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Minijob | 450-Euro-Job wird zum 520-Euro Job

Voraussetzungen, Steuern, Sozialabgaben, Arbeitsrecht u. v. m.

Ab Oktober 2022 wird die Bezeichnung 450-Euro-Job, die der Minijob lange innehatte, hinfällig. Ein Minijob war lange Zeit eine Beschäftigung mit einem Verdienst von höchstens 450 Euro im Monat. Mit der Erhöhung des Mindestlohns ab dem 1. Oktober 2022 auf 12 Euro/Stunde erhöhen sich auch die Verdienstgrenzen im Minijob und Midijob. Der 450-Euro-Job wird quasi zum 520-Euro-Job. Weiterhin gilt: Steuer und Sozialversicherungsabgaben können pauschal vom Arbeitgeber getragen werden. Beschäftigte erhalten so ihren Verdienst „Brutto für Netto“ ausgezahlt.

Voraussetzungen: Wann ist es ein Minijob?

Ob eine Beschäftigung ein Minijob ist, hängt allein vom monatlichen Verdienst ab: Beträgt das Entgelt nicht mehr als 520 Euro pro Monat (450 Euro bis September 2022), handelt es sich um einen Minijob (auch bezeichnet als „geringfügig entlohnte Beschäftigung“).

Wird der Minijob neben einer anderen Beschäftigung ausgeübt, so gilt: ein Minijob neben einer sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung ist zulässig. Mehr als ein Minijob neben einer Hauptbeschäftigung ist nicht möglich – alle Beschäftigungen außer dem ersten Minijob müssen dann als sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen abgerechnet werden.

Wenn Sie eine:n Minijobber:in einstellen möchten, fragen Sie vorab nach weiteren Beschäftigungen.

Minijob als Supporter

Minijob: Steuern und Sozialabgaben

Für einen Beschäftigten im Minijob muss der:die Arbeitgeber:in pauschale Abgaben zur Sozialversicherung abführen:

  • 13 % Krankenversicherung
  • 15 % Rentenversicherung
  • Umlage U1/U2
  • Insolvenzgeldumlage

Insgesamt sind das etwa 30 % Arbeitgeberanteile. Das Beschäftigungsverhältnis Minijob ist damit teurer als ein „normales“ sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis mit etwa 20 % Abgaben durch den Arbeitgeber.

Minijob: Auswirkung Rentenversicherung

Der:die Minijobber:in selbst zahlt 3,6 % des Entgelts als Rentenversicherungsbeitrag. Der:die Minijobber:in kann auf die Rentenversicherungspflicht verzichten. Dann fallen für den:die Beschäftigte:n keine Abgaben an. Der Verzicht auf die Rentenversicherungspflicht beim Minijob muss schriftlich erklärt werden. Die Erklärung muss vom Mitarbeiter unterschrieben werden und mit einem Datum versehen sein. Das Dokument müssen Sie zu den Lohnunterlagen nehmen und bei einer Betriebsprüfung vorlegen können.

Der Verzicht gilt ab dem Monat, in dem Ihnen die Erklärung vorliegt. Am besten fragen Sie gleich bei der Einstellung eines Minijobbers bzw. einer Minijobberin, ob der:die Beschäftigte eigene Beiträge zur Rentenversicherung zahlen möchte, z. B. mittels eines Personalfragebogens.

Zahlt ein:e Minijobber:in eigene Beiträge zur Rentenversicherung, dann wird der Minijob voll in der Rentenberechnung berücksichtigt. Da das Entgelt auf 520 Euro begrenzt ist, entsteht auch nur ein entsprechend geringer Rentenanspruch. Aber die Beschäftigung wird voll auf die Beitragszeiten angerechnet. Ein rentenversicherungspflichtiger Minijob kann daher sinnvoll sein, um fehlende Beitragszeiten aufzufüllen.

Die Lohnsteuer kann beim Minijob mit 2 % pauschaliert werden. In den 2 Prozent sind neben der Lohnsteuer auch pauschale Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag enthalten („einheitliche Pauschsteuer“). Die pauschale Lohnsteuer kann der:die Arbeitgeber:in übernehmen.

Alternativ kann die Lohnsteuer beim Minijob auch mit Lohnsteuerklasse abgerechnet werden. Ist der Minijob die einzige Beschäftigung, dann gilt Steuerklasse 1-5, je nach Gegebenheiten des:der Mitarbeiters:in. Mit Steuerklasse 1 – 4 fällt bis 520 Euro keine Lohnsteuer an.

Zuständige Krankenkasse für einen Minijob ist die Knappschaft-Bahn-See. Unabhängig davon, bei welcher Krankenkasse ein Minijobber tatsächlich krankenversichert ist, ist er bei der Knappschaft-Bahn-See anzumelden. Auch die Sozialversicherungsbeiträge für Minijobber sind an die Knappschaft-Bahn-See abzuführen. Im Beitragsnachweis für den Minijob ist zudem die 2 % Pauschsteuer enthalten – diese Lohnsteuer wird nicht über die Lohnsteueranmeldung abgeführt.

Meldung der Steuer-ID an die Bundesknappschaft

Seit 2022 müssen Arbeitgeber:innen die Steuer-ID ihrer Minijobber:innen an die Bundesknappschaft in den elektronischen Meldeverfahren übermitteln. Dies gilt unabhängig davon, ob eine pauschale oder eine individuelle Besteuerung nach der Lohnsteuerklasse vorgenommen wird. Arbeitgeber:innen müssen ebenfalls die Art der Versteuerung übermitteln.

Tipp: Kümmern Sie sich frühzeitig um die Steuer-ID Ihrer Arbeitnehmer:innen, damit Sie nicht unter  Zeitdruck geraten.

Die Steuer-ID finden Ihre Beschäftigten folgendermaßen:

  • auf der Lohnsteuerbescheinigung
  • dem Einkommensteuerbescheid
  • dem Schreiben des Bundeszentralamts für Steuern bei der erstmaligen Vergabe einer Steuer-Identifikationsnummer oder
  • dem Schreiben des Finanzamts vom Oktober / November 2011 mit der Information über die gespeicherten elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale (kurz: ELStAM)

Sind diese Dokumente nicht auffindbar oder ist noch keine Steuer-ID vorhanden, können Sie Ihre Beschäftigten darauf hinweisen, dass sich diese auf der Seite des Bundeszentralamts für Steuern beantragen lässt.

Arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen für den Minijob

Ein:e Beschäftigte:r im Minijob ist in rechtlicher Hinsicht ein:e Arbeitnehmer:in in Teilzeit. Deshalb hat er:sie die gleichen Ansprüche wie jede:r andere Arbeitnehmer:in auch.

Ein:e Minijobber:in hat Anspruch auf bezahlten Urlaub sowie Entgeltfortzahlung bei Krankheit und an Feiertagen.

Außerdem muss der gesetzliche Mindestlohn eingehalten werden.

Empfehlung: In unserem Blog widmet sich Autorin Carola Heine mit spitzer Feder dem Minijob als Arbeitsverhältnis voller Missverständnisse >>

Recht

Phantomlohn oder Fiktivlohn in der Betriebsprüfung

In der Sozialversicherung gelten als Arbeitsentgelt alle Entgeltbestandteile, auf die der:die Mitarbeiter:in rechtlich Anspruch hat – etwa durch Arbeits-/Tarifvertrag, gesetzliche Vorgaben oder betriebliche Übung. Die Sozialversicherungspflicht des Arbeitsentgelts besteht unabhängig davon, ob die Entgeltbestandteile tatsächlich ausgezahlt worden sind. In Betriebsprüfungen wird dies verstärkt geprüft.

Minijob in der Gebäudereinigung

Widerrechtlich nicht ausgezahlte Entgeltbestandteile werden von der:dem Prüfer:in als Arbeitsentgelt angesetzt und die darauf entfallenden Beiträge nacherhoben. Bei einem Minijob kann solcher „Fiktivlohn“ unter Umständen zudem dazu führen, dass die 520- Euro-Grenze überschritten wird und die Beschäftigung nicht mehr als Minijob gilt.

Typische Fälle für Phantomlohn sind:

  • Mindestlohn: Der Mindestlohn beträgt seit dem 1. Oktober 2022 12,00 EUR pro Stunde. Der Mindestlohn kann nicht durch eine Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer:in und Arbeitgeber:in ausgeschlossen werden. Auch kann ein:e Mitarbeiter:in mit Minijob nicht von sich aus auf den Mindestlohn verzichten. Vom Mindestlohn ausgenommen sind lediglich Praktikant:innen, die ein vorgeschriebenes Praktikum ausüben, Auszubildende und Jugendliche unter 18 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung.
  • Lohnfortzahlung bei Urlaub, Krankheit: Werden neben Stundenlohn für den Minijob auch Zuschläge z. B. für Nacht-, Sonntags- oder Feiertagsarbeit gezahlt, dann sind die Zuschläge auch während Urlaub oder Krankheit fortzuzahlen: Allerdings sind die fortgezahlten Zuschläge nicht steuerfrei, sondern steuerpflichtig und damit auch sozialversicherungspflichtig.
  • Gleichbehandlungsgrundsatz: Ein:e Beschäftigte:r im Minijob darf nicht ohne sachlichen Grund schlechter gestellt werden als andere Arbeitnehmer:innen mit vergleichbaren Tätigkeiten. Werden z. B. anderen Beschäftigten Zulagen gezahlt und übt der:die Minijobber:in die gleichen Arbeiten aus, dann kann auch der:die Mitarbeiter:in im Minijob Anspruch auf diese Zulagen haben.

Überschreiten der 520-Euro-Entgeltgrenze

Ab Oktober 2022 ändern sich die Regeln in Bezug auf das Überschreiten der Verdienstgrenze von 520 Euro.

In bestimmten Fällen kann das Entgelt im Minijob 520 Euro dennoch übersteigen und die Beschäftigung trotzdem ein Minijob bleiben.

Schwankende Entgelte

Wenn der Verdienst nur gelegentlich und unvorhersehbar überschritten wird, dann kann der Job weiterhin als Minijob gelten. Zu berücksichtigen sind dabei nur die Überschreitungen, bei denen die Jahresverdienstgrenze von 6.240 Euro (in dem von dem:der Arbeitgeber:in gewählten Prognosezeitraum für die Ermittlung des durchschnittlichen monatl. Arbeitsentgelts) nicht überschritten wird.

Gesetzlich gilt ab Oktober 2022: Verdient der:die Arbeitnehmer:in innerhalb eines Zeitjahres in zwei Kalendermonaten mehr als 520 Euro, so gilt dieses Überschreiten der Verdienstgrenze als gelegentlich. Geht das Überschreiten der Verdienstgrenze über diese zwei Monate hinaus, gilt die Beschäftigung als sozialversicherungspflichtig. Für diese Kalendermonate muss der:die Arbeitnehmer:in bei der Krankenkasse und nicht bei der Minijob-Zentrale gemeldet sein.

Hinweis: Ab Oktober 2022 gilt eine maximale Verdienstgrenze beim unvorhersehbaren Überschreiten des monatlichen Verdienstes von 520 Euro. Die Grenze liegt bei 1.040 Euro im Kalendermonat. Im Ausnahmefall kann der:die Minijobberin in einem Kalenderjahr somit 7.280 Euro verdienen.

Beispiel 1

Im Oktober 2022 nimmt Frau Jahn einen Minijob an. In den Monaten Dezember und Januar erhöht sich ihr Verdienst aufgrund von Krankheitsvertretungen auf monatlich 1.040 Euro.

Es liegt weiterhin ein Minijob vor, da es sich um ein gelegentliches und unvorhergesehenes Überschreiten der Verdienstgrenze innerhalb des Zwölf-Monate-Zeitraums (1.2.2022 bis 31.1.2023) handelt und der Verdienst monatlich nicht die Grenze von 1.040 überschritten hat.

Beispiel 2

Frau Jahn, die im Oktober 2022 ihren Minijob angetreten hat und in den Monaten Dezember und Januar aufgrund von Krankheitsvertretungen in diesen Monaten jeweils 1.040 Euro verdient hat, verdient aufgrund einer weiteren Vertretung im Mai 2023 noch einmal 1.040 Euro.

Im maßgebenden Zeitraum (1.6.2022 bis 31.5.2023) hat Frau Jahn nun dreimal die Verdienstgrenzen von 520 Euro überschritten. Frau Jahn muss somit für den Zeitraum 1.5. bis 31.5.2023 als sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmerin bei der Krankenkasse gemeldet werden.

Was gilt bei Überschreiten der Verdienstgrenze bis zum 30. September 2022?

 

Ein unvorhersehbares Überschreiten der 520-Euro-Grenze innerhalb eines Zeitjahres für max. drei Kalendermonate ist für Beschäftigungszeiträume bis 30. September 2022 möglich. Die Höhe des Verdienstes in diesen drei Monaten spielt keine Rolle.

Was gilt bei Überschreiten der Verdienstgrenze im Oktober 2022?

 

Wurde die Verdienstgrenze vor Oktober 2022 bereits schon einmal überschritten und im Oktober 2022 nochmals, ist die geltende Rechtslage entscheidend, die im Monat des unvorhergesehenen Überschreitens gilt. Folgende Fälle könnten möglich sein:

  1. Wenn die Verdienstgrenze im zurückliegenden Zwölf-Monats-Zeitraum (November 2021 bis Oktober 2022) bereits bis zum 30. September 2022 dreimal unvorhersehbar überschritten wurde, ist eine nochmalige Überschreitung im Oktober 2022 nicht mehr zulässig.
  2. Wenn die Verdienstgrenze im zurückliegenden Zwölf-Monats-Zeitraums unvorhersehbar zweimal überschritten wurde, ist eine nochmalige Überschreitung im Oktober 2022 nicht zulässig.
  3. Wenn die Verdienstgrenze innerhalb des zurückliegenden Zwölf-Monats-Zeitraums noch nicht oder erst einmal unvorhersehbar überschritten, darf die Verdienstgrenze im Oktober 2022 überschritten werden bis zur Höhe von 1.040 Euro.

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