Existenzgründung kann auch heißen: Ein bestehendes Unternehmen als Nachfolger übernehmen.

Unternehmensnachfolge als Weg in die Selbstständigkeit

Existenzgründung kann auch heißen: Ein bestehendes Unternehmen als Nachfolger übernehmen.

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Als Selbstständige*r starten kannst Du auf vielen Wegen: Nebenberuflich, eigenständig mit einer brandneuen Geschäftsidee oder mit bewährten Dienstleistungsangeboten in hoher Qualität. Eine weitere Möglichkeit ist die Unternehmensnachfolge, die übrigens in Deutschland gar nicht so selten ist.

Wird Dir eine Unternehmensnachfolge als Gründungsmodell angeboten, solltest Du diese Idee sorgfältig abwägen. Wer als Inhaber*in eine eigene Firma abgibt, muss den Zeitpunkt festlegen und einerseits entscheiden, wer in welchem Umfang das Unternehmensvermögen erhalten soll – andererseits, wer die Führungsverantwortung erhalten wird.

Wer sie übernimmt, muss aber noch sehr viel mehr regeln. Es mag klingen, als ob man sich ins sprichwörtliche gemachte Nest setzt, aber so ist es nicht: Ein etabliertes Unternehmen inklusive Bekanntheitsgrad zu übernehmen, kann viele Vorteile haben – aber auch einige entscheidende Nachteile, die man lieber vorher in Betracht ziehen sollte, als später überrascht zu werden.

Nachteile, wenn Du eine Unternehmensnachfolge antrittst

Den Satz „Das haben wir aber immer schon so gemacht“ wirst Du sehr häufig hören, wenn Du ein bestehendes Unternehmen mitsamt Mitarbeiter*innen übernimmst. Außerdem wirst Du vermutlich ohne Verzögerung feststellen, dass Menschen in einem Team sich nicht wunschgemäß mal eben umprogrammieren lassen, nur weil Du genaue Vorstellungen hast, die Du auch vernünftig erklären kannst. Die Herausforderungen an eine Führungspersönlichkeit bei Unternehmensnachfolge sind beträchtlich.

Denn während Du bei einer frischen Firmengründung bei jedem Schritt festlegen kannst, wohin die Reise gehen soll, steigst Du hier in bestehende Vorgaben ein und musst ändern, statt einen Neuanfang zu machen. Nagelneue Start-ups und Kleinunternehmer*innen, Freelancer und andere Menschen mit Gründungsvorhaben punkten vor allem deswegen, weil sie beweglich und flexibel agieren und sich ausprobieren können. So kann auf jede Bewegung am Markt zeitnah reagiert werden, eigene Ideen benötigen keine Überzeugungsarbeit.

Das sieht ganz anders aus, wenn Du eine Firma übernimmst, die vorher ganz und gar durch jemand anderen aufgebaut und geprägt wurde. Geschäftspartner, Lieferanten und Mitarbeiter*innen haben sich ursprünglich mal auf eine Zusammenarbeit eingelassen, weil Charakter, Charisma und Persönlichkeit von jemand anderem überzeugend waren … und jetzt kommst Du. Auch wenn Du das Sagen hast, wird das nicht einfach. Du hast dann Mitarbeiterverantwortung für Menschen, die Du nicht selbst eingestellt hast, wirst an den Leistungen des Vorgängers oder der vorherigen Chefin gemessen und musst Dir das Vertrauen erst erarbeiten.

Wenn die Digitalisierung noch keinen Einzug gehalten hat, Produkte oder Maschinenpark veraltet sind und langfristige Verbindlichkeiten mit Lieferanten bestehen, die Du vielleicht ändern möchtest, fließt auch das in die Überlegungen ein, ob das Risiko sich für Dich lohnt. Schließlich kann es schnell passieren, dass die Unternehmensnachfolge sogar deutlich mehr kostet als eine Neugründung mit agilem Team und viel Handlungsfreiheit.

Altlasten, Sanierungsrückstände, behäbige Prozesse, Führungsherausforderungen und höhere Kosten … das klingt nicht so gut? Überzeugende Argumente dafür, in die Fußstapfen anderer Inhaber*innen zu treten, gibt es aber natürlich auch:

Vorteile einer Unternehmensnachfolge

Jede*r Gründer*in steht vor der gewaltigen Herausforderung, sich im Wettbewerb zu positionieren und sich einen Markt zu erobern. Außer, Du gründest in Unternehmensnachfolge eines bereits langjährig im Business vertretenen Unternehmens. Dann kannst Du von Anfang an auf bestehende Beziehungen zu Lieferanten, Geschäftspartnern und sogar einen existierenden Kundenstamm zurückgreifen.

Statt mühsam mit einem Businessplan für Einsteiger mit Kreditinstituten zu verhandeln, wenn es um finanzielle Spielräume geht, kannst Du auf bestehende Auswertungen verweisen. Der übliche aufwändige Marathon für Genehmigungen, Lizenzen, Markenrechte und ein gut durchdachtes, tragfähiges Gründungskonzept entfällt in der Regel.

Du kannst einsteigen und loslegen, größtenteils ohne den bürokratischen Hürdenlauf, um für Deine Firma zuerst die notwendigen Genehmigungen einzuholen. Vom ersten Moment an erzielt Dein Unternehmen außerdem Umsätze, was bei Neugründungen oft lange dauern kann. Bisherige Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen informieren Banken und Beratungsfirmen über die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens und sind zugleich verlässliche Basis für weitere Planung. Du kannst viel einfacher belegen, warum Deine Pläne aussichtsreich sind, weil Deine Überlegungen auf den bisherigen Erfahrungen basieren.

Wichtig: Sorgfältig abwägen – und Branchenkenntnisse mitbringen

Es hat viele Vorteile, eine Marke nicht erst aufbauen zu müssen, sondern sie zu übernehmen. Das Risiko kann aber auch wesentlich höher ausfallen. Wichtig ist daher, dass Du nicht völlig branchenfremd bist. Es mag in Ausnahmefällen auch möglich sein, sich in völlig fremde Fachgebiete einzuarbeiten als Nachfolger*in. Empfehlenswert ist es aber nicht und bei einer Unternehmensnachfolge hast Du kaum Erfolgsaussichten, wenn Du Dich in Deiner neuen Branche überhaupt nicht auskennst.

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Eine Checkliste zur Planung der Nachfolge findest Du im „Nachfolge.Wiki“. Hast Du bereits Erfahrungen mit einer Nachfolgeübernahme oder planst, eine fremde Firma so zu übernehmen? Dann würden wir uns über ein Interview für dieses Blog sehr freuen.

  • Foto: © djile - stock.adobe.com
Über den Autor
Carola Heine
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