Familie und Beruf: Work-Love-Balance

Work-Love-Balance

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Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist aktuell wieder das große Thema in allen Medien und immer lautet das Fazit: Es ist kompliziert.

Noch schwieriger wird es, wenn man als Mutter oder Vater an sich selbst den Anspruch aufbaut, zuhause für die Kinder so präsent zu sein wie ein zur Betreuung daheim bleibender Elternteil – und bei der Arbeit trotzdem genauso verfügbar zu sein wie jemand ohne familiären Anhang.

Das wird nicht funktionieren. Schon gar nicht als Freelancer oder selbstständiger Unternehmer.

Man kann nicht zweimal die vollen 100% geben und obendrein noch überlegen, wie eine schicke „Work-Life-Balance“ erreicht werden kann, weil heutzutage auch die persönliche Freizeit keinesfalls zu kurz kommen soll.

Wer es versucht, marschiert geradeaus in einen Burnout.

Schluss mit dem Optimierungswahn

Die Lösung? Aufhören mit dem allgegenwärtigen Optimierungswahn.

Erkennen, dass es keine perfekte Organisation geben kann, wenn so viele teils unberechenbare Faktoren von Betreuung bis Erziehung über Auftragslage und Anforderungen und Familienleben zusammenkommen.

Schließlich gibt es auch bei „optimalen“ Voraussetzungen selten völlig reibungslose Abläufe, wieso also sollte man davon ausgehen, dass es bei Mehrfachbelastung klappt?

Wenn unbedingt an einer Verbesserung einer Familie-Beruf-Situation gearbeitet werden muss, dann sollte der Fokus eher auf der entspannten Work-Love-Balance liegen, nicht auf irgendwelchen organisatorischen Zielen.

Berufstätige Mütter und Väter kennen das Gefühl, wenn ein sorgfältig konzipiertes Vorhaben in sich zusammenfällt wie ein Käsekuchen, bei dem ein Kind mitten im Garvorgang die Backofentür geöffnet hat.

Es ist unglaublich entspannend, wenn man die Tatsache akzeptiert, dass man es manchmal einfach nicht jedem Recht machen kann. Und am nächsten Tag ohne schlechtes Gewissen einfach von vorn anfangen kann.

Denn es gibt nun mal Situationen, in denen wird jemand enttäuscht sein: Ein Familienmitglied, ein Kollege oder ein Kunde. Man kann das nicht immer ändern und vor allen Dingen auch gar nicht verhindern.

Realistische Erwartungshaltungen managen

Erreichbarkeit und Verfügbarkeit den ganzen Tag über werden von selbstständigen Dienstleistern, aber auch von Eltern irgendwie immer erwartet. Deshalb ist es wichtig, klar zu kommunizieren, was die anderen erwarten können – und was nicht.

Wenn jedem Kunden von vornherein bekannt ist, dass man verlässlich zur Verfügung steht, aber trotzdem um 16:00 Uhr am Kindergarten den Nachwuchs abholt, wird vermutlich keiner mit überraschtem Unverständnis darauf reagieren, wenn man für eine Telko um 16:15 keine Teilnahmebereitschaft bestätigen kann. Falls doch, ist es sowieso der falsche Kunde.

Das gilt auch für Familienmitglieder. Wenn Partner und Kinder erfahren, welche beruflichen Termine nicht verhandelbar sind, können sie sich gut darauf einstellen.

Natürlich wird ab und zu jemand enttäuscht sein, aber Ehrlichkeit bei der Planung ist deutlich erträglicher als Eltern, die in letzter Minute doch noch absagen müssen, weil der Job zu sehr drängt – oder Dienstleister, die immer wieder zu spät eintrudeln, weil der Kindertransport im Stau gestanden hat.

Wichtig ist nicht ununterbrochene Verfügbarkeit, sondern dass die machbaren und fest vereinbarten Termine und Ansagen zuverlässig eingehalten werden: Sowohl die privaten als auch die beruflichen.

Es wird trotzdem noch oft genug etwas dazwischenkommen.

Aber wenigstens wissen alle Beteiligten, dass ihre Anliegen respektiert und Termine ernst genommen und fest eingeplant werden.

Netzwerke aus Freunden, Verwandten und Betreuungsoptionen

Ob man ein Kind hat oder fünf, ohne Freunde, Verwandte, Babysitter und reguläre Kinderbetreuung ist die Organisation nicht zu schaffen.

„Love“ in der Work-Love-Balance bezieht sich auch auf Geben und Nehmen, gegenseitige Unterstützung im Freundeskreis, unter Verwandten und in Zusammenarbeit mit anderen, deren Job die Kinderbetreuung ist. Aber auch auf sich selbst.

Die schwierigste Erwartungshaltung, die es zu managen gilt, ist bei berufstätigen Eltern meist die eigene: Familie, Beruf, Haushalt und Freizeit unter einen Hut zu bringen, obwohl zwangsläufig Erledigungen liegen bleiben werden, wenn Unerwartetes geschieht.

Man möchte alles gut und richtig machen. Auch mit Grippe und vier Terminen im Nacken und unter den gefühlt prüfenden Blicken der anderen. Hier gilt dann: Bewusst locker lassen, nicht so hart mit sich selbst sein und trotz Dauerstress immer auch für ein privaten Freiraum sorgen.

Denn auch für Kunden und Kinder ist es besser, wenn es arbeitenden Eltern rundum gut geht.

Schließlich sind sie Herz und Motor sämtlicher Abläufe.

Über den Autor
Carola Heine
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  1. […] Unternehmer sind auch in der Gründungsphase Menschen wie alle anderen auch. Ob sie erfolgreich die Work-Love-Balance halten, kommt langfristig darauf an, ob sie es wirklich wollen. Mit einem einzigen Unterschied […]