Online-Marketing: Blogger Relations, Teil 3

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Nachdem wir Euch Marketing per Blogger Relations ‎ vorgestellt und letzte Woche unsere Checklist für gute Produkt-Tests veröffentlicht haben, interviewen wir heute für Euch eine Frau, deren Online-Profil genau dem entspricht, was Agenturen sich unter einer interessanten Kooperationspartnerin vorstellen:

Eine Bloggerin mit etablierten Domains, einem aktiven Netzwerk und Themen, die sowohl bei Menschen als auch bei Suchmaschinen gut ankommen.

Kurz gesagt: Die perfekte Kooperationspartnerin. Oder vielleicht doch nicht, zumindest nicht für jeden, weil sie gar nicht will? Wir haben sie gefragt.

Stefanie Bamberg, Foodie und Kreativ-Bloggerin

Stefanie Bamberg aus Leipzig ist freiberuflich in den Bereichen Design, Illustration und Online PR unterwegs und betreibt gleich zwei spannende Blogs:

Auf ihrer Business-Seite www.katzundtinte.de ein Blog rund um Farbe, Illustration, Schrift und PR – und unter www.schoen-und-fein.de ein Lifestyle-Blog zu den Themen Food, DIY und Crafting, wie man kreatives Handarbeiten heute bekanntlich nennt.

lexoffice: Hallo Stefanie, was machst Du alles so im Internet? 🙂

Stefanie: Ich poste Katzenbilder 😉 Und das stimmt bei mir tatsächlich. Neben Community Management, das ich unter anderem für ein Unternehmen im Haustierbereich mache, bin ich unter anderem auch beratend und bloggend für meine Kunden unterwegs. Außerdem arbeite ich als Grafikdesignerin und Illustratorin. Langweilig wird es also nie.

lexoffice: Wie bist Du auf den Gedanken gekommen zu bloggen – und wieso gleich zwei Blogs?

Stefanie: Ich blogge schon weit länger als ich es jetzt offiziell unter Echtnamen mit dem Food Blog mache. Früher nutzte ich tatsächlich ein Pseudonym, um Gedanken zu verschiedenen Themen, die mich bewegt haben, irgendwo nieder zu schreiben. Der Impuls zum Food Blog kam eher von außen.

Ich habe angefangen, mein Essen per Foto zu posten – nachdem dann ständig Fragen zur Zubereitung kamen, lag es einfach nahe, darüber zu bloggen. Das zweite Blog wird aktuell aus Zeitgründen etwas stiefmütterlich behandelt, hat aber den Hintergrund, dass ich mehr über den Gestaltungsbereich schreiben wollte, in dem ich seit über 15 Jahren tätig bin, und das Food Blog dafür nicht der richtige Ort war und ist.

Außerdem verbringe ich auch viel Freizeit am Schreibtisch und mache kleine DIY-Projekte, die ich einfach gerne als Anleitung auch anderen zur Verfügung stellen wollte.

lexoffice: Gerade Kreativ- und Foodblogger sind dafür bekannt, die besten Bücher zu ihren Themen vorzustellen und auf neue Produkte auf dem Markt einzugehen. Das Niveau der Berichte schwankt sehr stark und es ist auch nicht immer klar zu sehen, ob Blogger für einen Post bezahlt werden. Bekommst Du auch solche Kooperationsanfragen für Deine Blogs? Wie gehst Du damit um?

Stefanie: Kooperationsanfragen bekomme ich wie alle anderen nahezu täglich, wobei die meisten direkt in den Mülleimer wandern bei mir. Ich bin da wirklich picky und arbeite nur mit Firmen zusammen, die ich auch unabhängig vom Blog mag, und die wissen, wie sie fair mit Bloggern umgehen.

Leider fallen in Sachen Fairness schon die meisten anfragenden Firmen aus dem Raster, weil sie die Werbung, die man macht und die Arbeit, die man in die Beiträge steckt, einfach nicht angemessen honorieren – und das meine ich nicht mal finanziell, sondern generell. Vielen Bloggern scheint das egal zu sein und sie nehmen einfach alles mit, was so im Postfach ankommen, aber da ich nicht den Ansatz verfolge, möglichst viel für umme mit dem Blog abzustauben, wähle ich da wirklich sehr aus.

lexoffice: Du hast uns schon gesagt, dass Du keine Produkte testen und darüber im Blog berichten möchtest. Woran liegt das?

Stefanie: Das hat viel mit meinen Prinzipien und noch viel mehr damit zu tun, dass ich mich nicht als Werbe- und Linkschleuder ausbeuten lassen will. Nichts anderes sind viele typische Test-Blogs. Wobei ich da beide Seiten nicht verstehe – wer will als Unternehmen schon irgendwo „unter ferner liefen“ zwischen zig anderen werblichen Posts, die im Zweifel noch Mitbewerber betreffen, stehen?

Auf der anderen Seite lassen sich die Blogger mit Dingen im einstelligen Euro-Bereich abspeisen. Warum man das macht und wieso einige den halben Tag damit verschwenden, bei Unternehmen um Test-Produkte zu betteln, wird sich mir in diesem Leben nicht mehr erschließen. Das hat für mich auch nichts mit Blogger oder Influencer Relations zu tun, sondern ist stupide Marketing-Platzierung weitab von dem, was ich als ordentliche PR-Arbeit verstehe.

Deshalb wähle ich auch sehr genau aus und kooperiere nur mit Firmen, die mit mir auf Augenhöhe agieren. Ist das nicht der Fall, sehe ich schlichtweg keinen Sinn darin, mein Blog als Werbefläche zur Verfügung zu stellen, und mache lieber mein eigenes Ding, ohne für einen lächerlichen Gegenwert meinen Lesern irgendwelche Werbung unterzujubeln.

Außerdem mag ich Unternehmen, die hinter ihren Produkten stehen und sich auch selbst ein bisschen was einfallen lassen. Das macht zum Beispiel AEG sehr gut. Die leben Blogger Relations und lassen sich auch passend zugeschnittene Dinge einfallen. Noch dazu haben sie selbst ein tolles Corporate Blog, welches zwar natürlich auch ein bisschen Werbung, aber eben auch viel fachlichen Input bietet.

lexoffice: Gibt es denn Kooperationen, die für Dich als Bloggerin tatsächlich interessant sind?

Stefanie: So grundsätzlich ist für mich alles interessant, was mittel- oder langfristig angelegt ist, wenn es denn passt. Das ist eigentlich nicht viel anders als in meiner Selbständigkeit: Wenn man sich kennt und mag, dann macht auch das Arbeiten viel mehr Spaß.

Und Wertschätzung auf beiden Seiten ist mir auch entsprechend wichtig. Bei den Produkten bin ich generell erstmal offen. Ich stelle durchaus auch mal was vor, wenn es mir gefällt. Das hab ich beispielsweise bei einer sehr hochwertigen Schokolade schon gemacht. Das war keine Kooperation in dem Sinne, aber das Produkt ist super und die Unternehmensphilosophie ebenfalls – alles sehr hochwertig und nachhaltig. Das war für mich durchaus ein Grund, das meinen Lesern mal zu zeigen.

lexoffice: Hast Du aus Deiner Praxis als Bloggerin einen Tipp für unsere Kleinunternehmer und Startups, die gerne mit Bloggern arbeiten würden?

Stefanie: Es kommt natürlich auf die Ziele an. Man kann auf Masse machen und wahllos Produkte verteilen, um ein paar Links zu generieren.

Das sind dann aber keine Blogger Relations, sondern bewegt sich irgendwo zwischen Marketing und SEO. Im besten Falle überlegt man sich generell eine pfiffige Kommunikationsstrategie für sein Unternehmen, in die die Blogger Relations mit eingeflochten sind.

Das Wort Beziehung steht da auch, wie oben schon gesagt, nicht umsonst drin. Man sollte langfristig und eher ein wenig in Richtung Markenbotschafter denken. Erst dann wird ein Schuh draus.

Das hilft einem auch ungemein, wenn man im Fall der Fälle mal Fürsprecher benötigt – sei es als Testimonial oder in einer Krise. (Entsprechend sind jene Test-Blogger, die eher Abgreif-Blogger sind, diesbezüglich eher nicht hilfreich.)

Außerdem sollte man Blogger (bzw. Instagram oder Youtube) Relations auch nicht überbewerten, auch wenn ein paar Kollegen das gerne mal in ihren Workshops so verkaufen. Und natürlich sollte man zuerst anfangen, das Thema Social Media auch selbst zu leben. Je mehr man selbst im Thema ist – womit auch automatisch Vernetzung einher geht- desto einfacher lassen sich dann die anderen Dinge realisieren.

lexoffice: Vielen Dank für die erfrischend ehrlichen Antworten, Stefanie Bamberg 🙂