Websites von Handwerksbetrieben

Handwerker im Internet

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Es ist eines dieser paradoxen Phänomene im Internet, bei denen sich jeder User fragt, wie es eigentlich dazu kommen konnte:

Ausgerechnet Handwerksbetriebe, die von einer guten Auffindbarkeit durch immer neue potenzielle Kunden leben, haben erstaunlich oft veraltete, behelfsmäßige oder gar vollständig fehlende Websites.

Bei konkreten Rückfragen dazu ähneln sich die Antworten der Eigentümer dann sehr:

  • Keine Zeit. Das Tagesgeschäft frisst jede Minute, und so lange ausreichend zu tun ist, steht die Internetseite ganz unten auf der To-Do-Liste und wird ja scheinbar auch nicht so dringend benötigt.
  • In Arbeit. Der Sohn vom Kumpel des Klassenkameraden des Nachbarn hat „was mit Design oder Webdesign“ studiert und wird sich kümmern. Bald. Ein Bald, das oft schon über Jahre im Raum steht.
  • In Arbeit II. Es fehlen noch Fotos von Arbeitsproben, Referenzen von Kunden, endlich die Produktdaten vom Lieferanten, die Bilder der Mitarbeiter … es fehlt halt immer was, damit es endlich losgehen kann. Bald…
  • Bestandsschutz. So alt und bröselig die alte Website auch ist, in Hinterposemuckel hat sie beim Begriff „Werkzeugweitwurf“ eine gute Google-Position – sowas fasst man doch besser nicht an!

  • Datenchaos. Nach zwei Inhaberwechseln und drei Umzügen gibt es im Datenbestand der Suchmaschinen viele gut rankende veraltete Kontaktdaten, an denen man sowieso „nie mehr was ändern kann“ (oder so fühlt es sich an).

  • Kontrollfreaks. Damals, im letzten Jahrtausend, hat man ja alles selbst gemacht. Auch die eigene Website. So sieht sie auch heute noch aus, nur warum das jetzt nicht mehr gehen soll, ist nicht klar.
  • Vertrauen. Die überteuerte Agentur, der Vertriebler für Website-Baukästen und der Experte für (nur) einen Aspekt des Online-Marketings haben Spuren ihrer Kontaktaufnahmen hinterlassen und mit dubiosen Versprechen Misstrauen geweckt.
  • Budget. Besonders kleinere Betriebe können keine hohen Summen für Hochglanz-Präsenzen ausgeben und wären damit auch nicht gut bedient. Der richtige Dienstleister ist ein Glücksfall für den betreffenden Handwerker – und schwer zu finden.

Wir haben vor kurzem erst darüber geschrieben, wie wichtig eine Internetpräsenz für jeden Freelancer, Kleingewerbler und selbstständigen Unternehmer ist.

Bei klassischen Handwerksbetrieben kommen noch weitere wichtige Aspekte hinzu.

Ungenutztes Potenzial

Viele Handwerker zahlen seit über einem Jahrzehnt jährlich hohe Summen für eine Präsenz in Online Branchenbüchern und Erwähnungen in den „Gelben Seiten“ und ähnlichen Info-Portalen im Netz.

Branchenbücher bieten aber inzwischen häufig keine gute Chance mehr auf hohe Auffindbarkeit über Suchmaschinen, denn katalogartige Einträge mit sehr wenig Text werden in den Rankings eher abgestraft als gut aufgefunden.

Nur wer ein Handwerkerportal schon kennt oder gezielt in einem Branchenbuch sucht, findet dort die gesuchten Dienstleister.

Es lohnt sich also, trotz aller Zeitnot die etablierten Marketingmaßnahmen und Erbstücke zu überdenken, denn in vielen Fällen wird es möglich sein, von diesen Gebühren stattdessen eine eigene professionelle Website erstellen und warten zu lassen.

Auch der chaotische Datenbestand nach Umzügen und Inhaberwechseln ist nichts, das man hilflos hinnehmen muss.

Zwar ist es eine aufwändige Fleißarbeit, veraltete Kontaktdaten aus dem Internet zu entfernen, aber es ist machbar und kann ebenfalls an Profis ausgelagert werden.

Gute Dienstleister wiederum findet man, indem man sich anschaut, wer die Konkurrenten gut versorgt hat.

Da ein Großteil aller Handwerksbetriebe Kunden aus der eigenen Region oder einem bestimmten Großraum bezieht, spricht nichts dagegen, sich einen Dienstleister mit den Branchennachbarn aus einem anderen Bundesland zu teilen – eine Gefahr direkter Konkurrenz besteht ja nicht.

Eine realistische Erwartungshaltung schließlich hilft, auch eine kleine Website erfolgreich für Suchmaschinen zu optimieren.

Wer bundesweit in Google auf Platz 1 stehen will mit „Fliesenleger“, hat wesentlich schlechtere Karten als ein Unternehmen, das auf „Fliesenleger Köln, Bonn“ setzt, zum Beispiel.

Aber solche Dinge werden am besten von einem Profi betreut. Wie in der Handwerksbranche auch kann im Bereich Online-Marketing kein Amateur einen erprobten Meister ersetzen.

Über den Autor
Carola Heine
Up to date: Trends, Insider-Wissen und Online Navigation

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