People Pleaser

Bist du ein »People Pleaser« oder ist es egal, was andere über dich denken?

Ein Spoiler vorab: Wer so wirkt, als seien fremde Meinungen ihm oder ihr gleichgültig, hat sich häufig intensiv damit auseinandergesetzt, was fremde Ansichten denn überhaupt beitragen.

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Das Großartige und das Entsetzliche an anderen Menschen ist: Sie haben immer sehr viel Meinung. Ob du eine Geschäftsidee hast, ein Projekt aufsetzen oder ein Zusatzangebot aufbauen möchtest: Sobald du darüber sprichst, wirst du ungefragt erfahren, ob andere es auch so machen würden wie du.

Was andere über dich und deine Pläne denken, das kann bereichernd und inspirierend sein. Viel häufiger aber bremst es aus und verunsichert dich mindestens vorübergehend, wenn jemand ungehemmt die eigenen Ansichten heraushaut und dein Vorhaben seziert. Dann ist es gut zu wissen: Dein Job besteht gar nicht darin, dich anderen gegenüber zu rechtfertigen für das, was du gerade planst. Du musst kein People Pleaser sein.

Wir wollen alle dazugehören, geschätzt werden und anderen gefallen

Du kennst vermutlich das Gefühl, dass es dich am liebsten gar nicht kümmern soll, was andere denken. Dann weißt du auch, wie komplex es sein kann, sich von den Meinungen anderer freizumachen. Warum ist es eigentlich so schwierig, sich darüber hinwegzusetzen, was andere von uns halten? Warum grübeln wir darüber nach, wie wir wirken und zerbrechen uns den Kopf darüber, wie andere unser Business finden?

Menschen sind nun mal in soziale Strukturen eingebunden, das gilt offline sowieso und nun schon sehr lange auch online: Wir alle haben mehr oder weniger den Wunsch, anerkannt, respektiert und geschätzt zu werden. Da setzt aber auch die Lähmung schon ein, denn es ist unmäglich, ausnahmslos allen zu gefallen.

Wenn du jetzt aber versuchst, dich möglichst glatt und reibungsfrei zu zeigen, um bloß nirgends anzuecken, löst du zwar das Problem nicht, denn Neider und Deppen, übergriffige Kommentare und gedankenlose Spammer bleiben dir erhalten. Dafür verlierst du an Profil, an einzigartiger Sichtbarkeit und an mentaler Wellness, weil du dich nicht mehr frei bewegst:

Du bist dann ein People Pleaser, dabei solltest du lieber dein*e eigene*r Projekt-Hero sein.

Sei kein People Pleaser

»People Pleaser«, das sind Menschen, die sich ganz danach ausrichten, was andere wohl über sie denken mögen und immer sehr bestrebt sind, sich gefällig einzupassen. Sie hoffen, durch grenzenlose Hilfsbereitschaft und wertschätzende Zustimmung einen guten Platz im sozialen Gefüge zu erhalten. Tatsächlich erleben sie aber häufig Enttäuschungen, weil es gar nicht so lohnend ist, die eigenen Bedürfnisse zu verleugnen und von jedem mal kurz genutzt zu werden, damit andere es bequem haben.

Man kann es nicht allen recht machen, das ist die wichtigste Erkenntnis von allen und auch eine sehr befreiende. Damit nimmst du den Meinungen der anderen die Macht über dich.

Feedback ist großartig, mit Meinung dichtgemüllt werden nicht

Die Menschen mit der vielen Meinung sehen dich und deine Vorhaben durch die Brille ihrer eigenen Persönlichkeit und Launen. Oft geht es ihnen darum, selbst wahrgenommen zu werden und sie profilieren sich auf Grundlage deiner Person oder deines Projektes.

Vielleicht ist dir schon aufgefallen, dass überall online sofort jemand ihr oder sein Ego in die Kommentarfunktion kippt und ein großes ICH auspackt, wenn jemand ein Posting setzt.

Menschen posten ein Urlaubsbild und in den Kommentaren erzählen alle, ob sie selbst es dort schön finden würden und wo sie selbst waren. Menschen posten ihre politische Meinung und im Comments-Bereich wird erbittert so lange die eigene Meinung wiederholt, bis die intelligentere Gegenstimme ermattet aufgibt. Menschen fragen nach einem Tool oder einem Tipp und erhalten neunzehn überflüssige Belehrungen und Zusatzthemen pro nützlichem Kommentar, und so weiter.

Das alles ist eigentlich ein sehr schöner Spiegel, in dem du sehen kannst, warum ein People Pleaser untergeht und du dir lieber Feedback aus deinem echten Netzwerk holen solltest, als dich von unaufgeforderten Meinungen beeindrucken zu lassen.

Es ist okay, gemocht werden zu wollen

Kein People Pleaser zu sein heißt nicht, dass du dich verhärten musst gegenüber dem Wunsch, anerkannt und gemocht zu werden. Du solltest nur erkennen, dass du dich zum Fussabtreter und ziemlich unglücklich machst, wenn du dauernd darüber nachgrübelst, was andere wohl denken und dich danach auszurichten versuchst.

Die Wahrheit ist: Wahrscheinlich denken sie gar nicht über dich nach.

Doch selbst wenn eine harsche Reaktion kommt, kannst du sie als Lektion nehmen. Entweder inhaltlich, weil etwas Wahres dran ist. Oder mental, weil du deine Teflon-Haut als Projekt-Held*in trainieren kannst und Nervensägen abtropfen lässt: So gesehen ist jede Art von Feedback zu irgendwas gut.

Trau dich also.

Der Trick besteht darin, nur noch auf die Meinung derjenigen etwas zu geben, die sich wirklich auf dich einlassen und deren Ansichten du auch schätzt – statt dich vom durchlaufenden Rauschen der Egos mit viel Meinung beeindrucken zu lassen.

Angst ist kein guter Ratgeber.

Wenn du es nicht riskierst, zu dir und deinen wilden Ideen und vielleicht sogar verrückten Plänen zu stehen, fühlst du dich klein und machtlos und verpasst eine Menge Spaß. Von allen gemocht zu werden ist kein gutes Ziel, es ist unerreichbar und auch noch sinnlos, denn Menschen sind so vielfältig. Danach solltest du dich also nicht ausrichten, sondern lieber schauen, wo du den Kopf erfolgreich aus der Menge reckst.

Denn zu sein wie ausnahmslos alle anderen war noch nie zu irgendwas nutze, und im Marketing ist es sogar schädlich.

Wenn du also jemanden beobachten kannst, der oder die alle Übergriffigkeiten an sich abtropfen lässt …

Wenn du also Menschen kennst, die so wirken, als ob sie in sich ruhen und alle ungefragten Meinungen einfach an sich abtropfen lassen, dann kannst du dir sicher sein: Diese Personen haben erkannt, dass es sich nicht lohnt, ein People Pleaser zu sein. Wie wenig andere Menschen wirklich über dich nachdenken, und dass Sticheleien immer auch ein Zeichen dafür sind, dass du sichtbar geworden bist.

Sollte dir also mal wieder ein Spruch den Tag zu verhageln drohen, sag es doch einfach: »Sorry, aber man kann eben nicht allen gefallen.« und schüttel dich frei. Viel Erfolg!

  • Foto: © Jacob Lund – stock.adobe.com
Über den Autor
Carola Heine
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