Gewerbesteuer: Richtig rechnen, wenig zahlen

Gewerbesteuer: Richtig rechnen, Freibeträge nutzen

Wenn Sie ein Gewerbe betreiben, müssen Sie grundsätzlich Gewerbesteuer zahlen. Freiberufler bleiben von der Gewerbesteuer verschont. Aber auch andere Einzelunternehmer können wegen des Freibetrags von 24.500 Euro damit rechnen, keine Gewerbesteuer zahlen zu müssen.

Die Gewerbesteuer wird ermittelt aus

  • dem Gewinn aus Gewerbebetrieb,
  • den Hinzurechnungen und Kürzungen,
  • den Verlustverrechnungen aus den Vorjahren,
  • Freibeträgen,
  • der Gewerbesteuermesszahl und
  • dem Hebesatz.

Damit Sie berechnen können, wie hoch die Gewerbesteuer für Sie ausfällt, müssen Sie im ersten Schritt den Gewerbeertrag Ihres Betriebs kennen. Ausgangspunkt dafür sind bei Einzelunternehmen die Einkünfte aus Gewerbebetrieb – also Ihr Gewinn. Wenn Sie eine Personengesellschaft betreiben, bildet der einheitlich und gesondert festgestellte Gewinn aus Gewerbebetrieb die Basis. Achtung: Der Einkommensteuerbescheid ist kein Grundlagenbescheid für den Gewerbesteuer-Messbescheid. In der Praxis übernehmen viele Finanzämter jedoch tatsächlich die Einkünfte aus dem Einkommensteuerbescheid.

Gewerbesteuer: Dieses hinzurechnen, jenes wegkürzen

In einem nächsten Schritt will das Finanzamt die objektive Ertragskraft Ihres Betriebs feststellen. Daher nimmt die Behörde verschiedene Gewinnkorrekturen vor und rechnet zum Beispiel alle Schuldzinsen hinzu. Miet- und Pachtzinsen werden je nach Pachtgegenstand mit unterschiedlichen Prozentsätzen hinzugerechnet. Allerdings gibt es bei der Gewerbesteuer einen Freibetrag für Hinzurechnungen, der sich auf 100.000 Euro beläuft. Für kleinere Unternehmen dürften die Hinzurechnungen damit regelmäßig keine Rolle spielen.

Wo hinzugerechnet wird, darf auch gekürzt werden. Hier lohnt es sich, ganz genau hinzusehen. Denn mit den Kürzungen verkleinert sich die Basis für die Gewerbesteuer – und damit Ihre Steuerlast.

Ihre Einkünfte dürfen Sie um folgende Punkte kürzen:

Grundbesitz

Wenn sich in Ihrem Betriebsvermögen ein Grundstück befindet, dürfen Sie 1,2 Prozent der Summe der Einheitswerte für betrieblichen Grundbesitz abziehen. Der Einheitswert wird vom Finanzamt ermittelt.

Spenden

Hat Ihr Betrieb Spenden für gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke geleistet, können Sie diese Spenden bis zu festgelegten Höchstbeträgen von den Einkünften abziehen. Der Höchstbetrag liegt bei 20 Prozent des Gewinns aus Gewerbebetrieb und Zurechnungsbetrag, alternativ bei 4 Promille aus der Summe der gesamten Umsätze, Löhne und Gehälter. Gekürzt werden kann der günstigere Betrag.

Gewerbeverlust

Ein Gewerbeverlust entsteht, wenn Sie einen negativen Gewerbeertrag errechnen. Dies kann auch dann der Fall sein, wenn für die Einkommensteuer noch ein Gewinn festgestellt wurde. Denn die Kürzungen können den Gewinn in einen Verlust verwandeln. Diesen negativen Gewerbeertrag dürfen Sie in den Folgejahren von positiven Gewerbeerträgen kürzen. Achtung: Im Gegensatz zur Einkommensteuer ist kein Verlustrücktrag in das Vorjahr möglich; die Gewerbesteuer kennt nur einen Verlustvortrag. Der Verlust ist allerdings mit der Person des Unternehmers und mit dem Gewerbebetrieb verbunden. Unternehmen und Unternehmer müssen also identisch sein.

Nun kommt der Freibetrag für die Gewerbesteuer ins Spiel. Dieser beläuft sich auf 24.500 Euro. Ob und in welcher Höhe Sie diesen Freibetrag für die Gewerbesteuer in Anspruch nehmen können, hängt von der Rechtsform ab, die Sie gewählt haben:

Der Freibetrag beträgt für

  • natürliche Personen: 24.500 Euro
  • Personengesellschaften: 24.500 Euro
  • Kapitalgesellschaften: 0 Euro
  • den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gemeinnütziger Kapitalgesellschaften: 3.900 Euro

Achtung: Der Abzug des Freibetrags darf nicht zu einem Verlust führen!

Gewerbesteuer: Einnahmequelle für Kommunen

Sollte nach Abzug des Freibetrags noch etwas übrigbleiben, sind die Gemeinden am Zug. Denn sie sind berechtigt, von den ansässigen Betrieben Gewerbesteuer zu erheben und die dafür maßgeblichen Sätze selbst festzulegen. Das Finanzamt ermittelt zunächst den Gewerbeertrag und setzt dann den Gewerbesteuer-Messbetrag fest. Der Gewerbesteuer-Messbescheid ist die Grundlage für den Gewerbesteuer-Bescheid. Nun multipliziert die Gemeinde den Gewerbesteuer-Messbetrag mit dem Hebesatz der Kommune. Diesen Gewerbesteuer-Hebesatz legt jede Gemeinde für sich fest. Er muss allerdings mindestens 200 Prozent betragen. Diese Regelung wurde eingeführt, um einen aggressiven Standortwettbewerb zwischen den Gemeinden zu vermeiden. Trotzdem unterscheiden sich die Hebesätze für die Gewerbesteuer – daher sollten Sie bei Ihrer Standortwahl darauf achten. In aller Regel liegen die Hebesätze der Gemeinden für die Gewerbesteuer zwischen 300 und 450 Prozent.

Wie bei der Einkommensteuer müssen Sie auch bei der Gewerbesteuer vierteljährliche Vorauszahlungen leisten. Basis dafür ist der Gewerbeertrag des Vorjahres. Achtung: Gewerbesteuer, die Sie zahlen, dürfen Sie nicht als Betriebsausgabe abziehen. Sie führt aber zu einer Einkommensteuerermäßigung, weil sie angerechnet werden kann.