Steuern: Was ändert sich in 2017? Tipps für Selbstständige von lexoffice

Buchhaltung und Steuern: Was ändert sich in 2017?

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Alle Jahre wieder helfen wir Euch zum Jahresstart dabei, über die wichtigsten Änderungen und Gesetze auf dem Laufenden zu bleiben, die es bei der Buchhaltung zu beachten gilt. In Bezug auf aktuelle Steuern: Was ändert sich und wie wirkt es sich für Dich aus, gilt jedoch im Zweifelsfall immer: Lieber nicht herumraten, denn ein professioneller Steuerberater berät Dich am besten.

Über die neuen Richtlinien die Registrierkassenpflicht betreffend haben wir unsere Leser schon letztes Jahr informiert. Auch die gesenkte Künstlersozialabgabe und natürlich die GoBD, die „Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“ haben wir bereits zeitnah ausführlich vorgestellt.

Buchhaltungswissen und Steuern: Was ändert sich 2017

Doch das sind noch nicht alle Änderungen, die ab 2017 gelten. Eine Regelung, nämlich das „Gesetz zur steuerlichen Förderung von Elektromobilität im Straßenverkehr“, gilt sogar rückwirkend zum 1. Januar 2016 und bietet Dir die Möglichkeit, als Unternehmer innovativ und umweltbewusst aufzutreten. Diese neue Regelung besagt nämlich, dass Du Dein Privatfahrzeug in Deinen Firmenräumen elektrisch aufladen kannst, denn diese betriebseigene Ladevorrichtung ist dann steuerbefreit.

Mit der 10-jährigen Kraftfahrzeugsteuerbefreiung für Erstzulassungen reiner Elektrofahrzeuge sowie technisch angemessene, verkehrsrechtlich genehmigte Elektro-Umrüstungen kannst Du als Arbeitgeber geldwerte Vorteile aus der unentgeltlichen oder verbilligten Übereignung der Ladevorrichtung und Zuschüsse pauschal mit 25 Prozent Lohnsteuer besteuern.

Die 10-jährige Steuerbefreiung für reine Elektrofahrzeuge wird auf technisch angemessene, verkehrsrechtlich genehmigte Elektro-Umrüstungen ausgeweitet. Außerdem erhältst Du als Arbeitgeber die Möglichkeit, geldwerte Vorteile aus der unentgeltlichen oder verbilligten Übereignung der Ladevorrichtung und Zuschüsse pauschal mit 25 Prozent Lohnsteuer zu besteuern.

Hintergrund: Die Bundesregierung hat mit dem „Gesetz zur steuerlichen Förderung von Elektromobilität im Straßenverkehr“ ihr Ziel verstärkt, den Ausstoß von Kohlendioxid bis zum Jahr 2020 um mindestens 40 Prozent zu senken.

Anhebung des Mindestlohns auf 8,84 Euro/Stunde

Am ersten Januar 2017 wurde der Mindestlohn von derzeit 8,50 auf 8,84 Euro pro Stunde angehoben. Als Arbeitgeber solltest Du wissen: Der in Deutschland übergreifend anwendbare Mindestlohn gilt für alle volljährigen Arbeitnehmer – außer für Langzeitarbeitslose nach einer Arbeitsaufnahme in den ersten sechs Monaten. Auch für Auszubildende und Pflichtpraktikanten greift der Mindestlohn nicht.

Mit dem neuen 6. SGB IV-Änderungsgesetz treten Änderungen in den unterschiedlichen Meldeverfahren der Sozialversicherung zum Jahreswechsel 2017 in Kraft, zum Beispiel:

  • Die Sozialversicherungsträger sind künftig verpflichtet, in Einzelfällen die Arbeitgeber bei der Aufklärung von Sachverhalten zu unterstützen.
  • Betriebsnummern können künftig ausschließlich elektronisch beantragt werden.
  • Ab 2017 müssen die Krankenkassen den Arbeitgeber maschinell informieren, sofern sie Meldungen inhaltlich verändern.
  • Der gesetzliche Anspruch auf Beratung und Information gilt auch für die Betriebsprüfung.
  • Beim Antrag auf Erstattung nach dem AAG bekommen Arbeitgeber ab 2017 in allen Fällen eine Rückmeldung.

Wenn bei Arbeitnehmern mit Minijobs der Fall auftritt, dass die Grenze von 450 Euro gesprengt wird, weil die Erhöhung des Mindestlohns für Überschreitung sorgt, empfiehlt es sich, die Arbeitszeiten Deiner Mitarbeiter so anzupassen bzw. einzuschränken, dass es wieder hinkommt.

Zum Jahreswechsel: Das Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens

Die neue vollautomationsgestützte Veranlagung bedeutet für Dich und alle anderen Steuerpflichtigen, dass Steuerfestsetzungen, Anrechnungen von Steuerabzugsbeträgen, Vorauszahlungen oder auch Zinsen komplett automationsgestützt erlassen, geändert oder aufgehoben werden.

Die Veranlagung durch die Finanzbehörden erfolgt automatisiert auf Basis der vorhandenen Daten und Informationen. Nur wenn ein Risiko erkannt wird, schaltet die Finanzverwaltung einen menschlichen Sachbearbeiter zwischen. Oder wenn Du im so genannten „qualifizierten Freitextfeld“ Angaben stehen hast, zum Beispiel von Deiner Bank oder Krankenversicherung, auch dann sortiert das System Deine Steuererklärung aus und ein Sachbearbeiter kümmert sich darum.

In Zukunft musst Du als Steuerzahler dem Finanzamt bei einer elektronischen Steuererklärung keine Belege mehr vorlegen. Papierbelege wie Spendenquittungen müssen nicht mehr eingereicht werden, sondern nur noch aufbewahrt. Das Finanzamt kann die Unterlagen aber bei Bedarf anfordern. Damit wird aus einer Belegvorlagepflicht eine Belegvorhaltepflicht.

Eine elektronische Bekanntgabe ist für Steuerbescheide, Einspruchsentscheidungen oder auch Prüfungsanordnungen möglich, wenn Du das möchtest. Die Bescheide gelten dann drei Tage, nachdem das Finanzamt die elektronische Benachrichtigung verschickt hat, als bekannt gegeben. Als Steuerpflichtiger kannst Du Deine Einwilligung aber auch jederzeit widerrufen.

Fristverlängerung für Steuerklärungen ab 01.01.2018

Dann gibt es noch eine Änderung, die erst ab 2018 greift: Die Fristen für die Abgabe der Steuererklärung werden verlängert. Dann läuft bei einer Pflichtveranlagung Deine Abgabefrist erst am 31. Juli des Folgejahres ab. Wenn Du die Hilfe eines Steuerberaters in Anspruch nimmst, musst Du sogar erst bis zum 28. Februar des übernächsten Jahres Deine Steuererklärung abgeben.

Es sei denn, das Finanzamt fordert sie früher an: Weil Deine Vorauszahlungen außerhalb einer Veranlagung herabgesetzt wurden, eine Außenprüfung vorgesehen ist, Dein Betrieb gerade erst eröffnet oder eingestellt wurde oder einfach, weil das System eine automationsgestützte Zufallsauswahl trifft und Du „dran“ bist.

Leider ist nicht alles nett an der gesetzlich vorgesehen Fristverlängerung: Die Finanzverwaltung hat dann nämlich mit dem automatischen Mindest-Verspätungszuschlag noch größere Druckmittel in der Hand. In diesem Jahr gilt noch, dass ein Verspätungszuschlag Ermessenssache des Sachbearbeiters der Finanzbehörde ist. Der Zuschlag kann immerhin bis 25.000 Euro betragen, maximal bis 10% der festgesetzten Steuer. Mit der Automatisierung der Abläufe und Fristen gilt Deine Steuererklärung automatisch als verspätet und ein Zuschlag wird festgelegt, wenn sie nicht binnen 14 Monaten nach Ablauf des Kalenderjahrs oder des Besteuerungszeitpunkts eingereicht wurde.

Für jeden angefangenen Monat berechnet Dir das Finanzamt dann 0,25 Prozent der um die Vorauszahlungen und die anzurechnenden Steuerabzugsbeträge bereinigten Steuer – mindestens aber jeweils 25 Euro.

Damit fallen alle Möglichkeiten weg, dass Dein Sachbearbeiter ein Auge zudrückt, denn der Verspätungszuschlag gilt in jedem Fall.

Über den Autor
Carola Heine
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