TEilzeit arbeiten

In Teilzeit arbeiten – mehr als nur ein halber Job

Weniger Stunden arbeiten heißt nicht, weniger zu leisten. Doch diese Meinung wird häufig vertreten und schadet dann allen.

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Es gibt die unterschiedlichsten Modelle, in Teilzeit arbeiten zu gehen. Alle können Arbeitnehmenden dabei helfen, ein ausgewogenes Leben mit der richtigen Balance von Arbeitszeit und anderen Aufgaben zu führen. Als Chefin oder Chef können Sie Ihr Unternehmen mitarbeiterfreundlich und kundenorientiert führen, wenn die Mitarbeiter*innen motiviert durch ein zu ihnen passendes Arbeitszeitmodell sind.

Teilzeit arbeiten: Vorurteile erschweren die Mitarbeiterzufriedenheit

So weit, so prima. Doch die unterschiedlichen Varianten von Arbeitszeitmodellen in Teilzeit sind den meisten gar nicht so geläufig. Außenstehende nehmen nur wahr, dass irgendwie weniger gearbeitet wird. Leider gilt das oft auch für Menschen in der gleichen Abteilung oder im gleichen Team, die gar nicht die Feinheiten eines solchen Zeitmodells wahrnehmen, sondern nur sehen: Da geht jetzt jemand aber pünktlich heim, und zwar ganz schön viel früher und zwar immer – in Teilzeit arbeiten ist entspannter.

Das führt zu Neid und Seitenhieben: Ironischerweise haben Team-Mitglieder mit Standard-Arbeitszeiten in einigen Konstellationen das Gefühl, dass sie mehr leisten und mehr Arbeitszeit einbringen als jemand, der oder die in Teilzeit arbeiten kommt und gefühlt pünktlicher heimgeht.

Was nicht stimmt, denn die vereinbarte Leistung entspricht ja auch einem reduzierten Gehalt.

Im Gegenzug strecken manche Teilzeitkräfte sich täglich arbeitstechnisch nach der Decke, um zu beweisen, dass sie auch in weniger Arbeitszeit genug Leistung erbringen. Das trifft überdurchschittlich oft Mütter: Nur zu oft wird in Teilzeit dann die Leistung eines Vollzeit-Jobs erbracht, weil Sticheleien der Kolleg*innen zu Unsicherheit führen. Dann legt die Teilzeit-Angestellte oder der Mitarbeiter sich besonders ins Zeug, um zu beweisen, dass in Teilzeit ausreichend Ergebnisse erzielt werden können.

Das klingt fast so, als ob es gut für Arbeitgeber*innen ist.

Das Gegenteil ist der Fall, denn Überlastung führt auf Dauer zu innerer Entkopplung und fehlender Motivation. Dann wird hingeworfen (und alle haben es ja gleich gewusst). Keine gute Entwicklung in Zeiten, die von Fachkräftemangel und dem Wunsch nach Augenhöhe nach dem New Work Modell geprägt sind. Das sollte also anders gehen.

In Teilzeit arbeiten kann viele Formen annehmen

Die Stunden reduzieren, Auszeiten nehmen, Teilen eines Arbeitsplatzes im Jobsharing oder Vorarbeiten und späteres Abgelten von Zeiten: Teilzeit arbeiten ist, was Ihr draus macht: Teilzeit: Sieben Möglichkeiten.

Seit dem 1. Januar 2019 gibt es auch noch die Brückenteilzeit: Sie ermöglicht zeitlich befristete Teilzeitarbeit mit einem Rückkehrrecht in die vorherige Arbeitszeit. Dafür müssen aber bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden.

Wissenswertes rund um Teilzeit im Wissensbereich von lexoffice Lohn & Gehalt

Was Arbeitgeber*innen fürs reibungslose Teilzeit Arbeiten tun können

Als Chefin oder Chef sind Sie in der Verantwortung, für eine reibungslose Integration der Teilzeitkräfte zu sorgen. Das beginnt damit, dass Besprechungen und Team-Events so terminiert werden, dass alle ohne großen zeitlichen Spagat oder Stress teilnehmen können. Das geht damit weiter, dass Erwartungshaltungen von allen an alle klar kommuniziert und gegebenenfalls auch ausdiskutiert werden.

Synchrone Arbeitszeiten aller sind nicht erfolgsentscheidend – zuverlässige Zusammenarbeit und Motivation schon.

Es endet noch lange nicht mit der klaren Ansage, dass über »pünktliches Heimgehen« einer Teilzeitkraft von den anderen gefälligst nicht gestichelt wird: Erwachsene Menschen sollten in der Lage sein, die Besonderheiten eines vom eigenen abweichenden Arbeitsvertrags intellektuell zu erfassen 🙂 notfalls stupst man sie mit der Nase darauf.

Stressfrei für alle sind transparente und realistische Zielvereinbarungen, die auf die reduzierte Stundenzahl eingehen und ab und zu einem »Reality Check« unterzogen werden. Besonders in Service-Jobs mit Stoßzeiten und wechselnden Schichten kann sich sehr schnell das immer wieder ändern, womit alle Beteiligten im Arbeitsalltag zufrieden sind, wenn in Teilzeit arbeiten stattfindet.

Dann lohnen sich ein Abgleich und die flexible Anpassung von Aufgabenverteilungen, auf jeden Fall immer lohnt sich aber ein offenes Ohr für Sorgen, Nöte und Bedenken rund um die Konstellation Teilzeit. Denn wie so viele andere Dinge im Berufsleben sind scheinbar ganz einfache Dinge oft wesentlich komplexer, sobald es ums Zwischenmenschliche geht.

  • Foto: Adobe Stock saksit
Über den Autor
Carola Heine
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