Tipps für Portfolio-Messies

Tipps für Portfolio-Messies Tipps für Portfolio-Messies

Wer viel kann, möchte es auch gerne zeigen – das gilt besonders für Designer, Texter, Fotografen und andere „Kreativarbeiter“, die schon nach kurzer Berufstätigkeit meist auf eine Vielzahl der unterschiedlichsten Projekte zurückschauen können.

Tatsächlich aber besteht dann die Gefahr, dass sämtliche sich ergebenden Arbeitsproben einfach eine nach der anderen in der eigens dafür eingerichteten Rubrik der eigenen Website landen.

Portfolio für die eierlegende Wollmilchsau

Ein Portfolio, in dem Referenzen aller Größenordnungen und Genres stehen, wirkt allerdings sehr schnell wie ein beliebiger Bauchladen.

Kunden suchen aber in der Regel einen Experten für ihr Problem. Nicht jemanden, der sich in jede Aufgabe irgendwie einwurschteln kann.

Deswegen darf man auch nicht so wirken.

Dazu kommt noch, dass auch talentierte Menschen selten alles gleich gut können.

Setzt Du nun alle Deine Arbeitsproben auf Deiner Website ein, läufst Du nicht nur Gefahr, mit dieser Informationsflut potenzielle Kunden förmlich zu erschlagen.

Du gehst auch das Risiko ein, dass die nicht ganz so guten Sachen den tollen Eindruck mindern, den Deine besten Referenzen machen könnten.

Außerdem, und auch das ist ein wichtiger Punkt, verschenkst Du die Chance darauf, Dich auf ein Lieblingsgebiet zu spezialisieren, oder auch auf zwei oder drei.

Ein aktuelles Portfolio allein reicht nicht aus

Es genügt also nicht, über immer aktuelle Arbeitsproben online zu verfügen.

Du solltest immer auch eine Auswahl treffen, um aktiv zu bestimmen, wie Du mit Deinem Angebot wahrgenommen wirst:

  1. auf Klarheit Wert legen, Info-Fluten vermeiden
  2. auf Qualität setzen statt auf Vollständigkeit
  3. auf Wunschkunden abzielen, nicht auf beliebige viele

Wenn Du für Dich herausgefunden hast, welche Aufgaben Dir am meisten liegen und für welche Zielgruppe Du bevorzugt arbeiten möchtest, sollte Dein Portfolio auch genau das zeigen.

Alle anderen Arbeitsproben, die zu ungenau sind oder veraltet oder nur aufgenommen wurden, weil sie vorhanden waren, können weg.

Selbst wenn eine Arbeitsprobe Dir besonders gut gefällt, heißt das noch lange nicht, dass sie auch in Deinem Portfolio gut passt.

In einem solchen Fall kannst Du sie in Deinem Blog veröffentlichen als eine weitere Facette Deines Könnens, Du musst also nichts unterschlagen, was Du gerne online stellen würdest.

Das Portfolio selbst aber sollte auf den Punkt geschliffen werden, an dem ein nur an Deiner Arbeit interessierter potenzieller Kunde nach wenigen Blicken erkennt, wo Deine Schwerpunkte liegen.

Nur so wirst Du als Lösungsanbieter bzw. Experte für die Aufgaben wahrgenommen, die Du bevorzugt anbieten möchtest.

Es macht auch nichts, wenn Du Dich dafür auf einige wenige Arbeitsproben konzentrierst.

Du solltest jede einzelne um einige Basis-Infos ergänzen: Was war das Ziel dieses Projekts, was genau Deine Aufgabe? Wie bist Du bei der Umsetzung vorgegangen, was hast Du Dir überlegt dazu und welches Werkzeug eingesetzt?`

Wenn das Ergebnis als fertiges Projekt online abrufbar ist, solltest Du es verlinken.

Vornehme Zurückhaltung? Nicht im Portfolio!

Du kannst was. Darauf darfst Du stolz sein. Trotzdem und genau deshalb gilt:

All die kleinen privaten Zusatzinformationen, mit denen Du Deine Ergebnisse im Gespräch mit einem Freund vielleicht relativieren würdest, haben im Portfolio nichts zu suchen:

„Das habe ich zum ersten Mal gemacht und wusste nicht, ob es auch was wird“ oder „Hier musste ich viermal anfangen, aber jetzt gefällt es mir gut“ und so weiter gehören nicht in Deine professionelle Selbstdarstellung.

Erzähl die Kurzgeschichte zur Arbeitsprobe, aber ohne den Tagebuchfaktor.

Konzentrier Dich auf die Lösung, die Du Deinem Kunden anbieten konntest und überzeug Deine Interessenten mit liebevoll aufbereiteten Details.

Wenn Dir Dein Portfolio jetzt überfüllt und chaotisch vorkommt und Du am liebsten sofort mit der Überarbeitung beginnen würdest, ist die Hälfte schon geschafft.

Schau Deine Arbeitsproben an:

  • Sind sie aktuell genug? Frühwerke und „Altlasten“ gehören eher ins Blog als ins Portfolio
  • Hast Du sie detailliert beschrieben? Kann ein Interessent erkennen, wie sie zustande kamen? Falls nein, kannst Du es nachholen?
  • Handelt es sich um Aufgaben, von denen Du gerne mehr übernehmen würdest?

Der Rest fliegt raus.

Auch neue Arbeitsproben sollten diesen Filter durchlaufen.

Nur die besten Arbeiten gehören ins Portfolio – nicht automatisch alles, was Dir im Projektalltag begegnet ist.

Ein klar strukturiertes und sauber aufgeräumtes Portfolio fühlt sich nicht nur großartig an, es ist auch Dein Aushängeschild und das beste Verkaufsargument für Deine Leistungen.