Kleinunternehmerregelung §19

Mit der Kleinunternehmerregelung soll Kleinunternehmern der Geschäftsalltag erleichtert werden. Davon betroffen sind die Umsatzsteuer sowie die Buchführung. Wir erläutern Ihnen, was genau es mit der Kleinunternehmerregelung auf sich hat.

Was ist ein Kleinunternehmer

Als Kleinunternehmer gelten laut Umsatzsteuergesetz (UStG) Einzelunternehmer, Freiberufler und Unternehmen der Rechtsformen GbR oder UG (haftungsbeschränkt), die vergleichsweise geringe Umsätze erzielen. Das bedeutet:

  • im Jahr der Gründung bzw. im vorangegangenen Kalenderjahr ein Gesamtumsatz von nicht mehr als 17.500 €
  • im laufenden Kalenderjahr ein Gesamtumsatz von nicht mehr als 50.000 €

Beginnt die Unternehmenstätigkeit nicht zu Beginn sondern im Laufe eines Kalenderjahres, muss der voraussichtliche Umsatz auf das ganze Kalenderjahr hochgerechnet werden.

Beispiel: Sie haben sich am 1. Juli 2016 selbständig gemacht und schätzen Ihren Umsatz bis Jahresende auf 9.000 €. Dann ergäbe die Hochrechnung aufs ganze Jahr 18.000 € Da die 17.50-€-Grenze überschritten wird, können Sie die Kleinunternehmerregelung in diesem Fall nicht in Anspruch nehmen.

Kleinunternehmerregelung beantragen

Treffen die oben genannten Kriterien auf Sie zu, können Sie beim zuständigen Finanzamt die Kleinunternehmerregelung beantragen. In der Regel teilen Sie dem Finanzamt auf dem „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ mit, ob Sie die Kleinunternehmer-Regelung in Anspruch nehmen möchten oder nicht. Sollten Sie darauf verzichten, sind Sie für fünf Jahre an diese Entscheidung gebunden.

Was bedeutet die Kleinunternehmerregelung?

Wenn Sie von der Kleinunternehmerregelung gebraucht machen, dann zahlen Sie keine Umsatzsteuer. Das bedeutet, dass Sie für Ihre Leistungen bzw. Verkäufe keine Umsatzsteuer abführen müssen. Allerdings wird auch die Umsatzsteuer aus Einkäufen (=Vorsteuer) nicht erstattet.

Durch die Kleinunternehmerregelung soll Unternehmen bis zu einer bestimmten Umsatzgrenze der zeitliche und finanzielle Aufwand einer Umsatzsteuererklärung abgenommen werden. So soll das Wachstum einer noch jungen Firma nicht durch unnötige Belastungen gehemmt werden. Wer unter die Kleinunternehmerregelung fällt, muss außerdem nur eine einfache Buchführung vornehmen.

Was passiert, wenn die Umsatzgrenze überschritten wird

In der Regel passiert das nur sehr selten, da Unternehmer ihre zu erwartenden Umsätze seriös abschätzen. Nur, wenn Ihr Jahresumsatz deutlich höher ist, kann die Umsatzsteuer rückwirkend erhoben werden. Eine Überschreitung der Umsatzgrenze hat allerdings Auswirkung auf die Folgejahre. Auch ohne ausdrückliche Aufforderung des Finanzamtes unterliegen Sie automatisch der Regelbesteuerung. Das heißt, Sie müssen Umsatzsteuer abführen und eine Umsatzsteuererklärung abgeben.

Vorteile und Nachteile der Kleinunternehmerregelung

Die Kleinunternehmerregelung bietet Unternehmern etliche Vorteile:

  • Komfort: Sie ersparen sich Brutto-Netto-Unterscheidungen und die Umsatzsteuer-Voranmeldung
  • Bessere Preise: Privatkunden können Sie günstigere Preise anbieten, da Sie die 19 % Umsatzsteuer nicht auf den Preis aufschlagen müssen.*

* bei Geschäftskunden entfällt dieser Vorteil, da diese sich den Vorsteueranteil von Finanzamt erstatten lassen.

Jedoch gibt es auch einige Nachteile:

  • Kosten: Da Sie für Ihre Einkäufe die Vorsteuer nicht abziehen dürfen, erhöhen sich Ihre Betriebskosten.
  • Wechsel: Übersteigen Sie irgendwann die Umsatzgrenze, müssen Sie bei Privatkunden Umsatzsteuer erheben, was dann einer Preiserhöhung gleichkommt.
  • Image: Eine Kleinunternehmer-Rechnung kann bei Geschäftskunden den Eindruck erwecken, Sie seien kein ernstzunehmender Profi.

Für wen lohnt sich die Kleinunternehmerregelung?

Von der Kleinunternehmerregelung profitieren vor allem nebenberufliche Gewerbetreibende und Selbstständige im Privatkunden-Bereich. Wenn Sie ohne große Investitionen auskommen, ersparen Sie sich so etlichen Aufwand.

Wer vom Gewinn seiner Geschäftstätigkeit hauptberuflich leben will, wird ohnehin die Umsatzgrenzen überschreiten müssen. Wer nebenberuflich im B2B-Geschäft tätig ist, sollte sich ebenfalls überlegen, auf die Kleinunternehmerregelung zu verzichten. Mit dieser Regelung profitieren Sie nicht von Preisvorteilen und Ihnen entgeht der Vorsteuerabzug auf Ihre Investitionen. Übrig bleibt allein der geringere Verwaltungsaufwand.