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Das Jugendarbeitsschutzgesetz:
Das gilt für unter 18-Jährige
in der Arbeitswelt

Was ist das Jugendarbeitsschutzgesetz?

Schulpraktikum, Ferienjob, Ausbildung – auch junge Menschen wollen in die Arbeitswelt starten und früh eigenes Geld verdienen. Dürfen sie das? Ja, sie dürfen, stehen jedoch unter besonderem Schutz. Für minderjährige Beschäftigte und Auszubildende gelten deshalb die Regeln des Jugendarbeitsschutzgesetzes (JArbSchG).

Der Gedanke dahinter: Junge Menschen sind den Anforderungen der Arbeitswelt noch nicht in gleichem Maße gewachsen wie Erwachsene. Das Gesetz soll sie vor Überlastungen und Gefahren am Arbeitsplatz schützen.

Für wen gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz?

Die Regeln des Jugendarbeitsschutzgesetzes gelten für junge Menschen unter 18 Jahren. Dabei ist es unerheblich, ob diese ihr Geld in einer Ausbildung, einem Nebenjob oder mit Gelegenheitsarbeiten verdienen – entscheidend ist allein, dass sie bezahlt beschäftigt sind.

Das Jugendarbeitsschutzgesetz unterscheidet zwischen Kindern und Jugendlichen. Jugendliche:r ist, wer 15, aber noch nicht 18 Jahre alt ist. Wer jünger ist als 15, gilt als Kind und darf grundsätzlich nicht arbeiten. Für Auszubildende, die 18 Jahre oder älter sind, gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz nicht mehr. Zu beachten: Für Jugendliche, die Vollzeit schulpflichtig sind, gelten im Jugendarbeitsschutzgesetz dieselben Regeln wie für Kinder.

Unter welchen Bedingungen dürfen Kinder und Vollzeit schulpflichtige Jugendliche arbeiten?

In Deutschland ist Kinderarbeit verboten (§2 Abs. 1 JArbSchG). Das Jugendarbeitsschutzgesetz lässt jedoch Ausnahmen zu. U. a. unter folgenden Bedingungen dürfen Kinder bzw. Vollzeit schulpflichtige Jugendliche arbeiten:

  • im Rahmen eines Schulpraktikums.
  • über 13-Jährige mit Einwilligung der:des Personensorgeberechtigten, wenn die Beschäftigung leicht und für Kinder geeignet ist (z. B. Zeitungen austragen; Näheres regelt die Verordnung über den Kinderarbeitsschutz, KindArbSchV).
  • Jugendliche während der Schulferien für höchstens vier Wochen im Kalenderjahr.

Welche Arbeitszeit gilt für unter 18-Jährige?

Das Jugendarbeitsschutzgesetz regelt explizit die Arbeitszeiten von Jugendlichen. Die Wegzeit von zu Hause zum Betrieb gehört nicht zur Arbeitszeit, die Anfahrt vom Betrieb zu einem anderen Arbeitsplatz (z. B. einer Baustelle) dagegen schon.

Die Obergrenze: 40 Stunden pro Woche

Die wöchentliche Höchstarbeitszeit für Jugendliche liegt bei 40 Stunden. Ihr Arbeitstag darf höchstens acht Stunden dauern.

Ausnahme: Um früher ins Wochenende gehen zu können, dürfen Jugendliche von Montag bis Donnerstag bis zu je 8,5 Stunden arbeiten. Die Arbeitszeit am Freitag dürfen sie dann entsprechend verkürzen.

Nicht mehr als fünf Tage pro Woche

Für Jugendliche gilt die 5-Tage-Woche. Je nach Branche dürfen Jugendliche auch an Samstagen, Sonn- und Feiertagen arbeiten – das gilt z. B. in Altersheimen, in der Gastronomie oder in Verkehrsbetrieben.

Wichtig: Wenn Jugendliche ausnahmsweise am Samstag, am Sonntag oder an einem Feiertag arbeiten, haben sie Anspruch auf einen anderen freien Tag in derselben Woche.

Frühestens ab 6 Uhr, spätestens bis 20 Uhr

Grundsätzlich gilt für Jugendliche: Arbeitsbeginn frühestens um 6 Uhr, Arbeitsende spätestens um 20 Uhr. Je nach Branche gibt es jedoch Ausnahmen von dieser Regel.

Wichtig: Zwischen Feierabend und Arbeitsbeginn am nächsten Tag müssen mindestens zwölf Stunden frei sein. Und wenn der Berufsschulunterricht am nächsten Morgen vor 9 Uhr beginnt, ist für Jugendliche abends spätestens um 20 Uhr Feierabend.

Pausen müssen sein

Bei einer Arbeitszeit von mehr als 4,5 Stunden sind Pausen von mindestens 30 Minuten vorgeschrieben, auf mehr als 6 Stunden Arbeit kommen insgesamt mindestens 60 Minuten Pause. Eine Pause muss mindestens 15 Minuten dauern.

Wie viel Urlaub steht unter 18-Jährigen zu?

Jugendliche haben Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub. Die Anzahl der Urlaubstage ist nach dem Alter gestaffelt. Der Urlaub beträgt jährlich

  • mindestens 30 Werktage, wenn der:die Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahrs noch nicht 16 Jahre alt ist.
  • mindestens 27 Werktage, wenn der:die Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahrs noch nicht 17 Jahre alt ist.
  • mindestens 25 Werktage, wenn der:die Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahrs noch nicht 18 Jahre alt ist.

Der Urlaub sollte in der Zeit der Berufsschulferien liegen.

Ist Unterricht an der Berufsschule Arbeitszeit?

Der Unterricht an der Berufsschule wird voll auf die Arbeitszeit angerechnet. Für den Unterrichtsbesuch, die Prüfungen und den Tag vor der schriftlichen Abschlussprüfung müssen die Jugendlichen von der Arbeit freigestellt werden. Darüber hinaus gilt:

  • Dauert der Berufsschulunterricht länger als fünf Unterrichtsstunden (à 45 Minuten), sind Jugendliche an diesem Tag von der Arbeit im Betrieb freizustellen.
  • Bei Blockunterricht von mindestens 25 Stunden an mindestens fünf Tagen müssen Jugendliche vom Arbeitgeber bzw. von der Arbeitgeberin für die ganze Woche freigestellt werden.

Was ist die Erstuntersuchung?

Um die Gesundheit von Jugendlichen mit dem Eintritt ins Berufsleben zu schützen, sieht das  Jugendarbeitsschutzgesetz eine Erstuntersuchung vor (§32 JArbSchG). So sollen mögliche Spät- und Dauerschäden, die durch die Arbeit entstehen können, ausgeschlossen werden. Jugendliche, die ihre Berufsausbildung begonnen wollen, dürfen nur beschäftigt werden, wenn dem:der Arbeitgeber:in eine Bescheinigung über die Erstuntersuchung vorliegt. Diese darf höchstens 14 Monate zurückliegen.

Ausnahme: Bei einer geringfügigen Beschäftigung oder bei einer Beschäftigung, die auf höchstens zwei Monate angelegt ist, kann die Erstuntersuchung entfallen, sofern keine gesundheitlichen Nachteile zu befürchten sind.

Welche Arbeiten sind für Jugendliche verboten?

Bestimmte Arbeiten sind für Jugendliche verboten. Dazu zählen laut §22 JArbSchG Arbeiten, die

  • die Leistungsfähigkeit von Jugendlichen übersteigen.
  • mit einer besonderen Unfallgefahr
  • die Jugendlichen außergewöhnlicher Hitze, Kälte oder Nässe
  • mit gesundheitsschädlichem Lärm, gefährlichen Strahlen oder gefährlichen Arbeitsstoffen verbunden sind.

Auch Akkordarbeit ist für Jugendliche verboten.

Ausnahme: Gefährliche Arbeiten und die Arbeit in Akkordgruppen sind zulässig, wenn es für die Ausbildung erforderlich ist.

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