Wie sag ich es meinem Kunden? Vereinbarkeit von Familie und Beruf

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Vor mehreren Jahren nahm ich für ein Projekt Kontakt mit einer neuen Agentur auf und meine nette Gesprächspartnerin teilte sofort mit, sie könne nur bis 12 Uhr erreicht werden, danach müsse sie heim zu ihrem Kind und die Kollegin würde übernehmen.

Das war um 10 Uhr früh. Dringliche Fragen hatte ich gar nicht, alles konnte auch bis zum nächsten oder übernächsten Tag warten und so antwortete ich einfach nachmittags auf die Mail – um sofort von besagter Kollegin informiert zu werden, man habe mir doch schon gesagt, nachmittags „Abwesenheit wegen Kind!“

Sie schickte aber auch die Antwort. Verblüfft fragte ich beim folgenden Telefonat ganz vorsichtig nach, denn es hörte sich nach einem furchtbaren Problem an und ich wollte ja schließlich auch keinen zusätzlichen Stress erzeugen.

Des Rätsels Lösung: Diese junge Mutter war bis vor einer Woche noch in Elternzeit gewesen und hatte jetzt wieder angefangen zu arbeiten.

Sie war noch gar nicht auf den Gedanken gekommen (und die Kollegin auch nicht), dass es überhaupt nicht nötig war, jeden Kontakt ausdrücklich in die Einzelheiten des Tagesplans einzuweihen.

Berufstätige Mütter: Täglicher Mix aus Tango, Spagat und Spinat

Die tägliche Zeitplanung mit einem oder mehreren Kindern ist eine Herausforderung, über deren Details man sich als wieder berufstätige Mutter meistens erst so richtig klar wird, wenn sie nach den entspannten ersten Kleinkindjahren über einem zusammenklappt:

Morgens rechtzeitig zur Kita oder Tagesmutter, ab zur Arbeit und nach Ende der Betreuungszeiten pünktlich zur Abholung, Einkauf und Erledigungen und zwischendurch Termine von Pekip bis Schwimmkurs über Treffen mit den Freunden der Kinder – fast jeder Werktag ist ein einziger Tanz rund um den Terminplan.

Ein Tanz, der ständig unterbrochen und in einem anderen Takt wieder aufgenommen werden muss, wenn im Kindergarten Magen-Darm-Grippe umgeht, die Tagesmutter Urlaub hat, in der öffentlichen Kita gestreikt wird, das Kind über Nacht die Kleidergröße wechselt, der Babysitter wegzieht, man selbst zum Zahnarzt muss oder der Partner auf Dienstreise geht.

Trotzdem, das muss man ganz klar sagen, überwiegen fast immer die schönen Seiten des Familienlebens. Mütter wachsen an ihren Aufgaben und können sich im Nu das komplexe Termingeflecht der ganzen Familie – wer muss wann wo und wie sein und wie lange – mühelos merken, auch wenn sämtliche Termine sich immer wieder neu sortieren.

Aber es wird immer Tage geben, an denen Väter oder Mütter auch als Teilzeit-Angestellte mit freier Zeiteinteilung oder als nebenberuflich Selbstständige vor der Situation stehen, nicht am Arbeitsplatz erreichbar zu sein, wenn andere Menschen – ohne betreuungsbedürftige Kinder – es wahrscheinlich wären.

Ohne schlechtes Gewissen: „Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht, wir rufen zurück“

Den Geschäftskontakten und Kunden dann aber zu „gestehen“, dass man wegen Kinderbetreuung abwesend ist oder sogar grundlos Verständnis von unbeteiligten Mitmenschen einzufordern, das kann im ungünstigsten Fall ziemlich unprofessionell wirken.

Im günstigsten Fall ist es unnötig.

Ein ausgefülltes Berufsleben besteht neben Anwesenheit am Schreibtisch auch aus Meetings, Telefonaten und Telefonkonferenzen, Fortbildungsveranstaltungen, Kundenterminen und geplanten Abwesenheiten.

Kinder sind kein Grund, sich für sie zu entschuldigen oder ein blödes Gefühl zu haben, weil man sich aufgrund der Familie für Teilzeit entschieden hat.

Wie sage ich es also meinem Kunden, dass ich Kinder habe? Erst mal gar nicht, denn es sollte für das gemeinsame Projekt gar nicht von Bedeutung sein.

Natürlich ist es toll, wenn man sich mit Kunden so gut versteht, dass der Smalltalk sich auch um die Familie dreht. Aber das ist ein Bonus.

Niemand wundert sich, wenn eine berufstätige Person nicht ununterbrochen erreichbar ist. Schließlich weiß kein Kunde, ob eine für ihn tätige Frau aktuell besonders gut ausgelastet oder nachmittags auf dem Spielplatz ist.

Es geht ihn auch nichts an, denn nur das Ergebnis zählt.

Über den Autor
Carola Heine
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