Wir lieben es, wenn ein Plan funktioniert

lexoffice und die Econauten vom Grünhof in Freiburg

lexoffice war als Mentor beim Econauten-Workshop im Grünhof dabei.

Als Kooperationspartner unterstützen wir von lexoffice in diesem Jahr das Econauten-Programm vom Grünhof. Im Mai haben wir bereits darüber berichtet.

Mit den „Econauten 2015“ – dem Förderprogramm für Bessermacher*innen – steht der Grünhof insgesamt 3 Teams für sechs Monate bei der Umsetzung ihrer unternehmerischen Ideen im Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit bei.

Ein wichtiger Bestandteil sind die zwei monatlich stattfindenden Workshoptage, um die Gründungsidee in eine nachhaltige Organisation umzuwandeln. Dabei unterstützen Mentoren die Econauten-Gewinner.

Für die Trainingseinheit am 18.11. haben wir mit Carsten und Thorsten zwei lexoffice Kollegen zum Thema Business Model und Produktentwicklung in den Grünhof entsandt, um ihre Erfahrungen mit den Gründern vor Ort zu diskutieren.

Carsten und Thorsten vom lexoffice Team bei den Econauten in Freiburg

Carsten und Thorsten vom lexoffice Team bei den Econauten

Von der Idee zum Plan, der funktioniert

Am Beginn des Workshops stand die Frage, wie aus einer ersten Idee ein erfolgreiches und nachhaltiges Geschäftsmodell entwickelt werden kann. Durchaus auch ein Themengebiet, mit dem wir uns bei lexoffice auch immer wieder beschäftigen.

Einzigartig oder der Erste mit der Produktidee am Markt zu sein, bedeutet noch nicht, damit auch erfolgreich zu sein. Das Dasein als Marktpionier bringt auch Nachteile mit sich.
Carsten zeigte eines der bekanntesten Beispiele auf: Jeder kennt die Google-Suchmaschine – ein Großteil von uns nutzt sie fast täglich. Die Wenigsten dürften aber wissen, dass nicht Google die erste Suchmaschine im Internet war, sondern Suchmaschinen wie z.B. AltaVista, die heute kaum noch jemand kennt.

Die Moral dieser Geschichte: Sogenannte “Fast Follower”, also Nachahmer, können eben gerade dadurch profitieren, nicht die ersten am Markt zu sein. Antizipieren von Kundenbedürfnissen und –verhalten und besser zu sein als der Pionier sind Bereiche, auf denen ein Nachahmer aufbauen kann.

Entsprechend auf den Kunden und andere Bedarfsgruppen ausgerichtet, brachten unsere lexoffice Kollegen ihre Erfahrungen mit ein. Relevante Fragestellungen aus ihrer Sicht: Wie sieht der Kunde aus, der von meinem Produkt profitieren soll? Was braucht dieser Kunde? Welche Probleme löst mein Produkt für ihn?

Werden Investoren zum Gründungsstart benötigt, geht es plötzlich noch um ganz andere Bedürfnisse: Dann stehen plötzlich die Höhe der Gewinnmarge und klar messbare Indizien zur Erfolgsmessung im Vordergrund.

Dieses Spannungsdreieck kennt jeder Gründer: Die Begeisterung für die eigene Produktidee, die Investoren und die Kunden. Jede Gruppe hat einen ganz eigenen Blickwinkel auf den Erfolg des Produktes.

Die lexoffice Kollegen brachten ihre Erfahrungen ein.

Die lexoffice Kollegen brachten ihre Erfahrungen ein.

Erfolg mit Lean Canvas

Der Glaube und die Begeisterung für die eigene Idee prägen natürlich jedes Startup, sind quasi ein Teil der DNS. Doch für den nachhaltigen Erfolg ist es auch wichtig, das Geschäftsmodell zielgerichtet zu planen und zu entwickeln.

Wichtig, so die beiden Mentoren, ist das Wissen, dass das Produkt insgesamt viel mehr als nur eine Problemlösung ist. Nur wer weiß, welchen Mehrwert das eigene Produkt bietet, kann ein Werteversprechen an Kunden oder Geldgeber abgeben.

Dabei war es unseren lexoffice Kollegen besonders wichtig, bei der Produktentwicklung den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen.

„Welcher Kunde wachte jemals morgens auf und sagte: Ich brauche ein iPad? “, stellt Carsten die Fragen an die Workshop-Teilnehmer. Erst einmal niemand – aber das Werteversprechen dieses Produkts wurde schnell unverzichtbar für die Nutzer: Es machte Abläufe einfacher, erlaubte einen mobilen Einsatz und bot mit den Apps ständig neue Vereinfachung für den Lebensalltag.

Und ganz nebenbei entstand ein neuer Absatzmarkt.

Diese Anekdote hob für die Workshopteilnehmer hervor: Der Bedarf für ein Produkt entsteht durch dessen Werteversprechen. Das Versprechen, Probleme für den User zu lösen, die er nicht anders lösen kann.

Zu welchem Zeitpunkt sollte man also wissen, welches Problem besteht und wie das eigene Produkt dieses Problem behebt: schon bei der Produktentwicklung oder kurz vorm Markteintritt?

Am Schaubild der Gründungsphasen Idee/Produktion/Qualitätssicherung und Markt zeigten unsere Kollegen auf, dass finanzielle Ressourcen endlich sind: Zum Markteintritt, wenn die meisten finanziellen Ressourcen verbraucht sind, ist es recht spät, noch etwas am Produkt zu ändern. Besser also, man lernt von Anfang an, was die Zielgruppe wirklich braucht und wie das eigene Produkt diesen Bedarf deckt. Dabei konkret zu sein und das große Ganze in seine Bestandteile aufzugliedern, liefert den Plan von der Gründungsidee zum Erfolg.

Von der Theorie zur Praxis

Es gibt verschiedene Modelle, wie Gründer ihre Produktidee zum Erfolg führen können. Eine der prominentesten ist die Methode, die von Ash Mauray entwicklet wurde. Er hat ein Vorgehen entworfen, das Kunden in den gesamten Entwicklungsprozess der Produktentwicklung einbindet.

Anhand des Lean Canvas Boards werden die essentiellen Bereiche des Geschäftsmodells betrachtet und auf einen Blick sichtbar. Mehr Informationen sind hier auf deutsch und englisch zu finden.

Nun ging es für die Teilnehmer in den aktiven Teil des Workshops über. Am Vorbild von „Running Lean“ von Ash Maurya erhielten die drei Gründergruppen die Aufgabe, am Lean Canvas Board eine Gesamtsicht auf ihr Geschäftsmodell herzustellen. Damit dokumentierten sie ihren Plan, wie ihre Produktidee erfolgreich werden kann.

Geschäftsmodelle am Lean Canvas Board visualisieren

Geschäftsmodelle am Lean Canvas Board visualisieren

Im Biergarten des Grünhofs standen die Gründer gemeinsam mit den Mentoren an den Boards und betrachteten ihre eigene Produktidee kritisch. Die Teilnehmer diskutierten angeregt, schrieben Zettel und zerknüllten einige. Andere Zettel wurden hin und her geschoben. Nach und nach entstand bei den drei Gruppen so ein Lean Canvas Board, das die verschiedenen Bereiche des Geschäftsmodells dokumentiert.

Im Anschluss identifizierten die drei Startups dann die größten Unsicherheiten in ihrem Geschäftsmodell. Diese unsicheren Bereiche zu identifizieren, hilft den Gründern dabei, die Risiken zu kennen und berücksichtigen zu können.

Zum Ende des Workshops konzentrierten sich unsere lexoffice Kollegen gemeinsam mit den Gründern darauf, wie mit den identifizierten Risiken umgegangen werden kann. Durch systematisches Testen sollen die Gründer lernen, was funktioniert. Auf diese Weise können sie Unsicherheiten in ihrem Geschäftsmodell verringern.

Die wichtigste Erkenntnis hier: Um zu lernen, ob ein Produkt für Kunden einen echten Mehrwert darstellt, braucht man kein fertiges Produkt. Vielmehr gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie Startups ihre Ideen schon in frühen Entwicklungsstadien ihren potentiellen Kunden präsentieren können. Früh verprobt lernen die Gründer so sehr schnell, ob ihre Ideen funktionieren und wo nachgebessert, geändert oder vielleicht auch noch einmal komplett neu gedacht werden muss.

Es war ein spannender Tag gemeinsam mit den Gründern, den Carsten rückblickend so zusammenfasst:

“Für mich ist es toll, die vielen kreativen Ideen und die förmlich übersprudelnde Motivation der Menschen in diesen Startups so hautnah zu spüren zu bekommen. Auch deshalb war ich sehr gerne bereit, mich als Mentor im Econauten Programm des Grünhofs zu engagieren”.

Das war sicher nicht das letzte Treffen im Grünhof für lexoffice 🙂

25.11.2015