Nein sagen statt immer Ja

Nein sagen kann man lernen

Abgrenzung will gelernt sein: Nein sagen im richtigen Moment spart Zeit und Nerven, erhöht die Lebensqualität und erleichtert Arbeitsabläufe.

Es verschafft Respekt und wichtige Freiräume … es ist aber auch wesentlich schwieriger, im richtigen Moment einfach mal sachlich ablehnend zu reagieren, als stets nur freundliche zuzustimmen.

Innerlicher Stress bei Absage – aber noch mehr Stress bei Zusage

Sich nicht gut abgrenzen zu können ist ein Stressfaktor, denn es kostet Überwindung, eine freundliche Bitte einfach abzulehnen.

Gerade im Geschäftsleben möchte man professionell, routiniert und belastbar wirken, ebenso wie höflich und zuvorkommend.

Man will also niemanden verletzen oder zurückweisen, denn am liebsten würde man es doch meist allen recht machen. Man hofft zur ‚Belohnung‘ auf entsprechende Wertschätzung und ein Ja ist schließlich auch angenehm harmonisch. Zumindest scheint es so.

Aber sobald man um etwas gebeten wird, das man gar nicht tun will, und diesem Anliegen dann trotzdem zustimmt, stellt man die eigenen Interessen zurück und hat sich eine Aufgabe aufgeladen, die man anschließend mit Widerwillen erledigt.

Und das ist nicht nur lästig und anstrengend, sondern auf Dauer auch viel stressiger als ein gelassenes Nein.

Das gilt besonders, wenn es um Kooperationen, Networking, Geschäftspartnerschaften oder gemeinsam zu erledigende Projekte geht, in denen man um Gefallen oder ein Entgegenkommen gebeten wird.

Ein guter Grund, sich die reflexartige Höflichkeit abzugewöhnen und vor einer Entscheidung grundsätzlich etwas Bedenkzeit einzuschieben.

Auf die richtige Weise im passenden Moment Nein zu sagen kann ebenso zum Wachstum einer Geschäftsidee beitragen wie die Bereitschaft, sich auf ein gemeinsames Experiment einzulassen.

Immer dann nämlich, wenn man ein Nein einsetzt, um die notwendigen eigenen Freiräume zu wahren und um nicht ausgenutzt zu werden.

Der Mythos von der Wertschätzung

Den richtigen Dingen zuzustimmen ist ein tolles Gefühl. Man fühlt sich großartig, wenn man mit Menschen und an Projekten arbeitet, die zu den eigenen Zielen passen.

Unsere Intuition hilft uns in der Regel aber auch dabei, jene anderen Dinge zu erkennen, bei denen bereits die Beschreibung uns irgendwie Energie abzieht und der Gedanke Überwindung kostet, mit ihnen zu beginnen.

Warum stimmt man solchen Anfragen trotzdem immer wieder zu? Warum sind wir so gut erzogen, dass es uns schwer fällt, einfach abzuwinken, wenn eine Bitte sich gar nicht gut anfühlt?

Wir erhoffen uns Anerkennung, indem wir anderen einen Schritt entgegen gehen. Bitten uns diese um einen geschäftlichen Gefallen, erwarten wir davon im Sinne von gesteigerter Wertschätzung zu profitieren.

Tatsächlich aber führt ein nützlicher Gefallen oft nur zum nächsten.

Wer immer wieder einen speziellen Sonderpreis macht, wird nicht wegen der Qualität der Arbeit geschätzt, sondern weil sie wenig kostet – und man sollte auch nicht empfohlen werden, nur weil man so irre preiswert ist.

Sondern weil man gut und zuverlässig ist.

Außerdem gilt leider: Wer sich immer wieder unliebsame Aufgaben aufdrücken lässt, steigt dadurch ja nicht automatisch zum geschätzten Partner bei tollen Projekten auf. Sondern eher zum Handlanger ab.

Wer nicht aufpasst, läuft durch das Entgegenkommen Gefahr, sich fortan jeden nervigen Task einzusammeln, der anderen den Rücken auf ihrem Weg zum Erfolg freihält.

Natürlich heißt das nicht, dass man grundsätzlich und immer Nein sagen sollte. Aber es lohnt sich, sorgsam mit den eigenen Ressourcen umzugehen.

Unser bester Ratgeber ist das eigene Bauchgefühl, das in der Regel ganz gut weiß, wann ein Gefallen eine nette Kleinigkeit ist und in welchem Moment man darauf achten sollte, sich keine neue schlechte Angewohnheit zuzulegen.

Freundlich Nein sagen ist lernbar

Erstaunlicherweise wirkt es sich gar nicht so negativ aus, wenn man Nein sagt, sobald man Nein sagen möchte.

Nur selten ist das Gegenüber beleidigt, viel häufiger erwirbt man sich Respekt dafür, die eigene Position selbstbewusst zu vertreten.

Aber selbst wenn es zu Konflikten kommt, ist das doch eher ein Zeichen dafür, dass es richtig war, auf Abstand zu gehen.

Es sei denn, man wird gerne bedrängt und unter Druck gesetzt.

Schmeicheleien, der Versuch Schuldgefühle auszulösen oder zu überrumpeln oder Mitleid zu erregen: Alles dringende Anzeichen dafür, dass man besser damit bedient ist, wirklich nicht nachzugeben.

Dem Selbstwertgefühl tut es gut, sich gegen jedes Überreden abzugrenzen und falls das Nein nicht spontan genug erfolgen will, bittet man am besten einfach um Bedenkzeit, statt sofort einzuwilligen – und sagt dann in Ruhe sachlich ab.

Je häufiger man das schafft, desto selbstverständlicher wird es, nicht mehr automatisch zuzustimmen, wenn jemand um einen zeitintensiven Gefallen bittet.

So verhinderst du es, überrumpelt zu werden:

  • Bedenkzeit erbitten
  • Vor- und Nachteile abwägen
  • Eigene Verfügbarkeit prüfen
  • Entscheidung sachlich mitteilen

Am besten bedankst du dich für das entgegengebrachte Vertrauen und erklärst dann, dass es einfach nicht zu dem passt, was du gerade selbst vorhast.

Wichtig ist, dass dein Gegenüber klar erkennen kannst: Du lehnst die Aufgabe ab. Nicht die Person, die dich gefragt hat.

Natürlich gehört es aber ab und an dazu, auch wenn man Nein sagen möchte, in den sauren Apfel zu beißen und es trotzdem zu machen. Vor allem wenn man zu Beginn eines Projektes Ja gesagt und damit etwas zugesagt hat, sollte man nicht auf einmal Nein sagen. Das wirkt unprofessionell.

Eine nette Ablehnung kann dir aber eigentlich niemand übel nehmen.