Mandanten-Informationen mit Mehrwert

Wie aus gesetzlichen Änderungen spannende Informationen werden

Content Marketing Tipps für die digital aufgestellte Steuerkanzlei aus der Praxis für die Praxis: Punkten Sie mit Mehrwert

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Jede aktiv betriebene Kanzlei-Website hat heute ein Blog. Wird Ihres gerne gelesen, oder dümpelt es eher so vor sich hin, weil es eben dazugehört? Dann sollten Sie das unbedingt strategisch ändern und das volle Potenzial von Content Marketing für Ihre Steuerkanzlei nutzen – angefangen mit den Postings, die bisher die „langweiligsten“ waren.

Ein spannendes Blog ist ihr:e beste Mitarbeiter:in im digitalen Marketing. Dank Unabhängigkeit von anderen Plattformen, freien Gestaltungsmöglichkeiten und Auffindbarkeit rund um die Uhr ist das Blog die beste Basis für eine Online-Strategie. Es sei denn natürlich, Sie nutzen Ihre Möglichkeiten gar nicht und befüllen den „aktuellen“ Teil der Website mit eher langweiligen Artikeln.

Content Marketing für die Kanzlei: Bringen Sie keine Füllwatte-Themen

Langweilig ist ein Blogpost immer dann, wenn Hunderte von anderen Kanzleien ihn ebenfalls geschrieben haben, weil zum Beispiel ein Steuergesetz geändert wird oder eine Sonderregelung eingesetzt wurde. Das sind dann zwar Fakten, die Ihre Mandant:innen wissen sollten, doch das ist noch lange kein Grund, dann einfach nur eine Standard-Info ins Blog zu nudeln:

Die Information muss Ihre Mandantschaft ansprechen, nicht Sie

Während die meisten Website-Betreiber:innen nur durch Ausprobieren herausfinden können, worauf die angepeilte Zielgruppe wohl ansprechen mag, haben Sie es mit dem Content Marketing für eine Steuerkanzlei zugleich schwieriger und einfacher.

Schwieriger, weil sie es in den allermeisten Fällen überhaupt nicht erfahren werden, warum jemand sich sofort wieder weg geklickt hat von ihrem Blog.

Einfacher, weil sie bereits wissen, dass ihre Informationen relevant sind und der Mandantschaft auch als solches mitgeteilt werden sollten.

Sie können nämlich das trockene Thema zum Beispiel einer Gesetzesänderung aufnehmen und gefällig aufschütteln, damit es ein spannendes wird.

Dazu genügt es aber nicht, auf eine Gesetzesänderung oder eine neue steuerliche Regelung hinzuweisen. Vielmehr müssen sie höchstpersönlich einen Grund dafür erschaffen, warum Mandantinnen und Mandanten bei Ihnen freiwillig und gerne lesen und erfreut ihre News abonnieren.

Nicht jedes Mal wieder von vorne ganz neu mit einem frischen Anlauf, sondern mit einem bewährten System, welches Ihnen das Delegieren der einzelnen Aufgaben komfortabel möglich macht.

Informationen publizieren: Ein wiederholter Aufwand wird zum Prozess

Bleiben wir beim Beispiel der Gesetzesänderung. Statt diese einfach nur im Mandanten Newsletter anzukündigen und im Blog darauf hinzuweisen, sobald von einer neuen rechtlichen Vorgabe die Rede ist, setzen Sie am besten sofort einen Prozess auf.

Dieser könnte beispielsweise beinhalten:

Texte für Blog, Newsletter, Social Media – aber auch für Fachmedien und Publikationen, in denen Sie einen pointierten Artikel unterbringen können.

Jedes Format erfordert eine andere Ansprache, Bildmaterial in unterschiedlichen Formaten, verschiedene Textlängen und Verteiler.

Damit diese Mühe sich lohnt, muss der Content hohen Nutzwert haben. Sie beginnen immer mit dem längsten Format, in diesem Fall vermutlich der Fachartikel:

Jeder Text wird so aufgebaut, dass sich einzelne Teile wegkürzen lassen, ohne dass der Sinn verloren geht: ein langes Zitat ist zum Beispiel toll in einem Blog Post, findet aber nicht immer genug Platz auf einer gedruckten Seite und muss dann eingekürzt oder weggelassen werden können, ohne dass der Inhalt unvollständig erscheint.

Das ist Übungssache: Später arbeiten Sie mit einer Checkliste, auf der sie dann auch notieren können, welche Textanteile gegebenenfalls weggekürzt werden können.

  • Listen Sie zunächst auf, was sich geändert hat und falls möglich auch warum.
  • Schreiben Sie eine Zuordnung, warum das für wen relevant ist und wer in ihrer Zielgruppe besonders betroffen ist.
  • Dann erklären Sie die Auswirkungen für ihre Mandanten und Mandanten zuerst allgemein und weisen Sie darauf hin, welche Vorgaben eingehalten werden müssen.
  • Ergänzen Sie diese Erläuterung um ein praktisches Beispiel mit einer fiktiven Kundin oder einem beispielhaften Kunden.

Zeigen Sie auf, wie die Gesetzesänderung zu Gunsten oder zulasten von Mandanten gehen kann, welche Besonderheiten und Fristen gelten, was man jetzt noch beeinflussen kann und was nicht, welchen Spielraum es gibt und für wen.

Gibt es ein Zitat von einer betroffenen Person, einem Branchen-Experten oder einer Finanzexpertin? Hat sich bereits jemand kompetent geäußert, den sie erwähnen können oder dem sie widersprechen können oder dessen Aussagen Sie ergänzen können?

Hinterlegen Sie diese Informationen mit Links zu den Originalquellen und Statistiken. Dann ergänzen Sie Ihre Meinung oder eine persönliche Empfehlung und enden mit einem Call-to-Action: selbstverständlich kann man sich an Ansprechpartner Xyz wenden, um fachmännisch beraten zu werden.

Zuletzt überarbeiten Sie Ihren Titel:

Welche Überschrift wird Ihre Zielgruppe am ehesten zum Klicken verleiten?

  • Aktuelle Änderung des OSS Verfahren: Die One Stop Shop Umsatzsteuer EU
  • Worauf Sie jetzt achten müssen: Neue EU Umsastzsteuerpflichten ab Juli 2021
  • Umsatzsteuergesetze reformiert: Handlungsbedarf für Shop-Betreiber:innen
  • Keine nationalen Lieferschwellen mehr für die Umsatzsteuer – was heißt das für Sie?

Jetzt haben Sie einen Prozess, der sich aus diversen Aufgaben zusammensetzt.

Original-Quelle und Zitate kann auch jemand anderes suchen und zusammenstellen. Auswirkungen auf die Geschäfte der Mandanten kann auch eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter der Kanzlei analysieren und bereitstellen und ein kurzes Brainstorming im Team liefert Beispiele und den besten Weg, eine Vorgehensweise empfehlen zu können.

Wenn Sie eine Aufgabenliste haben, können Sie Aufgaben verteilen und die Ergebnisse einsammeln oder (noch besser) jemand anderen damit beauftragen, alle benötigten Informationen zusammenzustellen.

Wenn sie das zweimal gemacht und dokumentiert haben, dann haben Sie einen etablierten Prozess für neue Steuergesetze und zwei Beispiele, die als Grundlage für eine Wiederholung bei der nächsten neuen steuerlichen Regelung dienen können.

Nun brauchen Sie nur noch ähnliche Prozesse für branchentypische Herausforderungen, Case Studies spannender Mandant:innen, frische Ideen für weitere Beratungsangebote, die aktive Suche nach Mitarbeiter:innen online und alle Aktivitäten wie die Teilnahme an Events, die auf ihren Bekanntheitsgrad einzahlen werden.

Unser Tipp: Bei jedem Artikel oder Video beginnen Sie mit dem längsten angestrebten Format und prüfen es auf Mehrwert, Verdaulichkeit und Unterhaltungswert. Wenn der lange Content Sie zufrieden stellt, dann generieren Sie daraus die kürzeren Versionen.

So wird zB aus einem Fünfzeiler mit der Erwähnung einer neuen rechtlichen Änderung für Steuergesetze Ihr flexibler Baustein für das Content Marketing der Kanzlei inklusive Futter für diverse Social Media Postings.

Wenn Sie nun Feuer dafür gefangen haben, endlich ihr Content Marketing in Angriff zu nehmen, sollten Sie jedoch noch wissen, dass sie dann auch auf einen einheitlichen Look, die Optimierung der einzelnen Beiträge und die Verwendung der passenden Hashtags setzen sollten. Packen Sie diese drei Punkte doch einfach noch mit auf ihre Checkliste für Content, den Mandant:innen auch wirklich lesen werden und der deshalb auf allen Ebenen wirksam sein sollte.

Viel Erfolg!

lex' talk about tax, der Podcast zur #Zukunftskanzlei

Der Podcast greift die Themen der #Zukunftskanzlei auf: neue Arbeitsfelder für Steuerberater, Menschen aus der Branche mit ihren Erfahrungen, moderne digitale Technologien und konkrete Tipps, die schon heute umsetzbar sind. Deine Gastgeber, Carola Heine und Olaf Clüver aus dem lexoffice Team, sind für dich der Zukunft auf der Spur. Dazu bringen sie eigenen Themen ein und lassen im Gespräch mit Gästen die Sprühfunken fliegen. Sei dabei in der Runde, freue dich auf neue Einblicke und hole dir den Extra-Schub auf der Zukunftsgeraden.

Startklar? Dann heißt es wieder einmal „Auf in die Zukunft!“

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Über die Autorin
Carola Heine
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