Zukunftsbild der Steuerberaterbranche: Was bleibt, was kommt?

Expertenwissen und Beratungsdienstleistungen sind gesetzt. Alle anderen Angebote in Kanzleien werden sich in den nächsten Jahren radikal ändern oder verschwinden.

Lesezeichen setzen

Automatisierung, Fachkräftemangel, Chancen durch New Work Modelle und die vielen Möglichkeiten der Digitalisierung: Die gesellschaftlichen Veränderungen werfen auch bei Steuerberatern viele Fragen auf. Wie sieht die Zukunft der Steuerberaterbranche aus? Welche Tätigkeiten sind künftig nicht mehr gefragt? Welche Beratungsfelder kommen hinzu? Welche Kompetenzen sind künftig gefragt?

Fragen, die sich allen Experten und Mitarbeitern der Steuerbranche stellen. lexoffice startete daher im Herbst 2018 die „Initiative Kanzlei der Zukunft“, um schrittweise ein konsolidiertes Bild der Steuerkanzlei von morgen zu erarbeiten und dabei auch ganz konkrete Tätigkeitsfelder für operative Arbeitsabläufe abzuleiten.

In der ‚Initiative Kanzlei der Zukunft‘ arbeiten wir gemeinsam mit Steuerberatern, Kanzleimitarbeitern, Mandanten, Branchenexperten und Zukunftsforschern an einem Zukunftsbild, das motiviert, die Richtung weist und Sicherheit gibt. lexoffice bietet damit die Plattform, Methodiken und Denkanstöße, um verschiedene Perspektiven zusammenzubringen und zukunftsgerichtete Steuerberater miteinander zu vernetzten.

Isabel Blank, Geschäftsführerin in der Haufe Group

Eins steht fest: In deutschen Steuerkanzleien bleibt die Zeit nicht stehen.

Digital arbeitende Mandanten stellen neue Anforderungen an Erreichbarkeit und Arbeitsweise des Steuerberaters – dieser Trend wird mit der „Generation Y“ und den „Digital Natives“ massiv zunehmen. Es geht nicht mehr darum, ob Prozesse umgestellt werden, sondern nur noch um das Wann und die Frage, wie einzelne Steuerberater*innen das Zukunftsbild der Steuerberaterbranche am besten für sich umsetzen können. Die Zeit drängt.

Jüngere Mandanten fordern heute schon neue Formen der Zusammenarbeit, sie wollen nicht mehr mit Papier arbeiten und beispielsweise lieber skypen statt persönlich in die Kanzlei zu kommen. Ehemalige Kernaufgaben des Steuerberaters in der Finanz- und Lohnbuchhaltung werden zunehmend automatisiert. Wer sich als Inhaber einer Steuerkanzlei diesen Trends verweigert, wird mittelfristig Effizienzprobleme bekommen: Denn die Zahlungsbereitschaft für Prozesse, die automatisiert werden können, wird deutlich zurückgehen – und damit verbunden auch die Erwartungen an die Bearbeitungszeit.

Das Zukunftsbild der Steuerberaterbranche wirft Fragen auf

Welche Tätigkeitsfelder wird es künftig in einer Steuerkanzlei geben, welche Kompetenzen werden dafür benötigt und wie stellt sich eine Kanzlei als attraktiver Arbeitgeber auf?

Damit eine Kanzlei weiterhin erfolgreich sein kann, bedarf es eines klaren Zukunftsbilds für die Branche, das motiviert, die Richtung weist und Sicherheit gibt.

lexoffice arbeitet deshalb interaktiv mit Zukunftsforschern, Steuerberatern, Kanzleimitarbeitern, Mandanten und Branchenexperten daran, ein detailliertes Zukunftsbild der Steuerkanzlei von morgen zu gestalten.

Die Methode: So arbeiten wir mit Experten und Insidern am Zukunftsbild

Zu Beginn werden IST-Zustand und Megatrends unserer Zeit analysiert. Daraus können erste Thesen für die Zukunft der Steuerberaterbranche abgeleitet werden.

Die Zukunftsthesen werden zu einem Zukunftsbild mit unterschiedlichen Facetten (z.B. Aufgaben, Arbeitsorganisation, Einsatzorte) verdichtet. Das Zukunftsbild besteht aus mehreren so genannten Future Families. Future Families sind Cluster aus konkreten Tätigkeitsfeldern, operativen Arbeitsabläufen und notwendigen Kompetenzen. Durch eine abschließende Gap-Analyse, dem Vergleich von IST-Zustand und Zukunftsbild, können konkrete Handlungsempfehlungen bzw. ein Transformationsplan aufgezeigt werden.

Die Prozessschritte werden mit Hilfe unterschiedlichster Formate wie Barcamps, Zukunftswerkstätten, Interviews und Co-Creation-Workshops gemeinsam mit Steuerberatern, Kanzleimitarbeitern, Journalisten und weiteren Branchenexperten durchlaufen. Mit Hilfe der Software Workforce Evolution® der Zukunftsagenten GmbH werden die Ergebnisse dann weiter verfeinert.

 

Die erste Zukunftswerkstatt im Herbst 2018

Startschuss der Initiative war die „Zukunftswerkstatt“ in Düsseldorf, einem Tag voll inspirierendem Austausch und ersten konkreten Ideen. Per Impulsvortrag, Kleingruppenarbeit und Ideen-Pitch entwickelten rund 15 Steuerberater, Kanzleimitarbeiter, Journalisten und Branchenexperten ein erstes grobes Bild der Zukunft.

Think like a Start-up

Im zweiten Workshop lag der Fokus auf den Menschen, die in Zukunft die (neuen) Aufgaben in einer Steuerkanzlei verrichten sowie deren Fähigkeiten und Wünsche. Dementsprechend arbeiteten hier 30 frisch bestellte Steuerberater, Studenten und Trainees an ihrer eigenen Zukunftsperspektive. Dazu luden wir unter dem Motto „Think like a Start-up“ für zwei Tage in die Zeche-Zollverein in Essen.

Erste Ergebnisse

Im Nachgang der Vor-Ort-Veranstaltungen werden jetzt alle erarbeiteten Ideen ausgewertet, konsolidiert und anhand der Methodik Workforce Evolution® sowie der gleichnamigen Software weiter verfeinert. Doch schon heute lässt sich sagen: Auch künftig wird Spezialwissen der heutigen Steuerkanzleien wie Steuergestaltung oder Lohn und Gehalt benötigt. Allerdings nicht mehr als alleinige Basis und nicht mehr in der heutigen Form. Manuelle Tätigkeiten werden entfallen. Denn alles was automatisiert werden kann, wird in der Kanzlei der Zukunft automatisch ablaufen. Stattdessen sind Kompetenzen beim Aufbau und der Pflege von Smart Data-Bereichen gefragt, in denen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz große Datenmengen erhoben, strukturiert und verarbeitet werden.

Die Verwaltung wird zur Nebensache und die Beratungsdienstleistungen rücken in den Fokus. Und auch die Form der Beratung wird sich verändern: Gefragt sind flexible Mandantenbetreuungsformen: Virtuell, persönlich und auf Augenhöhe.

Voraussetzung neben dem neuen Spezialwissen und den digitalen Prozessen ist das passende Kanzleimanagement. Die Ausgestaltung der neuen Aufgabenbereiche und deren Vernetzung werden zu wichtigen Bausteinen – insbesondere im Hinblick darauf, die Kanzlei als attraktiven Arbeitgeber für Fachkräfte zu positionieren.

Ausblick

Die Detailergebnisse werden im Herbst 2019 als Studie inklusive aller Future Families der Öffentlichkeit vorgestellt. Eine kleine Vorschau darauf erhalten die Besucher des Haufe-Group Events Zukunft erleben – die Steuerberaterbranche im Wandel bereits am 4. Juli in Freiburg. Hier werden Judith Klups und Isabel Blank von ihren Erfahrungen in der Initiative Kanzlei der Zukunft berichten.

Haben Sie Fragen, Vorschläge oder sind an den Ergebnissen interessiert? Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

Über den Autor
Patrick Nassall
Beste Verbindung: Steuerberater und Unternehmer

Beitrag kommentieren