Stressmanagement

Stop right here: Stressmanagement für Dienstleister*innen

Nur noch durch diesen Stapel, diese Woche, dieses Projekt - dann wird es endlich ruhiger? Das glaubst du doch inzwischen selbst nicht mehr. Stress ist kein Lifestyle!

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Hiergeblieben. Hier findest du jetzt nicht die neunzigste Selbstoptimierungs- und Achtsamkeits-Checklist der Woche für dein Stressmanagement, du kannst ruhig weiterlesen. Dir nicht nur den Impuls abholen, dass es dir nicht alleine so geht, sondern wirklich lesen. Denn mit ziemlicher Sicherheit wird dieser Text dir jetzt auf die Zehen treten, wenn du dich bereits wiedererkannt hast – und das ist goldrichtig so.

Wenn du trotz Apps, Internet und digitaler Orga in Stapeln sitzt, wenn nicht mal eine mitdenkende Buchhaltungslösung mehr dabei hilft, Termine lässig zu halten … Wenn dein Herz zu rasen anfängt, sobald bestimmte Kundennamen im Posteingang sitzen und du nur stumm aufs Smartphone starrst, sobald diese Menschen dann anrufen, weil sie auf Antwort warten …

Wenn seit Monaten fast jeder private Termin von dir wieder abgesagt wird, obwohl du die allgemeine Unverbindlichkeitswelle eigentlich ätzend findest, aber du brauchst nun mal die Zeit für Projekte … Wenn sich Fehler häufen und du bereits Routine darin bekommst, dich zerknirscht mit einer Entschuldigung aus einer Affäre zu ziehen … Vor allem aber, wenn du immer unter Druck bist und alle Aufgaben egal welcher Größenordnung sich ähnlich dringend anfühlen – dann solltest du exakt jetzt kräftig auf die Bremse treten und dein Zeitmanagement sofort einmal auf links drehen.

Stressmanagement ist kein Hexenwerk

Wer selbständig ist, ist es selbst und ständig, du kennst den öden Spruch. Wer selbständig ist, riskiert aber auch die eigene Existenz, wenn er oder sie unbeirrt und unbelehrbar alle Ressourcen tagein tagaus verbrät, als kämen jemals ruhige Zeiten. Denn selbst wenn die Auftragslage mal dümpelt, hast du dann ja nicht frei. Sondern Unruhe im Herzen und unterm Hintern und musst Akquise machen. Du willst also gar nicht ernsthaft, dass es ruhiger wird. Du willst, dass es besser wird. Du wusstest das bisher nur noch nicht.

Schluss mit der falschen Selbstberuhigung

Wie gutes Stressmanagement beginnt

Auf deinem Gedankenkarussell fahren vermutlich Zaungäste mit, die ungefähr so lauten: »Wenn dieses Projekt vorbei ist, habe ich endlich Zeit.« – »Ich bräuchte nur mal eine Woche volle Power, dann wöre dieser Schreibtisch wieder leer.« – »Kann doch mal passieren, dass man eine Deadline oder einen Termin versäumt.« – »Diese To-do-Liste wird immer länger statt kürzer, aber das geht vermutlich allen so.« – »Der Vorsorgetermin kann noch warten, jetzt ist der Job wichtiger.«

Stress ist kein Lifestyle, wenn auch nur die Hälfte der genannten Punkte auf dich zutrifft, ist das, was du dir als vorübergehende Belastung schön redest,längst in eine Erwachsenen-WG mit dir gezogen und pocht auf sein Gewohnheitsrecht. Was also tun?

Zuerst sammelst du alle Stapel ein, die du auf Regale, in Schubladen und auf Schreibtischecken gelegt hast, und teilst sie auf: In Papiere, die du für Projekte braucht – jedes Projekt bekommt eine Hülle. In Dokumente, die nur archiviert werden müssen, die können erst mal auf einen Stapel »Ablage«. In Belege, die du noch buchen musst – da wirfst du die lexoffice App an und erledigst alles sofort. Am besten auch gleich die nächste und/oder übernächste Umsatzsteuer, wenn dein Konto es hergibt.

Einmal durchsortieren, was anliegt

Dann machst du eine Liste mit allen anstehenden Jobs. Nicht nur die Projekte, die jetzt in Hüllen einsortiert auf dich warten, sondern alle. Bitte keine organisatorischen Dinge wie »Rechnungen schreiben« mit untermischen, das macht lexoffice eh in wenigen Sekunden. Sondern die so genannten Brotjobs. Die werden jetzt sortiert in 1. wichtig/dringend, 2. wichtig/nicht dringend, 3. sonstiges/dringend und 4. sonstiges/nicht dringend und 5. unwichtig/muss aber. Den einen Job, den du unauffällig vor dir herschiebst, obwohl er schon über den Rand läuft (du weißt, was ich meine) setzt du 6. nach ganz oben auf die Liste: Du wirst so froh sein, wenn du das endlich wenigstens in Angriff genommen hast.

Dann machst du die anderen fünf Stapel, anschließend sortierst du innerhalb des ersten Stapels nach Wichtigkeit und dann machst du erst den 6. Job und dich dann über den ersten Stapel her.

Wahrscheinlich sind dir jetzt zwei Sachen aufgefallen: Wenn man so unter Druck ist, wirken alle anstehenden Aufgaben gleich dringend, zumindest auf den ersten Blick. Aber wenn du sie sortierst unter dem Aspekt „ich brauche dieses Geld“ und „ich will diesen Kunden“, dann klappt’s trotzdem ganz gut mit dem Priorisieren.

Zeit für eine Pause

Wenn du jetzt krank wärst, könntest du nicht arbeiten. Wenn du in einem Meeting wärst, könntest du nicht arbeiten. Wenn du jetzt arbeiten würdest, könntest du immer nicht zaubern und vier Projekte gleichzeitig fertig stellen. Es besteht also eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass weder die Welt noch dein Job untergeht, wenn du jetzt langsam ein großes Glas Wasser trinkst – dir schon mal das Buch rauslegst, das du als Nächstes privat lesen willst, und dann einen Spaziergang machst. Mindestes 30 Minuten solltest du aus deinem Hamsterrad steigen, ob für einen Powernap, ein schönes Telefonat oder eine Runde ums Haus.

Dann arbeitest du weiter. Sobald es zum ersten Mal klemmt, nutzt du die Gelegenheit, alles wegzuwerfen, zu löschen oder in Unterordner zu verschieben, das du dir nur mal weggelegt hast, weil du das Gefühl hast, dich noch in bestimmte Themen einlesen zu müssen, sobald du Zeit hast. Auch das befreit.

Wie gutes Stressmanagement weitergeht

Menschen neigen dazu, sich Dinge zu sortieren und hübsch ordentlich zu machen. Zum Beispiel weitere Aufgaben hintenan zu stellen, schön der Reihe nach abzuarbeiten, wo doch das olle Zeugs endlich in Arbeit ist.

Mach das nicht.

So wirst du den Rückstau nämlich niemals los. Sobald du einmal durchsortiert hast, was anliegt, gehört mindestens der halbe Tag den frisch eingetroffenen Aufgaben, damit du deinen Berg von hinten abträgst, den Stau nicht vor dir herschubst und zusätzliche Probleme vermeidest. Das sollte ganz gut klappen, wenn du deine Bestandsprojekte halbwegs logisch durchsortiert hast und die Neuankömmlinge von Anfang an in einem tragfähigen Zeitrahmen hast.

Stressmanagement ist nie »fertig«. Das macht aber nichts, wenn du nur damit aufhörst, dir selbst vorzulügen, dass es irgendwo für immer ein ruhiges Plateau gibt, das du nur irgendwie erreichen musst. Schau lieber zu, dass dir nicht jeder Tag um die Ohren knallt oder wenigstens nicht allzu oft, dann passt es schon. Du bist ja nicht alleine mit dieser Anforderung an deine Produktivität, das ist alles halbwegs normal – und gute Tools für Routineaufgaben gibt es auch.

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Über den Autor
Carola Heine
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  1. Eva | 28.08.2019 | 11:32

    Hallo Carola, ich trinke jetzt ein großes Glas Wasser und dann befolge ich deine Tipps. Und wenn der Stress dann nicht weniger wird, ersetze ich es durch ein großes Glas Gin. Spätestens dann sollte es klappen. 🙂 Gruß aus dem Chaos und Merci für diesen Beitrag! Eva