Kleinunternehmerregelung §19

Die Kleinunternehmerregelung soll Kleinunternehmer:innen den Geschäftsalltag erleichtern. Davon betroffen sind die Umsatzsteuer sowie die Buchführung. Aber diese Regelung hat nicht nur Vorteile, sondern auch einige Nachteile.

Jede:r kennt diese Zahl aus dem UStG: 19!

Sicherlich sind Ihnen schon einmal Rechnungen begegnet, die keine Umsatzsteuer enthalten. Natürlich ist das der Fall, wenn Sie mit Unternehmen im Drittland oder als Inhaber:in einer USt-Id-Nr. mit Unternehmen aus der EU geschäftlich verkehren.

Doch es gibt auch deutsche Unternehmer:innen, die von der Umsatzsteuer befreit sind. Neben Heilbehandlungen durch Ärzt:innen oder gewissen Schul- und Bildungsleistungen gibt es auch die Befreiung von der Umsatzsteuer für Kleinunternehmer:innen. In diesem Fall finden Sie immer einen Hinweis auf § 19 UStG unter der Rechnung.

Definition Kleinunternehmer:in nach Paragraph 19 Umsatzsteuergesetz (UStG)

Als Kleinunternehmer:innen gelten laut Umsatzsteuergesetz (UStG) Einzelunternehmer:innen, Freiberufler:innen und Unternehmen der Rechtsformen GbR oder UG (haftungsbeschränkt), die vergleichsweise geringe Umsätze erzielen. Im Detail bedeutet das, dass Sie ein:eine Kleinunternehmer:in sind, wenn Sie

  • im Jahr der Gründung beziehungsweise im vorangegangenen Kalenderjahr einen Gesamtumsatz von nicht mehr als 22.000,00 Euro erzielen und
  • im laufenden Kalenderjahr einen Gesamtumsatz von nicht mehr als 50.000,00 Euro erzielen (Stand: 2022).

Bei Existenzgründungen, die nicht am 1. Januar eines Kalenderjahres starten, ist der unter dem ersten Punkt angegebene Gesamtumsatz durch eine Hochrechnung auf das ganze Kalenderjahr zu bestimmen.

Beispiel: Sie haben sich am 1. April selbstständig gemacht und schätzen Ihren Umsatz bis Jahresende auf 18.000,00 €. Dieser Wert liegt zwar unter 22.000,00 €, wird aber für das ganze Jahr auf 24.000,00 Euro hochgerechnet, was über dem Schwellwert liegt. In diesem Fall können Sie die Kleinunternehmerregelung nicht in Anspruch nehmen.

Zum Umsatz ist noch anzumerken, dass es nicht nur um Erlöse geht, sondern dass laut Gesetz unter Umsatz der „nach vereinnahmten Entgelten bemessene Gesamtumsatz, gekürzt um die darin enthaltenen Umsätze von Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens“ zu verstehen ist.

Die Kleinunternehmerregelung beantragen

Treffen die oben genannten Kriterien auf Sie zu, können Sie beim zuständigen Finanzamt die Kleinunternehmerregelung beantragen. Sie sind aber nicht verpflichtet, diese Regelung in Anspruch zu nehmen. In der Regel teilen Sie dem Finanzamt auf dem „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ mit, ob Sie die Kleinunternehmerregelung nutzen möchten oder nicht. Sollten Sie darauf verzichten, sind Sie allerdings für fünf Jahre an diese Entscheidung gebunden.

Was bedeutet die Kleinunternehmerregelung in der Praxis?

Wenn Sie von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch machen, dann führen Sie für Ihre Leistungen beziehungsweise Verkäufe keine Umsatzsteuer ab. Allerdings bekommen Sie auch die Umsatzsteuer aus Einkäufen (= Vorsteuer) nicht erstattet. Das heißt, Sie sind nicht vorsteuerabzugsberechtigt und brauchen demzufolge keine Umsatzsteuervoranmeldungen zu machen.

Durch die Kleinunternehmerregelung soll Unternehmen bis zu einer bestimmten Umsatzgrenze der zeitliche und finanzielle Aufwand einer Umsatzsteuererklärung abgenommen werden. Damit soll das Wachstum einer noch jungen Firma nicht durch unnötige Belastungen und übermäßige Bürokratie gehemmt werden. Wer unter die Kleinunternehmerregelung fällt, muss außerdem nur eine einfache Buchführung vornehmen. Auf Rechnungen, die Sie an Ihre Kund:innen ausstellen, muss jedoch vermerkt werden, dass Sie unter die Kleinunternehmerregelung fallen.

Wechsel von der Kleinunternehmerregelung in die Regelbesteuerung

Wie schon erwähnt, geben Sie mit dem „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ beim Finanzamt an, dass Sie die Kleinunternehmerregelung für sich beanspruchen möchten. Sie können jederzeit freiwillig in die Regelbesteuerung wechseln. Es kann aber auch sein, dass Sie in die Regelbesteuerung wechseln müssen, wenn Ihre Umsätze die Schwellenwerte überschreiten.

Da Unternehmer:innen in aller Regel ihre zu erwartenden Umsätze seriös abschätzen, passiert das nur sehr selten. Wenn Ihr Jahresumsatz allerdings deutlich höher ausfällt, kann die Umsatzsteuer rückwirkend erhoben werden, was eine empfindliche Nachzahlung darstellt.

Angenommen, Ihre Produkte oder Dienstleistungen müssen mit 19 Prozent versteuert werden, dann würde ein Jahresumsatz von 55.000,00 Euro zu einer Nachforderung von 10.450,00 Euro führen. Eine Überschreitung der Umsatzgrenze hat unweigerlich Auswirkungen auf die Folgejahre. Auch ohne ausdrückliche Aufforderung des Finanzamtes unterliegen Sie in der Folge automatisch der Regelbesteuerung. Das heißt, Sie müssen Umsatzsteuer abführen und eine Umsatzsteuererklärung abgeben.

Vorteile der Kleinunternehmerregelung

Die auch seitens der Gesetzgebung gewünschten Vorteile der Kleinunternehmerregelung liegen klar auf der Hand:
Der bürokratische Aufwand der Umsatzsteuervoranmeldung entfällt für Sie.

Netto ist für Sie gleich Brutto. Sie brauchen auf Rechnungen an Ihre Kund:innen keine gesonderten Umsatzsteuersätze für Ihre Waren oder Dienstleistungen ausweisen.

Sie führen keine Umsatzsteuer ab. Das heißt, bei Privatkund:innen können Sie günstigere Preise machen, weil Sie die Umsatzsteuer nicht auf den Preis aufschlagen müssen.

Nachteile der Kleinunternehmerregelung

Leider ist die Kleinunternehmerregelung nicht frei von Nachteilen.

Da Sie nicht vorsteuerabzugsberechtigt sind, bedeuten die Vorsteuern auf Ihre Einkäufe erhöhte Betriebskosten.

Gegenüber Geschäftskund:innen kann die Rechnung eines Kleinunternehmens ein Image-Problem darstellen. Es kann der Eindruck entstehen, Sie seien kein ernstzunehmender Profi.

Wenn Sie sich mit Ihrem Umsatz in der Nähe der Umsatzschwelle bewegen, schwebt das Damoklesschwert des Wechsels in die Regelbesteuerung über Ihnen. Das würde für Ihre Privatkunden empfindliche Preiserhöhungen bedeuten.

Für wen lohnt sich die Kleinunternehmerregelung?

Die Auflistung der Vor- und Nachteile zeigt, dass diese nicht für jedes vorhandene Geschäftsmodell gleichermaßen gültig sind. Bevor Sie in der Fragebogen-Vorlage des Finanzamts angeben, dass Sie die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen möchten, sollten Sie eine gründliche Analyse in drei Punkten durchführen.

Wie sieht die Struktur Ihrer Betriebskosten aus?

Wer sind Ihre Kund:innen?

Ist Ihre Unternehmung haupt- oder nebenberuflich ausgelegt?

Betriebskosten

Wenn Sie hohe laufende Ausgaben haben oder Investitionen tätigen müssen, dann kann es sinnvoll sein, sich die Vorsteuer vom Finanzamt wiederzuholen und die Kleinunternehmerregelung nicht zu nutzen. Grundsätzlich kann die Erstattung der Vorsteuer bei hohen laufenden Kosten einen Vorteil bei der Liquidität darstellen. Wenn Sie aber beispielsweise wissen, dass Sie zwar für die Existenzgründung eine hohe Anfangsinvestition benötigen, in den Folgejahren die laufenden Kosten jedoch niedrig bleiben, können Sie auch eine „Mischform“ wählen, das heißt, nach fünf Jahren Regelbesteuerung in die Kleinunternehmerregelung wechseln.

Kund:innen

Wenn Ihre Kund:innen hauptsächlich ebenfalls Unternehmen sind, Sie also im B2B-Bereich tätig sind, dann können Sie den Vorteil der geringeren Preise nicht nutzen. Geschäftskund:innen interessiert nur der Netto-Betrag auf Ihren Rechnungen, weil sie vorsteuerabzugsberechtigt sind.

Sollten Ihre Kund:innen allerdings hauptsächlich dem Privatsektor zuzuordnen sein, dann ist die Umsatzsteuer ein elementares Element der Preisgestaltung. Weil Sie als Unternehmen keine Umsatzsteuer abführen müssen, können Sie Ihren Kund:innen im Vergleich zu größeren Konkurrent:innen einen echten Preisvorteil gewähren.

Dieser Vorteil fällt aber je nach Branche unterschiedlich hoch aus. Als Buchhändler:in oder Lebensmittelhändler:in sehen Sie sich mit niedrigeren Mehrwertsteuersätzen Ihrer Konkurrenz konfrontiert, sodass der Brutto-Netto-Unterschied für Ihre Kund:innen kleiner ist.

Neben- oder Haupterwerb

Wenn Sie vom Gewinn Ihrer Geschäftstätigkeit hauptberuflich leben möchten, werden Sie wahrscheinlich ohnehin die Umsatzgrenzen irgendwann überschreiten und in die Regelbesteuerung wechseln müssen. Allerdings gilt eher für Gewerbetreibende, dass sich die Kleinunternehmerregelung im Nebenerwerb auszahlt. Solo-Selbstständige und Freiberufler:innen, die Dienstleistungen anbieten, die mit geringen Nebenkosten behaftet sind, können auch mit hauptberuflich orientierten Geschäftsausrichtungen gut fahren.

Zusammenfassend lässt sich jedoch festhalten, dass von der Kleinunternehmerregelung vor allem nebenberufliche Gewerbetreibende und Selbstständige im Privatkund:innen-Bereich profitieren, die ohne hohe Betriebskosten auskommen.

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