Interview: Hubert Baumann, Berater Business Development

Interview Hubert Baumann

Wir freuen uns, dass Hubert Baumann anlässlich seiner aktuellen Veröffentlichung die Zeit für ein Interview mit uns gefunden hat. Das bereits zweite Buch zu seinem Blog heißt „Alles Geschmackssache – haben Sie die Kunden, die Sie sich wünschen?“ und richtet sich an alle, die in ihrem Arbeitsalltag mit dem Thema Kundenpflege und Akquise zu tun haben.

*

lexoffice: Wenn unser Gespräch ein Elevator Pitch wäre, wie würdest du dich den Lesern des lexoffice-Blog vorstellen?

Hubert: Seit mehr als 10 Jahren unterstütze ich als freier Unternehmensberater vorwiegend kleine und mittelständische Unternehmen bei der Gestaltung Ihres Außenauftritts und der professionellen Vermarktung ihrer Produkte.

Weil sich das Kundenverhalten in den letzten Jahren immer mehr verändert und klassische Werbung ignoriert oder überlesen wird, müssen neue Wege gefunden werden, wie sich Unternehmen bei ihren Kunden präsentieren.

Hier ist Marketing gefragt, das nicht auf leere Werbeversprechen, sondern auf Professionalität, sozialer Kompetenz und Fachkompetenz setzt. Genau an dieser Stelle setzt mein Beratungsansatz an.
Ein Außenauftritt, der authentisch ist, der Glaubwürdigkeit und Kompetenz vermittelt, ohne dass sich der Unternehmer dabei verbiegen muss, wird im Ergebnis die richtigen Kunden auf das Unternehmen aufmerksam machen.

lexoffice: Dein Buch heißt “Alles Geschmackssache”. Wieso ein Buch – wieso hast du dich für Print entschieden?

Hubert: Einer der Untertitel meines Buches lautet „Das neue Buch zum Blog“. Im Grunde wird man die meisten Beiträge aus dem Buch auch in ähnlicher Form in meinem Blog finden. Doch so fortschrittlich die Menschen auch sind, nehmen sie doch hin und wieder gerne mal ein Buch in die Hand.

Die Artikel im Buch sind deutlich strukturierter und sortierter als dies in einem Blog möglich ist.

Dennoch sind es aber viele kleine, in sich abgeschlossene Geschichten geblieben, die alle in sich mit dem Thema Kunde, Kundengewinnung und Kundenpflege zu tun haben und zum Nachdenken anregen sollen.

lexoffice: Warum scheitern so viele Unternehmer daran, getreu deinem Thema „authentisch bleiben in Kommunikation und Business“ zu handeln?

Hubert: Nun, ich glaube nicht, dass es vielen überhaupt bewusst ist, welche Folgen es haben kann, NICHT authentisch aufzutreten. In ihren Bemühungen, Kunden zu gewinnen, sind Unternehmer häufig bereit, mehr Zugeständnisse zu machen, als ihnen vielleicht selbst lieb ist. Sie gewinnen damit vielleicht Umsätze, aber keine zufriedene Kunden. Denn die Folge sind häufig Demotivation und Ärger mit dem Kunden bei der Auftragsdurchführung.

In manchen Situationen wäre es also durchaus ratsam, einen Auftrag abzulehnen, um damit Stress und Konfliktpotential zu vermeiden, aber auch um den Rücken für andere Kunden frei zu haben, die wirklich interessant sind.

Dass dies in der Praxis häufig nicht passiert, hat vielfältige Gründe. Zwang, Gier und Futterneid sind die häufigsten: Der Zwang, aus finanziellen Gründen einen Auftrag übernehmen zu müssen, die Gier, jeden Cent Umsatz für sich beanspruchen zu wollen und der Futterneid, vielleicht einen Kunden doch der Konkurrenz zu überlassen.

lexoffice: Die Tipps in deinem Buch behandeln sämtliche Themen von authentischem Auftritt über Preisgestaltung bis Social Media. Du ziehst dabei auch keine Grenze zwischen “real world” und virtuellem Geschäftsleben. Wofür und wie nutzt du selbst das Internet?

Hubert: Diese Grenze zwischen realer Welt und virtueller Welt gibt meiner Meinung nach im Geschäftsleben nicht. Kunden, die mich über die sozialen Medien kennenlernen und sich dort ein virtuelles Bild von mir machen, werden das gleiche Bild erwarten, wenn sie mein Unternehmen im realen Leben kennen lernen.

Alles andere würde die Kunden – mit Recht – irritieren.
Ich selbst nutze das Internet sehr intensiv und pflege ein sehr umfangreiches Netzwerk in den unterschiedlichsten sozialen Medien.

Dort versuche ich mit Persönlichkeit und Fachkompetenz Aufmerksamkeit zu erzeugen, zwischendurch aber immer wieder etwas mit Unterhaltungswert und Witz einzustreuen.
Die Grundlage zu einer Zusammenarbeit bildet jedoch immer der persönliche Kontakt.

„Virtuell kennenlernen – real zusammenarbeiten“. Wie die Interessenten letztlich auf mein Unternehmen aufmerksam geworden sind, ist im Ergebnis unerheblich – ob nun über Facebook, Twitter, über einen meiner Blogartikel, eine Veröffentlichung einem Portal oder einer Zeitschrift, oder über eines meiner Bücher.

Wichtig ist, dass sie mich und mein Unternehmen gefunden haben. Und das wegen meiner Fachkompetenz und nicht, weil ich sie über Monate hinweg mit Werbung überschwemmt habe.

lexoffice: Was empfiehlst du Existenzgründern, die sich zum ersten Mal mit authentischer Selbstdarstellung im Business auseinandersetzen: Wo fängt man an, wo hört das Bemühen auf, gibt es sinnvolle “Grundregeln”?

Hubert: Wichtig ist, dass der Unternehmer selbst die Zügel in der Hand behält. Ich kenne zahlreiche Unternehmen, deren Internetauftritt in keinster Weise das Unternehmen widerspiegelt, und das, obwohl die Seite sehr professionell gestaltet ist und wahrscheinlich sogar viel Geld gekostet hat.

Diese Unternehmen wundern sich dann, warum sie immer von den „falschen Kunden“ angesprochen werden. Der Grund: Die Gestaltung der Seite spricht genau diese Kunden an.

Die Seite wurde von einer Agentur nach ihren Vorstellungen entwickelt und vom Unternehmen einfach übernommen, ohne sich darüber weitere Gedanken zu machen.

Hier ist es die Pflicht eines jeden Unternehmers regelmäßig zu prüfen, ob sein Außenauftritt noch zum eigenen Unternehmen passt. Einen Auftritt, der es allen Recht macht, wird es nicht geben. Aber jeder Unternehmer hat die Chance, selbst zu entscheiden, welche Zielgruppe er mit der richtigen Wahl seines Auftrittes primär ansprechen möchte.

Eine Grenze? Ja, doch, die gibt es: Spätestens dann, wenn man das Gefühl hat, dass man alleine auf weiter Flur steht, ohne Geschäftspartner und ohne Kunden, dann sollte man seine Einstellung überdenken 🙂

lexoffice: Gibt es denn auch Entscheidungen, die du bereust und heute anders treffen würdest als selbstständiger Unternehmer?

Hubert: Über diese Frage musste ich in der Tat etwas nachdenken. Klar, sicherlich gibt es Dinge, die ich heute anders machen würde.

Wichtig ist aus meiner Sicht, dass man jederzeit nach allen Seiten offen ist, Entwicklungen mitmacht, Chancen wahrnimmt und auch bereit ist, einen neuen Weg einzuschlagen, wenn dieser Erfolg versprechend ist.

So hat sich auch bei mir einiges anders entwickelt als es ursprünglich gedacht war. Aber wenn das Ergebnis gut ist, dann darf man auch damit zufrieden sein.
lexoffice: Vielen Dank, Hubert Baumann!

„Alles Geschmackssache oder: Haben Sie die Kunden, die Sie sich wünschen?“
Autor: Hubert Baumann, BoD Book on Demand
ISBN 978-3-7347-4922-3

Die besten Artikel aus dem Marketing-Blog mit Tipps, Empfehlungen, lehrreichen Anekdoten und Geschichten aus dem Business-Leben des Autors.

*
Porträtfoto Urhebervermerk: Fotostudio Dagmar Rickert, Aschaffenburg