Unser Start-up des Monats: Pacemo

lexoffice stellt das Start-up des Monats vor: Pacemo

Unterstützen, erleichtern, digitalisieren: Pacemo, unser »Start-up des Monats« entwickelt Software für Bestatter.

Bestatter stehen vor vielen Herausforderungen: Sie unterstützen Menschen in schwierigen Situationen durch Beratung und Beistand als verlässliche Partner. Das Start-up Pacemo aus Hamburg hat sich die Aufgabe gestellt, die Bestatterbranche zu digitalisieren. Die gleichnamige Software-Lösung kommt noch in diesem Herbst auf den Markt.

Das Team von Pacemo hat also momentan alle Hände voll zu tun. Umso mehr freuen wir uns darüber, dass Timm und Lennart die Zeit für ein Interview mit lexoffice gefunden haben.

Florian: Moin! Bitte stellt euch doch mal kurz vor.

Timm: Moin, ich bin Timm Wienberg, Unternehmer aus Leidenschaft und ein gebürtiger Hamburger Jung. Zusammen mit meinem Kollegen Lennart Guth bilden wir das Gründerteam der Pacemo GmbH. Lennart?

Lennart: Ja, das bin ich. Hamburg ist erst seit kurzem meine (vorübergehende) Heimat. Ursprünglich komme ich aus Frankfurt, habe aber in den letzten beiden Jahren eher das Leben eines digitalen Nomaden geführt. Das ist ein großer Vorteil, wenn man Entwickler ist. Man kann auch von Kuala Lumpur oder Neuseeland aus arbeiten. Die erste Idee zu Pacemo ist tatsächlich dort entstanden.

Florian: Oha, das klingt spannend! Wie kamt ihr denn auf diese Idee?

Lennart: Ich wollte mich schon immer selbstständig machen und war seit Längerem auf der Suche nach einer Branche, die eine moderne Softwarelösung sucht. Über Umwege wurde ich auf das Thema Bestattungsdienstleistungen aufmerksam. Und damit auf eine Branche, in der aufgrund einer aufwendigen Administration häufig nicht viel Zeit für die eigentliche Arbeit bleibt.

Die Fragen, die mich seitdem beschäftigten sind: Welche Prozesse lassen sich digitalisieren? Welche Unterstützung brauchen Bestatter in ihrem Alltag? Und wo genau liegt ihr Bedarf?
Vor diesem Hintergrund entwickelte ich eine erste Version von Pacemo und traf auf der Suche nach Antworten auf meinen heutigen Geschäftspartner Timm.

Timm: Das Thema Bestattungen war mir nicht neu. Meine Frau arbeitet selbst als Bestatterin und Sterbeamme. Daher weiß ich, dass die Tätigkeit durch Formalien und eine unglaubliche Fülle an Bürokratie geprägt ist und oft kaum Zeit für das wirklich Wesentliche – die Menschen – bleibt. Da ich mich vor drei Jahren, als mein Vater unerwartet starb, selbst mit diesem Problem konfrontiert sah, entstand in der Folge die Vision einer innovativen Softwarelösung für Bestattungsunternehmen. Auf den gleichen (digitalen) Pfaden wandelnd, sind Lennart und ich uns 2014 im Internet begegnet und haben dann kurzerhand beschlossen diesen Weg gemeinsam zu gehen. Da ich selbst auch vor einigen Jahren eine Zeitlang in Neuseeland gelebt habe, waren wir schnell persönlich ebenfalls auf einer Wellenlänge.

Florian: Ok, Ihr seid also die Pacemo CoFounder – habt Ihr denn noch mehr Mitarbeiter?

Lennart: Anfang des Jahres wurde uns klar, dass die Bedeutung und der Umfang des Projektes an Gewicht zunehmen und dass wir das Tempo alleine nicht würden halten können. Deshalb haben wir einen zusätzlichen Web-Entwickler eingestellt. Aus einem wurden schnell zwei. Unser Team wächst seitdem stetig und arbeitet auf Hochtouren um Pacemo bis ins kleinste Detail auf die Bedürfnisse und Anforderungen moderner Bestattungsinstitute anzupassen. Aktuell ist das Entwicklungsteam fünfköpfig und verteilt sich auf ganz Europa.

Timm: Anfang September haben wir uns auch Verstärkung für den Bereich Marketing und Kommunikation ins Boot geholt. Wir probieren hier gerade ein Tandem, also eine geteilte Vollzeitstelle, aus.

Zum einen, weil wir so zwei Kompetenzen in einer Stelle vereinen können und weil wir an die unzweifelhaften Benefits von Teamarbeit glauben. Und zum anderen, weil wir selbst große Verfechter von alternativen Arbeitskonzepten sind und uns selbst in die Kategorie Social Entrepreneurship einordnen würden. Die Verantwortung und Authentizität als Unternehmer gegenüber unseren Kunden und unseren Mitarbeitern nimmt für uns einen hohen Stellenwert ein.

Florian: Es ist ein spannender Markt, in dem Ihr Euch da bewegt – erzählt uns doch mal was darüber, welchen Herausforderungen Ihr Euch stellen müsst.

Timm: Für ein klassisches Lifestyle Start-Up ist die Branche natürlich nicht wirklich „sexy“. Genauso wenig wie das Berufsbild des Bestatters. Allerdings machen alternde Bevölkerung und demografischer Wandel ein Umdenken unumgänglich. Der stereotype Bestatter (den es genauso natürlich nicht wirklich gibt), männlich, über Fünfzig, der Innovationen verneint und mit Satire und Alkohol den alltäglichen Stress des Bestatteralltags zu bewältigen versucht, wird in spätestens 20 Jahren ausgedient haben. Heran wächst eine neue Generation von BestatterInnen, die auf digitale Lösungen setzt und sich nicht vor Themen wie Verarbeitung, Persönlichkeitsentwicklung und Trauerarbeit, scheut. Genau das ist unsere Fokusgruppe. Alle anderen nehmen wir natürlich auch gern mit.

Lennart: Wir möchten Bestattern eine Unterstützung bieten und gleichzeitig den realen Anforderungen moderner Bestattungsunternehmen gerecht werden. Gerade in Hinblick auf die Produktentwicklung ist das Feedback mit Bestattern vor Ort extrem wichtig und da sprechen wir natürlich mit Vertretern beider Strömungen. In regelmäßigen Test- und Gesprächsrunden plaudern dann die Bestatter aus dem Nähkästchen und geben auch mal einen kleinen Monolog zur alkalischen Hydrolyse (Auflösung der Leiche in Lauge) zum Besten. Das ist natürlich am Anfang erst mal harter Tobak. Irgendwann gewöhnt man sich aber an diese Art der Konversation.

Florian: Und wie sieht es jetzt aus: Wo geht die Reise hin?

Lennart: Seit ein paar Tagen ist eine Basisversion von Pacemo als MVP (Minimal Viable Prouduct) der Software online. Wir arbeiten aber laufend an einer Erweiterung der Module. Aus unseren Feedbackgesprächen wissen wir zum Beispiel, dass die Funktionen Trauerdruck und Mobilität für den modernen Bestatter eine große Rolle spielen. Letzteres ist eine zentrale Value Position unserer Software. Zudem arbeiten wir gerade auch an der Idee, Pacemo auch für den B2C Bereich zu öffnen.

Florian: Die Idee ist einleuchtend, der Bedarf klar erkennbar. Aber wie sieht es mit Konkurrenz auf diesem Markt aus?

Lennart: Da sind ein paar große Softwareanbieter, die eine Art Monopolstellung in der Branche einnehmen. Deren Programme haben teilweise viele Funktionen, was ja prinzipiell nicht verkehrt ist, die aber im Bestatteralltag nicht unbedingt anwendbar sind und somit eher das Potential haben, die Organisation zu verkomplizieren anstatt sie zu vereinfachen. Es gibt aber auch spezialisierte und kleine Anbieter. Viele dieser Programme sind allerdings noch immer nicht adäquat auf Apple Geräten oder noch weniger auf einem Tablet oder iPad nutzbar.

Auch eine cloudbasierte Softwarelösung gibt es bisher nicht. Diesen Problemen haben wir uns mit Pacemo bewusst gewidmet. Unsere Software ermöglicht es seinen Nutzern, auch von unterwegs auf alle wichtigen Informationen aus der Cloud zuzugreifen. Weil es sich bei der Software um eine „Software as a Service“ handelt, müssen Bestatter sie nicht auf ihrem Rechner installieren, um sie nutzen zu können. Es gibt Anbieter, die den Kunden ihre Software immer noch per Diskette bereitstellen. Bei Anderen wiederum entstehen laufende Kosten durch eine Mehrplatznutzung oder für Schulungen und Updates.

Timm: Der Alltag eines Bestatters ist überladen genug, weshalb wir uns zum Ziel gemacht haben, die Einfachheit zurück in den beruflichen Alltag zu bringen. Und das spiegelt sich sowohl in der Struktur, als auch im Design von Pacemo wieder. Wir möchten Abläufe vereinfachen und eine aufwendige und papierlastige Administration durch digitale Prozesse ersetzen. Der Bestatter vor Ort ist der wichtigste Ansprechpartner für Angehörige, die einen nahestehenden Menschen verloren haben. Mit Pacemo erhalten unsere Kunden die Möglichkeit, sich wieder voll und ganz auf Ihre Arbeit zu konzentrieren.

Florian: Und noch eine ganz wichtige Frage 🙂 Wie organisiert Ihr Eure Buchhaltung?

Timm: Für die Rechnungslegung benutzen wir lexoffice, weil ein ebenfalls onlinebasiertes Tool unserer Vision von moderner Software entspricht. Im Anschluss geht alles zum Steuerberater und wird dort noch einmal gebucht. lexoffice kam uns hierbei gerade Recht, da wir mit der Software alle Szenarien abbilden können. Im Moment noch mit Steuerberater – irgendwann vielleicht dann auch ohne.

Florian: Herzlichen Dank an Euch beide, dass Ihr Euch die Zeit für dieses Interview genommen habt. Wir vom lexoffice Team drücken Euch alle verfügbaren Daumen für die heiße Startphase von Pacemo!

Unter http://startups.lexoffice.de/ finden Existenzgründer und Start-ups das lexoffice Förderprogramm für Jungunternehmer – schaut unbedingt dort mal vorbei!

21.09.2016