Reden ist Silber, Transkribieren ist Gold - Kolumne im lexoffice Blog

Reden ist Silber, Transkribieren ist Gold

Fachkräftemangel kann plötzlich und an unerwarteten Stellen auftreten. Die passende Lösung aber auch, findet lexoffice Bloggerin Carola Heine - und liefert Tipps.

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Wer anderen predigt, sie müssten auch mal loslassen – pardon, outsourcen – können, sollte das im Fall der Fälle selbst ebenfalls hinbekommen. Schnell entdeckte ich aber, dass sich ganz neue Nischen tief im Fachkräftemangel auftun können (und wieso Digitalisierung sich definitiv immer weiter durchsetzen wird).

Es fing ganz harmlos an. Nach vielen zähen Jahren, in denen aus so manchem Interview nichts wurde, weil Existenzgründenden oft wirklich die nötige Zeit fehlt, hatte ich plötzlich einen Lauf und buchstäblich jede Anfrage fand ihr Ziel.

Ein paar mehr als geplant sogar, wie toll – aber dann stellte sich dieser schleichende Schnupfen ein, bei denen man in erster Linie furchtbar aussieht und kaum noch denken kann, aber nicht wirklich krank genug ist, um sich von der Front abzumelden. Selbst abtippen kam diesmal also nicht in Frage.

Kein Problem, dachte ich: Schon seit vielen Jahren arbeitete ich in solchen Phasen mit einer tollen Fachfrau zusammen, die auf gute Transkriptionen spezialisiert war. Frohgemut wollte ich meine Daten uploaden, dann fiel mir ein: Sie hatte sich »neulich« verabschiedet, um fortan ein Whiskey Start-up zu betreiben. Verflixt. Wohin so schnell?

Der lange Weg zur kurzen Lösung

Um die Geschichte jetzt mal bewusst nicht abzukürzen: Ab dann wurde es abenteuerlich.

»Um Ihre Lieferung in der gewohnten Frist zu erhalten, können Sie einen Expresszuschlag zahlen.«

nicht namentlich genannter Anbieter

Die Profis mit dem Portal

Ich sah die Anzeige eines Transkriptions-Services, die mit dem Preis warben, den ich bisher auch immer gezahlt hatte. Sie nannten sich Marktführer, was ja bekanntlich noch nicht viel aussagt, doch ich lud frohen Mutes zwei meiner Dateien hoch, weil auf der Website stand, es würde eine Woche dauern.

Prompt kam eine Info-Mail, die verkündete, man habe einen sommerurlaubsbedingten Engpass und die Wartezeit habe sich deutlich verlängert. Großzügig bot man mir an, den Express-Zuschlag zu zahlen, um in der angegebenen Normalzeit beliefert zu werden. Oha. Ganz schön frech. Da wollte ich den Rest schon mal nicht mehr in Auftrag geben.

Es wäre gar nicht nötig gewesen, mich mit der angedrohten Erhöhung bei Pünktlichkeit zu verärgern: Die Dateien kamen dann nach 10 Tagen und waren okay. Die Rechnung fehlte sechs Wochen später immer noch, sie kam dann vor einigen Tagen an – vielleicht braucht man dort keine ausgereiften Prozesse.

Die Profis vom Freelance-Portal

Während ich mit leicht verwirrten und definitiv aber leider nicht qualifizierten Leuten aus Facebook-Jobgruppen sprach und meinen Bekanntenkreis nach Empfehlungen löcherte, kam ich auch auf die Idee, auf einem Online-Marktplatz für digitale Lösungen zu schauen. Ich war dabei gar nicht auf der Suche nach einem Discounter-Preis, aber den gab es für deutsche Transkriptionen sowieso nicht, die Preise bewegten sich immer noch alle im Rahmen dessen, was ich bei der professionellen Transkripteuse gezahlt hatte.

Die Differenz, die an die Plattform geht als Provision, die dachte ich mit Trinkgeld wettzumachen.

Ich suchte also eine Frau mit tollen Referenzen aus, lud hoch, zahlte und bekam die Antwort, dass sie gar nicht daheim sei und dieser Marktplatz aber jetzt eine Bearbeitung innerhalb 48 Stunden erwarten würde. Zu diesem Hilferuf verkniff ich mir jede Belehrung, jede*r ist mal döspaddelig. Wir fanden also gemeinsam heraus, wie sich die Frist verlängern ließ und ich war wieder zwei Transkriptionen los geworden.

Die nächste und drittletzte Interview-Aufnahme wollte ich natürlich nicht wieder in die Abwesenheit schicken hin zur ersten Dame und wählte eine andere Dienstleisterin. Relativ teuer diesmal, aber die Zeit fing an zu drücken. Diese Frau schrieb ebenfalls prompt, sie sei aber im Urlaub, oha, was jetzt? Nun wusste ich ja bereits, wie man die Frist verlängerte – und brachte es ihr bei.

Online-Marktplätze für Dienstleistungen

Die global vertretenen Börsen für kleine und mittlere Dienstleistungen werden berechtigterweise von vielen Selbständigen mit Skepsis betrachtet. Man muss aber gar kein Logo für 5 Euro in Auftrag geben oder sich auf ähnliche Weise an Preisdumping beteiligen. Viele »Kleinaufträge« zu normalen Raten (Podcast Jingle für 300 Euro, Transkriptionen für 1 bis 2 Euro pro Minute) lassen sich ebenfalls komfortabel über solche Plattformen wie fiverr oder upwork vergeben.

Die Guten ins Töpfchen ….

Die erste Frau lieferte irgendwann prompt und die Texte waren okay. Die zweite aber teilte mir mit, sie habe jetzt dann doch mal diesen Smalltalk da weggelassen.

Ich sagte, dass ich genau das bei diesem Thema und Gesprächspartner aber explizit gar nicht gewollt habe und das vorher auch gesagt hatte – ich hatte 50 Minuten abgebeben, 50 Minuten gezahlt und hätte jetzt gerne 50 Minuten transkribiert. Daraufhin erklärte sie mir zu meiner Verblüffung, warum sie das nicht für nötig halten würde.

Später stellte ich fest, dass sie trotz unseres Dialogs ganze Absätze sinnverzerrend zusammengekürzt hatte und sämtliche Zahlen falsch waren. Vielleicht hat sie sich entweder darauf verlassen oder nicht damit gerechnet, dass ich das Audio-File noch einmal komplett durchlaufen lassen würde.

Not macht erfinderisch

Jetzt wollte ich mit Menschen nichts mehr zu tun haben. Jedenfalls nicht mit solchen, die meine Audio-Dateien für mich abtippen sollten.

Zuerst fand ich die Android-App live transcribe von Google. Damit kann man sich wunderbar Sprachnotizen machen oder schwer hörende Personen mitlesen lassen, was man so sagt.

Dann probierte ich auf dem iPhone und dem Android Phone jeweils ein halbes Dutzend Apps aus, die eine Audio-Datei automatisch transkribieren können, die Ergebnisse waren gemischt bis okay. Aber da musste doch noch mehr gehen, ohne erst aufwändig einen »Drachen zu trainieren«, wie Übersetzer*innen dazu sagen, wenn sie die Dragon Spracherkennungssoftware einsetzen, die sich an die Stimme der Sprechenden ‚gewöhnen‘ muss. Für meine Zwecke ist Dragon zu groß.

Hartnäckig grub ich mich also weiter durch Erfahrungsberichte und wurde fündig:

Drei Lösungen, die jedenfalls nicht eigenmächtig Smalltalk weglassen, unerwartet im Urlaub sind oder wochenlange Wartezeiten voraussetzen – mein Favorit Speechmatics transkribiert eine Stunde Audio in wenigen Minuten und schickt mir die Datei brav per Mail.

Ich arbeite immer noch lieber mit Menschen als nur mit Maschinen. Aber es ist gut zu wissen, dass es mehr als eine App gibt, die mir organisatorisch den Rücken freihält. Ich bin zufrieden und hoffe, dass dieser Tipp noch anderen nutzen wird.

Welche Apps findest du nützlich und warum? Ich bin gespannt!

  • Foto: carola-heine.de
Über den Autor
Carola Heine
Up to date: Trends, Insider-Wissen und Online Navigation

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  1. Annette Lindstädt | 20.11.2019 | 08:41

    Ich nutze amberscript.com. Die Ergebnisse sind für meine Zwecke OK, denn ich brauche die Audios in erster Linie als Gedächtnisstütze. D. h. hier kann ich im transkribierten Text gezielt suchen und dann das Audio an genau der passenden Stelle nochmal anhören. Außerdem ist es ein DSGVO-konformer europäischer Anbieter, der pay as you go ermöglicht. Ich muss also kein Monatsabo abschließen, wss an meinem sporadischen Bedarf vorbeigeht.

  2. Maria Al-Mana | 21.11.2019 | 20:31

    Super Tipps, danke! Ich werde alle ausprobieren … Brauche sie aber zum Glück auch nicht ständig – kann also dauern, bis ich meine eigene Favoritenliste erstellt habe.