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Midijob

Änderungen der sog. „Gleitzone“ ab Juli 2019 für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Die Möglichkeit, in einem Midijob zu arbeiten, gibt es in Deutschland seit April 2003. Eine andere Bezeichnung dafür lautet Gleitzone: die beiden Begriffe grenzen dieses Arbeitsverhältnis von dem Minijob und der Vollzeittätigkeit ab.

Ab Juli 2019 gelten im Midibereich (dann auch Übergangsbereich genannt) neue Regelungen: Sie betreffen sowohl Arbeitnehmer wie auch Arbeitgeber.

Höhere Einkommensgrenze

Der Midijob beschreibt ein Beschäftigungsverhältnis in Deutschland mit einem regelmäßigen Einkommen zwischen 450,01 Euro und 850 Euro pro Monat. Bis zu diesem Zeitpunkt waren nur Minijobs – also bis 450 Euro Monatseinkommen – komplett frei von Beiträgen zu den Sozialversicherungen (SV). Wer diese 450-Euro-Grenze überschritt in die Gleitzone hinein, zahlte statt Null sofort rund 21 Prozent SV-Beiträge. Um diesen krassen Sprung zu dämpfen, gilt ein Übergangsbereich (neuer Begriff ab 2019 für die ehemalige Gleitzone): In ihm erhöhen sich die Beiträge allmählich von elf auf 21 Prozent, die volle Höhe ist bei 850 Euro Monatseinkommen erreicht. Bei mehreren sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen gilt die Summe Ihrer Verdienste für die Einstufung. Auch einmalige Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld fließen in die Berechnungsgrundlage ein.

All diese Regelungen bleiben im Prinzip unverändert, ab Juli 2019 steigt jedoch die Obergrenze für einen Midijob auf 1300 Euro monatlich.

Infografik: Entgeltgrenzen Midijob / Gleitzone

Steigender Rentenanspruch

Midijob: Volle Rentenpunkte für Arbeitnehmer

Arbeitnehmer profitieren von der Neuregelung ab Juli 2019 in mehrfacher Hinsicht. Grundsätzlich gilt zunächst einmal, dass für alle vier SV-Bereiche Beiträge zu entrichten sind, also zur Renten-, Kranken,- Pflege- und Arbeitslosenversicherung.

Vor allem im Bereich der Rentenansprüche profitieren die Arbeitnehmer von den Neuerungen bei dem Midijob. Erwarben Sie bislang bei Einkommen knapp oberhalb der Minijob-Grenze nur geringe Rentenansprüche, steigen diese nun erheblich an. Dabei wird die bisherige Gleitzone dann zum Übergangsbereich und deckt das Monatseinkommen zwischen 450,01 Euro und 1300 Euro ab. Trotz der reduzierten Beiträge berechnet sich der Rentenanspruch aber so, als seien die vollen Beiträge abgeführt worden. Die Ersparnisse liegen für Beschäftigte in diesem Einkommensbereich in einer spürbaren Größenordnung.

Reduzierte SV-Beiträge

Die am Beispiel der Rente skizzierten reduzierten Beitragszahlungen gelten prinzipiell für alle Sozialversicherungen: also auch für Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung. Neu an den ab Juli 2019 gelten Regelungen ist zudem, dass das „Optionsrecht“ für Arbeitnehmer wegfällt. Bislang können sie selbst entscheiden, ob sie auf die Regelungen in der Gleitzone verzichten wollen.

Die Berufstätigen in einem Midijob unterscheiden sich im Übrigen arbeitsrechtlich nicht von Vollzeitbeschäftigten: Sie genießen unter anderem den Anspruch auf bezahlten Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und den gesetzlichen Mindestlohn.

Profitieren werden von den Neuregelungen für einen Midijob vor allem teilzeitarbeitende Frauen. Das jedenfalls sagt das Deutsche Institut für Wirtschaft (DIW) voraus. Nach seinen Ermittlungen kommen die geplanten Entlastungen zu 80 Prozent Frauen in Arbeitsverhältnissen mit bis zu 25 Wochenstunden zugute.

Tabelle 2: Ersparnis in den SV Abzügen mit Änderungen im Midijob (Gleitzone) 2019
Tabelle 1: Ersparnis in den SV Abzügen mit Änderungen im Midijob (Gleitzone) 2019

Unveränderte Arbeitgeberanteile

Für Arbeitgeber ändert sich mit den Neuregelungen für den Midijob ab Juli 2019 mit Blick auf die Beitragspflicht nichts: Sie zahlen weiterhin für alle vier SV-Träger ihren Beitragsanteil. Der beträgt – unabhängig von den reduzierten Zahlungen für die Arbeitnehmer – unverändert die Hälfte der Summe auf der Berechnungsbasis des erzielten Einkommens. Das sieht die Parität bei der SV-Beitragspflicht generell so vor.

Als Arbeitgeber sind Sie unverändert auch verpflichtet, die Angestellten im Übergangsbeereich (ehemalige Gleitzone) bei allen vier SV-Trägern anzumelden. Bei der Rentenversicherung kommt eine weitere Verpflichtung hinzu: Von den Midijob-Beschäftigten müssen beide Entgelte – das beitragspflichtige und das tatsächlich erzielte – an den Träger gemeldet werden. Generell geht es also für Sie als Arbeitgeber um eine sehr korrekte Klassifizierung der Belegschaft gegenüber den SV-Trägern.

Midijob: Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung unverändert

Kritische Diskussionspunkte

Midijob: Auswirkung Rentenversicherung

Die ab Juli 2019 geltenden Midijob-Neuregelungen erfahren eine durchaus kontroverse Diskussion. So weist zum Beispiel die Deutsche Rentenversicherung (DRV) darauf hin, dass die Belastungen für sie sich auf etwa 200 Millionen Euro pro Jahr belaufen. Ein finanzieller Ausgleich für den Übergangsbereich (ehemalige Gleitzone) ist vom Gesetzgeber nicht vorgesehen. Die DRV sieht den Äquivalenzgrundsatz durch die neuen Midijob-Regelungen verletzt. In diesem Fall bedeutet das konkret: Als Rentenbezieher nach einer Midijob-Tätigkeit erhalten Arbeitnehmer eine Altersversorgung, die durch Ihre Beitragszahlungen nicht vollständig gedeckt ist. Es findet eine Umverteilung in der Rentenversicherung statt zu Lasten derer, die für ihren Leistungsbezug stets den kompletten Beitrag zahlten.

Fehlerhafte Anreize?

Die Diskussion um die neuen Regelungen im Übergangsbereich (vormals Gleitzone) ab Juli 2019 greift weitere Punkte auf. Die Zahl der Beschäftigten im Midijob hat sich seit 2003 in Deutschland auf heute 1,3 Millionen Menschen verdoppelt. Das sind insgesamt 3,9 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer, bei den Frauen beträgt ihr Anteil 5,9 Prozent. Mit den neuen Regelungen ab Juli 2019 werden es 3,5 Millionen Menschen sein, die häufig in den Bereichen Einzelhandel und Gastronomie arbeiten. Beklagt wird in der Diskussion, dass die kommenden Vorgaben prekäre Teilzeitarbeit fördernund gleichzeitig die Sozialversicherungen schwächen.

Auf der anderen Seite beträgt die Entlastung für die Arbeitnehmer im Übergangsbereich (ehemals Gleitzone) nach Berechnungen der Kritiker nur drei bis 23 Euro pro Monat. Sie weisen auch auf Gruppen hin, die steuerlich besonders stark von den Midijob-Regelungen ab Juli 2019 profitieren. Es sind Menschen mit einem gut verdienenden Ehepartner sowie Beamte und Selbstständige, die nebenberuflich im Übergangsbereich (ehemalige Gleitzone) arbeiten. Befürchtet wird aus Sicht dieser Kritiker das Risiko von Fehlanreizen für den Arbeitsmarkt in Richtung Niedriglohnbereich.

Branche: Hotellerie, Hotel und Gastgewerbe

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