Einnahmen-Überschussrechnung &
8211; EÜR

Was ist eine Einnahmenüberschussrechnung, kurz EÜR?

Die EÜR oder ausgeschrieben die Einnahmenüberschussrechnung ist eine einfache Form der Gewinnermittlung für Unternehmen.  Gleichzeitig stellt sie den Jahresabschluss dar und ist damit die Grundlage zur Berechnung der Steuern auf den Unternehmensgewinn. Die Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) ist im Gegensatz zur Bilanz relativ einfach und leicht zu erstellen. Daher ist sie besonders bei Kleinunternehmen, Freiberuflern und Selbständigen beliebt.

Vereinfacht ist die Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) nichts anderes als eine Gegenüberstellung der Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben im Geschäftsjahr. Die Differenz ist der Überschuss und damit der Gewinn, den das Unternehmen erzielt hat. Dieser wird dann vom Finanzamt entsprechend besteuert.

 

Wer darf die Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) anwenden?

Grundsätzlich gilt: Jedes Unternehmen, das nicht zur doppelten Buchführung verpflichtet ist, darf den Gewinn per Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) bestimmen.  Da die EÜR Teil des Einkommensteuergesetzes (§ 4 Abschnitt 3, EStG) ist, ist sie damit nur für die Unternehmen relevant, die nicht der Körperschaftsteuer unterliegen, wie z.B. eine GmbH oder AG. Diese Unternehmen sind immer zur Erstellung einer Bilanz und zur doppelten Buchführung verpflichtet.

Die Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) anwenden dürfen:

  • alle Unternehmer und Kleinunternehmer, die nicht im Handelsregister eingetragen sind  (OHG, KG, GmbH und AG werden automatisch eingetragen) und einen Umsatz von höchsten 600.000 Euro pro Jahr (vor 2016: 500.000 Euro) bei einem Gewinn von höchsten 60.000 Euro (vor 2016: 50.000 Euro) pro Jahr haben.
  • Alle Freiberufler – Umsatz und Gewinn spielen hier grundsätzliche keine Rolle.
  • Einzelkaufleute, wenn Umsatz- und Gewinnschwelle von 600.000 Euro (vor 2016: 500.000 Euro) und 60.000 Euro (vor 2016: 50.000 Euro)in  zwei aufeinanderfolgenden Jahren nicht überschritten wurden. Diese Möglichkeit existiert seit der Einführung des Bilanzmodernisierungsgesetz, kurz BilMoG.

Die wichtigsten Kriterien sind also: Die Gesellschaftsform des Unternehmens, die Pflicht zur doppelten Buchführung, der erzielte Umsatz sowie der Gewinn.

 

Was muss man bei der Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) beachten?

Zum Glück deutlich weniger als bei der Erstellung einer Bilanz. Ein großer Vorteil der Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) ist nämlich, dass nur die tatsächlichen Zahlungseingänge und Zahlungsausgänge eine Rolle spielen. Dies nennt sich Zufluss-Abfluss-Prinzip und bedeutet, dass man sich viele lästige Abgrenzungsrechnungen und Rückstellungen erspart.

Ein Beispiel:
Eine Rechnung an einen Kunden mit dem Rechnungsdatum 25.12.2013 und dem Zahlungsziel 09.01.2014 würde bei einer Bilanz als zu versteuernder Umsatz zum Jahr 2013 zählen. Bei der Überschussrechnung zählt aber der tatsächliche Geld-Zufluss – somit muss der Umsatz erst im Jahresabschluss 2014 berücksichtigt werden.

Hinweis: Sollten Sie Anlagevermögen und/oder Wertpapiere haben, gibt es noch ein paar Dinge zu beachten. Sprechen Sie in diesen Fällen am besten mit Ihrem Steuerberater.

 

Welche Vorteile hat die Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) für Kleinunternehmer?

Die Vorteile der Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) liegen auf der Hand. Sie ist einfacher,  schneller zu erstellen und ermöglicht mehr steuerliche Flexibilität bei Geschäften, die während des Übergangs in ein neues Geschäftsjahr stattfinden.

Tipp: Alle, die unter die Kleinunternehmerregelung fallen und deren Jahresumsatz damit  unter 17.500 Euro liegt, können die Einnahmenüberschussrechnung in einfacher Form beim Finanzamt abgeben. Es reicht in diesem Fall aus, z.B. in Word oder Excel eine entsprechende Übersicht der Einnahmen und Ausgaben zu erstellen. Das amtliche EÜR-Formular muss nicht ausgefüllt werden.

 

Benötige ich einen Steuerberater zur Erstellung der Einnahmenüberschussrechnung (EÜR)?

Nein, grundsätzlich können Sie die Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) immer selbst erstellen. Oft ist es aber trotzdem ratsam, einen Steuerberater hinzuzuziehen oder diesem die EÜR/den Jahresabschluss zu überlassen. Das spart oft nicht nur Zeit und Nerven, sondern kann sich auch steuerlich positiv bemerkbar machen, da der Steuerberater im Zweifel besser beurteilen kann, was wo wann verbucht und angegeben werden muss.

Ein Testat (wie z.B. bei der Erstellung einer Bilanz) ist aber nicht erforderlich. Zudem sollten nach Möglichkeit alle Geschäftsvorfälle – also Rechnungen, Eingangsbelege, Kontobewegungen, etc. – von Anfang an in einer Buchhaltungssoftware erfasst werden. Damit stellen Sie sicher, dass Sie nichts vergessen oder falsche Angaben machen. Außerdem spart es Ihrem Steuerberater Zeit und damit Ihnen Kosten.

 

Was brauche ich, um eine Einnahmeüberschussrechnung zu erstellen?

Für die Vorbereitung der Einnahmenüberschussrechnung (EÜR), bzw. für die Befüllung des EÜR-Formulars benötigen Sie die jeweiligen Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben inklusive der entsprechenden Belege.

Tipp: Bei Verwendung einer Buchhaltungssoftware sind diese Informationen einfach und schnell verfügbar und auch der entsprechende Beleg ist immer sofort zur Hand.

Sie sollten folgende Informationen parat haben:

  • Einnahmen: Trennung nach den Steuersätzen (z.B. 19%, 7% oder umsatzsteuerfrei)
  • Ausgaben (ebenfalls nach Steuersätzen getrennt)
  • Abschreibungen
  • Nicht abziehbare Betriebsausgaben (z.B. Geschenke über dem Freibetrag oder anteilig Bewirtungskosten von 30%)

Der Aufbau der Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) ist nicht kompliziert. Sie ist unterteilt nach Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben.

Betriebseinnahmen sind zum Beispiel:

  • die umsatzsteuerpflichtigen Einnahmen (immer als Netto-Betrag)
  • die eingenommene Umsatzsteuer
  • die private KFZ-Nutzung

Betriebsausgaben sind zum Beispiel:

  • Wareneinkäufe (immer als Netto-Betrag)
  • Löhne und Gehälter
  • Dienstleistungen (immer als Netto-Betrag)
  • Abschreibungen auf Anlagegüter
  • KFZ-Kosten
  • Reisekosten
  • nicht abziehbare Betriebsausgaben
  • Miete für Büro, Lager oder sonstige geschäftlich genutzten Räume
  • abziehbare Umsatzsteuer (daher die geleistete Vorsteuer)
  • bereits bezahlte Umsatzsteuer an das Finanzamt
  • Gewerbesteuer

Die aufsummierten Kategorien, sowohl für die Betriebseinnahmen als auch die Betriebsausgaben, müssen in die entsprechenden Felder im EÜR Formular eingetragen werden. Für abnutzbare Anlagegüter, wie zum Beispiel Computer oder der Firmenwagen, muss zudem eine Aufstellung erstellt werden, die die wichtigen Informationen zum jeweiligen Anlagegut enthält:  Kaufpreis, Anschaffungsdatum, Nutzungsdauer und bereits in Anspruch genommene Abschreibungen.

Sie haben Einnahmen oder Ausgaben, die Sie nicht richtig zuordnen können – was nun?

Die Praxis unterscheidet sich auch bei der Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) in machen Punkten von der Theorie. Es gibt einige Sonderfälle, die bei der Erstellung der Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) beachtet werden müssen.

Hier einige Beispiele:

  • Geringwertigen Wirtschaftsgüter – GWG: diese Güter können sofort und in voller Höhe zu den Betriebsausgaben gezählt werden.
  • Einnahmen können nicht nur in Form von Geld erfolgen, sondern auch als Sacheinnahme. Sie sind dann ebenfalls zu den Betriebseinnahmen zu zählen.
  • Mietzahlungen und weitere regelmäßige Zahlungen unterliegen nicht dem Zufluss-Abfluss-Prinzip. Wenn die Büromiete zum Beispiel immer am 29. Eines Monats für den folgenden Monat bezahlt wird, wird dies in der EÜR nicht als Zahlung im aktuellen Monat sondern im darauffolgenden Monat berücksichtigt, also dem Monat der Leistungserbringung.

Tipp:
Eine Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) ist auf den ersten Blick nicht sonderlich kompliziert, aber der Teufel steckt wie so oft im Detail. Daher empfiehlt es sich im Zweifel immer einen Steuerberater für den Jahresabschluss zu nutzen. Zudem erleichtert ein Buchhaltungsprogramm die Vorbereitung und stellt sicher, dass alle benötigten Informationen immer einfach, schnell und sicher zur Verfügung stehen. Das freut nicht nur Ihren Steuerberater, sondern auch das Finanzamt.

Abgabe der Einnahmenüberschussrechnung (EÜR)

Die Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) muss immer bis zum 31.05. des Folgejahres beim Finanzamt abgegeben werden. Diese Frist kann vom Finanzamt jedoch verlängert werden, wenn ein entsprechender Antrag gestellt wird. Sollten Sie einen Steuerberater nutzen verlängert sich die Frist automatisch bis zum 30.09. des Folgejahres.

Wichtig: Die Übermittlung der Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) muss elektronisch erfolgen. Die Finanzämter bieten dafür ein Modul an, mit dem die Daten übertragen werden können – das ELSTER-Modul. Der Begriff ELSTER steht dabei für Elektronische Steuererklärung.
Alternativ kann eine Buchhaltungssoftware zur einfachen und direkten Übertragung der Daten an ELSTER aus dem Buchhaltungsprogramm heraus genutzt werden. Zum Beispiel auch für die Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung an das Finanzamt.