Vorträge halten kann jeder

Vorträge halten kann jeder - Anregungen und Tipps

Früher oder später erwischt es jeden: Eine Rede muss gehalten, ein Anlass moderiert oder ein Ergebnis präsentiert werden.

Auch introvertierte und schüchterne Menschen werden dann mit der Aufgabe konfrontiert, sich vor eine Gruppe zu stellen und frei zu sprechen: Es gehört einfach heute zum Berufsleben, für Kunden oder Kollegen einen Vortrag zu halten und Fakten zu präsentieren.

Vor Deinem großen (oder kleinen) Auftritt solltest Du Dich vorbereiten und Dir beispielsweise genau überlegen, vor wem Du überhaupt reden wirst und wie Du Deine Zielgruppe am sinn- und wirkungsvollsten ansprichst.

Eine Präsentation vor einer Handvoll Menschen ist etwas anderes als ein Vortrag auf einem großen Event. Das betrifft nicht nur die Etikette von Kleidung bis Anmoderation, sondern auch Deine eigene Herangehensweise.

Wer sind meine Zuhörer und wie spreche ich sie an?

Wenn Du nur mit wenigen Personen auf einmal zu tun hast, kannst Du auch spontan Anekdoten einsetzen, in den persönlichen Dialog gehen und Fragen stellen, auf die Antworten dann auch eingehen und Deinen Vortrag auch leicht anpassen, wenn eine Frage eintrudelt.

Das ist bei einem Vortrag vor Hunderten von Menschen komplizierter, hier bist Du darauf angewiesen, dass Deine Präsentation kompakt und notfalls auch ohne direkten Dialog durchgehend informativ ist.

Trotzdem musst Du Dich auch mit einem detaillierten Satz Unterlagen immer darauf vorbereiten, dass auch anspruchsvolle Zwischenfragen kommen können.

Dementsprechend bis ins letzte Detail muss sie zwar vorbereitet werden – aber Deine ganze Präsentation, nicht nur Folien und Handout.

Es wäre fatal, einfach nur Slides aufzubereiten und sich darauf zu verlassen, dass diese Dich durch den Vortrag führen. Gibt es neue Trends, aktuelle Artikel, kritische Artikel oder kontroverse Umfrage-Ergebnisse zu “Deinem” Thema?

Dann fährst Du besser damit, diese zu kennen und eine Meinung dazu zu haben.

Du musst nämlich immer mit Fragen aus dem Publikum rechnen und darauf eingehen können, wenn jemand einen weiteren Aspekt zu Deinem Thema einbringt.

Außerdem solltest Du im Vorfeld möglichst viel über Deine Zuhörer, ihre Interessen und Ziele erfahren, damit Du die Erwartungshaltung gut einschätzen kannst.

Wie aufmerksam Dein Publikum Dir lauscht, kommt dann auf viele Einzelheiten an. Nicht alle können von Dir beeinflusst werden, aber kennen solltest Du sie trotzdem alle vorab:

Die wichtigsten Details über Location und Ausstattung sind ebenfalls interessant, damit Du weißt, ob Du frei sprechen und dabei mit oder ohne Headset herumlaufen kannst oder ob Du vor einem Pult mit festem Mikrofon stehen sollst.

Je mehr Du über die Örtlichkeiten weißt, desto besser kannst Du einschätzen, was Du vorher noch „trainieren“ solltest, um Dich frei und unbefangen vor dem Publikum zu bewegen.

Üben, üben und nochmals üben

Auch beim Vorträge halten macht Übung den Meister. Wenn Du die Möglichkeit hast, vor Freunden oder Kollegen auszuprobieren, wie gut Dein Vortrag ankommt, solltest Du sie unbedingt wahrnehmen.

Außerdem ist es besonders wichtig, vor Ort keinen einzigen Gedanken auf die Technik verwenden zu müssen.

Wie klickst Du durch Deine Präsentation, wie geht der Beamer an, was machst Du mit Folie XYZ, wenn parallel eine Diskussion starten soll?

Deine Vortrags-Choreographie läuft reibungslos, wenn Du alles rund um Deinen Vortrag schon mindestens einmal erlebt hast:

Technik aufsetzen und auf Fehlerquellen durchgehen – Folien mit anderen durchschauen und Feedback einarbeiten – frei zu Deinem Thema sprechen, zum Beispiel vorm Spiegel und dann noch einmal vor Freunden und Kollegen.

Wenn Du die Möglichkeit hast, Deinen eigenen Vortrag zur Probe aufzunehmen, lass Dein Video einen Tag liegen und schau es Dir dann mit etwas Abstand kritisch an:

Bewegst Du Dich souverän und entspannt? Was machst Du mit Deinen Händen? Gehst Du hektisch herum oder bleibst Du gar sitzen und die anderen müssen sich recken, um Dich zu sehen?

Sprichst Du deutlich, hörbar und laut? Wer zu sanft und vorsichtig spricht, kann sich weder für ein Thema einsetzen noch Fakten überzeugend präsentieren, mögen sie noch so zutreffend sein.

Den Vortrag mindestens zweimal zu üben hat auch den Vorteil, dass Du eine realistische Zeitplanung erarbeiten kannst:

Weder solltest Du zu schnell zu viele Informationen präsentieren, noch die für Dich vorgesehene Zeit überziehen.

Daten, Fakten und der Entertainment-Faktor

Dein Publikum will nicht nur informiert, sondern auch bei Laune gehalten werden.

Mit Logik oder Notwendigkeit hat das erst mal nichts zu tun, denn Du bist darauf angewiesen, sowohl Personen für Deine Inhalte zu begeistern, die sich die Teilnahme an Deinem Vortrag nicht selbst ausgesucht haben als auch jene, die vielleicht viel Geld für ein Event gezahlt haben.

Egal für wen Du sprichst, die Anwesenden können nur eine begrenzte Anzahl Zahlen und einfache Angaben verdauen und dabei noch wach bleiben. Du musst sie auch unterhalten.

Das geht nicht, wenn Du zu viele trockene Fakten in unzählige Folien packst und zwischendurch aus Zeitgründen darauf verzichtest, die passende Geschichte zu Deinen Daten zu erzählen.

Dass Du rundum gepflegt auftreten und perfekt auf alle Fragen vorbereitet sein solltest, heißt aber nicht, dass Dein Auftritt perfekt durchoptimiert und glattgeschliffen sein muss.

Ganz im Gegenteil kommt ein Vortragender viel besser beim Publikum an, wenn er oder sie keine Moderatoren-Hochglanzfassade vor sich herträgt, sondern zwischenmenschliche Ecken und Kanten erkennen lässt.

Ein überraschendes Intro, ein Scherz und eine unerwartete Wendung wecken und halten das Interesse der Zuhörenden viel besser als ein routiniertes Intro, das sich sofort auf blanke Fakten stützt.

Sicher hast Du es schon selbst erlebt: Ein Vortragender, der eine Anekdote über die Anreise in einen Teil der Präsentation verwandelt oder alle anderen durch einen unerwarteten Scherz über das Wetter in der Region vereint.

Erfolgreiche Vortragende erzählen von sich und davon, wie sie die Welt wahrnehmen und den kleinen alltäglichen Irrsinn, dem wir alle ständig begegnen.

Ob Du die anderen mit neuen Erlebnissen verblüffst oder mit Wiedererkennung arbeitest, die Geschichte hilft Dir beim „Verkaufen“ Deiner Fakten und Ansichten.

Damit wären wir wieder beim Üben des Vortrags, denn ob ein Scherz funktioniert, siehst Du tatsächlich erst dann, wenn andere auf ihn reagieren.

Es ist und bleibt spannend, einen Vortrag zu halten. Doch Routine hilft bei der Bewältigung der Herausforderung – ebenso wie unsere Praxistipps.

Jeder kann das schaffen – mit der richtigen Vorbereitung.

20.07.2015