Ideenklau im Team: Wenn andere sich mit Deinen Federn schmücken

Ideenklau im Team: Fremde Federn schmücken schlecht

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Ideenklau ist eine höchst ärgerliche Angelegenheit. Bestimmt ist es Dir auch schon passiert, dass Du laut nachgedacht hast und prompt präsentierte anschließend ein Kollege erfolgreich Deine Idee. Fast jeder kennt dieses Gefühl leichter Wut, weil jemand anderes Anerkennung und Wertschätzung für die eigene Idee abkassiert, ohne Dir als Urheber dafür anständig ‚Credit‘ zu zollen. Manchmal kann man protestieren und einen Konflikt durch einen aufklärenden Scherz sofort abwenden. Manchmal nicht.

In einem Kundenprojekt ist es noch relativ einfach. Als Freelancer, ob Du Berater oder ein anderer Dienstleister bist, gehört das Liefern von Ideen zu Deinem Leistungsangebot. Ein sachliches „Es freut mich sehr, dass meine ursprüngliche Idee dem Projekt jetzt so viel Nutzen bringt“ wird in den meisten Fällen fürs Zurechtrücken genügen, wenn Ideenklau droht. Du wirst ja dafür bezahlt, dass Deine Ideen genommen werden. Nicht ganz so einfach ist es im heimischen firmeneigenen Team – oder wenn es Dein Chef im Start-up oder Projekt ist, der sich an Deinem Einfallsreichtum bedient.

In Start-ups und anderen Projekt-Teams: Ideenklau kommt vor, sollte aber nicht einreissen

Ein Team, in dem Ideenklau der Normalfall ist und mehr oder weniger zähneknirschend, aber schweigend übergangen wird, bekommt früher oder später ein Problem. Es wirkt sich zuerst auf Motivation und Arbeitsmoral und später folgerichtig auch auf Umsätze und Außenwirkung aus, wenn niemand etwas dagegen tut. Auch für Dich als Einzelperson ist es äußerst unschön, wenn Du Dich ärgern musst. Was also kannst Du tun, wenn Dir Ideenklau widerfährt?

1. Sacken lassen. Niemandem ist damit gedient, wenn Du den Moment selbst verpasst hast, in dem der Ideenklau statt fand und nun spontan stark reagierst. Oder überreagierst. Du solltest alles von Anfang bis Ende überdenken, eine Nacht drüber schlafen, vielleicht auch die Sachlage mit einer vertrauten Person besprechen. Vielleicht ist am nächsten Tag alles spürbar eine Nummer kleiner als im ersten Moment? Es ist wichtig, dass Du Deine Energie – und Deine Glaubwürdigkeit im Team – nur investierst, wenn es sich auch lohnt.

Was kannst Du konkret tun, wenn Ideenklau Dich stört? Für Zeugen sorgen.

2. Zeugen sammeln. Wenn Du immer noch verärgert bist, obwohl Du in Ruhe nachgedacht hast, brauchst Du Kollegen, die bei wiederholter Selbstbedienung an Deinen Ideen Deine Position stärken.

Dazu musst Du keine konspirativen Meetings in der Kaffeeküche abhalten oder hinter dem Rücken von anderen Dinge absprechen. Es reicht völlig, wenn Du in Anwesenheit von Teamkollegen klar ansprichst, was Sache ist. Du präsentierst Ideen nur noch, wenn mehrere oder alle da sind. Wenn sich jemand von Dir inspirieren lässt, dankst Du in Anwesenheit der anderen dafür, Deine Idee aufgegriffen zu haben – Wertschätzung kann man manchmal auch ein bisschen einfordern. Sorg einfach dafür, dass andere mit dabei sind und es tatsächlich mitbekommen, wenn jemand Anerkennung für Deine Arbeit und Inspiration einstreichen möchte.

Diskussionen über die Quellen von Inspiration werden durch Dokumentation erleichtert

3. Dokumentieren. Um zu verhindern, dass sich andere immer wieder mit Deinen Federn schmücken, solltest Du dafür sorgen, dass Deine Ideen dokumentiert werden. Hierfür ist es nicht nötig, dass Du Dir Notizen machst und Akten anlegst, um „Beweise“ zu haben.

Mach einfach möglichst viel schriftlich. Du hattest in einer Telko eine tolle Idee? Dann schreibst Du im Anschluss eine zusammenfassende nützliche Mail für alle. Du warst Inspirationsquelle für einen sensationellen Lösungsansatz? Wiederhol ihn, mach ein Paper daraus und ergänze ihn, um ihn dann zu verteilen. Es ist schwierig, sich mit Deinen Ideen zu schmücken, wenn sie so klar Deine sind. Außerdem hast Du so den Vorteil, auch gleich auf Referenzen zurückgreifen zu können.

Wenn der Chef stets für alle spricht, kann von Ideenklau nicht die Rede sein

Überlegt vorgehen, Zeugen haben und die Abläufe zu dokumentieren macht es einfacher, mit Ideenklau umzugehen.

Natürlich gibt es auch noch die Möglichkeit, dass Eure Teamstrukturen Ideenklau praktisch vorgeben und komplett normalisieren. Indem es nämlich intern der Normalfall ist, dass Euer Chef, Team- oder Projektleiter derjenige ist, der als Verantwortlicher eine gemeinsam erarbeitete Idee immer als ein Erreichen seiner Ziele vorstellt. In dem Fall musst Du entscheiden, ob Du damit leben kannst und willst.

Immerhin ist es auch ein großes Kompliment, wenn Deine Arbeit zum Erreichen von Projektzielen beiträgt – und das merkst Du der Anerkennung durch Euren Teamleiter hoffentlich auch an.

Über den Autor
Carola Heine
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