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Jahreswechsel 2021 / 2022

Änderungen in den Rechengrößen der Sozialversicherung
und deren Auswirkungen (Rechenbeispiel)

Alle Jahre wieder… Die der Lohnabrechnung zugrunde liegenden Rechengrößen für die Berechnung der Abgaben an die Sozialversicherung ändern sich mit dem Jahreswechsel 2021 / 2022. Das hat Auswirkungen auf die Personalkosten von Arbeitgeber:innen und auf das Netto im Geldbeutel von Arbeitnehmer:innen.

Beitragsbemessungsgrenze

Die Beitragsbemessungsgrenzen für die Kranken- und Pflegeversicherung bleiben gleich. Die Beitragsbemessungsgrenzen für die Renten- und Arbeitslosenversicherung entwickeln sich in Ost und West unterschiedlich. Während sie im Westen sinkt, steigt sie im Osten weiter an.

Als Grundlage für die Festsetzung durch Bundesregierung und Bundesrat dient die Verdienstentwicklung des Vorjahres. Die Rechengrößen bilden 2022 also die in der Corona-Pandemie bedingte Lohnentwicklung 2020 ab.

Die Grundlage der jährlichen Berechnung der Beitragsbemessungsgrenze RV/AV West ist die Lohnzuwachsrate West. Sie lag im Jahr 2020 bei -0,34%. Die Rechengrößen in den neuen Ländern steigen aufgrund der gesetzlich festgelegten Rentenangleichung Ost unabhängig von der Lohnentwicklung.

Für die Beitragsbemessungsgrenzen KV/PV ist die bundesweite Einkommensentwicklung maßgebend. Hier lag der Wert im Jahr 2020 bei -0,15%.

Neben der Lohnentwicklung sind bei der Fortschreibung der Rechengrößen spezifische Rundungsregelungen zu beachten, die zum Teil dazu führen, dass sich die Rechengrößen gegenüber dem Vorjahr wie hier bei der KV/PV nicht verändern.

Beitragsbemessungsgrenzen 2022

Was ist die Beitragsbemessungsgrenze?

Wikipedia definiert den Begriff wie folgt: „Die Beitragsbemessungsgrenze ist eine Rechengröße im deutschen Sozialversicherungsrecht. Sie bestimmt, bis zu welchem Betrag das Arbeitsentgelt oder die Rente eines gesetzlich Versicherten für Beiträge der gesetzlichen Sozialversicherung herangezogen wird.“ Das heißt, bis zur Beitragsbemessungsgrenze ist das Einkommen eines:r Beschäftigten beitragspflichtig, alles darüber ist beitragsfrei.

Beitragssätze zur Sozialversicherung

Bei den Beitragssätzen zur Sozialversicherung gibt es mit dem Jahreswechsel 2021 / 2022 wie auch schon im Vorjahr kaum Veränderungen. Einzig der Zuschlag in der Pflegeversicherung für Kinderlose steigt von 0,25% auf 0,35% an. Dieser ist alleinig seitens Arbeitnehmer:in zu tragen.

Die Insolvenzgeldumlage sinkt wieder (von 0,12% auf 0,09%) nach dem sich der Prozentsatz beim vorangegangen Jahreswechsel von 0,06% auf 0,12% verdoppelt hatte.

Im letzten Jahr stieg auch der durchschnittliche Zusatzbeitrag zur GKV, um die Corona-Belastungen aufzufangen. Dieser bleibt in diesem Jahr trotz anhaltender Pandemielage aber stabil. Seit Januar 2019 teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber diesen Zusatzbeitrag zur GKV.

Beitragssätze zur Sozialversicherung 2022

Was ist der Faktor F?

Das erklärt sehr gut das BMAS: „Im Übergangsbereich (früher Gleitzone) wird für die Berechnung des Arbeitnehmeranteils in den einzelnen Versicherungszweigen ein vermindertes Entgelt zu Grunde gelegt. Dieses verminderte Entgelt wird ermittelt, indem der Faktor F und das tatsächliche Bruttoentgelt in die sogenannte Formel für den Übergangsbereich eingesetzt werden.“

Beitragszuschuss PKV

Der:die Arbeitgeber:in beteiligt sich mit einem steuerfreien Zuschuss an der privaten Krankenversicherung (PKV) seiner Angestellten. Der maximale Arbeitgeberzuschuss beträgt 2022 wie auch bereits im Vorjahr rund 385 Euro. Den Arbeitgeberzuschuss gibt es auch für privat versicherte Familienangehörige.

Auch der Höchstbeitragszuschuss für die private Pflegeversicherung bleibt 2022 gegenüber dem Vorjahr stabil.

Betriebliche Altersvorsorge

Der steuer- und beitragsfreie Beitrag zur betrieblichen Altersvorsorge sinkt und liegt 2022 bei 3.384 € und damit 24 € unter dem Beitrag 2021.

Arbeitnehmer:innen, die diesen Beitrag 2021 bis zur Grenze ausgeschöpft haben, müssen 2022 auf die durch die Senkung entstandene Differenz sowohl Steuern als auch Beiträge zahlen.

Die Anbieter betrieblicher Altersvorsorge erlauben i.d.R. keine Beitragsreduktion, um wieder unter diese Grenze zu kommen. 

Zudem wird ab 2022 ein Arbeitgeberzuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge verpflichtend.

Höchstbeitragszuschuss PKV und beitrags- und steuerfreier Beitrag zur betrieblichen Altersvorsorge 2022

Weitere wichtige Kennzahlen

  • Minijob Grenze: 450 €
  • Midijob Grenze (Übergangsbereich, früher Gleitzone): 450,01 € – 1300 €
  • Geringverdienergrenze Azubis: 325 €
  • Mindestlohn: Steigt zum 01. Januar 2021 auf 9,50 € und zum 01. Juli nochmal auf 9,60 €. Beachten Sie bei steigendem Mindestlohn in Kombination mit der Minijob-Grenze die Reduktion der maximal möglichen Arbeitszeit.

Rechenbeispiel

In unserem Rechenbeispiel vergleichen wir die Lohnabrechnung eines:r Angestellten mit einem Kind für die Jahre 2021 und 2022.

Aufgrund der Senkung der Lohnsteuer steigt das Netto um 8,50 € pro Monat für 2022 im Vergleich zu 2021. Das entspricht einer Steigerung des Nettolohns um 0,49%.

Für den:die gleiche:n Angestellte:n ohne Kind steigt allerdings der Beitrag zur PV. In diesem Rechenbeispiel wären das 2,5 € pro Monat. Diese Erhöhung frisst die Lohnsteuersenkung nicht vollständig auf; es bleibt ein Nettoplus von 6,50 € pro Monat.

Rechenbeispiel Lohnabrechnung 2022 Brutto Netto für Arbeitnehmer:innen

Weitere Rechengrößen

Bei Personalkosten auf Arbeitgeberseite spielen auch die Umlagen (U1, U2 und Insolvenzgeldumlage) sowie der Zusatzbeitrag zur Krankenversicherung eine Rolle.

Die Umlage U1 (Krankheit) sinkt von 1,0% auf 0,9%. Die Umlage U2 (Mutterschutz) sinkt ebenfalls um 0,1 Prozentpunkte von 0,39% auf 0,29%. Auch die Insolvenzgeldumlage ist wie oben bereits geschrieben rückläufig und sinkt auf 0,09%. Der Zusatzbeitrag zur Krankenversicherung, den Arbeitgeber:innen seit 2019 zur Hälfte tragen, bleibt 2022 stabil.

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Sozialversicherung – eine Definition

Als Grundsatz für die Beitragsberechnung in der Sozialversicherung gilt, dass für jeden Kalendertag der Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung und der Pflegeversicherung Beiträge zu zahlen sind. Das gilt auch für die Arbeitslosenversicherung. Für die Rentenversicherung besteht eine solche Berechnungsvorschrift nicht. Beiträge sind nicht zu zahlen, wenn Tage der Mitgliedschaft als beitragsfreie Zeit gelten.

Für Arbeitnehmer sind die Gesamtsozialversicherungsbeiträge vom Arbeitgeber nach bestimmten rechtlichen Vorgaben zu berechnen. Für die Beitragsberechnung sind folgende Faktoren relevant: Die Beschäftigungsdauer (Sozialversicherungstage), das erzielte Arbeitsentgelt und die maßgebenden Beitragssätze der einzelnen Sozialversicherungszweige. Beitragsbemessungsgrenzen begrenzen das Arbeitsentgelt ggf. bei der Beitragsberechnung.