Vermögensaufbau und Vorsorge für Unternehmer*innen

Absicherung und Vorsorge für Unternehmer*innen

Absicherung, auch für die Familie, ist immer noch ein Tabuthema. Wer spricht schon gerne darüber, krank zu werden oder gar sterben zu können?

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Was ist eigentlich, wenn dir etwas passiert? Können deine Angehörigen oder Vertrauten an deine Konten, Dinge für dich oder im schlimmsten Fall für deine Hinterlassenen regeln? Was ist mit all den von dir aufgebauten Werten, was mit Zugangsdaten und offenen Rechnungen? Wir wünschen niemandem ein Problem, doch sollte Vorsorge für Unternehmer*innen selbstverständlich sein.

Dabei gilt es diverse unterschiedliche Szenarien zu bedenken: Eine einfache Vollmacht, wie man sie beim Führen gemeinsamer Konten erteilt, reicht im Todesfall nicht bei jedem Finanzinstitut aus, um auf vorhandene Bankkonten zuzugreifen und anstehende Zahlungen zu begleichen. Doch auch wenn ein digitaler Nachlass vererbbar ist und damit in vielen Fällen auf vorhandene Konten in verschiedenen Netzwerken zugegriffen werden kann: Die Kund*innen eines Freelancers werden kaum problemlos Rechnungen von weiteren Personen akzeptieren, vor allem wenn Werkverträge geschlossen wurden.

Kurz gesagt, du solltest immer einer Person deines Vertrauens wie Ehepartner*in, Lebensgefährte, Eltern- oder Geschwisterteil eine Generalvollmacht erteilen, damit mindestens diese in der Lage ist, sowohl betriebliche als auch private vermögensrechtliche Angelegenheiten für dich oder deine Familie zu regeln. (Linktipp: Was passiert nach meinem Tod mit meinem Business? von Sandra Stabenow auf frau-frei-und.de)

Wichtige Vorsorge für Unternehmer *innen: Versicherungen und Testament

Jede*r sollte eins haben und doch gehört für die meisten Menschen ein sehr großer innerer Anlauf dazu, mit Hilfe eines Notars ein Testament aufzusetzen. Verdrängen ist einfacher, und außerdem glauben die meisten, dass ohnehin Partnerin oder Partner erben werden und haben nur eine vage Vorstellung irgendwelcher Pflichtanteile im Hinterkopf, die eventuell noch die Kinder betreffen könnten.

Das ist gefährlich, denn: Ohne ein Testament wird ein Erbe nach dem Güterstand festgesetzt. Ohne zusätzliche Regelungen ist das eine Zugewinngemeinschaft, Partner oder Partnerin bekommen die Hälfte des Nachlasses, Kinder oder sogar Eltern erben mit – und könnten sogar darauf bestehen, sich ihren „Anteil“ direkt auszahlen zu lassen. Stell‘ dir einfach vor, wie das bei zerstrittenen Familien oder mit gerade flügge gewordenen Teenagern ausgehen kann, wenn dafür Immobilen verkauft oder Betriebsvermögen aufgelöst werden muss.

Auch formlos selbst aufsetzen geht: Das Berliner Testament

Paare, die sich gegenseitig absichern wollen, sollten daher unbedingt mindestens ein sogenanntes „Berliner Testament“ machen, das zuerst einmal nur den Partner oder die Partnerin begünstigt. Das geht dank dank kostenloser Vorlagen aus dem Internet sogar formlos und unkompliziert, bis Zeit und Geld für einen „echten“ Notartermin ausreichen.

Der zusätzlich wichtige Versicherungsschutz wird über Risikolebensversicherungen angeboten. Diese sind nicht wirklich teuer, sichern aber die wirtschaftliche Existenz der Hinterbliebenen. (Linktipp: Artikel zur Todesfallabsicherung mit Rechenbeispielen auf den Seiten des Deutscher Journalisten-Verband DJV.)

Doch auch wohin das Geld am Ende geht, muss gut überlegt sein. Manchmal denken Unternehmer*innen nur daran, ihren Familien Geld zukommen zu lassen – ebenfalls wichtig ist dafür zu sorgen, dass der Betrieb weiterlaufen kann – zumindest bis zu einer geordneten Übergabe. Hier kann dann eine auf das Unternehmen ausgestellte Risiko-Lebensversicherung sinnvoll sein.

Berufsunfähigkeit und Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Wenn der Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann, brechen alle finanziellen Konstrukte zusammen, einschließlich des Aufbaus einer ausreichenden Altersvorsorge. Auch hier heißt es wieder, nicht nur sich selbst – sondern auch Partner und Familie mit abzusichern. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung bietet grundlegende Sicherheitsleistungen, doch wenn diese zu teuer ist, gibt es Alternativen: Erwerbsunfähigkeitsversicherungen, eine Dread-Disease-­Police (schwere Krankheit), eine Grundfähigkeitsversicherung oder auch eine Unfallversicherung mit hoher Invaliditätsabsicherung kommen je nach Ausgangslage in Frage.

Familie und Firma absichern: Wichtige Verträge

Unverzichtbar sind Versicherungen für Haftpflicht (Familienpolice privat), generell die Krankenversicherung und auf Reisen eine Auslandskrankenversicherung, eine Risiko-Lebensversicherung für beide Partner und eine private Berufsunfähigkeitsversicherung für beide.

Wer eine Immobilie hat, benötigt eine Gebäudeversicherung und ein Rücklagenkonto für Instandhaltung, beispielsweise einen Bausparvertrag.

(Sinnvoll kann es außerdem je nach Ausgangslage sein, eine private Unfallversicherung und private Pflegezusatzversicherung zu ergänzen.)

Erster Schritt: Den eigenen Bedarf ermitteln

Um festzulegen, für welche Versicherungen zur Vorsorge als Unternehmer oder Unternehmerin Angebote eingeholt werden sollten, um diese zu vergleichen, ist eine Bestandsaufnahme wichtig. Welche der genannten wichtigen Versicherungen fehlt?

Außerdem:

  • Was wird benötigt, um das Einkommen abzusichern?
  • Was, um die Immobilie zu sichern?
  • Und den laufenden Betrieb?
  • Für wie viele Jahre wird Absicherung benötigt?

Achtung: Partner*innen mit kleinen Kindern sollten mindestens die Zeitspanne bis zu deren Volljährigkeit abdecken.

Unverzichtbar wichtig ist es für all deine Pläne und Überlegungen die Vorsorge betreffend, laufend den Überblick über alle finanziellen Verpflichtungen von Versicherungen bis Steuerrücklage zu haben, um sicherzugehen, dass deine bestehenden Risiken auch tatsächlich alle ausreichend gedeckelt werden.

  • Foto: © – stock.adobe.com
Über den Autor
Carola Heine
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