Lebenslauf mit Lücken - wenn Dienstleister Profile angeben

Lebenslauf mit Lücken – wenn Dienstleister Profile angeben

Mehr Mut zu Brüchen und Schieflagen bei Bewerbungen auf Projekt-Ausschreibungen und Jobs

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Krankheiten, Elternzeit, familiäre Verpflichtungen, persönliche Krisen oder Sabbaticals auf eigene Faust: Es kann viele Gründe haben, wenn ein berufliches Profil nicht schnurstracks auf der Karrierelinie entlang verläuft. Doch wie solltest Du am besten mit einem ‚löchrigen‘ Lebenslauf umgehen?

Ob Business-Profil bei XiNG und Linkedin, die About-Seite auf der eigenen Domain oder ein persönlicher Bewerbungsbogen bei Ausschreibungen … wenn Du einen Lebenslauf mit Lücken hast, kennst Du dieses blöde Gefühl, wenn vollständige Angaben über Deinen Werdegang von Dir erwartet werden – dieser aber alles andere als stromlinienförmig verlaufen ist. Was nun: Weglassen? Rechtfertigen? Ausführlich erläutern?

Mogeln oder etwas hinzudichten kommt natürlich nicht in Frage. Aber was ist mit den beiden Malen, die Du in der Probezeit gekündigt hast? Den drei gescheiterten Start-ups? Dem einen Mal, als sie Dir fristlos gekündigt haben? Dem Wechsel des Studiengangs, der schlimm langwierigen depressiven Phase oder dem Sommer, als Du Deinem Onkel auf der Farm in Neuseeland geholfen hast und noch ein paar Monate geblieben bist? Spannende Menschen haben spannende Lebensläufe. Bei jemand anderem würdest Du solche Brüche und Umwege auf dem Lebensweg vermutlich höchst interessant finden. Aber wie füllst Du selbst solche Angaben so aus, dass Dein Gegenüber Dich für verlässlich und vertrauenswürdig hält und mit Dir arbeiten will?

Wie sehr Du ins Detail gehst, ob Du Einblicke in Deine private Situation gibst oder ob Du Dinge wegkürzst, das kommt darauf an, um welche Profildarstellung es gerade geht. Auf Deiner Website wirst Du andere Details veröffentlichen als in einem Formular, auf XING oder Linkedin gegebenenfalls andere Schwerpunkte hervorheben als in einem klassischen Lebenslauf. Wichtig ist vor allem: Ehrlichkeit siegt. Es ist zwecklos, sich Fortbildungen und Qualifikationen auszudenken, erhaltene Abschlüsse zu erfinden oder Referenzen zu erdichten. Solche Unehrlichkeiten fliegen Dir online früher oder später um die Ohren und sind auch ganz schlecht fürs Selbstbewusstsein.

Denn wie sollst Du selbstbewusst auftreten, wenn bereits die Basis Deines Auftritts erstunken und erlogen ist? Das kann nicht gut fürs „Karma“ sein, denn schon kleine Lügen wie ein geschönter Schulabschluss werden sich sehr schnell ganz falsch anfühlen.

Nobody is perfect: Der klassische Lebenslauf

Wenn Du Dich für ein Projekt, einen Geschäftsanteil, eine Teilzeit- oder Vollzeitstelle oder als feste*r Freelancer*in bewirbst und dafür einen „klassischen“ Lebenslauf mitbringen sollst, wird in der Regel eine ziemlich lückenlose Timeline von Dir erwartet. Du musst also auch all jene Ereignisse mit aufführen, die als Ungereimtheiten bzw. größere Lücken im Lebenslauf aufgetreten sind: Arbeitslosigkeit, Krankheiten, freiwillige Auszeiten – alle beruflichen Ausfälle, die länger als zwei bis drei Monate angedauert haben.

Wenn in Deinem Lebenslauf eine solche Lücke zwischen zwei Tätigkeiten oder seit der letzten auftaucht, die länger als ein Vierteljahr andauert, solltest Du nicht in Rechtfertigungen verfallen – eine vernünftige Beschreibung genügt.

Manche Lebensereignisse verstehen hoffentlich alle Personalentscheider*innen: Pflegebedürftige Familienmitglieder oder eigene Krankheiten und Unfälle. Ohne ins Detail zu gehen, gibst Du einfach die Sachlage an: „Pflege der schwer erkrankten Großmutter“ oder „langwierige Erkrankung, Behandlungsphase bis hin zur vollständigen Genesung und Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft“.

Ein Wechsel des Studienfachs, des Arbeitgebers oder der Ausbildungsstelle sind ebenfalls nichts, wofür Du Dich langwierig rechtfertigen musst. Schließlich hattest Du Deine Gründe für den Lebenslauf mit Lücken – und wie dumm wäre es gewesen, an einer Stelle im Leben zu bleiben, die nicht zu Dir passte? Hier gibst Du den wahren Grund an, oder besser noch: Das Ziel, zu dem hin Du gewechselt bist. Umorientierung und bewusste Entscheidungen für eine der eigenen Neigung entsprechenden Richtung und die Suche nach einem guten neuen Weg sind schließlich ein Pluspunkt, auch wenn dadurch der Lebenslauf manchmal ein bisschen löchrig wird.

Schwarze Löcher im Lebenslauf mit Lücken? Sachlich bleiben!

Nicht alle Lücken im Lebenslauf lassen sich gelassen durch Herausforderungen und berufliches Umentscheiden begründen. Menschen machen Fehler, werden entlassen, verstehen sich nicht mit Vorgesetzten oder Kolleg*innen, fahren Projekte vor die Wand oder sind in manchen Jobs auch einfach mal so richtig schlecht. Wenn Deine berufliche Timeline solche schwarzen Löcher aufzuweisen hat, solltest Du Dich bei Rückfragen keinesfalls in Rechtfertigungen oder Anschuldigungen verwickeln. Es kommt nicht in Frage, über den ehemaligen Chef oder die Ex-Chefin herzuziehen oder zu erklären, dass es sich um Mobbing durch die Kolleg*innen gehandelt habe. Ob es wahr ist oder nicht, solche Aussagen fallen nur auf Dich selbst zurück.

Schreib sachlich „das Arbeitsverhältnis endete zum …“ und mehr nicht, höchstens noch „berufliche Neuorientierung hin zu Fachgebiet XY oder in Region YZ oder zum Schwerpunkt YX“ und so weiter. Bei Fragen erklärst Du, dass Du Dich anderweitig orientieren und fortbilden wolltest, weil Du das Gefühl hattest, an der besagten Stelle nicht mehr weiter zu kommen (der Rest lässt sich sowieso dem Zeugnis entnehmen). Vielleicht kannst Du auch die amerikanische Variante des Lebenslaufs wählen und chronologisch von der aktuellsten Stelle abwärts auflisten, wie Dein berufliches Profil sich entwickelt hat.

Zu den Lücken im Lebenslauf solltest Du so selbstbewusst stehen wie charmante Menschen zu ihren Lachfältchen: Sie sind nicht verhandelbar, können aber zum eigenen Vorteil eingesetzt werden.

Lebenslauf mit Lücken: Die Vorteile

Auf der About-Info Deiner Website wirst Du natürlich keinen detaillierten Lebenslauf angeben, sondern ein kurzes Profil hinterlegen, gerne mit Mission Statement, und Dich auf die Angaben beschränken, die zum Angebot auf der Website passen. Bei XING oder Linkedin wird es wichtiger sein, welche Keywords Du angibst und ob sie Dich und Dein Angebot ausreichend beschreiben, dort füllst Du einfach alle Formularfelder aus, auf die Du Lust hast – insbesondere natürlich Erfahrungen, Ausbildungen und Abschlüsse.

Egal wo Du Infos über Dich angibst, eines solltest Du wissen: Ein Lebenslauf mit Lücken ist nichts, wofür man sich schämen muss, sondern im Gegenteil ein Zeichen dafür, dass Du vielfältige Erfahrungen mit herausfordernden Situationen sammeln konntest. Du hattest Gelegenheit zur Selbstreflexion, hast gelernt Widerstände zu überwinden und dadurch auch Kompetenzen aufgebaut, über die nicht jeder verfügt. Dich haut so schnell nichts um, Deine spezielle Art der Berufserfahrung stärkt und motiviert Dich und das kannst Du auch genau so sagen:

Du kannst Probleme lösen und überstehen. Es gibt keinen Grund für Erläuterungen und Dein vorbeugendes Entwaffnen von Einwänden, die vielleicht gar nicht kommen werden.

Stell Deine Stärken, Erfahrungen und Deine Resilienz in den Vordergrund, dann werden es auch alle Deine Gesprächspartner*innen tun. Zu Deinem Lebenslauf mit Lücken solltest Du nämlich einfach so selbstbewusst stehen wie charmante Menschen zu ihren Lachfältchen. Beide sind nicht verhandelbar, selten sucht man sie sich aus, aber Du hast sie immer dabei und sie können trotzdem jederzeit erfolgreich zum eigenen Vorteil eingesetzt werden 😉

Welche Erfahrungen hast Du mit Bruchstellen im Lebenslauf gemacht? Wie sind die Reaktionen, wenn andere Menschen mitbekommen, dass Du beruflich auch einige Umwege gemacht hast?

  • Foto: © foxyburrow – stock.adobe.com
Über den Autor
Carola Heine
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