Interview: Heide Liebmann, Autorin von “Die Magie der unternehmerischen Persönlichkeit“

Interview: Heide Liebmann, Autorin von “Die Magie der unternehmerischen Persönlichkeit“

Heide Liebmann ist Potenzialdetektivin und Positionierungscoach. Als Expertin beschäftigt sie sich mit Karrierecoaching, und gibt Online-Workshops zur persönlichen und unternehmerischen Weiterentwicklung. Sie berät außerdem seit 2003 Selbstständige in beratenden Berufen darin, wie sie sich am Markt eindeutig positionieren, wie sie ein umfassendes Kommunikationskonzept erarbeiten und so bei Akquise und Kundenbindung erfolgreicher werden. Zuvor arbeitete sie im Bereich Öffentlichkeitsarbeit eines Großunternehmens, zuletzt als Pressesprecherin und Verantwortliche für Mitarbeiterkommunikation. Außerdem ist sie dann auch noch Autorin gleich mehrerer Bücher. Wir haben heute das Vergnügen, im lexoffice-Blog ihr aktuelles Buch “Die Magie der unternehmerischen Persönlichkeit” vorzustellen.

Die Magie der unternehmerischen Persönlichkeit

lexoffice: Liebe Heide, Dein Buch richtet sich an Trainer und Coaches, die bekanntlich meist Freiberufler oder selbstständig sind und an ihrer professionellen Entwicklung arbeiten möchten. Wie bist Du auf diese Idee gekommen?

Heide Liebmann: Ich habe selbst lange gebraucht um zu verstehen, dass man als Unternehmerin ein anderes Mindset braucht, als es eine Selbstständige hat. Unternehmerinnen nehmen sich und die Entwicklung ihres Unternehmens genauso ernst wie Kundenprojekte und räumen sich dafür Zeit ein – auch wenn das Tagesgeschäft weiter laufen muss. In meinen Coachings und Beratungen zeigt sich immer wieder, dass es vielen Solo-Selbstständigen schwerfällt, diese Transformation zu durchlaufen.

Das hat viele Gründe: Bei manchen ist der Selbstwert ein großes Thema. Wer nicht wirklich an sich und seine Kompetenzen glauben kann, wird immer Schwierigkeiten damit haben, größer zu denken und daran zu glauben, dass die eigenen Leistungen für andere tatsächlich wertvoll sind.

Andere sind auf dem „Selbstverwirklichungstrip“, das heißt, sie folgen ihrer Leidenschaft und ihrem Herzen – aber sie vernachlässigen dabei die eher unangenehmen Aspekte des unternehmerischen Daseins: Strategie, Planung, Administration etc. Wer sich als Unternehmer begreift, akzeptiert, dass auch diese Dinge dazugehören und bewältigt werden wollen.

Wir haben alle Baustellen. Ich kenne jedenfalls niemand, dessen unternehmerische Entwicklung abgeschlossen ist. Mit meinem Buch wollte ich aufzeigen, in welchen Bereichen Entwicklung möglich und mitunter auch nötig ist, um seine unternehmerische Persönlichkeit auszubauen.

lexoffice: Persönlichkeit, Rahmenbedingungen, Zugehörigkeit und Außenwirkung sind die „Mosaiksteine“, aus denen sich die unternehmerische Persönlichkeit zusammensetzt. Das hört sich relativ analytisch an: Was genau verstehst Du also unter „Magie“ im Zusammenhang mit Persönlichkeit?

Heide Liebmann: Das stimmt :-). Ich habe versucht, ein Modell zu entwickeln, das es einfacher macht, die Bereiche zu identifizieren, bei denen Handlungsbedarf besteht.

Die Magie entfaltet sich dann, wenn die Leser*innen aufrichtig bereit sind, sich ihre „Schmerzthemen“ anzuschauen und daran zu arbeiten. Denn dann merken sie, dass sie sich damit ganz neue Spielräume erobern können. Wenn wir lernen, größer zu denken, bisherige Widerstände zu überwinden, mutig zu sein – dann entstehen manchmal tatsächlich so etwas wie magische Effekte.

Ob das wirklich jeder lernen kann, weiß ich nicht. Manche entscheiden sich ja auch ganz bewusst dagegen, und das ist auch in Ordnung.

Ich glaube aber, wer wirklich mehr will als nur „selbst und ständig“ zu arbeiten, kommt an der Auseinandersetzung mit dem Thema unternehmerische Persönlichkeit kaum vorbei. Dann muss man sich bestimmten Aspekten dieser Lebensform stellen, auch wenn das nicht immer nur Spaß macht und leicht ist. Das ist im Übrigen aus meiner Sicht eine der großen Lügen des Lebenshilfe-Business: Dass das Leben immer leicht sein soll. Damit produziert man nur Frust, weil gerade das unternehmerische Leben immer wieder Herausforderungen bereithält, die bewältigt werden müssen. Das ist manchmal mühsam, und das macht nicht immer Spaß.

Klar, wir wünschen uns alle mehr Leichtigkeit, und bis zu einem gewissen Punkt kann man daran auch arbeiten. Doch wir wachsen sowohl persönlich als auch unternehmerisch, wenn wir auch an den Punkten, wo es mal schwierig wird, dranbleiben, die Zähne zusammenbeißen und nach Lösungen suchen. Das gehört zum unternehmerischen Mindset dazu.

lexoffice: Besonders spannend ist das Kapitel über Macht und Selbstmächtigkeit in Deinem Buch. Als Freiberufler würde man ja eher erwarten, dass der Kunde sich als die Person mit der Entscheidungsgewalt über eine Situation fühlt. Und dann noch der Ansatz, dass Macht für viele negativ besetzt ist – für Dich aber nicht. Kannst Du uns erläutern, wo Du den Coach oder Trainer in einer typischen Konstellation siehst, wie Du es begründest, bei wem die Macht liegt und wieso es nicht negativ ist, von sich selbst ein Bild von jemandem mit „Macht“ zu haben?

Heide Liebmann: Das ist tatsächlich eins meiner Lieblingsthemen im Buch und überhaupt :-). Ich bin der Meinung, dass gerade Berater und Coachs sich dringend mit ihrem eigenen Verhältnis zur Macht auseinandersetzen und Macht für sich transformieren müssen.
Wenn wir das nicht tun, erkennen wir Machtkonstellationen nicht oder zu spät, und wir können nicht souverän agieren. Wir fühlen uns in bestimmten Situationen vielleicht sogar ohnmächtig, und das ist ein unangenehmes Gefühl, das es zu vermeiden gilt. Dann weichen wir bestimmten Themen oder Kontexten vielleicht ständig aus – und damit entgeht uns die Chance auf Wachstum und auch auf Business ;-).

Eins ist klar: Als Coachs und Trainer übernehmen wir immer Führung in der Interaktion mit Klienten und Auftraggebern. Das heißt, wir sollten das für uns auch anerkennen und entsprechend agieren.

Denn wer Macht hat, kann Dinge verändern – und genau das wollen die meisten Coachs und Trainer doch. Wir brauchen ein gesundes Bewusstsein der eigenen Macht, weil wir aus dieser Haltung heraus erst Machtverhalten erkennen und spiegeln können. Damit können wir unseren Klienten Erkenntnisgewinn ermöglichen – die Voraussetzung für Veränderung.

In Organisationen haben wir es zudem immer mit verschiedenen Machtformen zu tun, die mal mehr, mal weniger offensichtlich sind. Wenn wir nicht erkennen können, womit wir es zu tun haben, erleben wir dann Irritation bis hin zur Ablehnung, und wir kommen mit unseren ehrenwerten Anliegen einfach nicht weiter. Zudem kann es durch solche nicht hinterfragten Mechanismen zu „vergifteten Aufträgen“ kommen, bei denen auf die ein oder andere Weise letztlich der Status Quo nicht ernsthaft in Frage gestellt wird. Das heißt, wir haben dann als Coach oder Trainer nur eine Feigenblatt-Funktion, weil wirkliche Veränderung seitens des Auftraggebers gar nicht gewünscht ist. Wer sich mit den Mechanismen der Macht beschäftigt und seine Selbstmächtigkeit trainiert hat, kann solche Aufträge besser erkennen und gegebenenfalls auch ablehnen.

Wer übrigens beim Lesen der letzten Abschnitte ein komisches Gefühl bekommen hat, sollte sich ganz besonders intensiv mit dem Thema Macht beschäftigen ;-). Das ist meiner Beobachtung nach bei sehr vielen Kolleginnen und Kollegen ein großer blinder Fleck.

lexoffice: Danke für die ausführlichen Erläuterungen. Wo fängt nun jemand an, der durch Dein Buch Feuer gefangen hat? Die meisten unserer Existenzgründer haben wenig Zeit und viele Dinge, mit denen sie sich beschäftigen müssen. Gibt es eine Möglichkeit, sich mit Deinem Buch trotzdem auf den Weg zur unternehmerischen Persönlichkeit zu machen?

Heide Liebmann: Darauf habe ich keine allgemein gültige Antwort. Meistens gibt es einen Bereich, der einen besonders „anspringt“, und dem würde ich mich dann als erstes widmen. Die Übungen und Denkanstöße im Buch können erste Impulse geben. Manchmal stößt man auf Grenzen, wo man alleine nicht weiterkommt. Dann kann ein Coach weiterhelfen, oder man sucht sich Gleichgesinnte, die sich mit ähnlichen Themen befassen. Ich habe gute Erfahrungen mit Co-Coaching gemacht, also regelmäßigen Terminen mit einer anderen Unternehmerin, bei denen man sich austauscht zu den jeweiligen Themen des unternehmerischen Alltags und der Entwicklung des eigenen Business. Da entsteht dann so eine Selbstverpflichtung, und die hilft, sich dafür auch den Raum zu nehmen.

lexoffice: Was ist Dein Lieblingsthema aus dem Buch, womit hast Du Dich selbst am intensivsten beschäftigt?

Heide Liebmann: Ich freue mich immer, wenn es mir gelingt, Menschen auf Widersprüche in ihrem Denken und Handeln aufmerksam zu machen. Deshalb mag ich das Kapitel zu Widerständen und Erfolgsgewohnheiten besonders gern. Dafür habe ich eine neue Übung erfunden, mit der sich „Scheinriesen“ entlarven lassen, also Ängste oder Widerstände, die sich bei genauerem Betrachten als gar nicht so riesig und unüberwindbar zeigen, wie zunächst angenommen. Ich weiß aus meinen Coachings, dass diese Übung schon für so manches AHA-Erlebnis gesorgt hat ;-).

lexoffice: Vielen Dank, Heide Liebmann.

Das Buch „Die Magie der unternehmerischen Persönlichkeit” ist beim Herausgeber Manager Seminare und im Buchhandel erhältlich. Mehr über Heide Liebmann findet Ihr auf ihrer Website www.heide-liebmann.de

11.05.2016