WhatsApp ist bald nicht mehr werbefrei - Ärgernis oder sogar Chance?

WhatsApp ist bald nicht mehr werbefrei – Ärgernis oder sogar Chance?

Der Facebook-Ableger bestätigte es durch einen Unternehmenssprecher: Ab 2019 werden Werbeanzeigen innerhalb von WhatsApp eingeblendet.

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Zunächst nur in den USA sollen in WhatsApp Chats bald auch Werbenachrichten eingeblendet werden, so wie die Anwender*innen des Facebook Messengers es bereits kennen. Bei der Übernahme von WhatsApp 2016 lautete das Versprechen noch „für immer werbefrei“.

Das wird „das Internet“ bzw. die Community der User*innen nicht so schnell in Vergessenheit geraten lassen: Als WhatsApp noch ein Start-up war, versprach man allen Nutzer*innen für immer einen werbefreien Messenger, wohl auch um die Displays aller Mobilgeräte überhaupt für sich zu erobern. Deswegen und weil die App so intuitiv nutzbar und für alle Plattformen verfügbar ist, werden inzwischen täglich über 60 Milliarden Messages geschrieben.

Die Übernahme durch Facebook wurde dann 2014 besiegelt. Warum also jetzt auf einmal Werbung und nicht schon damals? Ganz einfach: Ex-WhatsApp-Chef Brian Acton und sein Mitgründer hatten sich vertraglich zusichern lassen, dass WhatsApp in den ersten fünf Jahren nach der Übernahme kein Geld abwerfen muss. Diese Frist endet jetzt. Leider, muss man sagen.

Was ist so schlimm an WhatsApp Werbung, Ads sind doch überall?

Werbung in einem bisher als sicher betrachteten Messenger bedeutet nicht nur lästige Beschallung mit selten richtig gut passenden Anzeigen, die man ja auch nach Kräften ignorieren könnte – das ganze Internet ist ein passendes Übungsfeld. Anzeigen in WhatsApp bedeuten aber, dass auf Unterhaltungen zugegriffen wird und sie ausgewertet werden, denn hier gilt „was noch nicht passt, muss passend gemacht werden…

Auch wenn es nicht Personen sind, sondern algorithmische Auswertungstools, die auf unsere Daten zugreifen, so entsteht doch ein Profil eines jeden Nutzers und einer jeden Nutzerin, in das garantiert auch private Dinge einfliessen oder Details, die gar nicht für eine halböffentliche Auswertung bestimmt sind. Da jetzt also in Kürze dieser Datentausch mit Facebook ansteht, sehen sich viele Verbraucher*innen nach Alternativen um.

Alternativen zu WhatsApp

  • Threema, werbefreier Messenger mit Fokus auf Sicherheit und Privatsphäre
  • Signal, einfach schnell und sicher für alle gängigen Plattformen
  • Wire mit Sonderedition für Krisenkommunikation
  • Telegram, cloud-basiert und schnell mit offener API
  • Hoccer, sicherer und einfacher Datenaustausch

Fragt man Anwender*innen „Würden Sie WhatsApp weiterhin nutzen, wenn in der App Werbeanzeigen erscheinen?“ sagt derzeit bei den meisten Umfragen mindestens die Hälfte, dass sie auf Alternativen ausweichen werden. Dummerweise ist die Entscheidung darüber, welcher Messenger sinnvoll ist, aber auch davon abhängig, wie viele der eigenen Kontakte ihn nutzen. Schließlich möchte man weder die anderen zwangsmissionieren in Sachen Messengernutzung noch sich zukünftig in elitär kleinen Zirkeln auf Plattformen mit reinweißer Werbeweste unterhalten.

Bei WhatsApp ist klar, dass die meisten es aktuell nutzen und mühelos dort auffindbar ist. Diese große Komfortzone ist nicht so einfach zu verlassen, wie man meinen sollte. Wie viele Menschen also trotz Werbeeinblendungen und Datenschnüffelei weiterhin bei WhatsApp bleiben, wird man allen Umfragen zum Trotz erst nach einigen Monaten wissen.

Erste Tests für das Native Ad System von Facebook unter WhatsApp laufen

Aktuell laufen erste WhatsApp Ads im Test auf indischen iOS-Geräten: Das Watchblog WhatsApp Beta Info berichtet, dass WhatsApp bereits erste Angebote von Unternehmen entgegennimmt, die Werbenachrichten gezielt an bestimmte User nach Region und Altersgruppe zuschicken können. Eine Werbebotschaft kostet zwischen einem halben und neun Cent, wenn solch eine WhatsApp Anzeige bei 1.000.000 Menschen ausgespielt wird, verdient Facebook daran also zwischen 90.000 und 100.000 Euro, so weit es sich aktuell grob nachvollziehen lässt.

Ist WhatsApp als Werbeplattform damit auch für Start-ups, Gründer*innen und Solopreneure interessant?

Ganz bestimmt sogar – wenn Angebot, Konzept und Zielgruppe stimmen und Du keine moralischen Bedenken hast, denn solche Überlegungen kann Dir niemand abnehmen. Denn Deine Zielgruppe ist vermutlich auf WhatsApp vertreten und sollte dort auch angesprochen werden können. Für Anzeigen innerhalb der Messenger-Dienste gilt das, was für jedes Ad-Format im Internet richtig ist: Es gibt keine goldene Regel für alle und ausnahmslos alles, „Probieren geht über Studieren“ und auch hier wird es Zielgruppen und Strategien geben, bei denen Messenger-Werbung großartige Erfolge erzielt.

*
P.S.
Wenn Du für Dein Unternehmen WhatsApp-Ads probieren wirst, sobald sie auf dem deutschen Markt verfügbar sind, würden wir uns über Deine Gedanken vorab genauso freuen wie über einen Erfahrungsbericht! Bitte schreib‘ uns über die Comments an, Mail-Adresse nicht vergessen.

  • Foto: © foxyburrow - stock.adobe.com
Über den Autor
Carola Heine
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  1. Benjamin Klyeisen | 28.01.2019 | 17:38

    Schade das Sie einen der wichtigsten Messenger vergessen haben! Vor allem im Business Umfeld darf dieser nicht fehlen. Von Microsoft gibt es nun den „Kaizala“ Messenger. Mit diesem bietet Microsoft dem privaten Endanwender einen Messenger auf Unternehmensniveau welcher sich zudem auch in jedes Unternehmen (Microsoft 365 Vorausgesetzt) integrieren lässt. Für private Endanwender ist Microsoft 365 hierbei kein muss.
    Und nein, ich arbeite nicht bei Microsoft. Ich bin nur ein Kleinunternehmer welcher durch die Microsoft 365 Administration über diese neue Funktion bereits vorher informiert wurde. Testen Sie es aus, Sie werden überrascht um wie viel weiter dieser Messenger bereits im „normal“ Modus entwickelt ist. Mit einem Microsoft 365 Konto verknüpft kann man dann richtig viele tolle Unternehmensfunktionen nutzen!

    1. Carola Heine | 29.01.2019 | 11:38

      Hallo Benjamin,

      danke für die Ergänzung und die Meinung – immer spannend, welche Tools auch noch genutzt werden.
      Herzliche Grüße
      Carola