Unser Start-up des Monats: Less Too Late von Anna und Teresa Müller

lexoffice stellt Euch das Start-up des Monats April 2017 vor: Less Too Late

Die Schwestern Anna und Teresa Müller haben lange überlegt, wie man wirkungsvolle Non-Profit-Projekte unterstützen und auf ihre Anliegen aufmerksam machen kann. Das überwältigende Gefühl abzulegen, an den Missständen der Welt nichts ändern zu können und stattdessen ausgewählten Organisationen zu helfen. Sie gründeten Anfang 2016 Less Too Late und wir freuen uns, Euch das Unternehmen der beiden als unser Start-up des Monats April 2017 vorstellen zu können.

Anna und Teresa von Less Too Late, dem lexoffice Start-up April 2017

Anna und Teresa von Less Too Late, unserem lexoffice Start-up im April 2017

Start-up Less Too Late – zeitlose, tragbare Statements auf sozial-ökologischer Mode

lexoffice: Hallo Anna! Bitte stellt euch doch mal kurz vor.

Anna: Hallo 🙂 wir sind Less Too Late, ein soziales Modelabel, bei dem sich jede Kollektion einer gesellschaftlichen Herausforderung unserer Gegenwart widmet. Zusammen mit KünstlerInnen und DesignerInnen entwickeln wir Mode, durch die wir einen positiven Protest auf die Straße tragen können. Projekte und Organisationen, die den getragenen Botschaften der Kleidung Taten folgen lassen, werden mit einem Teil des Erlöses unterstützt.

lexoffice: Ah, das hört sich interessant an! Wie kamt ihr auf diese Idee?

Anna: Die Idee zu Less Too Late kam meiner Schwester Teresa und mir Ende des Jahres 2015, als die Welt durch diverse politische Events in großer Aufruhr war. Die Terrorattacken von Paris, der Aufstieg von Pegida, der Syrienkrieg: Nur einige von unzähligen Herausforderungen, mit denen wir uns konfrontiert sahen. Die Welle von Solidarität im Netz war immens und mithilfe von Hashtags zeigten Menschen ihre Anteilnahme. Wir aber wollten einen Schritt weitergehen und uns nicht nur solidarisch zeigen und Position beziehen, sondern auch aktiv und nachhaltig etwas verändern. Da kam uns die Idee zu Less Too Late.

Mithilfe von Statements auf Kleidungsstücken wollen wir auf gesellschaftsrelevante Themen aufmerksam machen und gleichzeitig mit einem Teil des Erlöses unabhängige Organisationen finanziell unterstützen.

Shirt von Less Too Late, dem Startup des Monats im April 2017 aus Köln

Shirt von Less Too Late, dem Startup des Monats im April 2017 aus Köln

Mode als Medium und Möglichkeit, mehr Sensibilität für gesellschaftliche Anliegen und eine wirkliche Veränderung zu erreichen, das war und ist unsere Vision. Teresa und ich haben dann nicht lange gezögert und unser Konzept durch diverse Pitches und eine erste Preview-Kollektion auf den Prüfstand gestellt. Dabei haben wir gemerkt, dass wir als Co-Founder sehr gut harmonieren und uns perfekt ergänzen – wahrscheinlich auch, weil wir uns einfach unser ganzes Leben lang schon kennen.

lexoffice: Ok, Ihr seid also die Co-Founder, aber habt ihr noch mehr Mitarbeiter?

Anna: Dieses Jahr sind Karen und Nadine ins Team dazu gestoßen, wir haben uns also sozusagen verdoppelt. Obwohl wir alle unterschiedliche Fähigkeiten mitbringen, vereint uns dieselbe Version und wir sind überzeugt, unsere Ziele gemeinsam noch besser erreichen zu können. Karen unterstützt uns insbesondere bei der Produktenwicklung. Als Frau von Fach kreiert sie auch unsere Prototypen und ist die Schnittstelle zu unseren Produzenten und Zulieferern. Nadine studiert genau wie Teresa Nachhaltiges Design und hat sich in dem Zusammenhang auf Illustration und Kommunikationsdesign spezialisiert. Sie unterstützt Teresa bei der Erstellung von visuellem Content für unsere Online-Kanäle, ist aber als Kommunikationstalent auch für die Lead-Gewinnung verantwortlich.

lexoffice: Was genau ist das Ziel eures Startups und was ist das Besondere daran?

Anna: Unser Ziel ist es, Mode weniger an kurzlebigen Trends auszurichten, sondern der ganzen Branche im besten Fall mehr „Sinnhaftigkeit“ zu verleihen. Wir wollen darüber hinaus jedem Einzelnen von uns eine Möglichkeit bieten, durch den eigenen Konsum einen sozialen Mehrwert zu schaffen. Unter „Nachhaltigkeit“ kann man heute alles Mögliche verstehen und wir finden, Nachhaltigkeit in Bezug auf Produkt und Herstellungsprozess sollte selbstverständlich sein – kein Marketingtool. Das Besondere bei unserer Zielsetzung ist deswegen, dass wir den Fokus mehr auf den Impact legen, den wir über die Wertschöpfungskette des Produkts hinaus kreieren können. Dass unsere Produkte dabei so ökologisch und sozial verträglich wie möglich sind, gehört zu unserem Selbstverständnis.

Less Too Late, zeitlose, tragbare Statements und sozial-ökologische Mode.

Less Too Late, zeitlose, tragbare Statements und sozial-ökologische Mode.

lexoffice: Spannender Markt, in dem ihr euch bewegt – gib uns doch mal paar Insights.

Anna: Da wir zusammen mit Organisationen als Kooperationspartner unsere Kollektionen realisieren und diese auch als direkte Vertriebspartner aktiv sind, sehen wir uns primär im Fundraisingmarkt. Dort lässt sich beobachten, dass viele NGOs und Organisationen sich schwertun, junge Leute zu Mitgliedschaften und Spenden zu bewegen. Die über 70-jährigen sind mit einem Anteil von 40% Spendenaufkommen immer noch die spendenfreudigste Gruppe. Die unter 40-jährigen interessieren sich zwar für gesellschaftspolitische Themen, liken und kommentieren gerne bei Facebook, sind für die Organisationen jedoch schwer zu konvertieren. Wir eröffnen den Organisationen einen völlig neuen Zugang zu dieser Zielgruppe. Was den Modemarkt angeht, ist auf jeden Fall spannend zu beobachten, dass das Marktwachstum der konventionellen Textilbranche stagniert bzw. rückläufig ist, wohingegen das ökosoziale Textilsegment kontinuierlich wächst. Insofern stehen für uns alle Zeichen auf Grün.

lexoffice: Wo geht die Reise hin? Wo seht ihr euch in 5 Jahren?

Anna: Für dieses Jahr planen wir zunächst den Launch unserer ersten umfassenden Kollektion, die Fragen nach unserem gesellschaftlichen Zusammenhalt in Europa stellt. Dieses Jahr ist unglaublich entscheidend für die Zukunft Europas und vor der Bundestagswahl im September wollen wir eine Möglichkeit schaffen, neben Demonstrationen wie die von Pulse of Europe auch im Alltag eine Form des proeuropäischen Protests sichtbar zu machen. In 5 Jahren hoffen wir natürlich, schon auf viele tolle Kooperationen und Kollektionen zurückblicken zu können. Wir wollen natürlich wachsen und auch in andere Länder vorstoßen, aber auch unsere Qualitätsansprüche und ökosozialen Standards weiter ausbauen. Unsere Idealvorstellung ist die, dass Modekonsumenten in den nächsten Jahren mehr Fragen stellen, mehr Transparenz fordern werden und mit ihren Kaufentscheidungen Verantwortung übernehmen wollen – auf diese Entwicklungen wollen wir mit unserem Angebot entsprechend reagieren.

lexoffice: Was unterscheidet euch von der Konkurrenz?

Anna: Unsere Mode ist zeitlos, tragbar – und in vielen Fällen auch Unisex, so wie unsere kommende Kollektion beispielsweise. Die Statements werden so auf der Kleidung platziert, dass der Träger selber entscheiden kann, ob er diese nach außen tragen möchte. So kann man unsere Blousonjacke beispielsweise wenden und von beiden Seiten tragen, bei anderen Teilen kann man durch Umkrempeln von Ärmeln oder dem Hochziehen von Kapuzen die jeweiligen Designs zeigen – oder nicht, das kann ja von Situation zu Situation unterschiedlich sein.
Im Gegensatz zu unserer Konkurrenz widmet sich bei uns auch nicht nur ein einzelnes Produkt oder eine Produktlinie einem gesellschaftsrelevanten Thema und spendet einen Teil an Organisationen. Bei uns gründet das gesamte Geschäftskonzept auf der Überzeugung, Mode als Träger für Botschaften und Katalysator für sozialen Wandel zu betrachten.

lexoffice: Wie organisiert ihr eure Buchhaltung?

Anna: Bevor wir Lexoffice kannten, haben wir die vorbereitende Buchhaltung manuell abgearbeitet und unsere Steuerberatung den Rest erledigen lassen. Dadurch, dass unser Team gewachsen ist, wurde auch die Buchhaltung zunehmend komplizierter und Finanzkram hat uns immer schon etwas abgeschreckt. Durch Lexoffice haben wir jetzt endlich alles verständlich und geordnet an einem Ort und kein Papierchaos mehr auf dem Schreibtisch.

lexoffice: Was waren bisher die größten Schwierigkeiten, die ihr auf eurem Gründungsweg überwinden musstet?

Anna: Die größte Herausforderung war zu Beginn, von der reinen Theorie in die Praxis zu kommen. Man malt sich alle möglichen Dinge aus, hat quasi schon eine riesige Vision vor Augen und muss dann mit Null Budget irgendwie loslegen. Zum Glück haben uns von Anfang an Experten und Coaches beim Gründungsprozess begleitet und wir haben in diversen Förderprogrammen schon einiges an Expertise für uns mitnehmen können. Trotzdem sind wir alle noch im Studium und müssen Less Too Late mit Hausarbeiten und Credits-Sammeln vereinen. Das ist nicht immer leicht, aber da wir alle nächstes Jahr fertig werden, ist zum Glück auch ein Licht am Ende des Bachelor-Tunnels zu sehen.

lexoffice: Wo sitzt ihr und warum habt ihr euch für diesen Standort entschieden? Was findet ihr besonders gut am Standort Köln?

Anna: Man glaubt es kaum, aber viele grüne und ziemlich erfolgreiche Modestartups wie z.B. Armedangels oder Funktionschnitt kommen aus Köln und haben hier auch ihre Spuren hinterlassen. Dadurch, dass Köln nicht so riesig ist wie Berlin, ist das Netzwerk hier ziemlich engmaschig und man hilft sich untereinander. Das hat vielleicht auch mit der offenen rheinischen Mentalität zu tun. Von Konkurrenzkampf ist hier jedenfalls wenig zu spüren. Außerdem war der Kölner Hauptbahnhof ja auch schon immer ein Tor zur Welt und wir finden, dass wir von hier wirklich gut angebunden sind. Gerade die Nähe zu Amsterdam gefällt uns sehr, da auch dort viele coole neue Labels entstanden sind, mit denen man sich austauschen kann.

lexoffice: Was erwartet ihr euch von unserem Startup-Programm?

Anna: Wir freuen uns vor allem auf eine inspirierende Erfahrung, neue Perspektiven, wertvolles Feedback und natürlich ganz viel Spaß!

lexoffice: Vielen Dank, Anna von Less Too Late!

Start-up des Monats werden? So geht’s

Informiert Euch über unser Förderprogramm für Gründer und Start-ups unter gruender.lexoffice.de. Wir freuen uns über Eure Bewerbungen!

07.04.2017