lexoffice Community Interview Nr 27: Güncem Campagna, Startboosters.de

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Im lexoffice Community Interview 27 stellen wir diesmal Güncem Campagna von startboosters.de vor. Die Unternehmensberaterin, Geschäftsleiterin und Gründerin von gleich zwei Start-ups hat sich für lexoffice als Buchhaltungslösung entschieden. Wir freuen uns, dass wir sie für ein Interview mit uns gewinnen konnten.

lexoffice Community Interview 27: Güncem Campagna, startboosters.de

lexoffice: Hallo Güncem, willkommen in der lexoffice Community. Erzähl uns doch bitte, was Du alles so machst und mit welchem Deiner vielen Projekte Du damals angefangen hast, unsere Buchhaltungssoftware zu nutzen.

Güncem: Ja, sehr gerne. lexoffice wurde mir mehrfach von Kollegen empfohlen, auch aus der Start-up Szene. Die waren alle sehr zufrieden und ich habe es ausprobiert.

Die lexoffice Lösung hat mir gefallen, weil sie einfach sehr leicht zu bedienen ist. Man braucht kein Handbuch. Man muss nicht irgendwo nachlesen, wie man etwas bedient. lexoffice ist selbsterklärend und von überallher zu bedienen – das ist natürlich ganz besonders für uns ein Vorteil, weil wir nicht alle in einem Office sitzen. Ich habe Kollegen im Home-Office sitzen oder in anderen Büros, die ab und zu mal was ablegen müssen, mal reinschauen müssen. Und da ist natürlich so eine Weblösung perfekt.

lexoffice: Du machst ja sehr spannende Sachen. Eines Deiner Start-ups ist die Codingschule Düsseldorf.

Güncem: Richtig, ich habe die Codingschule vor rund anderthalb Jahren gegründet. Es fing an mit einem Workshop, den wir für Mädchen im Rahmen des Girls’Day gegeben haben. Und der kam so gut an, da haben wir sofort gesagt, das machen wir weiter. Jetzt geben wir Kindern und Jugendlichen, mittlerweile aber auch Erwachsenen Workshops, Kurse und zweitägige Seminare im Bereich Coding, also Programmieren und … ja, digitale Themen – Hardware zum Selbstgestalten.

lexoffice: Dieses Start-up ist noch relativ jung, Ihr seid im Frühjahr 2016 gestartet, aber es läuft ja super – sogar der Düsseldorfer Bürgermeister war schon zu Gast in der Codingwerkstatt, die ihr mit einem Partner monatlich im Düsseldorfer Medienhafen als Programm für die ganze Familie anbietet. An welche Altersgruppe richtet sich denn die reguläre Codingschule?

Güncem: Die Codingschüler fangen an bei etwa 10 Jahren. Die etwas schwierigeren Kurse, inhaltlich anspruchsvoller, gehen bei 12-13 Jahren los. Das ist zum Beispiel der Bereich Game-Development. Die Teilnehmer können ihre eigenen Videogames selbst entwickeln.

lexoffice: Tatsächlich in dem Alter schon? Wie lange vorher muss man sich in der Codingschule anmelden, um einen Platz zu bekommen? Ihr seid ja sicher gut gebucht.

Güncem: Ja, das geht in dem Alter los. Wann eine Anmeldung Sinn macht, das ist unterschiedlich. Die Ferienkurse waren sehr schnell ausgebucht, weil sie natürlich eine ganz tolle Alternative sind zu Reiterferien oder Tenniscamp. Die Kinder können ihre Zeit sinnvoll spielerisch gestalten und nehmen sich viel Wissen mit, das natürlich auch für zukünftige Berufsbilder relevant ist. Es empfiehlt sich, mindestens einen Monat vorher zu schauen, wenn man überlegt, einen Kurs zu buchen.

lexoffice: Ein tolles Projekt. Aber Du hast dann noch ein weiteres Start-up gegründet.

Güncem: Das stimmt. Es ist nicht nur bei der Codingschule geblieben. Ich habe die StartBoosters gegründet. Hier bringen wir etablierte Unternehmen, Mittelstand und Start-ups zusammen. Wir sind dabei ziemlich breit aufgestellt: Wir bedienen im Grunde alle Unternehmen, die Digitalisierung vorantreiben möchten. Es gibt Methoden, die man lernen kann. Für diese bieten wir Programm-Workshops an. Aber wir fördern beziehungsweise unterstützen auch die Zusammenarbeit von Mittelstand und Start-ups, indem wir schauen: Was braucht dieses Unternehmen in welchem Bereich … dann suchen wir das passende Start-up dazu aus. Und andersherum: Wenn ein Start-up zu uns kommt und sagt „Ich habe die und die Dienstleistung – wisst ihr jemanden, der mir behilflich sein könnte“, dann schauen wir, ob es jemanden in unserem Netzwerk gibt, der genau diese Dienstleistung braucht oder ob das Start-up Unterstützung auf die eine oder andere Art und Weise bekommen kann, wie zum Beispiel Zugang zu Lieferanten oder vielleicht ein Mentoring.

lexoffice: Das ist spannend, weil ja komplett verschiedene Mentalitäten aufeinandertreffen. Ein gestandener Mittelständler – was erhofft sich so eine Firma von der Start-up Szene? Synergien?

Güncem: Ein etabliertes Unternehmen hat in der Regel feste Strukturen, die über Jahre, Jahrzehnte gewachsen sind. Da ist es schwierig, mit komplett neuen Geschäftsmodellen zu starten, digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln oder Produkte zu entwickeln. Start-ups sind da einfach viel schneller, viel agiler, wie wir in der Start-up Szene sagen. Sie sind nicht an feste Prozesse gebunden, müssen sich nicht ewig noch mehr Freigaben holen oder starre administrative Vorgaben befolgen. Start-ups setzen sich hin und entwickeln einfach – und kommen dann ganz schnell so weit, wie ein etabliertes Unternehmen das vielleicht nicht schaffen würde.

lexoffice: Wenn man sich Start-ups anschaut und die verschiedenen Berichte – auch bei unserem „Start-up des Monats“ – das ist eine sehr männerlastige Branche. Du hast gerade auf zeit.de ein Interview dazu gegeben, wie bedeutsam Du es findet, dass mehr Frauen mitmischen. Warum hältst Du das für wichtig?

Güncem: Das ist aus vielen verschiedenen Gründen sehr wichtig. Wenn beispielsweise ein Produkt entwickelt wird, das sowohl Männer als auch Frauen ansprechen soll, dann ist es meiner Meinung nach essenziell, dass eine Frau mit entwickelt. Eine, die sagt „für eine Frau ist vielleicht diese Funktion relevant und die ist weniger relevant“.
Wieso das wichtig ist, lässt sich ganz einfach in einem Webshop beobachten. Ein Mann hat ein ganz anderes Einkaufsverhalten und Suchverhalten als eine Frau. Ein Mann sagt, „ich brauch eine Bohrmaschine“, tippt „Bohrmaschine“ ein und gibt die Leistungswerte an. Dann bekommt er drei Anzeigen und eine wird es. Eine Frau … die stöbert hier, die stöbert da, macht verschiedene Schleifen und guckt sich gleich die beschriebenen Eigenschaften an, Sachen wie, „bohrt auch in der dicksten Wand und macht keinen Staub“, um beim Beispiel zu bleiben. Das ist für eine Frau eventuell relevanter, während ein Mann sagt „die Maschine hat soundso viel Watt, und der Bohrer hat soundso viel Millimeter“, was für die Frau gar nicht relevant ist. Sie möchte eher das Ergebnis sehen.
Das ist jetzt ein einfaches Beispiel. Aber man kann es eigentlich auf alle Felder ausdehnen.
Dann wäre da noch die gesellschaftspolitische Komponente. Wenn wir jetzt einfach pauschal unterstellen, wie es derzeit allgemein angenommen wird, dass die erfolgreichsten Start-ups jene Produkte und Dienstleistungen entwickeln, die für uns zukünftig relevant sind – Dinge, die beeinflussen, wie wir Auto fahren, wie wir wohnen, wie wir einkaufen … dann ist es wichtig, dass Frauen darauf Einfluss haben. Wenn ich jetzt sagen müsste, dass hauptsächlich Männer gestalten, wie unsere Zukunft aussieht, das wäre doch traurig.

lexoffice: Und unlogisch.

Güncem: Traurig, unlogisch, ja. Absolut.

lexoffice: Es gibt Untersuchungen dazu, dass Frauen anders wahrgenommen werden als Männer, wenn sie ein Start-up gründen. Zum Beispiel, dass ein Mann durchsetzungsstark und dynamisch wirkt, eine Frau bei gleicher Vorgehensweise aber nervtötend und rechthaberisch. Ein gefühltes Kompetenzgefälle, das nicht der Realität entspricht. Wie sind Deine Erfahrungen mit einem neuen Projekt, wenn Du in die von Männern dominierte Szene gehst: Hast Du ähnliche Erfahrungen gemacht oder glaubst Du, es kommt drauf an, wie man auftritt?

Güncem: Ja, natürlich. Es kommt natürlich drauf an, wie man auftritt. Ich nehme es so wahr, dass – wenn ich zum Beispiel in der Szene unterwegs bin, auf einer Konferenz, auf einer Veranstaltung – dass man mich erst mal als … ja, einfach als anwesende Frau wahrnimmt. Sobald ich dann sage, ich mache das und das, und das sind meine Erfolge, und so gehe ich vor, da fällt die Eigenschaft „das ist ja eine Frau“ eigentlich schon mal hintenrüber. Da geht es dann wirklich rein um Inhalte. Aber da muss man als Frau wirklich proaktiv sein. Man muss sich präsentieren und laut sagen „Das bin ich, das kann ich, das will ich und das sind meine Leistungen.“ Das muss man demonstrieren, das kommt nicht von alleine.

lexoffice: Etwas, das man als zu Bescheidenheit und Zurückhaltung erzogenes Mädchen erst lernen muss.

Güncem: Ja. Das ist so. Erziehung ist mit Sicherheit einer der größten Faktoren. Die Gesellschaft spielt da mit rein und vielleicht auch die Präsentation von Frauen in den Medien. Es sind viele Sachen, die darauf einwirken, wie Frauen an Aufgaben herangehen. Am Ende sind viele Frauen dann doch eher zurückhaltend, zu selbstkritisch und … ja, und einfach nicht so selbstbewusst.

lexoffice: Stimmt, aber das kann man ja ändern. Wie man an Dir sehen kann.

Güncem: (lacht) Ja, aber ich muss sagen, das kommt nicht über Nacht. Entweder hat man diese Privilegien genossen, so erzogen worden zu sein und hat sich davon auch beeinflussen lassen – oder man arbeitet einfach an sich selbst.

lexoffice: Bleibt denn bei Deinen ganzen Start-ups und allem, was sie mit sich bringen, noch Zeit für private Internetnutzung?

Güncem: Ähm … ja, das sind berufliche und private Interessen gemischt. Wenn ich mir meine Facebook-Timeline angucke oder Twitter, da mischt sich das. Twitter ist für mich mein Hauptmedium, bei dem ich selbst gefiltert habe, was für mich relevant ist, ob das die einschlägigen Medien sind oder Kollegen aus der Start-up Szene. Da ist bei mir aber auch sehr viel Quatsch, viel Comedy mit drin. Und das muss ich leider auch sagen, sehr viel Cat Content. Ich liebe Cat Content.

lexoffice: Eine lexoffice-Bürokatze können wir Dir leider nicht anbieten.

Güncem: Ich habe zwei zu Hause, die reichen mir vollkommen.

lexoffice: Das klingt doch perfekt. Gibt es noch irgendetwas, was Du gerne mal gefragt werden würdest, was Dich aber irgendwie ärgerlicherweise nie jemand fragt?

Güncem: Wow! Das ist ja mal eine Frage – ich glaube, die wollte ich schon mal gerne gefragt werden. (lacht) Ich glaube, man hat mich nie gefragt „Wo siehst du dich in fünf Jahren, was ist deine Vision und wer sind deine Vorbilder?“ Ich glaube, das bin ich leider noch gar nie gefragt worden.

lexoffice: Wer sind denn Deine Vorbilder?

Güncem: Wer sind denn meine Vorbilder. Mhm, tja – da stehe ich jetzt mit dieser Frage. Ich antworte erst mal aus meiner Erfahrung heraus. Ich habe Männer gefragt „Was sind deine Vorbilder im Business?“ Und jedes Start-up nennt dann die drei einschlägigen Herren: Mark Zuckerberg, Elon Musk und Jeff Bezos.

Ich finde die toll. Das sind Visionäre, die haben sich nicht aufhalten lassen. Für mich gibt es aber viele verschiedene Vorbilder. Ich sehe nicht alle Eigenschaften in einer Person vereint, aber zum Beispiel finde ich es einfach herrlich, wenn eine Person trotz ihres Erfolges und ihrer Visionen bodenständig bleibt und für die Gemeinnützigkeit was tut. Ich finde es super, dass Mark Zuckerberg trotz all seines Erfolges zum Beispiel so viel Charity macht. Auch Bill Gates finde ich ganz toll – all die Millionen oder Milliarden, die sie an gemeinnützige Projekte stiften, das finde ich großartig.

Für mich ist außerdem, aus einem ganz anderen Bereich, Angelina Jolie ein Vorbild. Ich finde das einfach herrlich, dass eine Frau, die man als Sexsymbol eingestuft hat, so selbstlos und so wie sie ist, einfach in die Flüchtlingslager geht, wie sie da mit anpackt und dieses Thema auf die Agenda bringt und große politische Gremien mit diesen Themen anspricht. Das eine muss das andere eben nicht ausschließen. Sie kann genauso gut Sexsymbol und eine erfolgreiche Schauspielerin sein, und trotzdem was für die Menschheit tun. Das ist finde ich wunderbar.

lexoffice: Starke Vorbilder hast Du da gewählt. Aber wo sieht Du Dich denn nun in fünf Jahren?

Güncem: Eigentlich würde ich mich auch gerne dort sehen. Ich möchte so erfolgreich sein mit dem, was ich mache, was ich auch mit einer unheimlich großen Leidenschaft mache, ich möchte aber auch, dass meine Arbeit gesellschaftlichen Einfluss hat. Also ich fände es ganz toll, wenn Frauen sich davon angesprochen fühlen, wenn ich eine Art Role Model werden könnte, dass Frauen sagen „Wow, guck mal, die hat gleich zwei Unternehmen gegründet, ist erfolgreich damit und hat zukunftsrelevante Themen damit besetzt – sie hat das gemacht und ich kann das auch, das finde ich ganz toll.“

lexoffice: Das klingt nach einem ganz wahrscheinlichen Plan. Herzlichen Dank für das Interview und weiter ganz viel Erfolg.

Güncem: Vielen Dank 🙂

Güncem Campagna, Düsseldorf
Startboosters.de
Codingschule.de
Porträtfoto: Anne Domdey

Über den Autor
Carola Heine
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