich ist und liegt.

Judith Klups

Diplom-Psychologin
http://www.zukunfts-agenten.com/

»Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich von Mensch zu Mensch: wie „erprobt“ bin ich im Umgang mit solch einer Situation? Wie stark bin ich selber betroffen? Wie sehr ängstigen mich neue Situationen – was ist mein Verständnis von „normal“? So ganz anders sind wir Menschen dann auch wieder nicht: es gibt bestimmte Bedürfnisse und Treiber, die sich bei vielen Menschen wiederfinden.

Was alle eint ist, den Blick nach vorne zu lenken. Denn typischerweise neigen wir Menschen in solchen Ausnahme-Situationen dazu, im Heute zu verharren: ein Blick in die Zukunft kann uns gemeinsam Orientierung und Sicherheit geben.

Carola Heine: Das klingt alles so einfach: in die Zukunft schauen – auf sich selbst schauen – ist es tatsächlich so einfach?

Judith Klups: Nein! Gar nicht einfach. Denn der Mensch ist nun mal der Mensch mit all seinen Prägungen, Emotionen, Bedürfnissen. Und das ist auch gut so.

In einer „normalen“ Arbeitswelt haben wir gelernt, in „Rollen“ zu funktionieren. Wir gehen „zur“ Arbeit, das ist normal und das, was „privat“ ist? Steht auf einem anderen Blatt. Im Moment aber eben nicht. Wer vorher in der Kanzlei in geordneten Routinen steckte, muss nun zuhause klarkommen, wo das gesamte Umfeld mit hineinspielt. Die Mandanten haben aber immer noch ihren Bedarf, mehr sogar noch dank der Krise, und können nicht warten.

Eine Tipp-Liste zum „richtigen“ Umgang mit dem Homeoffice wird uns da nachhaltig nicht weiterbringen. Jetzt ist es nötig, genauer hinzuschauen. Auf uns. Auf andere. Und vor allem wirklich: Nach vorne! Wir dürfen uns jetzt nicht lähmen lassen von der Angst, sonder Mut und Positives zulassen. Wenn wir handeln, dann gestalten wir und bewegen uns.

Carola Heine: Tatsächlich gibt es ja auch Menschen, die jetzt die eine fast euphorische Aufbruchsstimmung verspüren. Was hat diese Mitarbeiter der Steuerbranche denn vorher zurückgehalten?

Judith Klups: Sehr gute Frage! Was ich persönlich denke: vor der Krise galt so ein ganz anderes „Normal“ als normal. Es war scheinbar ein großer Schritt für viele, aus diesem Normal „auszubrechen“ – wobei, ich formuliere das mal sehr deutlich: es war schon VOR der Krise sehr klar erkennbar, was es in Zukunft mehr/anders/weniger braucht! Wir sprechen ja schon lange von der #Zukunftskanzlei und dem unausweichlichen Wandel der Branche.

Wirft „man“ nur einen Blick auf die Megatrends wie Individualisierung, Digitalisierung und New Work, dann war spätestens in allen Zukunftswerkstätten sehr klar: „Arbeit“ wird, kann und muss ich ändern! Nur: es gab keine Not-Wendigkeit, keinen Schmerz, keinen Druck – warum also etwas anders machen? Es war doch ok so.

Carola Heine: Im Webinar hast du gesagt: Es gibt Zeiten, in denen wir genug Zeit haben, uns auf die Zukunft vorzubereiten – und Zeiten, in denen Zukunft heute ist.

Judith Klups: Genau. Jetzt? Sitzen wir alle mitten drin in der Zukunft – und irgendwie auch in der Vergangenheit, wenn wir auf all die Restriktionen schauen, die wir noch erleben. „In der Not wird der Mensch erfinderisch“, der Spruch ist zwar traurig, aber wahr.

Mich sorgt eher, was mit all den plötzlichen Erfindungen passiert, wenn die Not weg ist. Da ist eine wichtige Frage: Wie schaffe ich es, in die Zukunft zu schauen, wo doch das Heute all meine Zeit & Energie braucht?

Die Antwort ist für mich sehr klar: indem ich mir die Zeit nehme, denn tue ich es nicht, bin ich in Zukunft nicht (mehr) handlungsfähig. Genau das ist der Punkt, an dem wir mit unserer Methode und gleichnamigen Software Workforce Evolution® ansetzen: der Zukunft gemeinsam eine Gestalt geben, damit sie Orientierung geben kann – um im heute handlungsfähig zu sein – oder (wieder) zu werden.

Wenn wir beginnen, die Zukunft heute zu planen, dann gehen wir damit auch den ersten Schritt Richtung Zukunft.

Carola Heine: Ein tolles Schlusswort, danke. Wir lesen uns in der Zukunft.

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